Mögliche gemeinsame diplomatische Abstimmungen und Initiativen der Bundesrepublik Deutschland und des Heiligen Stuhls bei internationalen Fragen und Konflikten (Antwort zu Drs. 21/2030)
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Mögliche gemeinsame diplomatische Abstimmungen und Initiativen der Bundesrepublik Deutschland und des Heiligen Stuhls bei internationalen Fragen und Konflikten (Antwort zu Drs. 21/2030)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2898
21. Wahlperiode 24.11.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Schulz, Stefan Keuter, Udo
Theodor Hemmelgarn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2030 –
Mögliche gemeinsame diplomatische Abstimmungen und Initiativen der
Bundesrepublik Deutschland und des Heiligen Stuhls bei internationalen Fragen
und Konflikten
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Heilige Stuhl nimmt als souveränes Völkerrechtssubjekt und
Beobachterstaat bei den Vereinten Nationen eine besondere Rolle in internationalen
Konfliktlagen ein. Deutschland unterhält diplomatische Beziehungen zum Vatikan
und pflegt politische und religiös-kulturelle Dialogformate. In verschiedenen
Konfliktkontexten – etwa im Nahen Osten, in Afrika, in der Ukraine sowie in
Lateinamerika – treten sowohl Deutschland als auch der Vatikan als politische
oder humanitäre Akteure in Erscheinung. Dabei stellt sich den Fragestellern
die Frage, in welchen Bereichen ggf. Abstimmungen, gemeinsame Initiativen
oder informelle diplomatische Koordinierungen stattfinden, insbesondere mit
Blick auf Friedensgespräche, humanitäre Vermittlungsangebote, Mediation,
Minderheitenschutz und die Stärkung religiöser Vermittlungsakteure in
Konfliktregionen.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Deutschland unterhält diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl als
originärem, nichtstaatlichem Völkerrechtssubjekt. Der Heilige Stuhl und der 1929
gegründete Staat Vatikanstadt sind zwei unterschiedliche Völkerrechtssubjekte,
an deren Spitze jeweils der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche steht.
Über die diplomatischen Aktivitäten des Heiligen Stuhls hinaus bestehen
vielfältige Strukturen der katholischen Kirche weltweit, die wichtige humanitäre
Arbeit leisten.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 24. November 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Welche regelmäßigen bilateralen Austauschformate zwischen der
Bundesregierung und dem Heiligen Stuhl existieren derzeit ggf. zu außen-
und friedenspolitischen Themen (bitte nach Ebene, Institution,
Häufigkeit und Beteiligten aufschlüsseln)?
Heiliger Stuhl und katholische Weltkirche sind wichtige Gesprächspartner der
Bundesregierung, unter anderem in den Bereichen Konfliktprävention und -
bewältigung und Erhalt der multilateralen Ordnung. Der Austausch mit dem
Heiligen Stuhl erfolgt anlassbezogen im Rahmen politischer Gespräche und
diplomatischer Kontakte, etwa bei Besuchen von Vertretern der Bundesregierung, im
Rahmen internationaler Konferenzen sowie im regelmäßigen Austausch der
Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom mit dem Staatssekretariat des
Heiligen Stuhls.
So reiste Bundesaußenminister Wadephul am 12. Juni 2025 u. a. zu einem
Austausch mit dem Heiligen Stuhl nach Rom und sprach dort mit
Kardinalstaatssekretär Parolin sowie dem Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten,
Erzbischof Gallagher. Im Mittelpunkt standen dabei die humanitären Folgen des
Krieges in der Ukraine, der Nahostkonflikt, weltweite Fluchtbewegungen
sowie die Rolle von Religion in internationalen Krisenkontexten. Begleitet wurde
Bundesminister Wadephul vom Beauftragten der Bundesregierung für
Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel. Dieser führte den Dialog
zur Religionsfreiheit im Rahmen eines Besuches vom 20. bis 22. Oktober 2025
fort.
