Marktstellung der Landwirte stärken - Faire Wettbewerbsbedingungen schaffen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2549)
Text
Marktstellung der Landwirte stärken - Faire Wettbewerbsbedingungen schaffen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2549)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2825
21. Wahlperiode 14.11.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2549 –
Marktstellung der Landwirte stärken – Faire Wettbewerbsbedingungen schaffen
A. Problem
Die Antragssteller erklären, kleine und mittelständige landwirtschaftliche
Betriebe auf nationaler Ebene seien gegenüber großen Akteuren aufgrund deren
Marktmacht benachteiligt. Zudem stehe die heimische Landwirtschaft aufgrund
der Importe von Agrarprodukten aus Drittstatten mit niedrigeren Umwelt- und
Sozialstandards als in der EU unter Druck. Gleichzeitig seien die nationalen
landwirtschaftlichen Unternehmen aufgrund komplexer und schwerfälliger
bürokratischer Anforderungen auf EU- und nationaler Ebene einer personellen und
finanziellen Belastung ausgesetzt. Auch berücksichtige die derzeitige Gemeinsame
Agrarpolitik (GAP) der EU oft nicht ausreichend die spezifischen nationalen
Gegebenheiten und Herausforderungen der deutschen Landwirtschaft. Die
Antragssteller sind auch der Ansicht, dass für die Kaufentscheidungen von
Verbraucherinnen und Verbrauchern die Kenntnis des Inhalts und der Herkunft von
Lebensmittelzutaten entscheidend sei. Allerdings bestehe bisher keine verbindliche
Herkunftsangabe für tierische Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln.
Mit dem Antrag soll die Bundesregierung aufgefordert werden, Maßnahmen
vorzuschlagen, mit denen die Position der landwirtschaftlichen Erzeuger u. a.
gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel gestärkt sowie steuerliche Entlastungen und
gezielte Investitionsanreize für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen werden.
Außerdem soll die Förderung über die GAP zu einer Förderkompetenz auf
nationaler Ebene zurückgeführt werden, um Betriebe gezielter unterstützen zu können.
Ferner soll eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete
Lebensmittel in Fertigpackungen eingeführt werden, um Verbrauchern eine bessere
Entscheidungsmöglichkeit zu bieten.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/2549 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Caroline Bosbach
Berichterstatterin
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Caroline Bosbach, Christian Reck, Dr. Franziska Kersten,
Dr. Ophelia Nick und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 37. Sitzung am 6. November 2025 den Antrag auf Drucksache 21/2549
erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur federführenden Beratung
sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und den Ausschuss für die
Angelegenheiten der Europäischen Union überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Der Antrag der Fraktion der AfD fordert im Wesentlichen die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die
Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen von landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland auf nationaler und
internationaler Ebene.
Mit dem Antrag der Fraktion der AfD soll die Bundesregierung insbesondere aufgefordert werden, ein nationales
Maßnahmenpaket zur Stärkung der Marktstellung landwirtschaftlicher Erzeuger gegenüber dem
Lebensmitteleinzelhandel, Verarbeitungsunternehmen und Handelsketten vorzulegen. Zudem wird ein Gesetzentwurf für eine
verbindliche, praktikable und verbraucherfreundliche Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel gefordert, der
bei verarbeiteten Produkten und Fertigpackungen die Herkunft der tierischen Zutaten verlangen soll. Die
Bundesregierung soll sich auch dafür einsetzen, dass landwirtschaftliche Produkte, die von außerhalb der EU importiert
werden, denselben Qualitäts-, Produktions- und Umweltstandards unterliegen wie in Deutschland erzeugte
Produkte.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat in seiner 16. Sitzung am 12. November 2025 mit den
Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der
Fraktion der AfD empfohlen, den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/2546 abzulehnen.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat in seiner 11. Sitzung am 12. November
2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die
Stimmen der Fraktion der AfD empfohlen, den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/2546 abzulehnen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Beratungsverlauf
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/2549 in seiner 10. Sitzung am 12. November 2025 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU erinnerte an die ambitionierten Ziele, die sich die Koalition aus CDU, CSU und
SPD in ihrem Koalitionsvertrag gesetzt habe, und hob die in den letzten Monaten bereits erfolgten
Umsetzungsschritte hervor. Dies sei der Weg, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Koalitionsvertrag
enthalte auch Punkte zur Stärkung von – im vorliegenden Antrag adressierten – fairen Wettbewerbsbedingungen
für die Landwirtschaft und zur Stärkung ihrer Markposition, deren Realisierung bevorstehe oder deren Umsetzung
bereits im Verfahren sei.
