Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
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Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6613
21. Wahlperiode 23.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sonja Lemke, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit Bosch,
Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Christian
Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada Salihović,
David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt,
Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
In den Haushaltsberatungen für 2026 hat der Deutsche Bundestag Mittel in
Höhe von 50 Mio. Euro jährlich im Einzelplan des Bundesministeriums für
Forschung, Technologie und Raumfahrt für eine „Nationale Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen“ bereitgestellt. Begleitend kursierte ein
Eckpunktepapier der Abgeordneten Stephan Albani und Dr. Karl Lauterbach, in
dem als Eckpfeiler die Ausrufung einer Nationalen Dekade nach Vorbild der
Nationalen Dekade gegen Krebs bis 2036, eine Gesundheits-Challenge zur
Bekämpfung postinfektiöser Erkrankungen (PE), ein zentrales
Steuerungsgremium, Förderlinien zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und des
Kapazitätsaufbaus, der Aufbau einer nationalen Daten- und Biobank-
Infrastruktur und verbindliche und gleichberechtige Integration von
Patientenvertretungen in alle Entscheidungs- und Steuerungsgremien der Dekade
benannt wurden.
Am 30. Januar 2026 verkündete das Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt den offiziellen Start der Dekade und benannte das
Bundesministerium für Gesundheit, die NAKO Gesundheitsstudie, das Netzwerk
Universitätsmedizin, den Bereich Gesundheitsforschung der Leibniz-
Gemeinschaft, den Bereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft, die
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, das Berlin Institute of Health und den
Verband forschender Arzneimittelhersteller als offizielle Partner der Dekade. In
einer Gemeinsamen Erklärung wurden als zentrale Maßnahmen der Aufbau
einer nationalen PE‑Kohorte, Genom- und Multi-Omics-Infrastruktur,
Projektförderung mit Fokus auf Translation, Klinische Studien, Nachwuchsförderung
und Kapazitätsaufbau und die Stärkung der Partizipation und Kommunikation
genannt. In einem Steuerungskreis sollen alle Partner die Dekade ausgestalten
und konkrete Meilensteine erarbeiten.
Am 27. Februar 2026 gab das Bundesforschungsministerium bekannt, dass der
Steuerungskreis zum ersten Mal getagt habe und sich auf drei konkrete
Maßnahmen geeinigt habe: 1. Aufbau einer umfangreichen Datenbasis zu
postinfektiösen Krankheiten, insbesondere durch Erbgutsequenzierungen auf Basis
bestehender Kohorten; 2. die Stärkung der Durchführung klinischer Studien durch
entsprechende Fördermaßnahmen und 3. die Einsetzung von drei
Arbeitsgruppen zu Translationsforschung, zu Forschungsinfrastrukturen sowie Daten und
Bioproben sowie zu versorgungsnaher Forschung. Als im Steuerungskreis
vertretene Institutionen wurden neben den bereits genannten Partnern das
Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes
Mecklenburg-Vorpommern, das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit,
Pflege und Prävention, der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen
Bundesausschuss, die Stabsstelle Patientenbeteiligung im Innovationsausschuss beim
Gemeinsamen Bundesausschuss und die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS
(Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) genannt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Ist das Papier „Eckpunkte: Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“
der Abgeordneten Dr. Karl Lauterbach und Stephan Albani vom 24.
Oktober 2025 Arbeitsgrundlage für die Bundesregierung bzw. den
Steuerungskreis bei der Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen?
2. Plant die Bundesregierung bzw. der Steuerungskreis eine „Große
Gesundheits-Challenge“ wie in Säule 2 des Lauterbach-Albani-Papiers
vorgesehen?
3. Verfolgt die Bundesregierung die Absicht, eine „verbindliche und
gleichberechtigte Integration von Patientenvertretungen in alle Entscheidungs-
und Steuerungsgremien der Dekade“, wie in Säule 6 des Lauterbach-
Albani-Papiers vorgesehen, sicherzustellen?
4. Wie, und nach welchen Kriterien wurden die Partner für die Nationale
Dekade ausgewählt?
5. Warum befindet sich unter den Partnern der Nationalen Dekade – anders
als bei der Nationalen Dekade gegen Krebs und anders als im Lauterbach-
Albani-Papier vorgesehen – keine Vertretung der Versorgung wie
beispielsweise die Bundesärztekammer?
6. Warum befindet sich unter den Partnern der Nationalen Dekade – anders
als bei der Nationalen Dekade gegen Krebs und anders als im Lauterbach-
Albani-Papier vorgesehen – keine Patientinnen- und Patienten- bzw.
Betroffenenorganisation?
7. Womit ist der Status als Partner der Nationalen Dekade, abgesehen von
der Teilnahme am Steuerungskreis, verbunden?
8. Welchen eigenen Beitrag zur Nationalen Dekade planen die einzelnen
Partner gegebenenfalls, die über die Teilnahme am Steuerungskreis,
bereits geplante Vorhaben und aus dem Haushalt des
Bundesforschungsministeriums finanzierte Projekte hinausgehen?
9. Wie, und nach welchen Kriterien wurden die im Steuerungskreis der
Nationalen Dekade vertretenen Organisationen ausgewählt?
10. Welche genauen Aufgaben und Befugnisse hat der Steuerungskreis, und
inwieweit handelt es sich um ein Beratungs- bzw.
Entscheidungsgremium?
11. Welche organisatorische oder finanzielle Unterstützung erhält der
Steuerungskreis für seine Arbeit?
