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Bornavirus im Jahr 2025 in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/2685)

dip / drucksache 24.11.2025 · WP 21 · 21/2897 · Antwort · Original ↗

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Bornavirus im Jahr 2025 in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/2685) [Deutscher Bundestag Drucksache 21/2897 21. Wahlperiode 24.11.2025 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christoph Birghan, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD – Drucksache 21/2685 – Bornavirus im Jahr 2025 in Deutschland V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Das Bornavirus (BoDV-1) ist der Erreger der Borna-Krankheit, einer für Haussäugetiere und Menschen tödlichen neurologischen Erkrankung, die durch eine Spillover-Infektion von ihrem natürlichen Reservoirwirt, der zweifarbigen Weißzahnspitzmaus (Crocidura leucodon), verursacht wird. Die Forschung geht von einer variablen Inkubationszeit zwischen einigen Wochen und einigen Monaten aus (Ebinger, A., Santos, P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1 infections of humans and animals – in-depth molecular epidemiology and phylogeography. Nat Commun 15, 7908 [2024]; https://doi.or g/10.1038/s41467-024-52192-x). Das bekannte Bornavirus-Endemiegebiet ist auf Teile Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins beschränkt, wobei das Virus sich aufgrund der Standorttreue des Wirtsorganismus (der Weißzahnspitzmaus) scheinbar geografisch nicht bzw. nur sehr langsam ausbreitet (Ebinger, A., Santos, P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1 infections of humans and animals – in-depth molecular epidemiology and phylogeography. Nat Commun 15, 7908 [2024]; https://doi.org/10.1038/s41467-024-52192-x). Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bestätigen, dass das Virus in Deutschland endemisch in den Bundesländern Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg vorkommt, wobei Brandenburg insbesondere im Westteil als mutmaßliches Endemiegebiet gilt. (www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/ B/Bornavirus/Bornavirus_Hinweise-zur-Diagnostik.html). Bis zum 13. Juli 2025 wurden insgesamt 51 laborbestätigte Infektionen mit BoDV-1 in Deutschland gemeldet (seit Einführung der Meldepflicht 2020), davon 50 tödlich und ein Fall mit bleibenden neurologischen Schäden. Die jährliche Inzidenz liegt bei fünf bis zehn humanen Fällen, die nahezu immer tödlich oder mit schwerer Enzephalitis verlaufen (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/992). Im Jahr 2025 wurde bereits mindestens ein Todesfall in Oberbayern bestätigt, was die anhaltende Relevanz unterstreicht (www.fr.de/panorama/erster-todesfall-2025-in-deutschlan d-das-sind-symptome-des-bornavirus-93776527.html). In den vergangenen Wochen berichteten Medien verstärkt von auftretenden Infektionen (www.moz.de/nachrichten/panorama/bornavirus-ob-brandenburg-zu Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat vom 24. November 2025 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext. m-verbreitungsgebiet-des-toedlichen-virus-gehoert-78112927.html, www.lr-o nline.de/nachrichten/brandenburg/borna-virus-bornavirus-symptome-krankhei t-infektion-maus-spitzmaus-gefahr-tödlich-beim-menschen-sachsen-anhalt-thu eringen-bayern-60141897.html). 1. Wie viele Verdachtsfälle einer Infektion mit dem Bornavirus wurden in den letzten zehn Jahren im gesamten Bundesgebiet erfasst (bitte nach Jahr und Bundesland aufschlüsseln)? Der Verdacht einer Erkrankung ist bei Bornaviren (BoDV-1) nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht meldepflichtig. Daher liegen der Bundesregierung hierzu keine Zahlen vor. 2. Wie hoch wird die Dunkelziffer bzw. Dunkelzifferquote geschätzt? Mit BoDV-1 infizierte Personen entwickeln schwere neurologische Symptome und werden hospitalisiert. In Gebieten mit bekannter BoDV-1-Endemie wurden die Neurologinnen und Neurologen durch Veröffentlichungen und Informationsveranstaltungen in den letzten Jahren sensibilisiert, so dass sie BoDV-1 differenzialdiagnostisch in Betracht ziehen. