Personalpolitik bei der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung
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Personalpolitik bei der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2858
21. Wahlperiode 18.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Müller, Dr. Anja
Reinalter, Misbah Khan, Claudia Roth (Augsburg), Robin Wagener und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Personalpolitik bei der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung
Die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS) wurde von der
Bundesrepublik Deutschland, der Republik Polen und dem Land Brandenburg
gegründet. Mit einem Kapitalstock von 60 Mio. Euro fördert sie deutsch-polnische
Forschungskooperationen im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften.
Seit der Gründung hatte CDU-Politikerin Rita Süssmuth den Vorsitz inne, ihre
2022 gewählte Nachfolgerin wurde die FDP-Politikerin Cornelia Pieper. Das
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hatte dem
Kuratorium der Stiftung den Sänger Tobias Thalhammer als neuen Vorsitzenden
vorgeschlagen und sich damit gegen eine zweite Amtszeit von Cornelia Pieper
entschieden. Tobias Thalhammer, ehemaliger bayerischer
Landtagsabgeordneter der FDP, wechselte 2018 zur CSU. In einem Schreiben an die
Kuratoriumsmitglieder lobt die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin
für Forschung, Technologie und Raumfahrt Silke Launert (CSU), die dem
Kuratorium selbst angehört, Tobias Thalhammer ausdrücklich (www.faz.net/aktue
ll/politik/inland/schlagersaenger-als-vorsitzender-vorschlag-fuer-stiftungsvorsit
z-sorgt-fuer-kritik-accg-110751948.html). Inzwischen gab Tobias Thalhammer
offiziell bekannt, dass er nicht mehr für den Vorsitz der DPWS kandidiert. Dies
erfolgte nach öffentlicher Kritik und Bedenken auf deutscher wie polnischer
Seite bezüglich seiner fachlichen Eignung und die Umstände der Nominierung.
Nach Satzung der DPWS sind für Förderentscheidungen ausschließlich
wissenschaftliche Kriterien maßgeblich, wobei sowohl die wissenschaftliche Qualität
als auch der Beitrag zur Weiterentwicklung der deutsch-polnischen
Beziehungen zu berücksichtigen sind. Am 12. November 2025 wurde ein Bericht der
Bundesregierung zu diesem Sachverhalt im Ausschuss für Forschung,
Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung mit Mehrheit der Fraktionen
von Union und SPD abgesetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Gründe waren für das Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt ausschlaggebend, Cornelia Pieper nicht für eine
zweite Amtszeit vorzuschlagen?
2. Hat die Bundesregierung eine Bewertung zu der bisherigen Amtszeit der
aktuellen Vorstandsvorsitzenden Cornelia Pieper und des stellvertretenden
Vorsitzenden Prof. Dr. Jan Rydel vorgenommen, und wenn ja, wie lautet
diese?
3. Auf welcher Grundlage und nach welchen Kriterien hatte das
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Tobias
Thalhammer als Kandidaten für den Vorstandsvorsitz der Deutsch-Polnischen
Wissenschaftsstiftung vorgeschlagen?
4. Welche Gründe haben nach Kenntnis der Bundesregierung zur
Rücknahme der Kandidatur von Tobias Thalhammer für den Vorstandsvorsitz der
Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung geführt?
5. Gab es innerhalb des Bundesministeriums für Forschung, Technologie
und Raumfahrt Vorbehalte gegen die Benennung des Kandidaten Tobias
Thalhammer?
6. Waren der Bundesregierung Einwände polnischer Kuratoriumsmitglieder
bekannt, und wenn ja, inwiefern sind diese in die Entscheidungsfindung
der Bundesregierung eingeflossen?
7. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus dem bisherigen
Ablauf des Auswahlverfahrens im Hinblick auf Transparenz, fachliche
Eignung und Einbindung der Mitstifterinnen?
8. Welche Maßnahmen können aus Sicht der Bundesregierung sicherstellen,
dass zukünftige Kandidaten und Kandidatinnen für die Leitung der DPWS
den wissenschaftlichen und fachlichen Anforderungen entsprechen?
9. Inwiefern wurden nach Kenntnis der Bundesregierung alternative
Kandidaturen für den Vorstandsvorsitz nach dem Rückzug von Tobias
Thalhammer geprüft und ein transparentes Auswahlverfahren initiiert?
10. Was ist der aktuelle Stand im Austausch mit den polnischen und
brandenburgischen Partnern bezüglich der Neubesetzung der
Vorstandsvorsitzposition, und welche Rückmeldungen liegen der Bundesregierung hierzu
vor?
11. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der Kritik am
initialen Personalvorschlag für die Personalpolitik in bundesgeförderten
Wissenschaftsstiftungen?
12. In welchem Austausch steht die Bundesregierung mit dem polnischen
Wissenschaftsministerium, und wann hat zuletzt ein bilateraler Austausch
auf politischer Ebene stattgefunden?
13. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragestellenden, dass die
Leitung einer wissenschaftlichen Stiftung dieser Bedeutung
wissenschaftliche Qualifikationen und nachweisbare Expertise in den Fördergebieten
der Stiftung erfordert?
14. Wie kann aus Sicht der Bundesregierung sichergestellt werden, dass bei
der Besetzung von Leitungspositionen in bundesgeförderten
Wissenschaftsstiftungen fachliche Eignung und nicht mögliche parteipolitische
Erwägungen im Vordergrund stehen?
15. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der Kritik, die
dieser Personalvorschlag sowohl in Deutschland als auch in Polen
hervorgerufen hat?
16. Ist aus Sicht der Bundesregierung mit diesem Vorgang ein Schaden für die
deutsch-polnischen Wissenschaftsbeziehungen entstanden, und welche
Konsequenzen zieht sie daraus?
17. Ist aus Sicht der Bundesregierung mit diesem Vorgang ein Schaden für die
DPWS entstanden, und welche Konsequenzen zieht sie daraus?
18. Ist aus Sicht der Bundesregierung mit diesem Vorgang ein Schaden für die
betroffenen Personen entstanden, und welche Konsequenzen zieht sie
daraus?
19. Inwiefern beeinflusst dieser Vorgang die Umsetzung des Vorhabens aus
dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, das Weimarer
Dreieck um eine Wissenschaftsplattform zu erweitern, und was ist der
aktuelle Umsetzungsstand dieses Vorhabens?
Berlin, den 14. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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