Rede von Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Nein, danke. –
Diesem guten Zeichen müssen jetzt natürlich auch
Konsequenzen folgen.
Eine Sache ist doch ganz klar bei der Ukraine: Wir alle,
aber vor allen Dingen die Menschen in der Ukraine
wollen, dass dieser Krieg endet.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und was uns alle dabei umtreibt, ist die Frage: Wie
kommen wir zu diesem Frieden? Das, was Sie von der AfD
fordern und was ich auch immer wieder vom BSW höre,
führt eindeutig nicht zu Frieden.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Das, was Sie fordern, nämlich das Einstellen der
Unterstützung für die Ukraine, führt letztendlich zur
Kapitulation, und vor allen Dingen führt es am Schluss zu mehr
Gewalt, zu mehr Kriegen in Europa. Das führt zu weniger
Sicherheit für die Menschen hier vor Ort. Das ist das, was
Sie wollen, und das werden wir als Demokratinnen und
Demokraten nicht zulassen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Nicht erst der Angriff in Leipzig hat klargestellt, dass
Russland aktuell nicht verhandlungsbereit ist. Russland
hat in den letzten Jahren zu keinem Zeitpunkt
Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Der Tisch ist da; aber
Russland setzt sich nicht an diesen Tisch.
(Stephan Brandner [AfD]: Wo ist der Tisch
denn? – Gegenruf der Abg. Sara Nanni
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Jede Woche
neu aufgestellt, Herr Brandner! Das wissen
Sie doch!)
Ich verstehe total, dass wir uns natürlich fragen: Was
können wir denn tun, um diesen Krieg zu beenden? Ich
würde sagen, die Bundesregierung hat ein paar Hebel, um
die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Russland sich an
den Verhandlungstisch setzt:
Das wäre beispielsweise, die Schattenflotte endlich
wirksam zu bekämpfen,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie des Abg. Pascal Meiser [Die Linke])
die Milliarden in die Kriegskassen Russlands spült. Der
Außenminister selbst hat nach Leipzig Maßnahmen
angekündigt. Liebe Koalition, liebe Bundesregierung, ich
frage Sie: Wo bleiben diese Maßnahmen? Wir sehen
nichts.
Man könnte auch eine Einreisesperre gegen zwei
Oligarchen verhängen, die erst kürzlich von der EU-
Sanktionsliste gestrichen wurden, so wie es auch die baltischen
Staaten angekündigt haben. Auch das könnte man tun,
passiert aber nicht.
Der wichtigste Punkt ist, die Ukraine weiter militärisch
und zivil zu unterstützen, damit sie am Schluss aus einer
Position der Stärke verhandeln kann. Ich bin froh, dass
die Bundesregierung die 350 Millionen Euro für den von
Russland ständig bombardierten Energiesektor gefunden
hat. Hier geht es darum, ob im Winter beispielsweise
Kinder in Kindergärten und Schulen frieren, weil sie
keine Heizung haben. Es ist wichtig, dass diese
Winterhilfen jetzt kommen – für den Winter und nicht erst nach
dem Winter. Den Ankündigungen müssen jetzt auch
konkrete Maßnahmen folgen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, für die
Unterstützung der Ukraine braucht es aber eine langfristige und
hohe finanzielle Unterstützung und nicht jedes Mal
scheibchenweise ein bisschen was; das sehen wir aber
gerade. Für einen langfristigen Frieden ist es wichtig,
eine langfristige Finanzierung sicherzustellen. Da hat
diese Koalition noch einiges zu leisten.
Für einen langfristigen Frieden ist aber auch wichtig,
dass wir uns hier nicht spalten lassen. Die Anhörung der
Nachrichtendienste am Montag hat uns gezeigt: Russland
will uns destabilisieren, damit wir die Unterstützung für
die Ukraine einstellen. – Wir Demokraten dürfen uns
nicht spalten lassen. Die Unterstützung der Ukraine und
die Stärkung unserer eigenen Resilienz müssen immer
zusammen gedacht werden. Wir brauchen mehr Schutz
vor Desinformation und Sabotage, den Schutz unserer
kritischen Infrastruktur und gleichzeitig eine verlässliche
Unterstützung der Ukraine. Das, liebe Kolleginnen und
Kollegen, ist unser gemeinsames Ziel, und daran müssen
wir arbeiten. Ich hoffe, das schaffen wir.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Relationen
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