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Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Vereinbarte Debatte

dip / rede 08.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 9: Vereinbarte Debatte:.

Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Vereinbarte Debatte Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen“ lautet der Titel dieser Debatte. Ich finde, er müsste eigentlich „Nachhaltigkeit ist die Zukunftsfrage“ heißen. Das ist so wichtig, weil immer mehr Menschen auf diesem Planeten leben und natürlich Ressourcen, die endlich sind, und mehr Energie verbrauchen. Daher ist es notwendig, die übergreifende Ausrichtung unserer Politik und unseres Handelns zu diskutieren: Wie wollen wir die Zukunft gestalten, und welche Grundsätze sollten uns dabei leiten? Auch unsere Kinder und Enkel sollen in Zukunft ein gutes Leben haben und in Wohlstand, in Frieden und in einer guten Umwelt aufwachsen können. Seit weit über zehn Jahren darf ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen. Es war tatsächlich ein Fortschritt, als wir 2015 die Agenda 2030 und auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen haben. Wenn ich heute einen Wunsch äußern darf, dann möchte ich, dass die Menschen im Rückblick sagen können: Das 21. Jahrhundert war und ist „geprägt […] vom Gedanken der Nachhaltigkeit“. Ich bin auch Bundeskanzler Merz sehr dankbar, dass er diese Aussage in der letzten Woche auf der Konferenz zum 25. Jubiläum des Rates für Nachhaltige Entwicklung getroffen hat. Denn gerade wir im Umweltministerium fühlen uns dem Leitbild der Nachhaltigkeit verpflichtet. Zukunftsfähigkeit bedeutet nämlich Lebensqualität. Es bedeutet, Fortschritt so zu gestalten, dass er auch morgen noch trägt. So tragen unsere Politiken und Strategien dazu bei, zu einer nachhaltigen Gesellschaft und Wirtschaft zu werden – sei es bei der Kreislaufwirtschaft, beim Schutz des knappen Gutes Wasser oder beim Klimaschutz und der Klimaanpassung. Neben diesen großen Linien unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist es genauso wichtig, ganz praktisch voranzukommen. Dem widmet sich der „Aktionsplan Nachhaltigkeit“, den wir als Regierung letzte Woche beschlossen haben. Der Plan enthält 20 Missionen, an denen das Umweltministerium vielfach beteiligt war. Ich will hier heute zwei Missionen in den Vordergrund stellen, bei denen wir federführend waren. Bei der Mission zur Förderung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung geht es darum, wie wir junge Menschen befähigen, mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen. Wir wollen ihnen nicht nur zeigen, welche Herausforderungen es gibt, sondern wir wollen ihnen zeigen, welche Lösungen man gemeinsam erarbeiten kann, wie sie wirken können und wie wir gemeinsam Zukunft gestalten können. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch bei der Mission „Reparieren schafft Zukunft – Mehr Wert für Wirtschaft und Gesellschaft“ geht es um einen Mehrwert. Entstanden ist sie, weil wir von Ihnen, dem Bundestag, den Auftrag erhalten haben, etwas zum Thema „Reparieren statt Wegwerfen“ zu machen. Das tangiert viele Bereiche und verlangt geradezu, dass wir auch ressortübergreifend zusammenarbeiten. Wir sind ja manchmal ganz praktisch im Leben unterwegs. Das heißt, man schaltet die Waschmaschine oder die Kaffeemaschine an, und nichts geht mehr. Es geht einfach gar nichts mehr. Es gibt auch kein Ersatzteil. Dann geht man zum Handwerk, und es heißt: Die Reparatur ist zu teuer. – Es geht aber auch ganz konkret um Ressourcenschutz, um ökonomische Fragen und um Verbraucherschutz. Langlebige Produkte haben meist eine bessere Umweltbilanz. Würden zum Beispiel Mikrowellen oder Wasserkocher ein Jahr länger laufen, dann könnten schätzungsweise 670 000 Tonnen CO2, 17 000 Tonnen Stahl, 2 000 Tonnen Glas und Plastik sowie 100 Millionen Liter Wasser eingespart werden. Ich glaube, auch diese Zahlen zeigen noch einmal, welches Potenzial darin steckt. Viele Qualitätshersteller stellen schon heute auf langlebige und reparierbare Produkte um. Ich glaube, es war auch immer ein Merkmal von „Made in Germany“, dass wir für verlässliche Produkte stehen. Wer solch verlässliche Produkte herstellt, der darf im Wettbewerb nicht benachteiligt werden. Deshalb ist es für uns natürlich wichtig, dass wir einmal dafür sorgen, dass Ersatzteile da sind, aber auch dafür sorgen, dass Reparateure die Reparatur leisten können. Hier fehlt dem Handwerk oftmals der Nachwuchs. Ich freue mich daher, dass in den vergangenen Jahren durchaus auch Zugewanderte immer öfter sozialversicherungspflichtige Arbeit im Handwerk gefunden haben. Wir müssen den Verbraucherinnen und Verbrauchern natürlich auch die Möglichkeit geben, Produkte reparieren zu lassen. Dafür braucht es, wie gesagt, Ersatzteile. Die Kosten dafür dürfen natürlich nicht so hoch sein, dass sie abschrecken. Mit diesem Thema schlagen wir sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe. Produkte zu reparieren und nicht wegzuwerfen, heißt: Es spart Ressourcen, es spart Geld, und es ist oftmals natürlich auch eine Umweltentlastung. Diese Mission enthält den vom Bundestag gewünschten Prüfauftrag für den herstellerfinanzierten Reparaturbonus. Was steckt dahinter? Die Idee ist: Wer ein Gerät reparieren lässt, der soll auch im Geldbeutel spüren, dass er etwas einspart und es sich lohnt. Schließlich sollen aber auch alle Genannten profitieren, also auch der Handwerker. Es soll eine Win-win-Situation sein, dass Reparatur statt Neukauf sich für alle finanziell auszahlt. Mit einem Reparaturgesetz, für das wir ebenfalls einen Prüfauftrag vorsehen, können wir Qualitätsprodukte und damit deren Hersteller stärken. Käuferinnen und Käufer wollen reparierbare Produkte, und daher müssen diese im Regal auch klar erkennbar sein. Auch der Preis für Ersatzteile ist dabei ein Entscheidungskriterium. Mit einem Reparaturgesetz setzen wir nicht die Recht-auf-Reparatur-Richtlinie der EU um; das haben wir längst getan. Nein, das Reparaturgesetz hat einen ganz anderen Ansatz. Es geht hier um ein reparierbares Produktdesign, also darum, dass man die Kaffeemaschine oder die Waschmaschine tatsächlich aufschrauben und Ersatzteile austauschen kann. Es geht auch um den Ersatzteilmarkt, also dass Ersatzteile zur Verfügung stehen. Wir sehen, dass Nachhaltigkeit ganz pragmatisch im Leben eines jeden von uns ankommt. Diese gelebte Nachhaltigkeit in unserem Alltag soll den Menschen nutzen, sie soll sie nicht bevormunden. Sie soll ihnen Benefit geben, einen Mehrwert bieten. Ich glaube, wir sind hier als Bundesregierung gemeinsam auf einem guten Weg. Ich danke Ihnen.

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