Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen (Antwort zu Drs. 21/6613)
Text
Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen (Antwort zu Drs. 21/6613)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7275
21. Wahlperiode 21.07.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sonja Lemke, Nicole Gohlke,
Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/6613 –
Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In den Haushaltsberatungen für 2026 hat der Deutsche Bundestag Mittel in
Höhe von 50 Mio. Euro jährlich im Einzelplan des Bundesministeriums für
Forschung, Technologie und Raumfahrt für eine „Nationale Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen“ bereitgestellt. Begleitend kursierte ein
Eckpunktepapier der Abgeordneten Stephan Albani und Dr. Karl Lauterbach, in
dem als Eckpfeiler die Ausrufung einer Nationalen Dekade nach Vorbild der
Nationalen Dekade gegen Krebs bis 2036, eine Gesundheits-Challenge zur
Bekämpfung Postinfektiöser Erkrankungen (PE), ein zentrales
Steuerungsgremium, Förderlinien zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und
des Kapazitätsaufbaus, der Aufbau einer nationalen Daten- und Biobank-
Infrastruktur und verbindliche und gleichberechtige Integration von
Patientenvertretungen in alle Entscheidungs- und Steuerungsgremien der Dekade
benannt wurden.
Am 30. Januar 2026 verkündete das Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt den offiziellen Start der Dekade und benannte das
Bundesministerium für Gesundheit, die NAKO Gesundheitsstudie, das
Netzwerk Universitätsmedizin, den Bereich Gesundheitsforschung der Leibniz-
Gemeinschaft, den Bereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft, die
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, das Berlin Institute of Health und
den Verband forschender Arzneimittelhersteller als offizielle Partner der
Dekade. In einer Gemeinsamen Erklärung wurden als zentrale Maßnahmen der
Aufbau einer nationalen PE‑Kohorte, Genom- und Multi-Omics-Infrastruktur,
Projektförderung mit Fokus auf Translation, Klinische Studien,
Nachwuchsförderung und Kapazitätsaufbau und die Stärkung der Partizipation und
Kommunikation genannt. In einem Steuerungskreis sollen alle Partner die Dekade
ausgestalten und konkrete Meilensteine erarbeiten.
Am 27. Februar 2026 gab das Bundesforschungsministerium bekannt, dass der
Steuerungskreis zum ersten Mal getagt habe und sich auf drei konkrete
Maßnahmen geeinigt habe: 1. Aufbau einer umfangreichen Datenbasis zu
postinfektiösen Krankheiten, insbesondere durch Erbgutsequenzierungen auf Basis
bestehender Kohorten; 2. die Stärkung der Durchführung klinischer Studien
durch entsprechende Fördermaßnahmen und 3. die Einsetzung von drei
Arbeitsgruppen zu Translationsforschung, zu Forschungsinfrastrukturen sowie
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und
Raumfahrt vom 21. Juli 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Daten und Bioproben sowie zu versorgungsnaher Forschung. Als im
Steuerungskreis vertretene Institutionen wurden neben den bereits genannten
Partnern das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und
Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das Bayerische
Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, der Innovationsausschuss beim
Gemeinsamen Bundesausschuss, die Stabsstelle Patientenbeteiligung im
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss und die Deutsche
Gesellschaft für ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-
Syndrom) genannt.
1. Ist das Papier „Eckpunkte: Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“
der Abgeordneten Dr. Karl Lauterbach und Stephan Albani vom
24. Oktober 2025 Arbeitsgrundlage für die Bundesregierung bzw. den
Steuerungskreis bei der Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen?
Das Eckpunktepapier von Stephan Albani und Dr. Karl Lauterbach wurde im
Rahmen der konzeptionellen Arbeiten zur Nationalen Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen als wichtiger politischer und fachlicher Impuls
berücksichtigt. Die dort formulierten Handlungsbedarfe, insbesondere hinsichtlich der
Stärkung von Forschung, Versorgung und sektorenübergreifender
Zusammenarbeit bei Postinfektiösen Erkrankungen, sind in die weiteren Abstimmungs-
und Entwicklungsprozesse eingeflossen.
2. Plant die Bundesregierung bzw. der Steuerungskreis eine „Große
Gesundheits-Challenge“ wie in Säule 2 des Lauterbach-Albani-Papiers
vorgesehen?
