Deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Abschreckung und die geplante Nukleare Steuerungsgruppe
Text
Deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Abschreckung und die geplante Nukleare Steuerungsgruppe
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6522
21. Wahlperiode 16.06.2026
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Jan Ralf Nolte und der Fraktion der AfD
Deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Abschreckung
und die geplante Nukleare Steuerungsgruppe
Im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit im Bereich der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik haben beide Regierungen angekündigt,
eine sogenannte hochrangige Nukleare Steuerungsgruppe einzurichten (vgl.
www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/joint-declaration-of-president-macr
on-and-chancellor-merz-2409268). Diese soll nach Angaben der
Bundesregierung als bilateraler Rahmen für verteidigungspolitische Konsultationen sowie
für die Abstimmung strategischer Maßnahmen im Bereich der Abschreckung
dienen. Grundlage dieser Zusammenarbeit ist unter anderem Artikel 4 des
Vertrags von Aachen, der eine vertiefte sicherheits- und verteidigungspolitische
Kooperation zwischen beiden Staaten vorsieht.
Nach den bisher öffentlich verfügbaren Informationen soll die Nukleare
Steuerungsgruppe insbesondere dem strategischen Austausch über Fragen der
Abschreckung sowie der Koordinierung entsprechender Maßnahmen dienen.
Dabei soll die Zusammenarbeit verschiedene Elemente der
Abschreckungsarchitektur umfassen, darunter konventionelle Fähigkeiten, Raketenabwehr sowie
die Rolle der französischen Nuklearstreitkräfte. Darüber hinaus wurde
angekündigt, dass Deutschland konventionell an französischen Nuklearübungen
teilnehmen soll, strategische Einrichtungen gemeinsam besucht und bestimmte
militärische Fähigkeiten gemeinsam weiterentwickelt werden sollen (vgl.
www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/joint-declaration-of-president-macr
on-and-chancellor-merz-2409268).
Weiterhin wird darauf verwiesen, dass Frankreich und Deutschland ihre
Fähigkeiten zum Eskalationsmanagement unterhalb der nuklearen Schwelle stärken
wollen. In diesem Zusammenhang werden insbesondere Bereiche wie
Frühwarnsysteme, Luftverteidigung sowie sogenannte Deep-Precision-Strike-
Fähigkeiten genannt, also konventionelle präzisionsgelenkte
Langstreckenwaffen.
Gleichzeitig betonen beide Regierungen, dass diese Zusammenarbeit weder die
nukleare Abschreckung der NATO noch die bestehende nukleare Teilhabe
Deutschlands ersetzen soll. Vielmehr soll sie diese ergänzen und im Rahmen
der bestehenden Bündnisstrukturen erfolgen. Die nukleare Abschreckung
Europas beruhe weiterhin auf der erweiterten Abschreckung der Vereinigten Staaten
sowie auf den strategischen Nuklearstreitkräften Frankreichs und des
Vereinigten Königreichs.
Trotz dieser grundsätzlichen Einordnung bleiben zahlreiche operative und
organisatorische Fragen zur konkreten Ausgestaltung der angekündigten Nuklearen
Steuerungsgruppe bislang öffentlich ungeklärt. Insbesondere fehlen belastbare
Informationen zur institutionellen Struktur, zur Zusammensetzung, zu
Entscheidungsprozessen sowie zu den konkreten Rollen der beteiligten staatlichen
Stellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die institutionelle Struktur
einer solchen Steuerungsgruppe vorgesehen (z. B. Zusammensetzung,
organisatorische Einbindung, Leitung)?
2. Welche deutschen und französischen Institutionen sollen nach derzeitigen
Planungen dauerhaft in einer solchen Steuerungsgruppe vertreten sein?
3. Ist vorgesehen, dass neben den Verteidigungsministerien auch andere
Ressorts wie etwa Außenministerien, Generalstäbe oder Nachrichtendienste
dauerhaft an einer solchen Steuerungsgruppe beteiligt werden?
4. Welche Ebene der politischen oder militärischen Führung soll in einer
solchen Steuerungsgruppe vertreten sein (z. B. Ministerebene,
Staatssekretärsebene, militärische Führungsebene)?
5. In welchem Rhythmus sollen Sitzungen einer solchen Steuerungsgruppe
nach derzeitigen Planungen stattfinden?
6. Ist vorgesehen, innerhalb dieser Struktur thematische Arbeitsgruppen oder
Unterstrukturen einzurichten, und wenn ja, zu welchen Themenfeldern?
7. Welche Entscheidungs- oder Abstimmungsverfahren sollen innerhalb
einer solchen Steuerungsgruppe zur Anwendung kommen?
8. Welche Geheimhaltungsstufe ist für die Arbeit einer solchen
Steuerungsgruppe vorgesehen?
9. Welche Rolle beabsichtigt Deutschland nach derzeitigen Planungen
innerhalb dieser Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Abschreckung
einzunehmen?
10. In welcher Weise soll Deutschland nach derzeitigen Planungen
konventionell an französischen Nuklearübungen beteiligt werden?
Berlin, den 2. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Jan Ralf Nolte (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Jan Ralf Nolte
- part_of_vorgang → Deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Abschreckung und die geplante Nukleare Steuerungsgruppe (Kleine Anfrage)