35 Jahre Deutsche Einheit - Den 9. November aufgrund des Mauerfalls 1989 zum nationalen Feiertag erheben
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35 Jahre Deutsche Einheit - Den 9. November aufgrund des Mauerfalls 1989 zum nationalen Feiertag erheben
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2043
21. Wahlperiode 07.10.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Martin Erwin Renner, Ronald Gläser,
Matthias Helferich, Nicole Hess, Dr. Alexander Gauland, Sven Wendorf,
Tobias Teich, Dr. Gottfried Curio, Dr. Christian Wirth, Dr. Bernd Baumann,
Martin Hess, Steffen Janich, Sascha Lensing, Christopher Drößler, Markus
Matzerath, Arne Raue, Jochen Haug, Dr. Christoph Birghan, Dr. Alexander
Wolf, Christian Zaum und der Fraktion der AfD
35 Jahre Deutsche Einheit – Den 9. November aufgrund des Mauerfalls 1989
zum nationalen Feiertag erheben
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Am 9. November 1989 brachten die Ostdeutschen durch ihren mutigen Einsatz die
Mauer zum Einsturz und machten so den Weg zur Wiedervereinigung unseres
Vaterlandes frei. Kurz nach Mitternacht standen alle Grenzübergänge in Berlin offen. Die
Menschen brachen in Freudentränen aus und lagen sich jubelnd in den Armen. Am
Brandenburger Tor stiegen Ost- und Westberliner auf die Mauer, tanzten und feierten.
Das Ende der SED-Diktatur war besiegelt. 1
Die Ereignisse des Herbstes 1989 waren das Ergebnis einer breiten, friedlichen
Bürgerbewegung. Aus den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche entwickelten
sich Montagsdemonstrationen, die im Oktober 1989 Hunderttausende Menschen in
vielen Städten erfassten. Am 4. November 1989 versammelten sich bis zu eine Million
Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Es blieb friedlich, weil im Gegensatz zum
17. Juni 1953 dieses Mal die Sowjetmacht unter der Führung von Michael
Gorbatschow sich gegen ein Eingreifen entschieden hatte. Ohne die Rückendeckung aus
Moskau wagte es die SED-Führung dieses Mal nicht, mit Waffengewalt gegen das
eigene Volk vorzugehen.
Der 9. November 1989 reiht sich ein in die großen Daten der deutschen Freiheits- und
Demokratiegeschichte: das Wartburgfest vom 18. Oktober 1817, das Hambacher Fest
Ende Mai 1832, die Revolution von 1848/1849, die Ausrufung der Republik am 9.
November 1918 durch Philipp Scheidemann, sowie den Volksaufstand vom 17. Juni
1953. Er steht exemplarisch für den Mut und Streben der Deutschen für Freiheit und
Demokratie.
1 www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/194561/als-die-mauer-fiel-der-9-november-1989/, letzter
Aufruf am 17. September 2025.
Der Fall der Berliner Mauer hatte weltpolitische Bedeutung. In Polen waren mit den
Gesprächen am Runden Tisch (Februar–April 1989) und den teilfreien Wahlen im Juni
1989 bereits entscheidende Schritte zur Demokratisierung innerhalb des
kommunistischen Machbereichs eingeleitet worden. Auch in Ungarn öffnete die Regierung im
Sommer 1989 die Grenze zu Österreich und leitete grundlegende Reformen ein. In der
Tschechoslowakei führte die Samtene Revolution im November 1989 zum Sturz des
kommunistischen Regimes. Der 9. November 1989 beschleunigte diese
Entwicklungen und machte sichtbar, dass das kommunistische Herrschaftssystem in Osteuropa
zusammengebrochen war.2 Der Mauerfall steht damit sowohl für den Beginn der
deutschen Einheit als auch für den Durchbruch einer gesamteuropäischen
Freiheitsbewegung, die den Kalten Krieg beendete.