Eine gesonderte „Challenge“ ist nicht vorgesehen, da die Nationale Dekade
gegen Postinfektiöse Erkrankungen auf einen systematischen Ausbau der
Forschungsförderung ausgerichtet ist. In diesem Rahmen werden zum einen
Schwerpunkte auf die biomedizinische Erforschung der Ursachen und
Krankheitsmechanismen Postinfektiöser Erkrankungen gelegt. Dies wird durch die
Fortsetzung bestehender Fördermaßnahmen unterstützt. Zum anderen werden
Schwerpunkte auf die Förderung klinischer Studien gelegt. Am 1. Juni 2026
erfolgte die Veröffentlichung einer ersten Richtlinie zur Förderung klinischer
Studien im Kontext postakuter Infektionssyndrome. Weitere gezielte
Fördermaßnahmen sind vorgesehen. Zur inhaltlichen Ausgestaltung, zu möglichen
Förderbedarfen und zentralen wissenschaftlichen Fragestellungen erfolgt ein
regelmäßiger Austausch im Rahmen des Steuerungskreises als
Expertengremium.
3. Verfolgt die Bundesregierung die Absicht, eine „verbindliche und
gleichberechtigte Integration von Patientenvertretungen in alle Entscheidungs-
und Steuerungsgremien der Dekade“, wie in Säule 6 des Lauterbach-
Albani-Papiers vorgesehen, sicherzustellen?
Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen wurden
ein interdisziplinärer Steuerungskreis sowie themenspezifische Arbeitsgruppen
eingerichtet. In diesen Strukturen sind auch Betroffenenorganisationen als
gleichberechtigte Mitglieder vertreten, um die Perspektiven von Patientinnen
und Patienten in die weitere Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen einzubeziehen.
4. Wie, und nach welchen Kriterien wurden die Partner für die Nationale
Dekade ausgewählt?
Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen wurden
ein interdisziplinärer Steuerungskreis sowie themenspezifische Arbeitsgruppen
eingerichtet. In diesen Strukturen sind auch Betroffenenorganisationen als
gleichberechtigte Mitglieder vertreten, um die Perspektiven von Patientinnen
und Patienten in die weitere Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen
Postinfektiöse Erkrankungen einzubeziehen.
5. Warum befindet sich unter den Partnern der Nationalen Dekade – anders
als bei der Nationalen Dekade gegen Krebs und anders als im
Lauterbach-Albani-Papier vorgesehen – keine Vertretung der Versorgung
wie beispielsweise die Bundesärztekammer?
6. Warum befindet sich unter den Partnern der Nationalen Dekade – anders
als bei der Nationalen Dekade gegen Krebs und anders als im
Lauterbach-Albani-Papier vorgesehen – keine Patientinnen- und
Patienten- bzw. Betroffenenorganisation?
Die Fragen 5 und 6 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ist als
interdisziplinäre Forschungsinitiative angelegt, die zentrale Akteure aus Wissenschaft,
Versorgung, Betroffenenorganisationen und weiteren relevanten Bereichen
zusammenführt.
Die Einbindung von Akteuren erfolgt dabei nicht entlang einzelner
standesoder berufsständischer Vertretungen, sondern funktionsbezogen entlang der für
die Zielsetzung der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
relevanten Systemebenen. Hierzu zählen insbesondere die
universitätsmedizinische Versorgung, große Forschungs- und Versorgungsnetzwerke sowie die
zuständigen Bundesministerien und die Länder.
Die Versorgungsperspektive ist somit insbesondere über die Beteiligung der
Universitätsmedizin, des Netzwerks Universitätsmedizin sowie des
Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in die Struktur der Nationalen Dekade
gegen Postinfektiöse Erkrankungen integriert.
Organisationen von Betroffenen sowie Patienten und Patientinnen sind im
Steuerungskreis und in den themenspezifischen Arbeitsgruppen gleichberechtigt
vertreten.
7. Womit ist der Status als Partner der Nationalen Dekade, abgesehen von
der Teilnahme am Steuerungskreis, verbunden?
Der Status als Partner der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen ist mit der Unterstützung der in der Gemeinsamen Erklärung
niedergelegten Ziele und Handlungsfelder der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen verbunden. Die Partner bringen ihre jeweilige Expertise in den
fachlichen Austausch und die Vernetzung der beteiligten Akteure ein.
Über die Mitwirkung im Steuerungskreis hinaus sind mit dem Partnerstatus
keine gesonderten Rechte oder Pflichten verbunden.
