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Rede von Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Lebensmittelhandwerk erhalten – Vielfältige und krisenfeste Ernährungsversorgung sicherstellen

dip / rede 08.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Lebensmittelhandwerk erhalten – Vielfältige und krisenfeste Ernährungsversorgung sicherstellen.

Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Lebensmittelhandwerk erhalten – Vielfältige und krisenfeste Ernährungsversorgung sicherstellen Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vergangene Sommer wird nicht der heißeste gewesen sein, den wir je erlebt haben werden. Wir können die Landwirtschaft darauf nicht nur punktuell vorbereiten oder durch Nichtstun, wie es diese Regierung vorschlägt. Ein paar Sensoren auf Traktoren, ein paar Basenpaare im Genom von Kulturpflanzen umdrehen, den Landwirten mit Krediten ins nächste Jahr helfen, ansonsten weitermachen wie bisher: Das wird so nicht gutgehen. Klimakrise – das heißt Wetterextreme. Auf Feldern, auf denen es heute staubtrocken ist, konnte man letztes Jahr Schwimmkurse anbieten. Wir können nur auf systemischer Ebene an dieses Problem herangehen. Es ist auch nicht sinnvoll, eine Abhängigkeit durch die nächste zu ersetzen. Wladimir Putin hat uns das Gas abgedreht. Jetzt blockiert der Iran die Handelswege im Nahen Osten, und die Bundesregierung hofft, dass wenigstens die USA dauerhaft Gas liefern. Das könnte ganz schön in die Hose gehen. Wir haben Vorschläge, wie wir die Lebensmittelproduktion in Deutschland in diesen unsicheren Zeiten stabilisieren könnten. Erstens. Wir müssen die Landschaften so gestalten, dass sie Wasser speichern, damit im trockenen Sommer noch Wasser aus dem letzten Winter in den Böden ist und beim Starkregen nicht sofort alles absäuft. Das heißt: Moore vernässen, den Flüssen wieder Raum geben, Bäume pflanzen, die Wälder stabilisieren. Da geht es um Investitionen, die gleichzeitig gegen Trockenheit und Hochwasser helfen. Wir müssen zweitens die Landwirtschaft aus der Abhängigkeit führen von teurem Dünger aus Erdgas, von importierten Futtermitteln, von fossiler Energie, von giftigen Chemikalien und patentiertem Saatgut. Die Landwirtschaft kann und will in Kreisläufen denken. Sie kann erneuerbare Energien produzieren, selber für ihren Dünger sorgen und die Ökosysteme erhalten, auf die sie so angewiesen ist. Gerade diese Ökosysteme – Böden, Biodiversität und Bäume – puffern gegen Schädlinge, Erosion oder Wetterextreme. Drittens. Wir müssen das Lebensmittelhandwerk gezielt stärken, es von den kleinen Betrieben her denken, nicht von den großen. Wenn eine Mühle ausfällt, die 5 Millionen Menschen versorgt, weil der Fluss nicht mehr da ist, über den das Getreide angeliefert wird, weil eine Drohne einschlägt oder sich eine wildgewordene KI einhackt, dann ist das schwer zu ersetzen. Viele kleine helfen uns; sie schaffen Stabilität, Sicherheit und Unabhängigkeit. Viertens. Die Schulen und Behörden, die Kasernen, die Kindergärten und die Krankenhäuser sind der Absatzmarkt für regionale und ökologische Lebensmittel. Das schafft einen Markt für eine stabile Landwirtschaft, für das Lebensmittelhandwerk. Das ist einfach gutes Essen, und das haben die Leute in den Einrichtungen auch verdient. Und die Menschen in Pflegeeinrichtungen haben es auch verdient, dass wir darüber nachdenken, wie sie im Krisenfall versorgt werden. Sie können nicht selber Vorräte halten oder die Ravioli-Reserve warmmachen. Wir brauchen einen Plan, wie die Großküchen im Notfall laufen. Es fehlt manchmal dann eben doch an Konzepten, Plänen und Zusammenarbeit mit der Regierung. Wir schlagen hier ein Update für den Zivil- und Katastrophenschutz vor: den bundesweiten regelmäßigen Übungstag für die Bevölkerung, damit wir wissen, was Sache ist, einen Operationsplan nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für die zivile Verteidigung und eine Gemeinschaftsaufgabe für Zivil- und Katastrophenschutz. Unsere Vorschläge sorgen in unserem Land für mehr Sicherheit, für Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft und für Unabhängigkeit. Stimmen Sie dem einfach zu! Wir tagen heute mal wieder bis 2 Uhr in der Nacht. Dieser Bundestag läuft auch mit den Schmiermitteln Kaffee und Schokolade. Kakao und Kaffee kommen aus wenigen Regionen auf der Welt, die sehr unter dem Klimawandel leiden. Wenn wir den Menschen dort helfen, sich anzupassen und ihre Umwelt zu schützen, dann helfen wir auch uns selbst. Wir sind nicht allein auf dem Planeten; wir sind alle voneinander abhängig. Und mit dem Super-El-Niño können wir große Ernteausfälle erwarten. Deswegen fordere ich die Bundesregierung auf, die humanitäre Hilfe aufzustocken und sich vorzubereiten. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die AfD verboten werden muss. Vielen Dank.

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