Rettung der Raffinerie PCK in Schwedt - Stand und Perspektiven
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Rettung der Raffinerie PCK in Schwedt - Stand und Perspektiven
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6549
21. Wahlperiode 18.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Anne-Mieke Bremer, Jörg Cezanne, Agnes Conrad,
Mirze Edis, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Zada
Salihović, Ines Schwerdtner, Lisa Schubert, Isabelle Vandre, Sarah Vollath,
Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Rettung der Raffinerie PCK in Schwedt – Stand und Perspektiven
Die Raffinerie PCK in Schwedt befindet sich infolge des Krieges in der
Ukraine seit 2022 in einer schwierigen Situation, zum einen durch den Ausfall
russischer Öllieferungen, zum anderen durch den Mehrheitsanteil des russischen
Unternehmens Rosneft an der Raffinerie.
Im Jahr 2022 wurden die deutschen Rosneft-Tochtergesellschaften unter
Treuhandverwaltung durch die Bundesregierung gestellt. Im Jahr 2023 wurde diese
Treuhandschaft durch das Bundesverwaltungsgericht gebilligt
(Aktenzeichen 8 A 2.22, www.bverwg.de/140323U8A2.22.0). Im Jahr 2026 wurde die
Treuhand auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt, da sie nun der
Umsetzung von Sanktionen gegen Russland auf Basis von EU-Vorgaben dient (www.
bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/02/20
260228-bundesregierung-ordnet-treuhandverwaltung-ueber-deutsche-rosneft-to
echter-auf-neuer-rechtsgrundlage-an.html). Seitdem ist die Treuhandschaft
zudem unbefristet. Auch dagegen hat Rosneft geklagt (www.rbb24.de/wirtscha
ft/beitrag/2026/05/pck-raffinerie-schwedt-rosneft-deutschland-klage-treuhan
d.html).
Das Unternehmen Rosneft steht seit 2025 unter Sanktionen der USA.
Allerdings haben die USA für die Anteile von Rosneft in Deutschland eine
Ausnahme gewährt (https://ofac.treasury.gov/media/934726/download?inline).
Zur Stärkung der PCK sollte eine Ertüchtigung der Pipeline vom Hafen
Rostock erfolgen. Allerdings gibt es seit 2023 keine Genehmigung der
Europäischen Kommission dafür (www.nordkurier.de/regional/mecklenburg-vorpomm
ern/nach-dem-russen-nein-rettet-diese-ostsee-pipeline-jetzt-die-pck-raffinerie-4
535552).
Im Mai 2026 stellte Russland den Transit kasachischen Öls über die
„Drushba“-Pipeline ein. Offiziell wird dies mit einer Reparatur erklärt, aber ein
Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg ist plausibel. Anfang Juni 2026 war
keine Wiederaufnahme der Durchleitung in Sicht (www.kommersant.ru/doc/86
93268).
Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, zeigte sich
nach Bekanntwerden der Sperrung der „Drushba“-Pipeline zuversichtlich, dass
die PCK ihren Betrieb aufrechterhalten könne. Insbesondere werden seitdem
Gespräche mit Polen zu mehr Lieferungen über Danzig geführt (www.bundesre
gierung.de/breg-de/aktuelles/reiche-pck-schwedt-2429974).
Bundesministerin Katherina Reiche besuchte die PCK im Mai 2026, um einen
Förderbescheid für die Produktion von synthetischem Flugbenzin (Electric
Sustainable Aviation Fuels (eSAF)) auf dem Gelände der PCK durch die
Unternehmen Enertrag und Zaffra bekannt zu geben (www.bundesregierung.de/breg-de/
aktuelles/reiche-pck-schwedt-2429974). Allerdings haben noch nicht alle
Gesellschafter der PCK zugestimmt (Antwort der Bundesregierung auf die
Mündliche Frage 64, Plenarprotokoll 21/79), weshalb das Projekt aktuell im
Ungewissen ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Was ist seit dem Beginn des Ukrainekriegs durch die Treuhandschaft des
Bundes über die Rosneft-Gesellschaften in Deutschland erreicht worden,
insbesondere bei den Themen „Versorgung der Raffinerie mit Rohöl“,
„Beschäftigungssicherung“ und „ökologische Transformation der
Raffinerie“?
2. Gibt es aktuell in der Bundesregierung konkrete Überlegungen für einen
Kauf oder eine Enteignung (gegen Entschädigung) der deutschen Rosneft-
Tochtergesellschaften, und wenn nein, warum nicht?
3. Wie ist der Stand der Verhandlungen der Bundesregierung mit der
Europäischen Kommission über die Genehmigung der Ertüchtigung der
Pipeline von Rostock nach Schwedt?
4. Welche Kontakte jeglicher Art der Bundesregierung hat es im Jahr 2026
zur Genehmigung der Pipeline von Rostock nach Schwedt gegeben?
5. Ist aus Sicht der Bundesregierung eine Genehmigung der Europäischen
Kommission für die Ertüchtigung der Pipeline Rostock–Schwedt
realistisch, solange Rosneft formell noch Eigentümerin der PCK-Anteile ist
(bitte Begründung angeben)?