8. Welchen eigenen Beitrag zur Nationalen Dekade planen die einzelnen
Partner gegebenenfalls, die über die Teilnahme am Steuerungskreis,
bereits geplante Vorhaben und aus dem Haushalt des
Bundesforschungsministeriums finanzierte Projekte hinausgehen?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über eigene Beiträge der
einzelnen Partner zur Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen vor,
die über die Beteiligung in den Gremien der Dekade, bereits geplante Vorhaben
und aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und
Raumfahrt (BMFTR) finanzierte Projekte hinausgehen.
9. Wie, und nach welchen Kriterien wurden die im Steuerungskreis der
Nationalen Dekade vertretenen Organisationen ausgewählt?
Der Steuerungskreis der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der an der Nationalen Dekade
gegen Postinfektiöse Erkrankungen beteiligten Partner sowie Vertreterinnen
und Vertretern der Betroffenen und der Länder zusammen. Der Auswahlprozess
erfolgte auf Basis fachlicher Expertise, der institutionellen Rolle im
Gesundheits- und Wissenschaftssystem sowie der thematischen Relevanz für das Feld
Postinfektiöser Erkrankungen.
10. Welche genauen Aufgaben und Befugnisse hat der Steuerungskreis, und
inwieweit handelt es sich um ein Beratungs- bzw.
Entscheidungsgremium?
Der Steuerungskreis ist das zentrale Expertengremium der Nationalen Dekade
gegen Postinfektiöse Erkrankungen und begleitet deren inhaltliche
Ausgestaltung. Zu den Aufgaben gehören insbesondere die Beratungen zur inhaltlichen
Schwerpunktsetzung der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen, zu möglichen Förderbedarfen sowie zu zentralen wissenschaftlichen
Fragestellungen und Wissenslücken im Bereich postinfektiöser Erkrankungen. Die
Aufgaben werden von den Mitgliedern des Steuerungskreises gemeinsam
wahrgenommen. Insgesamt handelt es sich um ein Beratungsgremium.
Entscheidungsbefugnisse kommen ihm nicht zu.
11. Welche organisatorische oder finanzielle Unterstützung erhält der
Steuerungskreis für seine Arbeit?
Die Mitwirkung im Steuerungskreis erfolgt auf ehrenamtlicher Basis. Eine
gesonderte finanzielle Vergütung der Mitwirkung im Steuerungskreis erfolgt
nicht.
12. Nach welchem Modus bezüglich Stimmrechte und Mehrheiten trifft der
Steuerungskreis Entscheidungen?
13. Welche Entscheidungen hat der Steuerungskreis bis jetzt getroffen?
Die Fragen 12 und 13 werden im Zusammenhang beantwortet.
Der Steuerungskreis trifft keine Entscheidungen, sondern berät das BMFTR bei
der Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen.
Es wird ergänzend auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
14. Welche jeweiligen Termine und Themen sind für zukünftige Sitzungen
des Steuerungskreises vorgesehen?
Nach aktuellem Planungsstand sind die nächsten Sitzungen des
Steuerungskreises für das vierte Quartal des Jahres 2026 und das zweite Quartal des Jahres
2027 vorgesehen. Die Tagesordnungen stehen derzeit noch nicht fest.
15. Wie sind die bis jetzt eingesetzten Arbeitsgruppen des Steuerungskreises
zusammengesetzt, und welche weiteren Arbeitsgruppen sollen eingesetzt
werden?
Die Arbeitsgruppen des Steuerungskreises setzen sich aus Vertreterinnen und
Vertretern aus Wissenschaft, Versorgung, Politik sowie Patienten- und
Betroffenenorganisationen zusammen.
Derzeit ist die Einrichtung weiterer Arbeitsgruppen nicht vorgesehen.
16. Womit genau sollen sich die bis jetzt eingesetzten Arbeitsgruppen
jeweils befassen?
Die Arbeitsgruppen behandeln versorgungsnahe Forschung, die Translation
wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Anwendung sowie die strukturierte
Erhebung, Harmonisierung und Nutzung von Daten und Bioproben unter
Einbeziehung bestehender Datenbestände für Forschungszwecke. Die
Arbeitsgruppen erarbeiten gemäß ihrer thematischen Fokussierung und in Abstimmung mit
dem Steuerungskreis Empfehlungen für etwaige Fördermaßnahmen der
Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen.
