Rede von Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich bin heute Morgen aus Kyjiw zurückgereist. Gegen
05:30 Uhr habe ich die Grenze von der Ukraine nach
Polen überquert – die Grenze in den Safe Space, den
Raum von Sicherheit und Freiheit, den uns EU und
NATO schaffen. Und während die Sonne aufging,
wurden in der Ukraine erneut Tote, Verletzte und massive
Schäden sichtbar: Schäden, die alleine Russland zu
verantworten hat durch seine Drohnen, Marschflugkörper
und Raketen.
Die Ziele dieses Angriffs waren Kyjiw, Dnipro,
Krementschuk; so könnte man nüchtern meinen. Aber man
muss sagen: In echt waren die Ziele Schulen,
Krankenhäuser, Wohnblocks. Die Ziele waren Väter, Mütter und
Kinder. Putins tödliche Gewalt richtet sich gegen
Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als in Frieden
und Freiheit zu leben. Und es sind diese Menschen, die
die AfD mit dieser Aktuellen Stunde unsichtbar machen
will.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sie wollen Deutsche gegen Ukrainer aufhetzen. Sie
wollen unsere Gesellschaft aufstacheln, den Menschen
das Menschsein nehmen, das Fühlen und Mitfühlen. Sie
von der AfD dienen nicht dem Frieden, Sie dienen den
Kriegstreibern in Moskau. Sie dienen einer Macht, die
auch uns angreift – zuletzt mit militärischen Anschlägen
in Leipzig. Sie sind politische Wegwerfagenten im
russischen Informationskrieg. Sie drehen hier Ihre
Propaganda auf, während Russland aufrüstet, und wollen als
erste Initiative in Sachsen-Anhalt in einer Sondersitzung
die Unterstützung für die Ukraine stoppen, was Sie von
Sachsen-Anhalt aus gar nicht können.
Und die Menschen verkaufen Sie damit auch noch für
dumm. Je mehr Sie diese Propagandaaktionen aufdrehen,
umso mehr Sorgen mache ich mir tatsächlich um
Deutschlands Sicherheit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, als Vorsitzender der
Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe reise ich
öfter in die Ukraine als viele andere Abgeordnete hier im
Haus, und das ist auch völlig normal. Aber was auffällig
ist: Von der AfD war bislang kaum jemand dort.
(Markus Frohnmaier [AfD]: Wir stehen ja auf
Todeslisten! – Steffen Kotré [AfD]: Wir dürfen
da gar nicht hin! – Jürgen Coße [SPD]: Die
liegen ja mit Russland im Bett!)
Ich reise da nicht nur als Abgeordneter hin, sondern ich
bin zu jedem Zeitpunkt meines Lebens auch Vater, Sohn,
Partner – jemand, der Verantwortung trägt, jemand, der
mit diesen Reisen auch ein persönliches Risiko eingeht,
jemand, der seine Familie und Freunde schützen will,
nicht in der Ukraine, sondern hier bei uns in Deutschland.
Denn auch wir hier in Deutschland stehen im Fadenkreuz
Putins. Ich reise dorthin, weil in der Ukraine der Frieden
und die Sicherheit verteidigt werden; Sicherheit, durch
die wir hier geschützt sind. Ich reise nach Kyjiw, weil
ich lernen will, was es braucht, um den Horror dieses
Krieges erfolgreich zu beenden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Denn auch wenn ich häufig in der Ukraine bin,
gewöhne ich mich nicht an die Angst, die ein Luftalarm
auslöst: Herzrasen, Gänsehaut, kalter Schweiß nach
Explosionen in unmittelbarer Nähe. Ich spreche von
Nächten im Luftschutzbunker, weil man nicht weiß, ob die
Luftverteidigung standhält.
Aus eigener Erfahrung kann ich also sagen, dass auch
der Bundeskanzler ein hohes persönliches Risiko
eingegangen ist,
der Regierungschef, der Ehemann und Vater. Und
während der Bundeskanzler in Kyjiw war, wurde die Stadt
attackiert. Das war eine klare Botschaft: Auch
Deutschland ist Ziel.
Meine Damen und Herren, ich bin selten einer
Meinung mit Friedrich Merz, aber diese Reise des
Bundeskanzlers war richtig und überfällig. Die Reise
unterstreicht den Amtseid des Kanzlers. Diese Reise widmet
sich dem Wohl unseres Volkes und wendet Schaden von
ihm ab. Vielen Dank, Herr Bundeskanzler, für diese Reise
in die Ukraine!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der CDU/CSU und der SPD)
Und während der Kanzler diese Gefahren auf sich
genommen hat, hat sich bislang kaum jemand von der
AfD getraut, in die Ukraine zu reisen. Die AfD hat
überhaupt keine Ahnung, wovon sie hier redet.
Reisen bildet, aber Sie gefallen sich lieber weiter in
dümmlichem und zynischem Populismus – einem
Populismus, der die Sicherheit Deutschlands und seiner
Partner massiv gefährdet.
Aus meiner Reise nehme ich mit, dass Deutschland in
der Ukraine als strategischer Partner absolute
Dankbarkeit und Hochachtung erfährt. Aber es braucht mehr, um
den Horror des Krieges zu beenden. Es braucht nicht nur
Absichtserklärungen für neue Abfangdrohnen, sondern
auch einen engagierten Kampf gegen die russische
Kriegsfinanzierung durch die Schattenflotte. Und es
braucht mehr Engagement bei der Luftverteidigung. An
dieser Stelle möchte ich den BND-Präsidenten Martin
Jäger zitieren:
„Russland legt es darauf an, die Ukraine im
kommenden Winter in die Knie zu zwingen. Wir müssen
mit russischen Attacken von einer Härte und
Brutalität rechnen, wie wir sie bisher so in der Breite so
nicht gesehen haben.“
Zitat Ende.
Diese Bundesregierung darf nach einer so klaren
Analyse nicht länger zuschauen, wie die Patriot-
Abfangmunition in den Lagern unserer Verbündeten vergammelt, statt
Leben zu retten! Wir erwarten konkrete Initiativen von
Ihnen, Herr Außenminister. Handeln Sie!
Vielen Dank.
Relationen
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