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht deshalb von einer niedrigen Dunkelziffer aus. 3. Welche Überträger bzw. Wirte außer der Weißzahnspitzmaus wurden bei einer Infektion mit dem Bornavirus beim Menschen erfasst (bitte nach Art, Häufigkeit, Jahr und Bundesland aufschlüsseln)? Außer der Weißzahnspitzmaus sind bisher keine anderen Tiere als Wirte oder Überträger bekannt. Das konkrete Ansteckungsereignis lässt sich in der Regel nicht ermitteln, da die Exposition vermutlich Wochen bis Monate vor Erkrankungsbeginn liegt und auch nicht bei allen Ansteckungen direkter Tierkontakt stattgefunden haben muss. 4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Tenazität des Bornavirus vor, und gibt es diesbezüglich aus Bundesmitteln finanzierte Forschungsvorhaben? Das Robert Koch-Institut (RKI), das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) haben gemeinsam ein Merkblatt mit Empfehlungen zur Prävention von BoDV-1-Infektionen publiziert, welches unter www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionsk rankheiten-A-Z/B/Bornavirus/Merkblatt.pdf abrufbar ist. Dort sind auch Informationen zur Umweltstabilität enthalten. 5. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus bzw. seiner Wirte werden angewandt (bitte nach Art, Häufigkeit, Jahr und Bundesland aufschlüsseln)? 6. Wie wirksam werden die jeweiligen Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus von der Bundesregierung eingeschätzt? 7. Wird darüber nachgedacht, die Spitzmaus als Überträger in den betroffenen Gebieten zu bekämpfen bzw. die Virusübertragung auf Mensch und Tier auf andere Weise zu bekämpfen? 8. Gibt es Gründe, die gegen einzelne Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus sprechen (z. B. Natur- und Artenschutz)? Die Fragen 5 bis 8 werden gemeinsam beantwortet. Maßnahmen für eine Bekämpfung des BoDV-1 in seinem Reservoirwirt, beispielsweise durch Impfungen der Spitzmauspopulationen in Endemiegebieten, stehen aktuell nicht zur Verfügung. Eine gezielte Maßnahme, die ausschließlich die Feldspitzmaus im Freiland bekämpft, ist praktisch nicht umsetzbar. Auch wenn sie vermutlich mit Schlagfallen zu bekämpfen wäre, würden damit auch viele Nichtzielorganismen (z. B. Waldmäuse, Gelbhalsmäuse, Rötelmäuse, Waldspitzmäuse, Zwergspitzmäuse) getötet werden. Es gibt keine Biozide, die zur Bekämpfung von Feldspitzmäusen beantragt und zugelassen sind. Auch in anderen europäischen Ländern sind nach der EU-Biozidverordnung (Verordnung (EU) Nr. 528/2012) keine Mittel zur Bekämpfung von Feldspitzmäusen zugelassen. Bei der Feldspitzmaus und bei allen anderen in Deutschland heimischen Spitzmausarten handelt es sich um eine besonders geschützte Art gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung, deren wildlebende Populationen für gezielte und artspezifische Bekämpfungsmaßnahmen kaum realistisch zugänglich sind. Da bisher auch kein zugelassener Impfstoff zum Schutz von Menschen gegen die sehr selten auftretende BoDV-1-Infektion zur Verfügung steht, stützt sich die Prophylaxe vor allem auf die Aufklärung der Bevölkerung zur Vermeidung des Kontakts mit potentiell infizierten Spitzmäusen und ihren Ausscheidungen. Hierzu stellt das Nationale Referenzlabor (NRL) des FLI in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, dem RKI und dem BNITM Informationsmaterialien zur Verfügung. Eine Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen wird durch die sehr geringen Fallzahlen bestätigter BoDV-1-Infektionen bei Menschen erschwert. 9. In welcher Höhe werden ggf. Geldmittel aus dem Bundeshaushalt zur Erforschung bzw. Bekämpfung bzw. Therapieentwicklung aufgewandt (bitte diesen drei Bereichen entsprechend aufschlüsseln), ist ggf. eine Aufstockung der Forschungsmittel geplant, und wo findet die Forschung statt? Im Rahmen der Zuständigkeiten und Amtsaufgaben wird das Bornavirus am RKI und am Konsiliarlabor für BoDV-1 am BNITM erforscht. Das RKI forscht unter anderem zur Epidemiologie der Erkrankung und zu Risikofaktoren. Zu den Aufgaben eines Konsiliarlabors gehört unter anderem die Entwicklung beziehungsweise Verbesserung diagnostischer Verfahren. Das NRL des FLI forscht unter anderem an der Verbesserung der Diagnostik, dem Vorkommen von BoDV-1-Infektionen in Haus- und Wildtieren zum besseren Verständnis des Wirtsspektrums des BoDV-1 sowie der Identifikation und Kartierung von Endemiegebieten. Im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention geförderten Projekts „Zoonotic Bornavirus Focal Point Bavaria“ (ZooBoFo), welches unter www.lgl.bayer n.de/forschung/forschung_gesundheit/fp_zoobofo.htm abrufbar ist, untersucht das NRL neben Studien zur Tenazität des Virus auch das Vorkommen von BoDV-1 in Spitzmauspopulationen inner- und außerhalb des bekannten Endemiegebiets. Außerdem werden Infektionsversuche zum Verlauf der BoDV-1- Infektion in Spitzmäusen durchgeführt, ebenso wie Maßnahmen zur Steigerung der Awareness bezüglich des Themas BoDV-1. Darüber hinaus wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 12 und 13 der Kleinen Anfrage der Fraktion AfD „Bornavirus – Gefährdungslage in Deutschland“ auf Bundestagsdrucksache 21/992 verwiesen. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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