Bornavirus im Jahre 2025 in Deutschland
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Bornavirus im Jahre 2025 in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2685
21. Wahlperiode 10.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Christoph Birghan, Martin Sichert, Dr. Christina Baum,
Nicole Hess, Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz,
Joachim Bloch, Tobias Ebenberger, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis
Leonard Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon
Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Bornavirus im Jahr 2025 in Deutschland
Das Bornavirus (BoDV-1) ist der Erreger der Borna-Krankheit, einer für
Haussäugetiere und Menschen tödlichen neurologischen Erkrankung, die durch eine
Spillover-Infektion von ihrem natürlichen Reservoirwirt, der zweifarbigen
Weißzahnspitzmaus (Crocidura leucodon), verursacht wird. Die Forschung geht
von einer variablen Inkubationszeit zwischen einigen Wochen und einigen
Monaten aus (Ebinger, A., Santos, P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1
infections of humans and animals – in-depth molecular epidemiology and
phylogeography. Nat Commun 15, 7908 [2024]; https://doi.org/10.1038/s41467-02
4-52192-x).
Das bekannte Bornavirus-Endemiegebiet ist auf Teile Deutschlands,
Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins beschränkt, wobei das Virus sich
aufgrund der Standorttreue des Wirtsorganismus (der Weißzahnspitzmaus)
scheinbar geografisch nicht bzw. nur sehr langsam ausbreitet (Ebinger, A., Santos,
P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1 infections of humans and
animals – in-depth molecular epidemiology and phylogeography. Nat Commun
15, 7908 [2024]; https://doi.org/10.1038/s41467-024-52192-x).
Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bestätigen, dass das Virus in
Deutschland endemisch in den Bundesländern Bayern, Sachsen-Anhalt,
Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg vorkommt, wobei
Brandenburg insbesondere im Westteil als mutmaßliches Endemiegebiet gilt.
(https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-
A-Z/B/Bornavirus/Bornavirus_Hinweise-zur-Diagnostik.html). Bis zum
13. Juli 2025 wurden insgesamt 51 laborbestätigte Infektionen mit BoDV-1 in
Deutschland gemeldet (seit Einführung der Meldepflicht 2020), davon 50
tödlich und ein Fall mit bleibenden neurologischen Schäden. Die jährliche
Inzidenz liegt bei fünf bis zehn humanen Fällen, die nahezu immer tödlich oder mit
schwerer Enzephalitis verlaufen (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/992). Im Jahr 2025 wurde bereits
mindestens ein Todesfall in Oberbayern bestätigt, was die anhaltende Relevanz
unterstreicht (https://www.fr.de/panorama/erster-todesfall-2025-in-deutschland-da
s-sind-symptome-des-bornavirus-93776527.html).
In den vergangenen Wochen berichteten Medien verstärkt von auftretenden
Infektionen (https://www.moz.de/nachrichten/panorama/bornavirus-ob-brandenb
urg-zum-verbreitungsgebiet-des-toedlichen-virus-gehoert-78112927.html,
https://www.lr-online.de/nachrichten/brandenburg/borna-virus-bornavirus-sym
ptome-krankheit-infektion-maus-spitzmaus-gefahr-tödlich-beim-menschen-sac
hsen-anhalt-thueringen-bayern-60141897.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Verdachtsfälle einer Infektion mit dem Bornavirus wurden in den
letzten zehn Jahren im gesamten Bundesgebiet erfasst (bitte nach Jahr und
Bundesland aufschlüsseln)?
2. Wie hoch wird die Dunkelziffer bzw. Dunkelzifferquote geschätzt?
3. Welche Überträger bzw. Wirte außer der Weißzahnspitzmaus wurden bei
einer Infektion mit dem Bornavirus beim Menschen erfasst (bitte nach Art,
Häufigkeit, Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Tenazität des
Bornavirus vor, und gibt es diesbezüglich aus Bundesmitteln finanzierte
Forschungsvorhaben?
5. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus bzw. seiner Wirte
werden angewandt (bitte nach Art, Häufigkeit, Jahr und Bundesland
aufschlüsseln)?
6. Wie wirksam werden die jeweiligen Maßnahmen zur Bekämpfung des
Bornavirus von der Bundesregierung eingeschätzt?
7. Wird darüber nachgedacht, die Spitzmaus als Überträger in den betroffenen
Gebieten zu bekämpfen bzw. die Virusübertragung auf Mensch und Tier auf
andere Weise zu bekämpfen?
8. Gibt es Gründe, die gegen einzelne Maßnahmen zur Bekämpfung des
Bornavirus sprechen (z. B. Natur- und Artenschutz)?
9. In welcher Höhe werden ggf. Geldmittel aus dem Bundeshaushalt zur
Erforschung bzw. Bekämpfung bzw. Therapieentwicklung aufgewandt (bitte
diesen drei Bereichen entsprechend aufschlüsseln), ist ggf. eine
Aufstockung der Forschungsmittel geplant, und wo findet die Forschung statt?
Berlin, den 6. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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