Informationsmaterial der Bundeswehr für Minderjährige und junge Erwachsene
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Informationsmaterial der Bundeswehr für Minderjährige und junge Erwachsene
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8032
21. Wahlperiode 16.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Desiree Becker, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Vinzenz
Glaser, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski,
Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Cansu Özdemir,
Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Lea Reisner, Evelyn Schötz, Julia-Christina
Stange, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Informationsmaterial der Bundeswehr für Minderjährige und junge Erwachsene
Die Bundeswehr ist durch ihre Jugendoffiziere sowie ihre Karriereberaterinnen
und Karriereberater in erheblichem Umfang in Schulen und Hochschulen, auf
Ausbildungsmessen sowie in Berufsinformationszentren präsent.
Jugendoffiziere der Bundeswehr führen bundesweit jährlich mehrere tausend Vorträge,
Seminare, Planspiele und Diskussionsveranstaltungen an Schulen durch. Allein im
Jahr 2025 wurden nach Angaben der Bundesregierung 5 529 Vorträge von
Jugendoffizierinnen und Jugendoffizieren an Schulen dokumentiert. Davon 2 329
in der Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10), 2 073 in der Sekundarstufe II und
1 102 an Berufsschulen (vgl. Bundestagsdrucksache 21/5371). Im Jahr 2024
wurden laut Jahresbericht der Jugendoffiziere insgesamt 130 648 Schülerinnen
und Schüler erreicht, darunter 52 980 am Gymnasium, 18 961 an der
Realschule und 20 636 an Berufsschulen (vgl. www.bundeswehr.de/resource/blob/59932
94/a3842c9787ea1c0101eefe6bea08b5ef/die-jugendoffiziere-der-bundeswehr-j
ahresbericht-2024-data.pdf).
Jugendoffiziere nutzen dabei eigens entwickelte Unterrichtsmaterialien,
Präsentationen, Handouts und Arbeitsblätter. Darüber hinaus existieren
Gesprächsleitfäden, Checklisten für Schulbesuche sowie spezifische Materialien zu
Planspiel-Formaten wie POL&IS (Politik und Internationale Sicherheit).
Karriereberaterinnen und Karriereberater der Bundeswehr sind flächendeckend
auf Ausbildungsmessen, in Berufsinformationszentren und in Jobcentern tätig.
Sie verteilen Broschüren, Flyer und Informationsmaterial zu Ausbildungs-,
Studien- und Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr. Es existieren zudem
Infomobile und Infotrucks, die an Messeständen eingesetzt werden. Auch
Pop-up-Karrierelounges in Einkaufszentren und öffentlichen Räumen gehören
zum Repertoire. Allein im zweiten Quartal 2026 fanden bundesweit mehrere
hundert Messebeteiligungen der Bundeswehr statt (vgl. Bundestagsdrucksache
21/5371).
Darüber hinaus wurden 2024 9 239 Lehrkräfte, 1 663 Referendarinnen und
Referendare sowie 915 Schulleiterinnen, Schulleiter und Schulbehörden als
sogenannte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erreicht (vgl.
Bundestagsdrucksache 21/5371).
Hinzu kommt eine zunehmende Präsenz über private Social-Media-Kanäle
einzelner Jugendoffiziere auf Plattformen wie TikTok und Instagram, auf denen
einseitige Inhalte zu militärischen Themen verbreitet werden. Dies stellt einen
Befund dar, der mit dem Beutelsbacher Konsens, zu dem sich Jugendoffiziere
verpflichten, kaum vereinbar scheint.
Die Fragestellenden begreifen diese Aktivitäten als Teil einer systematischen
Informations- und Öffentlichkeitsstrategie der Bundeswehr, deren Zweck
letztlich der Personalgewinnung sowie der gesellschaftlichen Normalisierung
militärischer Strukturen dient.
Die Fragestellenden halten es für geboten, Inhalt und didaktische Konzeption
der eingesetzten Materialien einer parlamentarischen Kontrolle zu unterziehen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Unterrichtsmaterialien, Broschüren, Handouts, Arbeitsblätter und
Hefte bzw. Heftreihen usw. werden aktuell von Jugendoffizieren und
Karriereberatern und Karriereberaterinnen der Bundeswehr bei Schulbesuchen,
an Hochschulen sowie bei außerschulischen Bildungsveranstaltungen aktiv
an Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Referendarinnen und
Referendare oder andere Teilnehmende physisch ausgehändigt (bitte nach
Format, Titel, Zielgruppe aufschlüsseln)?
2. Welche digitalen Präsentationen, Videos, Podcasts und sonstigen
audiovisuellen Materialien werden aktuell von Jugendoffizieren und Karriereberatern
und Karriereberaterinnen der Bundeswehr bei Schulbesuchen, an
Hochschulen sowie bei außerschulischen Bildungsveranstaltungen aktiv an
Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Referendarinnen und
Referendare oder andere Teilnehmende über digitale Zugänge (z. B. Download-
Link, QR‑Code, Lernplattform, Streaming-Link, E‑Mail-Versand)
zugänglich gemacht (bitte nach Format, Titel, Zielgruppe aufschlüsseln; bitte auch
den Zugangslink mitteilen)?
3. In welchen Stückzahlen wurden die in Frage 1 genannten Materialien in
den letzten fünf jeweils abgeschlossenen Kalenderjahren
a) an Schulen (bitte nach Schulform aufschlüsseln),
b) an Hochschulen,
c) bei Veranstaltungen mit weiteren Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren physisch ausgegeben wurden (bitte für jedes physische Material
Ausgabezahlen angeben und nach Jahr, Ausgabezahl, Format, Titel,
Zielgruppe aufschlüsseln)?
4. In welchen Stückzahlen wurden die in Frage 2 genannten Materialien in
den letzten fünf jeweils abgeschlossenen Kalenderjahren
a) an Schulen (bitte nach Schulform aufschlüsseln),
b) an Hochschulen,
c) bei Veranstaltungen mit weiteren Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren digital aufgerufen wurden (bitte für jedes digitale Material
Aufrufbzw. Download-Zahlen angeben und nach Jahr, Aufrufen bzw.
Downloads, Format, Titel, Zielgruppe aufschlüsseln)?
5. Welche der in den Fragen 1 und 2 aufgeführten Materialien sind für
Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit
frei zugänglich (z. B. als Download auf Internetseiten der Bundeswehr oder
der Bundesregierung, über Schulserver, öffentliche Mediatheken) und
welche nicht (bitte jeweils pro Material Titel, Zugangsweg und bei Bedarf
Ausschlussgrund angeben)?
Berlin, den 14. September 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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