12. Nach welchem Modus bezüglich Stimmrechte und Mehrheiten trifft der
Steuerungskreis Entscheidungen?
13. Welche Entscheidungen hat der Steuerungskreis bis jetzt getroffen?
14. Welche jeweiligen Termine und Themen sind für zukünftige Sitzungen
des Steuerungskreises vorgesehen?
15. Wie sind die bis jetzt eingesetzten Arbeitsgruppen des Steuerungskreises
zusammengesetzt, und welche weiteren Arbeitsgruppen sollen eingesetzt
werden?
16. Womit genau sollen sich die bis jetzt eingesetzten Arbeitsgruppen jeweils
befassen?
17. Handelt es sich bei den „zwei Betroffenenorganisationen“, die laut
Aussage der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Dorothee Bär am 25. März 2026 im Forschungsausschuss im
Steuerungskreis vertreten sind, neben der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS um
die Stabsstelle Patientenbeteiligung im Innovationsausschuss beim
Gemeinsamen Bundesausschuss, und wenn nein, um wen dann?
18. Auf welche Weise bringt die Stabsstelle bzw. eine andere ggf. beteiligte
nicht spezialisierte Vertretung von Betroffenen die spezifische Perspektive
und Expertise der Betroffenen postinfektiöser Krankheiten in den
Steuerungskreis ein?
19. In welcher Form ist geplant, die Einbeziehung spezifischer
wissenschaftlicher Expertise oder spezifischer Betroffenenperspektiven (beispielsweise
betroffener Kinder und Jugendlicher) in die Arbeit des Steuerungskreises
zu organisieren?
20. Welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung für das von
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär am 25. März 2025 im
Forschungsausschuss angekündigte zusätzliche Beteiligungsformat, das allen
Betroffenenorganisationen offenstehen soll?
21. Wie ist die Aussage von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär am
25. März 2026 im Forschungsausschuss zu verstehen, biomedizinische
Forschung stehe „im Mittelpunkt“ der Nationalen Dekade und der Fokus
liege „nicht auf der Psychosomatik“?
22. Inwieweit ist geplant, aus den Mitteln der Nationalen Dekade andere
Maßnahmen als biomedizinische Forschung, dazugehörige Infrastruktur
und Begleitmaßnahmen zu finanzieren?
23. Schließt die Bundesregierung aus, aus den Mitteln der Nationalen Dekade
Forschungsvorhaben zu finanzieren, die psychosomatische
Erklärungsansätze verfolgen?
24. Was soll in dem in der Gemeinsamen Erklärung zur Nationalen Dekade
angekündigte Teilthemenfeld „Psychische Gesundheit“ der
Projektförderung in welchem Umfang gefördert werden, und welche Rolle spielen
dabei psychosomatische bzw. biopsychosoziale Ansätze?
25. Welche Rolle sollen die Felder der Grundlagenforschung, der klinischen
Forschung, der Versorgungsforschung und der Forschungsinfrastruktur
innerhalb der Nationalen Dekade spielen, und wie spiegelt sich das in der
geplanten Mittelverteilung wider?
26. Welche Rolle soll insbesondere die Medikamentenforschung im Rahmen
der Nationalen Dekade spielen?
27. Inwieweit sind innerhalb der Nationalen Dekade geplante Maßnahmen auf
spezielle Untergruppen postinfektiöser Krankheiten (ME/CFS,
Long-COVID, Post-Vac etc.) ausgerichtet, und wie wird dabei eine
geeignete Kohortenbildung sichergestellt?
28. Worauf genau bezieht sich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär mit
der am 25. März 2026 im Forschungsausschuss geäußerten Einschätzung,
Teile der Berichterstattung zum Zustandekommen der Nationalen Dekade
wären „von vorn bis hinten […] falsch“?
29. Auf die Verwendung welcher genauen Mittel erstreckt sich die
Zuständigkeit des Steuerungskreises, sowohl im Rahmen der im Forschungshaushalt
zur Verfügung gestellten 50 Mio. Euro pro Jahr als auch darüber hinaus?
30. Welche über den Bundeshaushalt hinausgehenden Mittel – einschließlich
der Länder und anderer öffentlicher oder privater Akteure – sollen im
Rahmen der Nationalen Dekade aktiviert oder berücksichtigt werden?
31. Welche konkreten Fördermaßnahmen werden im Rahmen der Nationalen
Dekade fortgeführt, welche wurden neu begonnen, und welche sind
geplant?
32. Welcher Teil der für die Nationale Dekade vorgesehenen 50 Mio. Euro für
dieses Haushaltsjahr und kommende Haushaltsjahre, jeweils nach
Maßnahmen und Jahren aufgeschlüsselt, ist bereits
a) verausgabt,
b) verbindlich verplant und
c) darüber hinaus für konkrete Maßnahmen vorgesehen?
33. Welchen voraussichtlichen Mittelbedarf veranschlagt die Bundesregierung
jeweils für die in der Gemeinsamen Erklärung benannten bzw. vom
Steuerungskreis beschlossenen Maßnahmen?
34. In welchem Verhältnis steht die vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt und Bundesministerium für Gesundheit im
November 2025 verkündete „Allianz für postinfektiöse Erkrankungen“ zu
den Vorhaben und Strukturen der Forschungsdekade, und welche
Vorhaben sind unter ihrem Dach geplant?
Berlin, den 22. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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