Die Fraktion der AfD erklärte, mit ihrem Antrag setze sie sich für faire Marktbedingungen ein. Landwirte
müssten wieder eine echte Verhandlungsposition bekommen. Unfaire Handelspraktiken sollten gestoppt,
Erzeugergemeinschaften gestärkt und sichergestellt werden, dass importierte Produkte denselben Standards entsprächen wie
heimische. Der Antrag stehe für eine klare Botschaft, weniger Bürokratie, mehr Freiheit und echte
Wettbewerbsfähigkeit für die heimische Landwirtschaft. Um die Zukunft der Höfe zu sichern, sei erforderlich, klar zu
deregulieren.
Die Fraktion der SPD bezeichnete den Antrag als Sammelsurium unterschiedlichster Maßnahmen, die teils nicht
umsetzbar seien und teils Positionen ihrer Fraktion kopierten. Unfaire Handelspraktiken sollten laut Antragstext
mit gesetzlichen Standards, aber unabhängig von der UTP-Richtlinie bekämpft werden. Ganz abgesehen davon,
dass damit der europäische Binnenmarkt und der Freihandel ignoriert würden, solle zudem mit einer zusätzlichen
Regelung wieder ein nationaler Sonderweg beschritten und zusätzliche Bürokratie erzeugt werden. Die Forderung
nach vollständiger Renationalisierung der Agrarförderung verkenne einerseits, dass die GAP für
Wettbewerbsgleichheit und für ein einheitliches Ambitionsniveau sorge, und andererseits stelle sie sich nicht der politischen
Realität, dass jede grundlegende Neuverteilung von Finanzmitteln zu neuen Konkurrenzen führe, bei denen
Landwirtschaft und ländliche Räume nur verlieren könnten.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erkannte in einzelnen Forderungen des Antrags auch die Übernahme
eigener Positionen, lehnte andere hingegen vollständig ab. Wenn unter Abschnitt II Nummer 1 Buchstabe a des
Forderungskatalog „die Einführung verbindlicher gesetzlicher Standards gegen unfaire Handelspraktiken,
unabhängig von halbherzigen EU-Vorgaben“ gefordert werde, sei dies Gold Plating. Einerseits zu sagen, Gold Plating
gehe gar nicht, es an dieser Stelle aber zu fordern, sei hanebüchen.
Die Fraktion Die Linke beschrieb den Antrag ebenfalls als Sammelsurium. Um die in Abschnitt II Nummer 6
ausdrücklich so erwähnten „deutschen Interessen“ zu stärken, würden alle anderen Dinge, mit denen es sich
auseinanderzusetzen gelte, ausgeblendet.
Die Bundesregierung verwies zum Thema Ombudsstelle für unlautere Handelspraktiken auf die in der
bevorstehenden Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses dazu vorgesehene Beschlussfassung. In der freien
Marktwirtschaft wolle sie, anders als in einer Planwirtschaft, die Preise nicht festlegen. Die rechtlichen
Rahmenbedingungen für Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften seien auf EU-Ebene festgelegt. Die Umsetzung in
nationales Recht erfolge immer mit der Maßgabe, bürokratisch schlank vorzugehen. Die Bundesregierung setze
sich für eine Vereinfachung der Regelungen, auch etwa im Bereich der Direktvermarktung, ein.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/2549 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Caroline Bosbach
Berichterstatterin
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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