17. Handelt es sich bei den „zwei Betroffenenorganisationen“, die laut
Aussage der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Dorothee Bär am 25. März 2026 im Forschungsausschuss im
Steuerungskreis vertreten sind, neben der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS
um die Stabsstelle Patientenbeteiligung im Innovationsausschuss beim
Gemeinsamen Bundesausschuss, und wenn nein, um wen dann?
Bei der neben der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V. genannten zweiten
Einheit handelt es sich um die Stabsstelle Patientenbeteiligung im
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss.
18. Auf welche Weise bringt die Stabsstelle bzw. eine andere gegebenenfalls
beteiligte nicht spezialisierte Vertretung von Betroffenen die spezifische
Perspektive und Expertise der Betroffenen postinfektiöser Krankheiten in
den Steuerungskreis ein?
Die Einbringung der Perspektiven erfolgt sowohl mündlich als auch schriftlich
im Rahmen der Gremienarbeit gleichberechtigt durch die jeweiligen Mitglieder,
insbesondere durch die beteiligten Patienten- und Betroffenenorganisationen.
Die Ergebnisse der Beratungen fließen in die weiteren Arbeitsprozesse der
Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ein.
19. In welcher Form ist geplant, die Einbeziehung spezifischer
wissenschaftlicher Expertise oder spezifischer Betroffenenperspektiven
(beispielsweise betroffener Kinder und Jugendlicher) in die Arbeit des
Steuerungskreises zu organisieren?
Die Einbeziehung zusätzlicher wissenschaftlicher Expertise sowie weiterer
Betroffenenperspektiven erfolgt bedarfsorientiert. Sowohl in den Arbeitsgruppen
als auch im Steuerungskreis kann zu einzelnen Fragestellungen entsprechende
Einbeziehung erfolgen.
20. Welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung für das von
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär am 25. März 2025 im
Forschungsausschuss angekündigte zusätzliche Beteiligungsformat, das allen
Betroffenenorganisationen offenstehen soll?
Das in der Sitzung des Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt
und Technologiefolgenabschätzung am 25. März 2026 angekündigte
zusätzliche Beteiligungsformat wird als offenes Austauschformat für
Betroffenenorganisationen und -initiativen umgesetzt. Ein erster, mehrstündiger virtueller
Austausch hat am 9. Juni 2026 unter Beteiligung des Parlamentarischen
Staatssekretärs im BMFTR Matthias Hauer und 16 verschiedenen
Betroffenenorganisationen stattgefunden. Zusätzlich wurde im Vorlauf des Austauschs ein
Fragebogen an alle beteiligten Betroffenenorganisationen versandt und sämtliche
Antworten der Betroffenenorganisationen wurden dem Steuerungskreis
gemeinsam mit einer Zusammenfassung des virtuellen Austauschs zur Verfügung
gestellt.
Ziel des Formats ist es, Betroffenenorganisationen unabhängig von einer
Mitgliedschaft in den Gremien der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen und unabhängig von Erkrankungsschwere die Möglichkeit zu
geben, ihre Perspektiven und Anliegen in die weitere Ausgestaltung der
Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen einzubringen und ihre Fragen
durch das BMFTR beantwortet zu bekommen.
Die Bundesregierung beabsichtigt, den Dialog im Rahmen entsprechender
Austauschformate fortzuführen.
21. Wie ist die Aussage von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär am
25. März 2026 im Forschungsausschuss zu verstehen, biomedizinische
Forschung stehe „im Mittelpunkt“ der Nationalen Dekade und der Fokus
liege „nicht auf der Psychosomatik“?
Die von der Bundesministerin Dorothee Bär in der zitierten Äußerung
vorgenommene Benennung der Schwerpunktsetzung bezieht sich auf die
Priorisierung jener Forschungsansätze, die auf die Aufklärung biologischer
Mechanismen, die Entwicklung diagnostischer Verfahren sowie die Erforschung
therapeutischer Optionen abzielen und grenzt diese von Ansätzen der
Psychosomatik ab. Dies entspricht der im Austausch mit dem Steuerungskreis und den
Arbeitsgruppen vorgenommenen Schwerpunktsetzung der Fragestellungen und
Methoden der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen, ohne
weitere wissenschaftliche Fachgebiete generell auszuschließen.
