Beschäftigte plattformgebundener Essenslieferdienste vor Ausbeutung schützen - Intransparente Subunternehmerketten untersagen
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Beschäftigte plattformgebundener Essenslieferdienste vor Ausbeutung schützen - Intransparente Subunternehmerketten untersagen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3831
21. Wahlperiode 27.01.2026
Antrag
der Abgeordneten Pascal Meiser, Janine Wissler, Doris Achelwilm,
Dr. Dietmar Bartsch, Desiree Becker, Janina Böttger, Jörg Cezanne, Agnes
Conrad, Mirze Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara
Mazzi, Zada Salihović, Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre,
Sarah Vollath, Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Beschäftigte plattformgebundener Essenslieferdienste vor Ausbeutung
schützen – Intransparente Subunternehmerketten untersagen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Digitale Essenslieferplattformen wie Lieferando, Wolt oder Uber Eats haben in den
vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Das Geschäftsmodell vieler
Plattformunternehmen stützt sich jedoch systematisch auf atypische und prekäre
Beschäftigungsformen. Die Arbeitsbedingungen sind oft durch unsichere
Beschäftigungsverhältnisse, befristete Verträge und niedrige Vergütungen gekennzeichnet. In
weiten Teilen der Branche werden dabei reguläre Arbeitsverhältnisse durch den
Einsatz von Subunternehmen oder durch eine nur scheinbar selbstständige Tätigkeit
umgangen. In Wirklichkeit sind die Fahrerinnen und Fahrer eng in den Betriebsablauf
eingebunden, unterliegen Weisungen, Zeitvorgaben und der digitalen Kontrolle durch
die Plattform – ohne jedoch als Beschäftigte anerkannt zu sein. Der Arbeitsalltag der
Beschäftigten wird dabei durch die für sie weithin undurchsichtigen Algorithmen der
Plattformen bestimmt. Diese strukturelle und von den Unternehmen gezielt
herbeigeführte Verantwortungsverlagerung führt zu sozialer Unsicherheit, fehlendem
Arbeitsschutz und einem erheblichen Ausbeutungsrisiko (www.fair.work/de/fw/
publications/httpsfairwork-germany-ratings-2025; www.ardmediathek.de/film/das-
geschaeft-mit-den-kurierfahrern/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvYXVzZ2VsaW-
VmZXJ0).
Dieser Zustand droht jetzt sogar noch weitere Teile der Branche zu erfassen. So
kündigte der größte Essenslieferdienst Lieferando an, bis Ende des Jahres etwa jeden
sechsten Fahrer zu entlassen. Stattdessen will Lieferando künftig auch wieder stärker
auf Subunternehmen setzen (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/
lieferandokonkretisiert-kuendigungsplaene-1500-statt-2000-kuriere-betroffen-110793754.
html).
Vergleichbare Strukturen waren in der Vergangenheit in der Fleischindustrie
beobachtet worden – einer Branche, die lange Zeit durch extensive Fremdvergabe von
Kernaufgaben und intransparente Beschäftigungsformen geprägt war. Dort hat das
Arbeitsschutzkontrollgesetz mit einem gesetzlichen Verbot von Werkverträgen und einem
verpflichtenden Direktanstellungsgebot zu spürbaren Verbesserungen geführt. Die
Einführung klarer Verantwortlichkeiten hat es ermöglicht, arbeits- und
gesundheitsschutzrechtliche Standards durchzusetzen, Arbeitszeiten zu kontrollieren und die
Einhaltung des Mindestlohns abzusichern (www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/
Forschungsberichte/fb-633-gsa-fleisch-evaluation-gesetz-arbeitnehmerrechte.html).
Vor diesem Hintergrund ist es richtig, die Lehren aus der Fleischindustrie auf die
plattformgebundenen Essenslieferdienste zu übertragen. Um die rechtliche und soziale
Absicherung von Fahrerinnen und Fahrern deutlich zu verbessern, müssen solche
Unternehmen, die über digitale Plattformen Essenslieferdienste organisieren, gesetzlich
dazu verpflichtet werden, Fahrerinnen und Fahrer direkt anzustellen. Konstruktionen
wie Subunternehmerketten oder Werkverträge, die lediglich der Umgehung von
Arbeitsrecht dienen, sind auszuschließen.
Ein gesetzliches Direktanstellungsgebot ist dabei sowohl verfassungsrechtlich als auch
unionsrechtlich zulässig, da es verhältnismäßig ist, nicht diskriminiert und dem
legitimen Ziel dient, den sozialen Schutz von Beschäftigten sicherzustellen (www.boeck-
ler.de/de/boeckler-impuls-fair-liefern-73869.htm).
Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) hat bei ihrer Sitzung am
26./27. November 2025 ebenfalls die Forderung nach einem Direktanstellungsgebot
bei den plattformgebundenen Essenslieferdiensten beschlossen (www.asmkon-
line.de/documents/externes-ergebnisprotokoll-der-102.-asmk-2025.pdf). Auch die
Bundesministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas sieht in einem
Direktanstellungsgebot „die einzige Chance, mehr Transparenz reinzubringen und für die Beschäftigten
selbst eine Sicherheit zu bieten“ (www.tagesschau.de/investigativ/rbb/lieferdienste-
subunternehmer-bas-100.html). Entsprechend muss die Bundesregierung jetzt
handeln.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf
vorzulegen,
mit dem plattformgebundenen Essenslieferdiensten der Einsatz von Fremdpersonal in
Form von bei Dritten beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern,
Selbstständigen sowie von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern untersagt wird und so
ein Direktanstellungsgebot für Plattformbeschäftigte im Bereich der
Essenslieferdienste gesetzlich verankert wird.
Berlin, den 27. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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