Die Ereignisse des 9. November 1989 brannten sich fest in das kollektive Gedächtnis
der Deutschen ein. Auch weltweit wird das Ende des Kalten Krieges mit dem Fall der
Berliner Mauer am 9. November 1989 in Verbindung gebracht. Obwohl die
Wiedervereinigung formal erst im folgenden Jahr vollzogen wurde, markiert der 9. November
1989 das Ende der deutschen Teilung. Er kam unerwartet und spontan – ein
Glückstag.“
Die Umbrüche und sich abzeichnende Wiedervereinigung riefen aber auch
Befürchtungen und Ängste bei den Nachbarn in Ost und West vor einem wiedererstarkenden
Deutschland hervor. So versuchte die damalige britische Premierministerin, Margeret
Thatcher, die Wiedervereinigung aktiv zu verhindern.3 Der damalige französische
Staatspräsident Mitterand soll für seine Zustimmung eine beschleunigte Einführung
des Euro gefordert haben.4 Auch im Inland gab es sowohl im Osten als auch im Westen
Vorbehalte gegen die Wiedervereinigung. Ostdeutsche Intellektuelle träumten
weiterhin von einer Reform des Sozialismus. Im Westen lehnten insbesondere Vertreter der
Grünen5 und der SPD die Wiedervereinigung ab.6
In der Debatte um die Wiedervereinigung war zunächst der 9. November als
Nationalfeiertag im Gespräch. Von dieser Idee wurde jedoch aufgrund der Reichspogromnacht
von 1938 Abstand genommen7 und der 3. Oktober kam aufgrund pragmatischer
Erwägungen in den Fokus.8 Dieser erinnert an das Wirksamwerden des Beitritts der
Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Bundesrepublik Deutschland. Die
10. Volkskammer beschloss am 23. August 1990, den Beitritt gemäß Artikel 23 des
Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990 zu vollziehen. Dieses Datum wurde im
Einigungsvertrag als Feiertag festgeschrieben.9
Die Opfer von Mauer und Stacheldraht sowie der politischen Verfolgung und
Unterdrückung in der DDR mahnen uns, die Errungenschaften der Friedlichen Revolution
nicht als selbstverständlich zu nehmen.
Um die Bedeutung dieses historischen Tages zu würdigen und die Erinnerung an die
Friedliche Revolution dauerhaft im nationalen Bewusstsein zu verankern, ist es
folgerichtig, den 9. November 1989 zum Nationalfeiertag zu erklären.
2 www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/deutsche-teilung-deutsche-einheit/43728/die-umsturzbewegungen-
1989-in-mittel-und-osteuropa/, letzter Aufruf: 12. September 2025.
3 www.tagesschau.de/ausland/thatcher-ts-100.html, letzter Aufruf: 17. September 2025.
4 www.spiegel.de/politik/ausland/historischer-deal-mitterrand-forderte-euro-als-gegenleistung-fuer-die-ein-
heit-a-719608.html, letzter Aufruf: 17. September 2025.
5 https://hubertus-knabe.de/gruene-und-wiedervereinigung/, letzter Aufruf: 19. September 2025.
6 www.focus.de/magazin/archiv/rubriken-waere-es-nach-der-spd-gegangen-haetten-wir-keine-wiedervereini-
gung-zu-feiern_id_11353264.html, letzter Aufruf: 17. September 2025.
7 www.lpb-bw.de/tag-der-deutschen-einheit#:~:text=Nach%20der%20Wende%20war%20zun%C3%A4-
chst,die%20deutsche%20Einheit%20vollzogen%20wurde, letzter Aufruf: 17. September 2025.
8 www.rbb24.de/politik/beitrag/2024/10/tag-der-deutschen-einheit-dritter-oktober-feiertag-friedliche-revolu-
tion.html, letzter Aufruf: 17. September 2025.