22. Inwieweit ist geplant, aus den Mitteln der Nationalen Dekade andere
Maßnahmen als biomedizinische Forschung, dazugehörige Infrastruktur
und Begleitmaßnahmen zu finanzieren?
Aktuell existieren keine Planungen zur Finanzierung von Maßnahmen,
Infrastrukturen oder Begleitmaßnahmen, die nicht dem Feld der biomedizinischen
Forschung zuzuordnen sind. Generell erfolgt die Planung weiterer Maßnahmen
der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen bedarfsorientiert
und adaptiv unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse.
23. Schließt die Bundesregierung aus, aus den Mitteln der Nationalen
Dekade Forschungsvorhaben zu finanzieren, die psychosomatische
Erklärungsansätze verfolgen?
24. Was soll in dem in der Gemeinsamen Erklärung zur Nationalen Dekade
angekündigte Teilthemenfeld „Psychische Gesundheit“ der
Projektförderung in welchem Umfang gefördert werden, und welche Rolle spielen
dabei psychosomatische bzw. biopsychosoziale Ansätze?
Die Fragen 23 und 24 werden im Zusammenhang beantwortet.
Es sind aktuell keine Fördermaßnahmen geplant, die psychosomatische
Projekte explizit in den Blick nehmen. Ein genereller Ausschluss einzelner
Fachgebiete oder Themen ist nicht vorgesehen. Zur Schwerpunktsetzung wird auf
die Antwort zu Frage 21 verwiesen.
Das Themenfeld der psychischen Gesundheit fließt im Sinne einer holistischen
Betrachtung postinfektiöser Krankheitsbilder auch in den Austausch zur
Ausgestaltung der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ein. Es
bestehen keine Planungen zum Umfang möglicher zukünftiger Maßnahmen der
Projektförderung im Bereich der psychischen Gesundheit bzw. im Kontext
psychosomatischer oder biopsychosozialer Ansätze.
25. Welche Rolle sollen die Felder der Grundlagenforschung, der klinischen
Forschung, der Versorgungsforschung und der Forschungsinfrastruktur
innerhalb der Nationalen Dekade spielen, und wie spiegelt sich das in der
geplanten Mittelverteilung wider?
Sowohl Grundlagenforschung als auch klinische Forschung und
Versorgungsforschung sind zentral für die erfolgreiche Erforschung Postinfektiöser
Erkrankungen und werden im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen berücksichtigt. Der Auf- und Ausbau von
Forschungsinfrastrukturen ist nicht Fokus der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen. Generell erfolgt die Planung weiterer Maßnahmen der Nationalen Dekade
gegen Postinfektiöse Erkrankungen bedarfsorientiert und adaptiv unter
Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse und unter Einbeziehung aller
genannter Forschungsfelder. Planungen zur Mittelverteilung zwischen diesen
Forschungsfeldern bestehen nicht.
26. Welche Rolle soll insbesondere die Medikamentenforschung im Rahmen
der Nationalen Dekade spielen?
Medikamentenforschung erfolgt einerseits im Rahmen
grundlagenwissenschaftlicher Untersuchungen von Krankheitsmechanismen und möglichen
Therapieansätzen und andererseits im Rahmen klinischer Studien. Die Nationale
Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen nimmt klinische Studien
verschiedener Phasen der klinischen Überprüfung gezielt in den Blick. Eine erste
Richtlinie zur Förderung klinischer Studien im Kontext postakuter
Infektionssyndrome wurde bereits am 1. Juni 2026 veröffentlicht. Auch zusätzliche
Fördermaßnahmen im Bereich der Erforschung von Krankheitsmechanismen sind
vorgesehen. Hierzu erfolgen Abstimmungen mit dem Steuerungskreis und den
Arbeitsgruppen.
27. Inwieweit sind innerhalb der Nationalen Dekade geplante Maßnahmen
auf spezielle Untergruppen postinfektiöser Krankheiten (ME/CFS, Long-
COVID, Post-Vac etc.) ausgerichtet, und wie wird dabei eine geeignete
Kohortenbildung sichergestellt?
