Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk und Wettbewerbsbedingungen
Text
Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk und Wettbewerbsbedingungen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5954
21. Wahlperiode 15.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Volker Scheurell, Olaf Hilmer, Otto Strauß, Bastian Treuheit,
Alexander Arpaschi, Peter Boehringer, Carsten Becker, Peter Bohnhof, Thomas
Dietz, Rainer Galla, Alexis L. Giersch, Kay Gottschalk, Udo Theodor Hemmelgarn,
Stefan Keuter, Kurt Kleinschmidt, Thomas Ladzinski, Reinhard Mixl, Edgar
Naujok, Christian Reck, Manfred Schiller, Paul Schmidt, Uwe Schulz, Martina Uhr,
Kai-Uwe Ziegler und der Fraktion der AfD
Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk und Wettbewerbsbedingungen
Das deutsche Bäckerhandwerk steht exemplarisch für regional verwurzelten
Mittelstand, sieht sich jedoch seit Jahren wachsenden Belastungen
unterschiedlicher Art ausgesetzt. Neben massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten
sowie einem akuten Fachkräftemangel stellt insbesondere die geltende
Regelung des § 10 Absatz 3 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) einen erheblichen
Wettbewerbsnachteil dar (www.unternehmeredition.de/baeckerhandwerk-in-de
r-krise/).
Die in dem ArbZG verankerte Begrenzung der Arbeitszeit auf maximal drei
Stunden an Sonn- und Feiertagen führt faktisch zu einem sogenannten
Sonntagsbackverbot. Während handwerkliche Bäckereien in ihrer
Produktionsfähigkeit eingeschränkt werden, können Backstationen im Lebensmitteleinzelhandel
sowie Verkaufsstellen an Tankstellen ohne vergleichbare Restriktionen agieren
und Backwaren herstellen und verkaufen. Diese Ungleichbehandlung verzerrt
den Wettbewerb zulasten des handwerklichen Bäckergewerbes und gefährdet
zunehmend dessen wirtschaftliche Existenz (www.zdh.de/presse/veroeffentlich
ungen/interviews-und-statements/sonntagsbackverbot-und-bonpflicht-
symbolefuer-reformlethargie/).
Zugleich hat sich das Konsumverhalten der Bevölkerung verändert. Die
Nachfrage nach frischen Backwaren am Sonntag sowie an den meisten Feiertagen ist
hoch und stellt für viele Betriebe eine äußerst wichtige wirtschaftliche
Absatzmöglichkeit dar. Auch die Belieferung von Gastronomie und Hotellerie
erfordert flexible Produktionsmöglichkeiten (www.karlsruhe-insider.de/verbraucher/
steigende-preise-deutsche-baeckereien-geraten-in-die-mega-krise-295293) und
ist Teil des wirtschaftlichen Erfolgs des Bäckerhandwerks.
Die im Koalitionsvertrag 2025 bis 2029 angekündigte Reform des sogenannten
Sonntagsbackverbots (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvert
rag2025.de/files/koav_2025.pdf, Randnummern 564 f.) ist zum Leidwesen der
gesamten Bäckerzunft bislang ausgeblieben (www.tagesspiegel.de/wirtschaft/b
urokratieabbau-handwerk-sonntagsbackverbot-fur-backer-aufheben-1510001
0.html). Vertreter des Handwerks kritisieren daher nach Auffassung der
Fragesteller zu Recht eine ausbleibende Umsetzung zentraler Entlastungsmaßnahmen
und sprechen von einer Reformträgheit der Bundesregierung, die langsam
existenzbedrohend wirkt. Dies steht im Widerspruch zu den eigenen
Ankündigungen, Bürokratie abzubauen und den Mittelstand zu stärken.
Vor diesem Hintergrund ist in den Augen der Fragesteller eine zügige und
praxisnahe Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen dringend geboten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Beginn der
Legislaturperiode ggf. ergriffen, um die im Koalitionsvertrag 2025 bis 2029
angekündigte Reform der Regelungen zur Sonntagsarbeit im
Bäckerhandwerk umzusetzen?
2. Aus welchen Gründen wurde nach Ansicht der Bundesregierung bislang
kein Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag eingebracht, um eine
gesetzliche Anpassung des § 10 Absatz 3 ArbZG herbeizuführen?
3. Hat sich die Bundesregierung eine Positionierung erarbeitet zu den
derzeitigen Wettbewerbs- und Konkurrenzbedingungen zwischen handwerklichen
Bäckereien und Backstationen im Lebensmitteleinzelhandel sowie
Verkaufsstellen an Tankstellen, und wenn ja, welche ist dies?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über die
wirtschaftlichen Auswirkungen der bestehenden Regelung des § 10 Absatz 3 ArbZG
auf das Bäckerhandwerk vor?
5. Berücksichtigt die Bundesregierung bei einer möglichen Reform der
Arbeitszeitregelungen im Bäckerhandwerk die Interessen der Beschäftigten,
insbesondere hinsichtlich Arbeitszeitgestaltung und
Einkommensmöglichkeiten, und wenn ja, inwieweit?
6. Bis wann beabsichtigt die Bundesregierung ggf., einen Gesetzentwurf zur
Anpassung der Regelungen zur Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk
vorzulegen?
Berlin, den 8. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Alexander Arpaschi (Kleine Anfrage)
- asked ← Alexis L. Giersch (Kleine Anfrage)
- asked ← Bastian Treuheit (Kleine Anfrage)
- asked ← Carsten Becker (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Edgar Naujok (Kleine Anfrage)
- asked ← Kay Gottschalk (Kleine Anfrage)
- asked ← Kay-Uwe Ziegler (Kleine Anfrage)
- asked ← Kurt Kleinschmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Manfred Schiller (Kleine Anfrage)
- asked ← Martina Uhr (Kleine Anfrage)
- asked ← Olaf Hilmer (Kleine Anfrage)
- asked ← Otto Strauß (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Peter Boehringer (Kleine Anfrage)
- asked ← Peter Bohnhof (Kleine Anfrage)
- asked ← Rainer Galla (Kleine Anfrage)
- asked ← Reinhard Mixl (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Keuter (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Dietz (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Ladzinski (Kleine Anfrage)
- asked ← Udo Theodor Hemmelgarn (Kleine Anfrage)
- asked ← Uwe Schulz (Kleine Anfrage)
- asked ← Volker Scheurell (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Olaf Hilmer
- authored ← Volker Scheurell
- part_of_vorgang → Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk und Wettbewerbsbedingungen (Kleine Anfrage)