Ideologiefreien, innovativen Pflanzenschutz gewährleisten - Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2546)
Text
Ideologiefreien, innovativen Pflanzenschutz gewährleisten - Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2546)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2827
21. Wahlperiode 14.11.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2546 –
Ideologiefreien, innovativen Pflanzenschutz gewährleisten – Wettbewerbsfähigkeit
der heimischen Landwirtschaft sichern
A. Problem
Nach Aussage der Antragsteller besteht in Deutschland eine Versorgungslücke
mit Pflanzenschutzmitteln, da seit einigen Jahren keine neuen biologische und
chemische Wirkstoffe zugelassen würden, während etliche Wirkstoffe ihre
Zulassung verlören. Die Fraktion der AfD sieht die Gründe dafür in einer
Überregulierung sowie der häufig nicht sachlich begründeten Verschärfung der
Zulassungskriterien durch die Bundesregierung. Als Folge stiegen die Notfallzulassungen
sprunghaft an. Zudem könne der Einsatz von Mitteln mit demselben
Wirkmechanismus zu Resistenzen führen.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft und
Ernährungssicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu sichern, soll der Deutscher
Bundestag die Bundesregierung v. a. dazu auffordern, für einen bedarfsgerechten
und dauerhaft gesicherten Pflanzenschutz nach guter fachlicher Praxis zu sorgen,
das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel grundlegend zu
entbürokratisieren und dabei sämtliche, über das Unionsrecht hinausgehenden, nationalen
Auflagen, Verschärfungen oder zusätzlichen Prüfverfahren abzuschaffen sowie
künftig Zulassungsentscheidungen ausschließlich auf Basis einer
wissenschaftsbasierten Nutzen-Risiko-Abwägung zu treffen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/2546 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Johannes Steiniger
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Karl Bär
Berichterstatter
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Johannes Steiniger, Christian Reck, Dr. Franziska
Kersten, Karl Bär und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 37. Sitzung am 6. November 2025 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/2546 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und
nukleare Sicherheit und den Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Antragsteller stellen dar, dass aufgrund der überregulierten und restriktiven Zulassungspraxis für
Pflanzenschutzmittel eine Versorgungslücke entstehe und in der Folge durch die Anwendung von Mitteln mit demselben
Wirkmechanismus Resistenzen zu befürchten seien. Die Bundesregierung solle daher durch den Deutschen
Bundestag u. a. aufgefordert werden, das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel grundlegend zu
entbürokratisieren und das Verfahren an den unionsrechtlichen Vorgaben der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 auszurichten
sowie Zulassungsentscheidungen ausschließlich auf Basis einer wissenschaftsbasierten Nutzen-Risiko-
Abwägung zu treffen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in seiner 17. Sitzung am
12. November 2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/2546 empfohlen.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat in seiner 11. Sitzung am 12. November
2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die
Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/2546
empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/2546 in seiner 10. Sitzung am 12. November 2025 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU hielt fest, dass man beim Thema Pflanzenschutz neue Wirkstoffe brauche. Im Sinne
der Versorgungssicherheit würden Möglichkeiten benötigt, um Pflanzen schützen zu können. So könne
beispielweise ein höherer Versorgungsgrad im Bereich Gemüse erreicht werden. In der Sache selbst bringe der Antrag
allerdings keinen Fortschritt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD sei sich darauf verständigt
worden, wissenschaftsbasiert vorzugehen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
habe zudem entsprechende Antragsrückstände.
Die Fraktion der AfD erklärte, sie fordere ein modernes wissenschaftsbasiertes Zulassungssystem für
Pflanzenschutzmittel. Seit 2019 sei kein einziger neuer Wirkstoff zugelassen worden, dutzende seien hingegen vom Markt
verschwunden. Das sei innovationsfeindlich und gefährde Erträge sowie Ernährungssicherheit. Die Fraktion
fordere ein System, welches Innovationen mit klaren Fristen und transparenter Bewertung ermögliche, statt diese
mit nationalen Zusatzhürden zu blockieren.
Die Fraktion der SPD führte aus, im Koalitionsvertrag bereits vereinbart sei, die Zulassungssituation von
Pflanzenschutzmitteln zu verbessern und für transparente, schnelle, wissenschaftsbasierte Verfahren sowie Effizienz
durch bessere behördliche Zusammenarbeit zu sorgen. Beim BVL erarbeite eine Projektgruppe unter Beteiligung
des Bundesamtes für Risikobewertung und weiterer Experten entsprechende Vorschläge. Auch einheitliche
Zulassungsbedingungen in Bezug auf die Biodiversitätskriterien auf EU-Ebene seien entscheidend. In diesem Jahr
habe es bereits deutlich mehr Anträge als in den vergangenen Jahren gegeben.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonte, dass es genug Pestizide gebe. Sie sei der Meinung, dass
man weniger in der Lebensmittelproduktion einsetzen solle und nicht mehr. Die Zahl der zugelassenen Wirkstoffe
und Mittel würden sich nicht verringern. Das BVL als zuständige Behörde veröffentliche entsprechende Zahlen.
Das Jahr 2023 sei eines mit der höchsten Menge an zugelassenen Mitteln gewesen.
Die Fraktion Die Linke merkte an, die ökologische Perspektive werde ausgeblendet. Bienen und Hummeln seien
sicherlich völlig ideologiefrei. Der Antrag sei daher abzulehnen.
Die Bundesregierung verwies ebenfalls auf den Koalitionsvertrag. Das Bundesministerium für Landwirtschaft,
Ernährung und Heimat arbeite unter Einbindung seiner nachgeordneten Behörden und landwirtschaftlichen
Praktikern an guten und praxistauglichen Lösungen für die Praxis. Anders als es die Fraktion der AfD darstelle, gebe
es mit Blick auf die Notfallzulassungen schnelle und wirksame Zulassungsverfahren. Außerdem werde intensiv
an neuen Methoden, z. B. Smart Precision Farming, gearbeitet. Darüber hinaus gebe es eine neue Förderrichtlinie
im Bereich des Agrar-Investitionsförderprogrammes, die zudem aufgestockt worden sei. Der Antrag sei daher
überflüssig.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/2546 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Johannes Steiniger
Berichterstatter
Christian Reck
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Karl Bär
Berichterstatter
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333]
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