6. Hält die Bundesregierung den Neubau einer zweiten, wasserstofffähigen
Pipeline vom Hafen in Rostock zur PCK, wie er von der Geschäftsführung
der PCK ins Spiel gebracht wurde (www.businessinsider.de/wirtschaft/pc
k-raffinerie-zweite-pipeline-von-rostock-nach-schwedt-soll-nicht-
gebautwerden-a), für sinnvoll, und wenn ja, welche konkreten Schritte in diese
Richtung hat sie in diesem Jahr unternommen?
7. Welche Gespräche hat die Bundesregierung seit Mai 2026 mit Kasachstan
geführt, was die Wiederaufnahme der Lieferungen von Rohöl an die PCK
angeht, und rechnet die Bundesregierung aktuell noch damit, dass in
absehbarer Zeit und insbesondere solange der Ukrainekrieg anhält wieder
Lieferungen kommen werden?
8. Wird die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche,
in den nächsten Monaten nach Kasachstan reisen, und wenn ja, wann, und
werden auch Gespräche zu Öllieferungen für die PCK oder darüber hinaus
stattfinden?
9. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Stand der Verhandlungen
mit Polen bzw. polnischen Unternehmen über die Nutzung der Pipeline
von Danzig für zusätzliche Lieferungen von Rohöl an die PCK?
10. Welchen Nutzen hat nach Kenntnis der Bundesregierung das neue Projekt
„Brandenburg eSAF“ für die Raffinerie PCK (s. Vorbemerkung der
Fragesteller, z. B. in Form von kostenlosen Lieferungen von eSAF an die
PCK)?
11. Setzt sich die Bundesregierung als Treuhänderin der Rosneft-Anteile an
der PCK in den Verhandlungen mit dem Projektkonsortium hinter
Brandenburg eSAF“ dafür ein, dass die PCK von dem Projekt profitiert, und
wenn ja, in welcher Form genau?
12. Hat die Bundesregierung als Treuhänderin der deutschen Rosneft-
Gesellschaften diese angewiesen, einen Antrag zur Bewilligung des
Projekts „Brandenburg eSAF“ zu stellen (vgl. Antwort der Bundesregierung
auf die Mündliche Frage 64, Plenarprotokoll 21/79), und wenn ja, ggf. mit
welchen genauen Auflagen?
13. Beabsichtigt die Bundesregierung, als Treuhänderin der deutschen
Rosneft-Gesellschaften, dem Projekt „Brandenburg eSAF“ auf dem
Gelände der PCK zuzustimmen (bitte begründen, bei Zustimmung auch
darstellen, welche wirtschaftlichen Vorteile dies für die PCK bringt)?
14. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Stand der Verhandlungen
mit den Gesellschaftern Eni und Shell über das Projekt „Brandenburg
eSAF“, konkret deren Zustimmung zur Nutzung der Grundstücke der
PCK?
15. Wie schätzt die Bundesregierung ihre Chancen ein, das neue
Gerichtsverfahren infolge der Klage von Rosneft gegen die seit Februar 2026
geltende neue Treuhandverwaltung über die deutschen Rosneft-Töchter zu
gewinnen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das
Bundesverwaltungsgericht schon in seinem Urteil im Jahr 2023 betont hatte, dass die
Treuhandanordnung „bei entsprechend langer Gesamtdauer[,] die
Schwelle zur enteignungsgleichen Wirkung überschreiten kann“ (Aktenzeichen 8
A 2.22, www.bverwg.de/140323U8A2.22.0, Randnummer 109)?
16. Hat die Bundesregierung in diesem oder dem letzten Jahr eine
Unternehmensberatung für die Raffinerie PCK engagiert bzw. als Treuhänderin der
deutschen Rosneft-Töchter ein solches Engagement angewiesen (wenn ja,
welche Firma wurde beauftragt, für welchen Zeitraum, zu welchen Kosten
und mit welchem Auftrag)?
17. Wie sollen aus Sicht der Bundesregierung, auch als Treuhänderin der
Rosneft-Anteile an der PCK, die bis 2035 notwendigen Investitionen in
Höhe von 15 Mrd. Euro (https://enertrag.com/de/news-und-presse/presse
mitteilungen/2024-and-older/pck-raffinerie-schwedt-und-enertrag-stellen-t
ransformationspfad-vor) sichergestellt werden, um die Transformation in
eine grüne Raffinerie zu erreichen, insbesondere angesichts der
schwierigen Situation der Raffinerie?
18. Wie genau definiert die Bundesregierung die zuletzt von der
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, im Mai 2025
verlängerte Beschäftigungsgarantie (https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitr
ag/2026/05/raffinerie-schwedt-jobs-pck.html)?
19. Was genau unternimmt die Bundesregierung zur Umsetzung dieser in
Frage 18 genannten Beschäftigungsgarantie?
20. Welche Auswirkungen auf industrienahe Arbeitsplätze und auf die
Versorgungssicherheit
a) hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Raffinerie PCK aktuell für
die Region bzw.
b) hätte nach Kenntnis der Bundesregierung eine Insolvenz der PCK?
21. Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, für den Bund eigene
strategische Ölreserven anzulegen, und wenn ja, wie sieht hierfür der
Zeitplan aus, und welche Lager sollen dafür genutzt werden?
Berlin, den 15. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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