2. In welchen internationalen Konflikten seit 2015 kam es zu
diplomatischer Abstimmung oder Kooperation zwischen der Bundesregierung
und dem Heiligen Stuhl (bitte mit Jahresangaben und Art der
Zusammenarbeit darstellen)?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
3. Plant die Bundesregierung mit dem Heiligen Stuhl gemeinsame
diplomatische Aktivitäten bei den Vereinten Nationen (UN), der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in EU-Kontext bzw.
bei humanitären Sondergesandtschaften, und wenn ja, welche?
Die Bundesregierung führt einen engen Dialog mit dem Heiligen Stuhl,
insbesondere in den Gremien, in denen dieser Mitglied oder Beobachter ist. Über
gemeinsame diplomatische Aktivitäten wird im Einzelfall entschieden.
4. Welche Position nimmt die Bundesregierung ggf. zu potenziellen
gemeinsamen Vermittlungsinitiativen mit dem Heiligen Stuhl im Konflikt
zwischen Russland und der Ukraine ein?
Die Bundesregierung unterstützt konstruktive diplomatische Initiativen zur
Beendigung von Russlands völkerrechtswidrigem Angriffskrieg mit dem Ziel
eines dauerhaften und gerechten Friedens für die Ukraine. Dies gilt auch für
potenzielle Initiativen des Heiligen Stuhls.
5. Inwiefern beteiligt sich die Bundesregierung ggf. an Projekten oder
Programmen des Vatikans zur Förderung von religiösem Dialog,
Friedenserziehung oder interreligiöser Konfliktprävention in Krisenregionen?
Die Bundesregierung arbeitet in der Konfliktprävention mit Vertretern von
Religionsgemeinschaften und weltanschaulichen Institutionen zusammen und
fördert im Einzelfall Projekte in den genannten Bereichen. Darunter sind auch
katholische Organisationen wie die Laienbewegung Sant’Egidio. Deren vom 10.
bis 12. September 2023 in Berlin ausgerichtetes Internationales Treffen „Den
Frieden wagen“ hat das Auswärtige Amt gefördert. In der Regel tritt dabei
nicht der Vatikan bzw. der Heilige Stuhl selbst als Träger von Projekten oder
Programmen auf.
6. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche
katholische Hilfswerke (z. B. Caritas Internationalis, Misereor) in
Kooperationsformaten, an denen sowohl Bundesregierung als auch Heiliger Stuhl
beteiligt sind?
Deutsche katholische Hilfswerke wie Caritas International oder Malteser
International e. V. haben eine wichtige Rolle in der internationalen humanitären
Arbeit sowohl für Deutschland als auch im Netzwerk kirchlicher Hilfswerke. Im
Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung und auf die Antwort
zu Frage 5 verwiesen.
7. Gibt es bilaterale Abstimmungen zwischen Vertretern der
Bundesregierung und der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften oder der
Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften zu friedenspolitischen
Fragen (wenn ja, bitte ausführen)?
Der in der Antwort zu Frage 1 beschriebene Austausch mit Vertretern des
Heiligen Stuhls schließt auch den Austausch mit den Päpstlichen Akademien ein.
8. Hat sich die Bundesregierung zur möglichen Einbindung des Heiligen
Stuhls in zukünftige internationale Friedenskonferenzen oder
Waffenstillstandsverhandlungen eine Positionierung erarbeitet, und wenn ja,
welche?
Die Bundesregierung begrüßt das weltweite Engagement des Heiligen Stuhls
für Frieden und Verständigung. Darüber hinaus wird auf die Antwort zu
Frage 5 verwiesen.
9. Sind für die Jahre 2025 und 2026 (und wenn ja, welche) konkrete
gemeinsame Veranstaltungen, Dialogformate oder diplomatische Missionen
zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl zu Konfliktdiplomatie
geplant?
Derzeit bestehen keine konkreten Planungen für die vorgenannten Formate.
10. Beabsichtigt die Bundesregierung, Papst Leo XIV. zu einem offiziellen
Besuch nach Deutschland einzuladen, und wenn ja, wann, und wohin?
Eine offene Einladung zu einem Besuch in Deutschland wurde durch den
Bundespräsidenten im Rahmen der Audienz bei Papst Leo XIV. am 22. September
2025 ausgesprochen. Konkrete Reisedaten bestehen darüber hinaus derzeit
nicht.
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