Die Bundesregierung stützt Maßnahmen und Förderentscheidungen stets auf
die aktuelle wissenschaftliche Evidenzlage. Dies ist auch bezüglich der
verwendeten Krankheitsdefinition von ME/CFS der Fall. Eine klare
Krankheitsdefinition sowie die Auswahl einer entsprechenden Patientengruppe oder Subgruppe
sind zentrale Aspekte im Rahmen der Begutachtung einschlägiger Studien. Wo
immer dies möglich ist, werden Subgruppen auch auf Basis nachweisbarer
Krankheitsmechanismen gebildet. Zur Kohortenbildung steht darüber hinaus
die möglichst standardisierte Phänotypsierung teilnehmender Patientinnen und
Patienten im Fokus.
28. Worauf genau bezieht sich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär
mit der am 25. März 2026 im Forschungsausschuss geäußerten
Einschätzung, Teile der Berichterstattung zum Zustandekommen der Nationalen
Dekade wären „von vorn bis hinten […] falsch“?
Mit den genannten Ausführungen bezog sich Frau Bundesministerin Bär
insbesondere auf mediale Berichterstattungen, in deren Zusammenhang
geschlussfolgert wurde, dass das BMFTR im Rahmen der Haushaltsverhandlungen
keinen Mehrbedarf für die ME/CFS- und die Post-COVID-Forschung gesehen
habe. Eine solche Schlussfolgerung war falsch.
29. Auf die Verwendung welcher genauen Mittel erstreckt sich die
Zuständigkeit des Steuerungskreises, sowohl im Rahmen der im
Forschungshaushalt zur Verfügung gestellten 50 Mio. Euro pro Jahr als auch darüber
hinaus?
Es besteht keine spezifische Zuständigkeit des Steuerungskreises für die
Verwendung genauer Mittel. Es erfolgt eine Beratung zu allen Teilbereichen,
Maßnahmen und Umsetzungsaspekten der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen unter Berücksichtigung der Ergebnisse fachspezifischer
Arbeitsgruppen.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
30. Welche über den Bundeshaushalt hinausgehenden Mittel – einschließlich
der Länder und anderer öffentlicher oder privater Akteure – sollen im
Rahmen der Nationalen Dekade aktiviert oder berücksichtigt werden?
Zu Mittelplanungen der Länder oder privater Akteure liegen der
Bundesregierung keine Informationen vor.
31. Welche konkreten Fördermaßnahmen werden im Rahmen der Nationalen
Dekade fortgeführt, welche wurden neu begonnen, und welche sind
geplant?
32. Welcher Teil der für die Nationale Dekade vorgesehenen 50 Mio. Euro
für dieses Haushaltsjahr und kommende Haushaltsjahre, jeweils nach
Maßnahmen und Jahren aufgeschlüsselt, ist bereits
a) verausgabt,
b) verbindlich verplant und
c) darüber hinaus für konkrete Maßnahmen vorgesehen?
33. Welchen voraussichtlichen Mittelbedarf veranschlagt die
Bundesregierung jeweils für die in der Gemeinsamen Erklärung benannten bzw. vom
Steuerungskreis beschlossenen Maßnahmen?
Die Fragen 31 bis 33 werden im Zusammenhang beantwortet.
Eine tabellarische Übersicht ist als Anlage beigefügt.*
34. In welchem Verhältnis steht die vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt und Bundesministerium für Gesundheit im
November 2025 verkündete „Allianz für postinfektiöse Erkrankungen“
zu den Vorhaben und Strukturen der Forschungsdekade, und welche
Vorhaben sind unter ihrem Dach geplant?
Mit der „Allianz postinfektiöse Erkrankungen: Long COVID und ME/CFS“
arbeiten das BMFTR und das BMG eng zusammen. Dies ermöglicht die enge
Vernetzung von Forschungsaktivitäten mit Aspekten der Versorgung sowie
gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen. Der diesbezügliche Austausch unter
gleichberechtigter Einbindung der Betroffenenvertretungen wird im Rahmen
der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen und der
diesbezüglichen Gremien weiter verstärkt.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/7275 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke auf BT Drs. 21/6613
Anlage: Antwort zu den Fragen 31 bis 33
Fortgesetzt werden folgende Fördermaßnahmen:
Maßnahme / Vorhaben Laufzeit
Bewilligte
Mittel
insgesamt
Bewilligte
Mittel
2026
davon
bereits in
2026
verausgabt
Bewilligte
Mittel
2027
Bewilligte
Mittel
2028
Bewilligte
Mittel
2029
Bewilligte
Mittel
2030
Förderung interdisziplinärer
Verbünde zur Erforschung von
Pathomechanismen
Verbund IMMME - Aufklärung der
immunologischen Pathomechanismen
des postinfektiösen Chronischen
Fatigue Syndroms (ME/CFS)
01.10.2025 -
30.09.2027
1,5 Mio.
