Achtstundentag im EU-Recht verankern und Beschäftigte schützen
Text
Achtstundentag im EU-Recht verankern und Beschäftigte schützen
Antrag
der Abgeordneten Anne Zerr, Janine Wissler, Jörg Cezanne, Doris Achelwilm,
Dr. Dietmar Bartsch, Desiree Becker, Anne-Mieke Bremer, Agnes Conrad,
Mirze Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal
Meiser, Zada Salihović, Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre,
Sarah Vollath, Sascha Wagner und der Fraktion Die Linke
Achtstundentag im EU-Recht verankern und Beschäftigte schützen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Aktuelle Vorschläge nach noch mehr Deregulierung sind Teil globaler Bemühungen
seitens Arbeitgeber*innen, ihre Profite auf Kosten von Beschäftigten zu maximieren.
Die Forderung den Achtstundentag abzuschaffen, ist kein Fortschritt, sondern ein
Rückschritt zulasten der hart erkämpften Arbeitnehmer*innenrechte. Die
Verwirklichung würde Familien vor eine Zerreißprobe stellen, das soziale Leben einschränken
und Ausbeutung verschärfen.
Entsprechende Pläne konservativer Regierungen treffen nicht nur in Deutschland auf
großen Widerstand (z. B. Generalstreik in Griechenland 2025: www.dw.com/de/
griechenland-generalstreik-protest-arbeitszeiten-gewerkschaften-v2/a-74185544 oder
„Mit Macht für die 8“ vom Deutschen Gewerkschaftsbund). Gleichzeitig existiert trotz
des Spielraums der EU-Arbeitszeitrichtlinie (Richtlinie 2003/88/EG) eine
Tageshöchstzeit weiterhin in einer Mehrzahl der Länder der Europäischen Union wie zum
Beispiel Belgien, Deutschland, Finnland, Polen, Portugal, Spanien oder Ungarn, die
insgesamt deutlich über die Hälfte der Unions-Bevölkerung repräsentieren. Diese
Tatsache zeigt, dass es auch auf EU-Ebene einen breiten Rückhalt gibt, die Arbeitsstunden
auf Tagesbasis zu begrenzen. Anstatt den Arbeitsschutz abzubauen, sollte sich die
Bundesregierung dafür einsetzen, anerkannte und von der Mehrheit getragene
Standards auf EU-Ebene anzuheben, um so auf Ausbeutung basierende
Wettbewerbsnachteile zu reduzieren und Beschäftigte zu schützen. Europäische Kooperation sollte
einem „race to the bottom“ (im Sinne eines Unterbietungswettlaufs), bei dem Staaten im
Standortwettbewerb Arbeits- und Sozialstandards absenken, entgegenwirken und
stattdessen Initiativen ergreifen, die hohe gemeinsame Schutzstandards schaffen und
dauerhaft absichern.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5396
21. Wahlperiode 16.04.2026
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass eine tägliche Höchstarbeitszeitgrenze
von acht Stunden zeitnah in die EU-Arbeitszeitrichtlinie (Richtlinie 2003/88/EG)
aufgenommen wird, von der in einem Tarifvertrag oder auf Grund eines
Tarifvertrags in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung abgewichen werden kann;
2. dem Bundestag regelmäßig über die angestellten Bemühungen zu berichten.
Berlin, den 14. April 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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