Rede von Tobias Teich (AfD) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 4: Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,.
Text
Rede von Tobias Teich (AfD) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Wer den Brüsseler Eurokraten zuhört,
könnte meinen, mit Mercosur stünde das wirtschaftliche
Paradies bevor. Von historischen Chancen und neuem
Freihandel ist die Rede. Man fühlt sich glatt an Helmut
Kohls „blühende Landschaften“ erinnert.
(Thomas Rachel [CDU/CSU]: Ja, die waren ja
auch erfolgreich!)
Die Bürger, unsere Landwirte und der Mittelstand haben
jedoch ein Recht darauf, dass Ross und Reiter benannt
werden: Wer zahlt die Zeche, und wer streicht die Profite
ein?
Dieses Abkommen ist kein Meilenstein für freien und
fairen Handel. Es ist ein asymmetrisches Paket. Es öffnet
unsere sensiblen Agrarmärkte weiter und sichert vor
allem der Exportindustrie Zollvorteile. 99 000 Tonnen
Rindfleisch zum reduzierten Zollsatz von 7,5 Prozent
und 180 000 Tonnen Geflügel zollfrei sind keine
Randnotiz. Dazu kommen zusätzliche Mengen an Zucker und
Ethanol. Das betrifft Betriebe, die hier bereits mit hohen
Kosten und unter Auflagen arbeiten. Solange die
versprochenen Schutzklauseln nicht selbstständig und
unmittelbar greifen, sind sie letztlich nur geduldiges Papier.
Unsere Bauern stehen aufgrund unübersichtlicher
Düngeverordnungen, bürokratischem Kontrollzwang,
von Doppelmoral geprägten Tierwohlvorgaben und
ideologischer Gängelung aus Berlin und Brüssel bereits mit
dem Rücken zur Wand. Dieses Abkommen setzt darauf
noch Importkonkurrenz aus Regionen, die diese
Standards nicht erfüllen müssen. Importware muss das EU-
Lebensmittelrecht erfüllen; Haltungs-, Umwelt- und
Erzeugungsstandards werden aber nicht eins zu eins
gespiegelt. Das ist kein fairer Wettbewerb. Das sind zweierlei
Maßstäbe.
Wir als AfD sagen dagegen in aller Deutlichkeit: Die
heimische Landwirtschaft ist kein Auslaufmodell. Sie
bedeutet strategische Versorgungssicherheit für unser
Volk. Nicht die Quote entscheidet, entscheidend ist das
Signal. Wer Betriebe unter Importdruck setzt und ihnen
zu Hause immer höhere Standards aufbürdet, handelt
verantwortungslos. Wir haben einen der höchsten
Strompreise Europas, eine erdrückende Steuerlast, eine
wuchernde Bürokratie und eine Industrie, die gerade
deswegen Produktion und Investitionen verliert. Statt
diese Standortprobleme anzupacken, verkaufen Sie
Mercosur als Signal strategischer Souveränität. Profitieren
werden dadurch natürlich Maschinenbau-, Automobil-
und Chemieindustrie.
(Thomas Rachel [CDU/CSU]: Ja, die
Arbeitsplätze interessieren euch nicht, ne?)
Den Familienbetrieben und dem energieintensiven
Mittelstand nützt das aber nichts.
Wir sind für Handel; aber Handel muss nationalem
Interesse dienen. Er darf unsere Bauern nicht abstrafen
und eigene Standards nicht zur Existenzfalle machen.
Handelsabkommen sind nur dann gut, wenn sie
Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland mehren. Ein
Zollnachlass für das Ausland ersetzt weder den bezahlbaren
Strompreis noch einen Betrieb, der nicht mehr den
eigenen Standards genügen kann. Bezeichnen Sie das
Abkommen deswegen nicht als Erfolg, sondern nennen Sie
es beim Namen: Es ist eine Entlastung der Exportbilanz
auf Kosten derer, die hierzulande noch produzieren.
Herzlichen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Organisierte Kriminalität systematisch zerschlagen
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