Rede von Sevim Dağdelen (DIE LINKE) – Drucksache 16/4201
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 11: Drucksache 16/4201 –.
Text
Rede von Sevim Dağdelen (DIE LINKE) – Drucksache 16/4201
Welches? Das von Frau Köhler oder von mir? –
Vielen Dank für die Zulassung der Zwischenfrage, Frau
Köhler.
Die Weltkonferenz gegen Rassismus,
Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit
einhergehender Intoleranz hat festgestellt, dass es bei Rassismus
nicht nur um Rechtsextremismus geht. Der Rassismus ist
ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Der Begriff
schließt auch die Ausgrenzung von Menschen ein, die
bestimmten Normen nicht entsprechen, die zum Beispiel
bestimmten Leistungsnormen oder dem Mainstream in
unserer Gesellschaft nicht entsprechen, die zum Beispiel
obdachlos sind. Da Sie über die Begrifflichkeiten
„Rassismus“, „Rechtsextremismus“ und „Weltbild“ streiten
möchten, möchte ich Sie als Mitglied der
Regierungskoalition fragen: Was tun Sie gegen den Rassismus? 2001
wurde eine Selbstverpflichtung unterzeichnet. Jetzt
haben wir 2007. Was tun Sie konkret gegen Rassismus?
Kristina Köhler (Wiesbaden) (CDU/CSU):
Frau Kollegin Dağdelen, ich freue mich zunächst
einmal, dass Sie mir darin zustimmen, dass Rassismus von
jeder Ethnie ausgehen kann und in Deutschland von je-der Ethnie verübt wird und jede Gruppe Opfer und Täter
sein kann.
(Sevim Dağdelen [DIE LINKE]: Das steht
auch im Antrag!)
– Nein. Es wäre ja schön, wenn das so in Ihrem Antrag
stünde. In der Begründung Ihres Antrags werden
Migrantinnen und Migranten aber ausschließlich als Opfer
bezeichnet. Sie brechen den Sachverhalt auf diese
Konstellation und auf diese Definition von Rassismus
herunter. Ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich in Ihrem
Antrag ein einziges Mal die Erkenntnis gelesen hätte, dass
es zunehmend auch einen deutschenfeindlichen
Rassismus gibt. Ich habe das in der Begründung nicht
gefunden. Vielleicht können Sie mir das ja zeigen. Ich glaube
aber nicht, dass Sie mir das zeigen können.
(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Im ersten
Absatz!)
Vielleicht wollen Sie meinen Ausführungen nicht
zuhören, oder Sie halten sie von vornherein für
problematisch. Vielleicht hören Sie aber auf die Erfahrungen einer
Schülerpraktikantin der Amadeu-Antonio-Stiftung, die
eine Plattform gegen Rechtsextremismus betreibt. Ein
junges Mädchen, das sich selbst als links bezeichnet,
schreibt dort in ihrem Erfahrungsbericht – er ist im
Internet veröffentlicht ist; Sie können ihn nachlesen –:
Leider entwickelt sich bei mir in der Umgebung (im
Süden Berlins) der Trend, dass Rassismus auch und
vor allem von einer Reihe Jugendlicher türkischer
Herkunft ausgeht. So wurde vor kurzem eine sehr
gute Freundin von mir auf Grund ihrer blonden
Haare als „deutsche Kartoffel“ bezeichnet, ihr auf
dem Schulweg aufgelauert und umringt von
mehreren Personen wurde ihr ins Gesicht geschlagen.
Mit sich reden ließen diese Jugendlichen nicht.
Daran sieht man unter anderem mal wieder, dass
Rassisten nicht allzu viel im Kopf haben.
Meine Damen und Herren, ich verrate Ihnen
sicherlich kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass linke
Gruppen dieses Mädchen anschließend als Rassistin
beschimpft haben. Ich verrate Ihnen aber auch kein
Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass die CDU/CSU und
die Bundesregierung auch gegen diese Form des
Rassismus vorgehen werden.
(Beifall bei der CDU/CSU – Sevim Dağdelen [DIE
LINKE]: Sie reden am Thema vorbei!)
Die Bundesregierung hat angekündigt, dass der
Entwurf für einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus
im ersten Halbjahr 2007 vorgelegt werden soll. Wir
gehen davon aus, dass rassistische Diskriminierung dort
vollumfänglich angesprochen werden wird. Zentrale
Elemente dieses Aktionsplans wurden bereits
umgesetzt, etwa das neue Programm „Jugend für Vielfalt,
Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. Der
Innenminister hat zu Recht wiederholt erklärt, dass es der
Kombination verschiedener Maßnahmen bedarf, um den
Extremismus und den Rassismus zu bekämpfen, vor
allem aber der Stärkung der Zivilgesellschaft und der Zi-
Kristina Köhler (Wiesbaden)vilcourage. Die CDU/CSU wird den Innenminister dabei
mit voller Kraft unterstützen.
Relationen
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