Förderpolitik im Rahmen der IPCEI-Vorhaben - wirtschaftliche Tragfähigkeit, Interessenkonflikte und haushaltsrechtliche Bewertung
Text
Förderpolitik im Rahmen der IPCEI-Vorhaben - wirtschaftliche Tragfähigkeit, Interessenkonflikte und haushaltsrechtliche Bewertung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1943
21. Wahlperiode 01.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mathias Weiser, Leif-Erik Holm, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Raimond Scheirich, Uwe Schulz, Stefan Henze, Andreas Mayer,
Christian Reck und der Fraktion der AfD
Förderpolitik im Rahmen der IPCEI-Vorhaben – wirtschaftliche Tragfähigkeit,
Interessenkonflikte und haushaltsrechtliche Bewertung
Die Bundesregierung fördert seit mehreren Jahren sogenannte Important
Projects of Common European Interest (IPCEI) mit erheblichen Haushaltsmitteln.
Diese Großprojekte, insbesondere in den Bereichen Batterietechnologie und
Wasserstoff, sollen laut Bundesregierung strategische Industrien stärken und
Europa technologisch unabhängiger machen. Im Zuge dieser Förderung wurden
bereits zahlreiche Unternehmen mit direkten Zuschüssen, Darlehen und
Bürgschaften bedacht (www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artike
l/Industrie/ipcei-important-projects-of-common-european-interest.html).
Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um den Fall Northvolt, bei dem
trotz massiver öffentlicher Förderung keine serienreife Produktion zustande
kam und inzwischen eine Insolvenz im Mutterkonzern zu verzeichnen ist,
stellen sich den Fragestellern grundlegende Fragen nach der Risikobewertung, den
Kontrollmechanismen und der haushaltsrechtlichen Absicherung dieser
Vorhaben (www.welt.de/wirtschaft/article256271702/Robert-Habeck-Bundesrechnun
gshof-erhebt-schwere-Vorwuerfe-wegen-Northvolt-Debakels.html).
Die Fraktion der AfD sieht darin nicht nur ein mögliches Haushaltsrisiko,
sondern auch ein strukturelles Problem in der Förderpraxis des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), wobei IPCEI ein zentrales
Förderinstrument des Bundeswirtschaftsministeriums sind und Northvolt vom
damaligen Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, auch
einen Zuwendungsbescheid über 155,4 Mio. Euro erhalten hat (www.bundeswi
rtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/05/20220511-h
abeck-uebergibt-foerderbeschedi-an-northvolt-155-mio-euro.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele IPCEI-Projekte wurden seit dem 1. Januar 2019 durch das
damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit
Bundesmitteln gefördert (bitte jeweils mit Projektbezeichnung,
Antragsteller, Fördersumme und Förderrunde nennen), und welche dieser
Projekte verfügen über geprüfte, vertraglich bindende
Abnahmeverpflichtungen für ihre geplanten Produkte oder Dienstleistungen?
2. Welche IPCEI-Projekte wurden seit dem 1. Januar 2019 nach Kenntnis der
Bundesregierung auf Länderebene unter Beteiligung der jeweiligen
Landesregierungen gefördert (bitte jeweils mit Projektbezeichnung,
Antragsteller, Fördersumme und Förderrunde nennen), und welche dieser
Projekte verfügen über geprüfte, vertraglich bindende
Abnahmeverpflichtungen für ihre geplanten Produkte oder Dienstleistungen?
3. Für welche geförderten IPCEI-Projekte wurden betriebswirtschaftliche
Tragfähigkeitsanalysen vor Genehmigung erstellt, und welche externen
Prüfstellen wurden hierfür beauftragt?
4. Wurden externe Beratungsunternehmen (z. B. PwC, KPMG, EY) in die
Ausgestaltung, Prüfung oder Abwicklung von IPCEI-Förderprojekten
einbezogen, und wenn ja, in welchem Umfang (bitte mit Auftragswert
nennen)?
5. Welche rechtlichen oder vertraglichen Rückforderungsmechanismen
bestehen bei Nichtumsetzung, Projektabbruch oder Insolvenz des
Zuwendungsempfängers?
6. Welche IPCEI-Projekte wurden seit 2022 ganz oder teilweise eingestellt,
abgebrochen oder nicht zur Bewilligung gebracht (bitte auch die Gründe
nennen)?
7. In welchen Fällen ist nach Kenntnis der Bundesregierung bereits ein
finanzielles Haushaltsrisiko aus einer Bürgschaft, einem Kredit oder einer
Beteiligung im Zusammenhang mit IPCEI-Projekten eingetreten?
8. Existiert im BMWE oder in anderen beteiligten Stellen eine interne
Klassifizierung (z. B. Ampelsystem, Risikoindex) zur Einschätzung der
Förderrisiken einzelner IPCEI-Projekte, und wenn ja, wie viele gelten aktuell
als riskant oder hoch riskant?
9. In welcher Form, Häufigkeit und mit welchem Detailgrad wird der
Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über Risiken und
Projektstände bei IPCEI-Förderungen informiert?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die konkreten Feststellungen des
Bundesrechnungshofes zur fehlenden Dokumentation und zu möglichen
Interessenkonflikten im Fall Northvolt, und welche Konsequenzen zieht sie
daraus für laufende oder künftige IPCEI-Vorhaben (Quelle vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Berlin, den 30. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Andreas Mayer (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Leif-Erik Holm (Kleine Anfrage)
- asked ← Malte Kaufmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Marc Bernhard (Kleine Anfrage)
- asked ← Mathias Weiser (Kleine Anfrage)
- asked ← Raimond Scheirich (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Henze (Kleine Anfrage)
- asked ← Uwe Schulz (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Leif-Erik Holm
- authored ← Mathias Weiser
- part_of_vorgang → Förderpolitik im Rahmen der IPCEI-Vorhaben - wirtschaftliche Tragfähigkeit, Interessenkonflikte und haushaltsrechtliche Bewertung (Kleine Anfrage)