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Rede von Dr. Carolin Wagner (SPD) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland

dip / rede 24.09.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.

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Rede von Dr. Carolin Wagner (SPD) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! „Gründlich durchgecheckt steht sie da Und wartet auf den Start, alles klar Experten streiten sich um ein paar Daten Die Crew hat da noch ein paar Fragen Doch der Countdown läuft“ Wir alle kennen diese Liedzeilen; denn „Major Tom“ begeistert uns seit den 80er-Jahren. Der Song ist eine Hymne, die bis heute begeistert, wahrscheinlich auch deswegen, weil Peter Schilling in diesen ersten Liedzeilen diesen Moment vor dem Raketenstart so eindrucksvoll beschreibt. Die technische Herausforderung ist enorm. Raketenstarts sind hochkomplex. Tausende Komponenten müssen in der richtigen Sekunde zusammenspielen und funktionieren. Ein fehlerhafter Sensor, eine verrutschte Dichtung oder ein Fischerboot in der Sicherheitszone, und der Countdown läuft eben nicht. Deshalb ist es ein wahnsinniger Erfolg, dass die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace bereits beim zweiten tatsächlichen Startversuch erfolgreich ins All flog. Dieser Start und das erfolgreiche Aussetzen der fünf Forschungssatelliten – das sei an dieser Stelle auch mal gesagt: unter anderem von der HU Berlin – im erdnahen Orbit ist insgesamt ein riesiger Erfolg, weil er zeigt: Deutschland kann Raumfahrt. Deutschland kann in der Raumfahrttechnologie auf Weltniveau mithalten. Und warum ist das jetzt wichtig? Warum ist das für uns alle ein großer Erfolg? Das will ich an drei Dingen deutlich machen. Erstens. Diese Raketen bringen Satelliten ins All, die uns wertvolle Informationen und Daten liefern. Telekommunikation, Bildgebung, Geodaten, das alles geht nur über Satelliten, und die sind notwendig, um Waldbrände zu beobachten, um zu beobachten, wie sich Wasserstände in Flüssen entwickeln und wo es zu Hochwasserkatastrophen kommen kann. Sie sind notwendig für unsere Navigation, für Videokonferenzen; sie spielen also eine Rolle in unserem täglichen Leben. Zweitens. Eigene Trägerraketen sind ein wichtiger Beitrag für Europas technologische Souveränität. Wir werden damit unabhängiger von Anbietern wie SpaceX; wir schaffen uns einen eigenen Zugang zum All. Und das ist wichtig; denn die USA haben kürzlich erstmals bestätigt, dass sie Waffen im Weltall stationiert haben. Und mit Blick darauf, dass Putin den Weltraum als Kriegsschauplatz betrachtet, ist es gut, finde ich, wenn wir einen unabhängigen, eigenen Zugang ins Weltall haben. Dabei denken wir europäisch. Der erfolgreiche Raketenstart konnte auch deshalb gelingen, weil wir in Europa Raumfahrt gemeinsam denken – mit dem Spaceport in Andøya in Norwegen und den weiteren Netzwerken, die wir durch gemeinsame europäische Forschungsverbünde nutzen Das verschafft uns die Möglichkeit, Raumfahrt effizient und arbeitsteilig zu betreiben, ganz nach dem Motto meiner Fraktion „Zusammen ist unsere Stärke“, und natürlich immer mit der Mission, den Weltraum friedlich zu nutzen. Und drittens bringt uns diese neue Fähigkeit große wirtschaftliche Chancen. Der New-Space-Sektor wächst; er schafft Arbeitsplätze und zieht Investitionen an. Isar Aerospace ist ein gutes Beispiel, wie es gehen kann: ein privates, junges Technologieunternehmen mit eigener Entwicklung und Fertigung, finanziert durch privates Venture Capital, staatliche und institutionelle Förderung. – Schon vor dem erfolgreichen Start waren die Auftragsbücher bei Isar Aerospace gut gefüllt. Das zeigt: Der Bedarf ist da, übrigens auch beim Bund als potenziellem Kunden. Gerade in der Raumfahrt können öffentliche Aufträge dazu beitragen, dass aus einer technologischen Idee ein marktfähiges Produkt wird. Damit wir weiterhin die kommerzielle Raumfahrt befördern können, gibt es auch bei uns hier im Parlament einiges zu tun – wir haben es heute schon gehört –: Wir brauchen ein nationales Raumfahrtgesetz. Das ist dann weniger spektakulär als ein Raketenstart, aber dringend nötig; denn Haftungs-, Eigentums- und Genehmigungsfragen müssen klar geregelt sein. Wir müssen Risiken für Unternehmen kalkulierbar machen und Investitionen erleichtern. Ein anderes Handlungsfeld liegt in der Regelung für Patentanmeldungen in Deutschland. Wir sind da Weltklasse. Wir sind bei den Patentanmeldungen in Europa auf Platz eins und weltweit auf Platz zwei. Wo wir besser werden müssen, ist, die Forschungseinrichtungen dabei zu unterstützen, schutzwürdige Erfindungen mit industriellen Partnern in die Anwendung zu bringen. Dafür brauchen wir unbürokratische, schnelle Entscheidungswege, wenn es etwa um exklusive Lizenzvereinbarungen geht. Die Gebühren für die Anmeldung eines Patents werden oft von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern selbst getragen. Auch das sollten wir uns noch einmal anschauen, damit gute Ideen nicht an institutionellen Hürden scheitern. Meine Damen und Herren, aus der Idee von drei Gründern ist mit Isar Aerospace ein erfolgreiches Unternehmen mit 450 Beschäftigten aus aller Welt geworden. Das ist ein beeindruckendes Beispiel für Vielfalt. Und selbstverständlich sollten diese qualifizierten Arbeitsplätze tarifgebunden sein. Es sollte ein Betriebsrat die Belegschaft stärken; denn Unternehmen mit Zukunft brauchen nicht nur Kapital und gute Ideen, sie brauchen eben auch gute Arbeitsbedingungen und gute Mitbestimmung. Vielen herzlichen Dank.

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