Rede von Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Meine Damen und Herren! Wenn Kyjiw gezielt
beschossen wird, während der deutsche Bundeskanzler und seine
Delegation zu Besuch sind, wenn man sein eigenes Land
wirklich liebt, seine Demokratie und ihre Institutionen
wirklich liebt, dann sagt man nach so einem Vorfall:
„Respekt, Herr Bundeskanzler, dass Sie sich persönlich
in diese Gefahr begeben haben!“,
und dann muss man feststellen: Hier handelt die
Kriegspartei Russland, die uns gezielt droht und die uns, unser
Land, unsere Demokratie und alle, die in ihr
Verantwortung tragen, gezielt einschüchtern möchte.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Und wenn man, meine Damen und Herren, sein Land
wirklich liebt, dann kann die einzig mögliche Antwort
darauf nur sein: Wir lassen uns nicht einschüchtern, nicht
von unseren Gegnern von außen, nicht von unseren
Gegnern von innen. Wir werden alles tun, um unsere Freiheit
zu verteidigen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Und wenn Sie schon den Aussagen unserer eigenen
Nachrichtendienste keinen Glauben schenken, dann
sollten Sie doch zumindest ernst nehmen, was das russische
Außenministerium selbst sagt, noch während der
Bundeskanzler sich auf der Anreise in die Ukraine befindet.
Ich zitiere: Russland fordert ausländische
Staatsangehörige auf, davon abzusehen, sich in der Ukraine
aufzuhalten oder dorthin zu reisen. – Und weiter: „Die
Verantwortung für mögliche nachteilige Folgen liege
vollständig bei denen, die diese Warnung ignorierten.“
Jetzt frage ich Sie: Handelt so ein Akteur, der Frieden
sucht? Handelt so jemand, der deeskalieren möchte?
Handelt so jemand, der die Souveränität anderer Länder
wirklich respektiert?
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Russland sagt „Verteidigung“ und meint Aggression.
Russland sagt „Frieden“ und meint Eskalation. Russland
sagt „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ und meint
russische Dominanz. Wer das nicht erkennt, wer das nicht
in den Worten und Taten Putins und Russlands erkennen
will, der liebt nicht Deutschland und die Freiheit und der
darf in diesem Land keine Verantwortung tragen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Gerade weil wir um unsere Verantwortung für
Deutschland, für Europa und für die Freiheit wissen,
verfolgen wir in unserer Politik zur Unterstützung der
Ukraine klare Ziele und Prinzipien. Wir unterstützen die
Ukraine so, dass erstens die politische Selbstbestimmung
der Ukraine gewahrt bleibt und gestärkt wird. Deswegen
unterstützen wir die Ukraine auch gegen Einfluss von
außen, und ja, deswegen sprechen wir mit der Ukraine
im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen zum Beispiel
auch über Themen wie Korruption in der Ukraine.
Zweitens. Wir unterstützen die Ukraine so, dass
Russland nicht für Verletzungen der territorialen Integrität
eines unabhängigen Landes belohnt wird. Deswegen
werden wir mit Gewalt erzielte Erfolge nie anerkennen, und
deswegen werden wir – wir kommen ja in dieser Woche
im Plenum auch noch zur Einrichtung der
Schadensersatzkommission – dafür Sorge tragen, dass die
russischen Kriegsverbrechen verfolgt werden und das
Völkerrecht verteidigt wird.
Und wir unterstützen die Ukraine drittens so, dass
Deutschland und Europa Zeit gewinnen, um die eigene
Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Das ist eine bittere
Wahrheit; aber es ist die Wahrheit. Deswegen verteidigt
die Ukraine schon jetzt auch uns.
Und deswegen unterstützen wir die Ukraine militärisch;
wir unterstützen sie bei der kritischen Infrastruktur, zum
Beispiel bei der Energieversorgung, damit sie über den
Winter kommt, auch mit Mitteln aus dem Wirtschafts-
und Energieministerium.
Wenn Sie nun die Einstellung der Waffenlieferungen
fordern, dann machen Sie sich doch im Plenum des
Deutschen Bundestages ehrlich und sagen, was Sie meinen:
Sie fordern in Wahrheit die Kapitulation der Ukraine.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Steffen Kotré [AfD]: Nee! Sie
sollen verhandeln! Das ist ihre Sache!)
Wer die Innen- und Außenpolitik gegeneinander
ausspielt, dem geht es nicht um Lösungen.
Wir müssen im Innern stärker werden, um uns nach
außen verteidigen zu können. Das ist unsere Strategie
zur Verteidigung unserer Freiheit und unseres Landes.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Relationen
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