9 www.bpb.de/apuz/210540/feiern-und-gedenken-zur-entwicklung-einer-gemeinsamen-
erinnerungskulturseit-dem-3-oktober-1990, letzter Aufruf: 10. September 2025.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf
vorzulegen, wodurch der 9. November anstelle des 3. Oktober als Tag der
Deutschen Einheit zum gesetzlichen Feiertag und der 3. Oktober zum nationalen
Gedenktag erklärt wird,
Berlin, den 7. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
In Artikel 2 Absatz 2 des Einigungsvertrages vom 31. August 1990 ist der 3. Oktober als Tag der Deutschen
Einheit gesetzlich verankert.10 Der Einigungsvertrag wurde seit seinem Inkrafttreten mehrfach geändert, zuletzt
im Jahr 2021.11 Damit ist es möglich, den Vertrag in Rücksprache mit den Ländern dahingehend zu ändern, dass
der Mauerfall am 9. November 1989 zum nationalen Feiertag erhoben wird.
Ohne die Friedliche Revolution und den Mauerfall wäre der 3. Oktober 1990 nicht möglich gewesen. Millionen
Menschen in den heutigen Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen setzten mit den Montagsdemonstrationen ein friedliches, aber entschlossenes Zeichen für
Einigkeit, Recht und Freiheit. Ihr Mut und ihre Zielstrebigkeit legten das Fundament für die Wiedervereinigung. Der
3. Oktober 1990 stellte schließlich den formalen Vollzug dieses Willens dar – den Beitritt der DDR zur
Bundesrepublik Deutschland. Künftig sollte er als nationaler Gedenktag begangen werden, um die Bedeutung dieses
Schritts für die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bewahren.12
Der 9. November 1989 markiert das Ende des sozialistischen Unrechtsstaates DDR und beendete zugleich das
Sterben an der innerdeutschen Grenze, an der etwa 140 Menschen ums Leben kamen.13 Der vom SED-Regime
als „antifaschistischer Schutzwall“ propagierte Mauerbau diente in Wahrheit der Stabilisierung der Diktatur und
der Unterbindung von Fluchtbewegungen.14
Der 9. November gilt als „Schicksalstag der Deutschen“. An diesem Datum liegen Licht und Schatten der
deutschen Geschichte dicht beieinander: der Hitler-Putsch von 1923 und die Reichspogromnacht von 1938 einerseits,
die Ausrufung der Republik 1918 und der Mauerfall 1989 andererseits. Die Friedliche Revolution und der
gewaltlose Fall der Mauer geben diesem ambivalenten Datum einen hoffnungsvollen Charakter: Freiheit siegte über
Unterdrückung, Demokratie über Diktatur, Friede über Gewalt.
Von besonderer Bedeutung war zudem die Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg am 15. Januar
1990. Zehntausende verhinderten dort die Vernichtung von Aktenbeständen und ebneten so den Weg für die
Aufarbeitung des DDR-Unrechts.15
Der Mauerfall vom 9. November 1989 ist folgerichtig als nationaler Feiertag anzuerkennen. Er symbolisiert den
gewaltlosen und mutigen Einsatz der Bürger für die deutsche Einheit und Demokratie und verdient eine
dauerhafte Würdigung im nationalen Gedächtnis.
10 Art 1. Abs. 1 EinigungsV.
11 Vgl. BGBl. I S. 3091 Art. 17.
12 www.protokoll-inland.de/Webs/PI/DE/themen/nationale-gedenk-feiertage/nationale-gedenk-und-feiertage-node.html, letzter Aufruf: 5.
August 2025.
13 Vgl. www.chronik-der-mauer.de/todesopfer/, letzter Aufruf: 5. August 2025.
14 Von 1949 bis 1990 flüchteten über 3,8 Millionen Menschen aus der DDR (vgl. Bettina Effner, Helge Heidemeyer (Hrsg.): Flucht im geteilten
Deutschland. Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Berlin 2005, S. 27/28.).
15 Vgl. www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/stiftung/aktuelles/sturm-auf-die-stasi-zentrale-am-15-januar-1990, letzter Aufruf: 5. August
2025.
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ISSN 0722-8333]
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