Rede von Gökay Akbulut (DIE LINKE) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 4: Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,.
Text
Rede von Gökay Akbulut (DIE LINKE) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der
demokratischen Fraktionen! Die Bundesregierung bringt
heute ein Abkommen ein, dessen Rechtmäßigkeit aktuell
vom Europäischen Gerichtshof überprüft wird. Das
Europaparlament hatte im Januar den EuGH angerufen, weil
es Zweifel hatte, ob das Abkommen mit EU-Recht
überhaupt vereinbar ist. Und trotzdem hat die EU-
Kommission das Abkommen bereits vorläufig in Kraft gesetzt.
Das, meine Damen und Herren, ist eine Missachtung
des Europäischen Parlaments, und das lehnen wir ab.
(Beifall bei der Linken – Johannes Volkmann
[CDU/CSU]: Das ist genau so in den Verträgen
vorgesehen!)
Auch die Bundesregierung drängt nun auf eine
schnelle Ratifizierung. Dabei schreibt sie auf ihren
eigenen Webseiten – da sollten Sie vielleicht auch mal
nachschauen –, dass die nationalen Parlamente erst nach der
Zustimmung des Europaparlaments unterzeichnen
sollten.
(Serap Güler [CDU/CSU]: Das ist ja auch ein
europäisches Abkommen! Kein deutsches
Abkommen!)
Doch anstatt abzuwarten, bis EuGH und
Europaparlament entschieden haben,
(Thomas Rachel [CDU/CSU]: Wir denken
eben an Arbeitsplätze!)
will die Bundesregierung jetzt offensichtlich Fakten
schaffen, die rechtswidrig sind. Diese Vorgehensweise
ist zutiefst fragwürdig und auch rechtswidrig.
Meine Damen und Herren, es geht hier um weit mehr
als nur um irgendwelche Verfahrensfragen zwischen
Berlin und Brüssel. Das Mercosurabkommen schafft neue
Märkte und Profite für die deutsche Exportwirtschaft,
ermöglicht Agrar- und Chemiekonzernen
Handelsvorteile ohne Ende, während der Schutz von Regenwald,
Umwelt und Arbeitnehmerrechten auf der Strecke bleibt.
(Johannes Volkmann [CDU/CSU]: Lesen Sie
mal das Nachhaltigkeitskapitel!)
Durch neue Zollvorteile für Soja und Rindfleisch werden
die Rodungen der Regenwälder in Lateinamerika weiter
steigen. Die Leidtragenden sind wieder einmal indigene
Bevölkerungen und Kleinbauern, die schon heute von
ihren Ländern vertrieben werden. So werden Klima und
Existenzen zerstört, und so wird systematische
Ausbeutung von Ressourcen betrieben. Das lehnen wir ab.
Gleichzeitig fallen bei uns die Zölle auf Pestizide.
Europäische Konzerne exportieren Gifte nach
Südamerika, die bei uns verboten sind, die aber als Rückstände
wieder auf unseren Tellern landen werden. Die Bauern in
Deutschland und Europa, Herr Wadephul, versuchen
trotz schwieriger Bedingungen, regional und artgerecht
zu produzieren. Diese Bauern müssen jetzt die
Konkurrenz südamerikanischer Agrarkonzerne fürchten, die nun
billiger produzieren können. Von diesem Abkommen
profitieren nur die Konzerne und Manager. Es schadet
den Menschen und den Bauern hier, aber auch in
Lateinamerika.
Ja, wir brauchen Partnerschaften mit Lateinamerika,
gerade in Zeiten von Zollkriegen und Klimakrise. Aber
echte Partnerschaft heißt auch, dass verbindliche Sozial-
und Umweltstandards definiert werden, dass Menschen
und Arbeitnehmerrechte wirksam auf beiden Seiten
geschützt werden und dass weiterhin Spielraum für eigene
Industriepolitik verbleibt. Das alles leistet dieses
Abkommen unter diesen Bedingungen nicht. Deshalb sagen wir
Linke: Schlechten Verträgen, die hinter verschlossenen
Türen ausgehandelt werden, die nur Großkonzernen und
Multikonzernen und ihren Profiten dienen, –
Relationen
- part_of → Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Organisierte Kriminalität systematisch zerschlagen
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