Klimaziele einhalten - Militäremissionen vollständig erfassen und reduzieren
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Klimaziele einhalten - Militäremissionen vollständig erfassen und reduzieren
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8930
21. Wahlperiode 03.11.2026
Antrag
der Abgeordneten Dr. Fabian Fahl, Violetta Bock, Marcel Bauer, Lorenz Gösta
Beutin, Jorrit Bosch, Katalin Gennburg, Vinzenz Glaser, Mareike Hermeier, Ina
Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, Luigi Pantisano, David Schliesing, Sascha
Wagner und der Fraktion Die Linke
Klimaziele einhalten – Militäremissionen vollständig erfassen und reduzieren
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Klimaziele sind ohne vollständigen Einbezug des Militärs nicht zu erreichen.
Das Ziel der Klimaneutralität wird ausgehöhlt, wenn ein wesentlicher Teil
staatlicher Emissionen nicht in Bilanzen und Klimaziele einfließt. Militärische
Treibhausgasemissionen umfassen global ca. 5,5 % der gesamten Emissionen und
werden bislang auch von Deutschland nicht ausreichend bei der Berichterstattung
berücksichtigt. Die globale Klimapolitik basiert somit auf mangelhaften Daten. Dies
gilt auch für Deutschland: Während die Emissionen für das Jahr 2021 in einer
Studie auf 10 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (im Folgenden nur CO2)
geschätzt werden (https://umwelt-militaer.org/sgr-emissionen-global/), gab die
damalige Bundesregierung für die Bundeswehr jedoch nur 1,7 Millionen Tonnen
CO2 an (Bundestagsdrucksache 20/1829). Mit den deutlich steigenden Ausgaben,
insbesondere auch aus dem Sondervermögen Bundeswehr, werden die
Emissionen weiter steigen.
Laut dem Kyoto-Protokoll und dem Übereinkommen von Paris ist es den Staaten
überlassen, ob sie Militäremissionen bei ihren Klimazielen berücksichtigen. Viele
Staaten berichten daher weniger als 10 % der tatsächlichen Emissionen
(https://www.sgr.org.uk/resources/most-militaries-report-less-10-percent-their-
carbon-footprint). Diese Freiwilligkeit ist wegen angeblicher
Sicherheitsbedenken politisch, nicht sachlich entschieden worden (COP3). Norwegen, das
Vereinigte Königreich und Deutschland veröffentlichen jedoch teilweise
Militäremissionsdaten, ohne dass sich daraus ein Sicherheitsrisiko ergibt. Militärausgaben,
Flottenstrukturen und Personalzahlen sind allerdings öffentlich zugänglich und
deutlich sensibler als Emissionsdaten. Zudem ist es ein Risiko, Emissionsdaten
nicht vollständig zu melden und in die Klimaziele aufzunehmen, da es die
verfügbare Datengrundlage für Klimapolitik schwächt, einen großen Bereich der
Treibhausgasemissionen ausschließt und somit selbst ein Sicherheitsrisiko für unsere
Lebensgrundlagen darstellt.
Das EU-Parlament hat 2023 die Mitgliedstaaten in einer Entschließung
aufgefordert, Militäremissionen in nationale Klimaziele einzubeziehen
(P9_TA[2023]0407). Deutschland meldet bisher nur Teile der Militäremissionen
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
https://dserver.bundestag.de/btd/19/162/1916217.pdf). Es gibt keine
Reduktionsziele für die Gesamtemissionen des Militärs und keine verbindlichen
Systemgrenzen. Entsprechend fehlt auch die Einbettung in nationale Klimaziele. Emissionen
durch Übungen und Auslandseinsätze werden bisher weder beim entsendenden
Land noch beim Zielland in der Klimabilanz berücksichtigt. Dabei sind der
Klimawandel und seine Auswirkungen selbst ein zentrales Sicherheitsproblem. Es
reicht selbstverständlich nicht aus, Militäremissionen nur zu erfassen und den
Bundeswehrbestand „klimafreundlicher“ zu machen. Das Ziel muss vielmehr
sein, national sowie international abzurüsten.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. Militäremissionen vollständig in den jährlichen Klimaschutzbericht der
Bundesregierung und in die nationalen Klimaziele zu integrieren und sich dabei
an Norwegen zu orientieren; dazu
a) verbindliche Systemgrenzen für Militäremissionen zu definieren, die
Liegenschaften, Fuhrpark, Beschaffung, Rüstungsunternehmen (Scope
3), Übungen, Auslandseinsätze und Rüstungsexporte erfassen;
b) einen Gesetzentwurf vorzulegen, mit dem die Bundeswehr-
Klimabilanz wie in den zivilen Sektoren einer unabhängigen Prüfung durch das
Umweltbundesamt unterliegt;
2. sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, dass alle Staaten im
Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention sämtliche Militäremissionen bei ihren
Klimazielen und Emissionsinventaren verpflichtend berücksichtigen,
transparent und überprüfbar machen sowie auf eine Emissionsreduktion durch
Abrüstung hinwirken;
3. sich für Frieden und Diplomatie einzusetzen und gleichzeitig
Militäremissionen zu reduzieren und dafür
a) die Rüstungsausgaben erheblich zu senken;
b) Rüstungsexporte zu beenden;
c) die Umstellung von Rüstungsbetrieben auf zivile Produktion zu fördern
und die Umstellung von zivilen Betrieben auf Rüstungsproduktion zu
unterbinden;
d) Auslandseinsätze der Bundeswehr zu beenden;
e) den gesamten Spritverbrauch der Bundeswehr (d.h. auch für Flugzeuge,
Panzer, Schiffe etc.) zu reduzieren;
f) sich diplomatisch für die Beendigung von Kriegen und friedliche
Konfliktlösungen einzusetzen;
g) die für die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des
Bruttoinlandsprodukts vorgesehenen Mittel stattdessen in Infrastruktur
einschließlich natürlicher Infrastruktur, in Klimaschutz,
Klimaanpassung und Bevölkerungsschutz zu investieren.
Berlin, den 3. November 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
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