Euro
0,7 Mio.
Euro
0,2 Mio.
Euro
0,6 Mio.
Euro
Förderung interdisziplinärer
Verbünde zur Erforschung von
Pathomechanismen von ME/CFS
7 Verbünde mit insg. 21 Vorhaben
01.09.2024 -
30.11.2027
14,4 Mio.
Euro
5,4 Mio.
Euro
2,25 Mio.
Euro
5,3 Mio.
Euro
Förderung von interdisziplinären
Projekten zum Thema Entwicklung
und Erprobung von neuen Ansätzen
der Datenanalyse und des
Datenteilens in der Long-/Post-
COVID-19-Forschung
9 Verbünde mit insg. 36 Vorhaben
01.11.2024 -
31.12.2026
6,8 Mio.
Euro
4,6 Mio.
Euro
1,75 Mio.
Euro
Computational Life Sciences
(CompLS) – Digitale Methoden zur
01.03.2025 -
29.02.2028
3,55 Mio.
Euro
1,2 Mio.
Euro
0,3 Mio.
Euro
1,17 Mio.
Euro
0,5 Mio.
Euro
Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke auf BT Drs. 21/6613
Erforschung postakuter
Infektionssyndrome
4 Verbünde mit insg. 9 Vorhaben
Prävention und Versorgung
epidemisch auftretender Infektionen
mit innovativer Medizintechnik
Verbund VirusDual - Nachweis
multipler Parameter der
Immunreaktion bei viralen
Erkrankungen
01.03.2023 -
31.01.2027
1,4 Mio.
Euro
0,24 Mio.
Euro
0,12 Mio.
Euro
0,17 Mio.
Euro
KMU-innovativ Medizintechnik
Verbund VIROTEC - Lateral Flow
Testsystem am Point-of-Care zum
Nachweis von Organbefall nach
COVID-19
01.04.2024 -
31.03.2027
1.37 Mio.
Euro
0,46 Mio.
Euro
0,2 Mio.
Euro
0,15 Mio.
Euro
Nationale klinische Studiengruppe
(NKSG) Post-Covid-Syndrom und
ME/CFS 1. Phase
01.10.2022 -
31.12.2026
9,98 Mio.
Euro
2,2 Mio.
Euro
0,2 Mio.
Euro
Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke auf BT Drs. 21/6613
Begonnen / bewilligt wurden:
Maßnahme / Vorhaben Laufzeit
Bewilligte
Mittel
insgesamt
Bewilligte
Mittel
2026
davon
bereits in
2026
verausgabt
Bewilligte
Mittel
2027
Bewilligte
Mittel
2028
Bewilligte
Mittel
2029
Bewilligte
Mittel
2030
Verbundvorhaben EpiPAIS –
Epigenetische Muster in der
Pathogenese von Long-COVID
01.11.2025 -
31.12.2026
1,83 Mio.
Euro
0,7 Mio.
Euro
0,06 Mio.
Euro
Nationale klinische Studiengruppe
(NKSG) Post-Covid-Syndrom und
ME/CFS 2. Phase
01.02.2026 -
31.01.2029
8 Mio. Euro 2,4 Mio.
Euro
0,02 Mio.
Euro
2,9 Mio.
Euro
1,4 Mio.
Euro
1,3 Mio.
Euro
Datenerweiterung PAIS
Verbund PRISM - Erweiterung der
NUM-Datenbasis für die Forschung zu
postinfektiösen Erkrankungen
01.07.2026 -
31.12.2028
7,7 Mio.
Euro
4,3 Mio.
Euro
0 1,7 Mio.
Euro
1,7 Mio.
Euro
Bezüglich der in der gemeinsamen Erklärung dargestellten Themenbereiche und Schwerpunktsetzungen existieren keine übergreifenden Mittelansätze. Am 1. Juni 2026
wurde im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen die Förderrichtlinie „Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema klinische Studien
mit hoher Relevanz für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit postinfektiösen Erkrankungen“ veröffentlicht. Für die Umsetzung der Förderrichtlinie wird
aktuell mit Fördermitteln in Höhe von ca. 26 Millionen Euro geplant.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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