Ernährungssicherheit und Erhalt produktiver Landwirtschaft - Für eine pragmatische Agrar- und Ernährungspolitik (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3872)
Text
Ernährungssicherheit und Erhalt produktiver Landwirtschaft - Für eine pragmatische Agrar- und Ernährungspolitik (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3872)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4436
21. Wahlperiode 03.03.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3872 –
Ernährungssicherheit und Erhalt produktiver Landwirtschaft – Für eine
pragmatische Agrar- und Ernährungspolitik
A. Problem
Aus Sicht der Antragsteller fordern vor allem Umweltverbände, aber auch
offizielle Stellen wie das Umweltbundesamt, Maßnahmen im Umwelt-, Klima- und
Naturschutz, von deren Auswirkungen land- und forstwirtschaftliche Flächen,
Kulturlandschaften und Arbeitsplätze betroffen sind. Sowohl durch solche
Maßnahmen als auch durch geopolitische Unsicherheiten, unterbrochene Lieferketten
und Extremwetterereignisse gerate die weltweite und nationale
Ernährungssicherheit unter Druck. Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland sei vor allem bei
Obst, Gemüse und Sonderkulturen zu gering. Auch wenn Ernährung und
Landwirtschaft umweltverträglicher gestaltet werden sollten, dürfe dies nicht zulasten
von Anbauflächen erfolgen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/3872 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Alexander Engelhard, Christian Reck, Dr. Franziska
Kersten, Dr. Ophelia Nick und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 56. Sitzung am 29. Januar 2026 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/3872 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und
nukleare Sicherheit überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Mit dem vorliegenden Antrag soll unter anderem festgestellt werden, dass die Ernährungssicherheit vor allem in
Folge der geopolitischen Lage und des Klimawandels gefährdet ist. Aus diesem Grund dürften Maßnahmen für
eine umweltverträglichere Ernährung und Landwirtschaft nicht zur Verringerung von Produktionsflächen führen.
Weiterhin soll die Bunderegierung aufgefordert werden, bei allen landwirtschafts- und ernährungspolitischen
Maßnahmen die Versorgungssicherheit und den Erhalt von landwirtschaftlichen Flächen adäquat zu
berücksichtigen. Für alle rechtliche Regelungen, die die landwirtschaftliche Nutzung, die Herstellung sowie den Einsatz von
Pflanzenschutz- und Düngemitteln oder die Flächenumwidmung betreffen, soll die Bundesregierung vor
Inkrafttreten eine wissenschaftsbasierte Folgenabschätzung vorlegen. Außerdem soll die Bundesregierung dazu
aufgerufen werden, produktive Acker- und Grünlandflächen soweit möglich zu erhalten oder angemessene
Entschädigungen zu zahlen. Darüber hinaus soll die Bundesregierung in einem Dialogforum die zuständigen Ministerien
auf Bundes- und Landesebene, Umweltverbände und Praktiker aus Land- und Ernährungswirtschaft
zusammenführen, um Maßnahmen ausgewogen und umsetzbar zu gestalten.
III. Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 25. Sitzung am
25. Februar 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/3872 empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/3872 in seiner 17. Sitzung am 25. Februar 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU betonte, die im Antrag der Fraktion der AfD vorgeschlagenen Maßnahmen
bedeuteten einen hohen Zuwachs an Bürokratie. Damit werde die Arbeit der landwirtschaftlichen Betriebe erschwert.
Mit der Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung würden bereits gute Instrumente eingesetzt.
Die Fraktion der AfD wies darauf hin, Ernährungssicherheit sei essenziell für ausreichend verfügbare und
bezahlbare Lebensmittel. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie schnell Lieferketten unterbrochen werden
könnten. Globale Krisen, geopolitische Spannung und steigende Produktionskosten wirkten sich auf die Versorgung
in Deutschland aus. Transformation und Stilllegung von landwirtschaftlichen Flächen führe zu höheren Importen
aus Drittstaaten mit geringeren Produktionsstandards. Mit dem vorliegenden Antrag sollten die heimischen
Produktionsgrundlagen gesichert werden. Ökologische Ziele seien wichtig, dürften aber nicht losgelöst von der
wirtschaftlichen Realität verfolgt werden. Eine Schwächung der Landwirtschaft habe Abhängigkeiten und steigende
Preise zur Folge. Dagegen schütze eine pragmatische Agrar- und Ernährungspolitik, die die Fraktion der AfD
vorschlage, nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Verbraucher, Arbeitsplätze und die Stabilität in
Deutschland.
Die Fraktion der SPD erklärte, ihre Agrarpolitik habe das Ziel, wirtschaftlichen Erfolg für Landwirtinnen und
Landwirte mit dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu kombinieren. Dazu müssten Anreize durch die
einkommenswirksame Honorierung von Ökosystemleistungen geschaffen und kooperative Modelle zwischen
Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen gefördert werden. Beides sei im Koalitionsvertrag zwischen CDU,
CSU und SPD festgelegt und werde Schritt für Schritt umgesetzt. Leitparameter der Agrarpolitik seien zudem die
Versorgungssicherheit und der Erhalt landwirtschaftlicher Nutzflächen. Neben Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen für versiegelte Flächen sollten Ideen für einen geringeren Verbrauch von landwirtschaftlich genutzter Fläche,
z. B. durch Mehrfachnutzung, entwickelt und umgesetzt werden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bemerkte, dass Ernährungssicherheit ein sinnvolles und wichtiges
Ziel sei. Aber die Produktivität der Landwirtschaft dürfe nicht gegen den Umweltschutz ausgespielt werden. Die
Problematik müsse ganzheitlich betrachtet werden, denn durch den Klimawandel bedingte
Extremwetterereignisse hätten starken Einfluss auf die Ernteergebnisse der Landwirtschaft. Der Antrag der Fraktion der AfD tue
ebendies aber nicht.
Die Fraktion Die Linke hielt fest, der Antrag der Fraktion der AfD enthalte widersprüchliche Aussagen.
Ressourceneffizienz und Umweltverträglichkeit würden im Zusammenhang mit dem Wandel der Landwirtschaft eine
gewisse Bedeutung zugemessen, um dann doch zugunsten von höheren Produktionskapazitäten aufgegeben zu
werden. Das könne die Fraktion Die Linke nicht mittragen.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/3872 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Alexander Engelhard
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333
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