Ja zum Freihandel - Mehr Schutz für die deutsche Landwirtschaft - Nein zum Landwirtschaftsteil des Mercosur-Abkommens
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Ja zum Freihandel - Mehr Schutz für die deutsche Landwirtschaft - Nein zum Landwirtschaftsteil des Mercosur-Abkommens
[Antrag
der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske,
Stefan Schröder, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Carsten Becker, Joachim
Bloch, Erhard Brucker, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Nicole Hess,
Nicole Höchst, Heinrich Koch, Achim Köhler, Markus Matzerath, Edgar
Naujok, Iris Nieland, Andreas Paul, Arne Raue, Volker Scheurell, Manfred
Schiller, Jan Wenzel Schmidt, Martina Uhr, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und
der Fraktion der AfD
Ja zum Freihandel – Mehr Schutz für die deutsche Landwirtschaft – Nein zum
Landwirtschaftsteil des Mercosur-Abkommens
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Am 3. September 2025 hat die EU-Kommission die Ratifizierung des
Handelsabkommens mit dem Mercosur-Staatenbund angestoßen.
Die Europäische Union (EU) und die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien,
Paraguay und Uruguay hatten sich im Jahr 2019 nach fast 20-jähriger Verhandlungsdauer
auf ein umfassendes Assoziierungsabkommens zur Bildung der größten
Freihandelszone der Welt verständigt.1
Die Mercosur-Staaten sind vor allem bei den Agrarprodukten Rindfleisch, Zucker,
Ethanol und Geflügel sehr wettbewerbsfähig. Im Rahmen des Abkommens sollen die
Märkte ausgerechnet für diese sensiblen Agrargüter geöffnet werden. Falls das
Abkommen in Kraft treten sollte, wird es erhebliche negative Auswirkungen auf die
europäischen Agrarmärkte und die Umwelt haben.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren will die EU den Import von 99.000 Tonnen
Rindfleisch mit einem Zollsatz von 7,5 Prozent, 180.000 Tonnen Geflügel zollfrei, 450.000
Tonnen Ethanol zur Verwendung in der chemischen Industrie zollfrei sowie weiteren
200.000 Tonnen Ethanol für alle anderen Verwendungszwecke mit einem Drittel des
derzeit hohen Kontingentzollsatzes von bis zu 19 Euro/Hektoliter zulassen. Außerdem
soll mit Paraguay ein zollfreies Kontingent von 10.000 Tonnen Zucker vereinbart
werden.2 Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) machte
bereits 2019 deutlich, dass es in dem Fall im Agrarbereich mit einem Anstieg des Ex-
1 www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Aussenwirtschaft/assoziierungsabkommen-zwischen-der-eu-und-
den-mercosur-staaten.html
2 https://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2019/july/tradoc_158141.pdf
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3315
21. Wahlperiode 16.12.2025
portvolumens auf Seiten des Mercosur rechne. Studien prognostizieren einen
Rückgang der Einkommen in der europäischen und deutschen Landwirtschaft, insbesondere
im Bereich Fleischerzeugung.3 Von Seiten der europäischen und deutschen Landwirte
werden deshalb berechtigte Befürchtungen geäußert, dass die Ratifizierung des EU-
Mercosur-Abkommens die heimische Wirtschaft und Landwirtschaft schwächen und
die hohen europäischen Standards untergraben würde4.
Ein weiterer großer Kritikpunkt ist, dass das Mercosur-Abkommen den
Entwaldungsdruck in der Amazonasregion erheblich verstärken wird. Unterschiedliche Studien
gehen nach Inkrafttreten des Handelsabkommens von einer zusätzlichen Abholzung von
122.000 bis zu 700.000 Hektar Wald aus, wovon der größte Teil tropischer Regenwald
ist. Daran würden auch die weichen Bestimmungen im Nachhaltigkeitskapitel wenig
ändern können.5
Internationaler Handel ist die Grundlage unseres Wohlstands und des friedlichen
Miteinanders. Freihandel darf allerdings nicht auf dem Rücken der heimischen
Bauernfamilien ausgetragen werden. Das Mercosur-Abkommen gewährleistet der europäischen
und deutschen Landwirtschaft keine fairen Wettbewerbsbedingungen. Durch die
weitgehenden Zugeständnisse bei den genannten sensiblen Agrargütern, wird die ohnehin
schon schwierige wirtschaftliche Situation in der deutschen Landwirtschaft weiter
verschlechtert und die Existenz tausender bäuerlicher Familienbetriebe gefährdet. Daher
darf das Mercosur-Abkommen in der geplanten Form nicht ratifiziert werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
auf allen Ebenen darauf hinzuwirken, das Freihandelsabkommen zwischen der
Europäischen Union und den Mercosur-Staaten nicht zu ratifizieren, solange es
Zollkontingente beziehungsweise Freihandelsquoten für Zucker, Ethanol, Rindfleisch und
Geflügelfleisch beinhaltet, die sich nachteilig auf die deutsche Landwirtschaft auswirken.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
3 Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages, 2019, Auswirkungen des geplanten EU-Mercosur-
Abkommens auf die Landwirtschaft und die Rindfleischproduktion in Deutschland, www.bundestag.de/
resource/blob/669170/811dcb74ac1e3b38ae15833de34aa841/WD-5-085-19-pdf-data.pdf
4 www.wochenblatt-dlv.de/politik/wiederbelebung-mercosur-abkommens-copa-spricht-skandal-571135
5 https://imazon.org.br/wp-content/uploads/2020/12/Imazon_report_mercosul-december2020.pdf;
https://amerika21.de/2022/02/256864/omal-beleuchtet-eu-mercosur-handel; https://german-
watch.org/sites/germanwatch.org/files/Auswirkungen%20des%20EU-Mercosur%20
Abkommens%20auf%20Agrarhandel%20und%20SDGs_2.pdf; https://trade.ec.europa.eu/do-
clib/docs/2018/march/tradoc_156631.pdf
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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