Entschließung des Bundesrates für faire Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit
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Entschließung des Bundesrates für faire Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 399/26 (Beschluss)
25.09.26
Beschluss
des Bundesrates
Entschließung des Bundesrates für faire Arbeitsbedingungen in
der Plattformarbeit
Der Bundesrat hat in seiner 1068. Sitzung am 25. September 2026 die aus der
Anlage ersichtliche Entschließung gefasst.
Drucksache 399/26 (Beschluss)
Anlage
Entschließung des Bundesrates für faire Arbeitsbedingungen in
der Plattformarbeit
1. Der Bundesrat stellt fest, dass in Hinblick auf die Arbeitsbedingungen in der
Plattformarbeit – insbesondere in den Bereichen Scheinselbstständigkeit,
Arbeits- und Sozialschutz, intransparente Arbeitsorganisation und
Informationsdefizite – dringender Handlungsbedarf besteht. Die Schaffung fairer
Arbeitsverhältnisse wird darüber hinaus dadurch erschwert, dass Essenslieferdienste
zunehmend komplexe Strukturen von Subunternehmen nutzen.
2. Der Bundesrat begrüßt die bisherigen Bemühungen des Bundesministeriums für
Arbeit und Soziales, welches bereits einen Stakeholder-Dialog u. a. mit
Plattformbetreibern und Vertretern von Plattformträgern geführt hat und im
Referentenentwurf eines Gesetzes zur Erleichterung der Feststellung des Erwerbsstatus
der Selbstständigkeit im Sozialversicherungsrecht angekündigt hat, mögliche
Auswirkungen in Bezug auf die Plattformarbeit zu prüfen.
3. Der Bundesrat stellt jedoch fest, dass diese Bemühungen nicht ausreichen, um
den unzureichenden Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit, insbesondere
bei Essenslieferdiensten, wirksame Maßnahmen entgegenzustellen und fordert
die Bundesregierung daher auf, zeitnah einen Referentenentwurf vorzulegen,
der die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
in der Plattformarbeit sicherstellt und in dem ein Direktanstellungsgebot für
Plattformbeschäftigte im Bereich der Essenslieferdienste gesetzlich verankert
wird.
4. Der Bundesrat fordert die Bundesregierung außerdem auf zu prüfen, ob die
Regelungen aus dem Paketbotenschutzgesetz auf die Beschäftigten von
Essenslieferdiensten übertragen werden können.
Begründung:
In der Plattformarbeit werden bezahlte Dienstleistungen über eine Online-
Plattform organisiert oder erbracht. Die digitale Plattformwirtschaft wächst
rasch und ist für viele Alltag geworden, etwa im Bereich der Essens- und
Lebensmittellieferdienste. Sie ist zu einer treibenden Kraft für Innovation und
Beschäftigungswachstum geworden.
Es gibt unterschiedliche Formen von Plattformarbeit. Das Wachstum der
digitalen Plattformen hatte zwar sowohl für Unternehmen als auch für
Verbraucherinnen und Verbraucher Vorteile, hat aber dazu geführt, dass sich für viele
Beschäftigte eine Grauzone in Bezug auf ihren Beschäftigungsstatus entwickelt
hat.
Arbeitsbedingungen von Plattformbeschäftigten, insbesondere bei
Essenslieferdiensten, sind systematisch atypisch bzw. prekär und durch befristete
Verträge, niedrige Vergütung und eine starke Abhängigkeit von der digitalen
Plattform geprägt. Zunehmend nutzen Essenslieferdienste komplexe
Subunternehmerstrukturen, was die Schaffung fairer Arbeitsverhältnisse erheblich
erschwert.
Bereits im Rahmen der 93. Arbeits- und Sozialministerkonferenz im
Dezember 2016 wurde von den Vertretern der Länder ein umfangreicher
Forderungskatalog (vornehmlich ans Bundesministerium für Arbeit und Soziales gerichtet)
aufgestellt. Auch im Rahmen der 102. Arbeits- und Sozialministerkonferenz im
November 2025 haben die Länder Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachen,
Saarland und Sachsen einen Beschlussvorschlag zu diesem Thema eingebracht.
Die Arbeitsbedingungen von Plattformbeschäftigten stehen zunehmend im
Fokus gesetzlicher Reformen auf EU- und Bundesebene. Die EU-Richtlinie zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit wurde am
1. Dezember 2024 verabschiedet. Die Umsetzung in nationales Recht muss bis
Dezember 2026 erfolgen.
Aufgrund des Wachstums des Phänomens, der anhaltenden Schwierigkeiten
sowie der ablaufenden Umsetzungsfrist wird die Bundesregierung aufgefordert,
einen Referentenentwurf vorzulegen, in dem das Direktanstellungsgebot für
Plattformbeschäftigte gesetzlich verankert wird.
Relationen
- part_of_vorgang → Entschließung des Bundesrates für faire Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit (Beschlussdrucksache)