Rede von Rasha Nasr (SPD) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 36: Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,.
Text
Rede von Rasha Nasr (SPD) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Dass das beim Grundgesetz dieser Bundesrepublik
auch so ist, war mir nicht bewusst. Ich entschuldige
mich dafür, Frau Präsidentin. – Deshalb haben uns die
Mütter und Väter des Grundgesetzes nicht nur Rechte
und Freiheiten hinterlassen, sie haben uns auch die
Werkzeuge gegeben, um diese Freiheiten zu verteidigen. Aber
dann sollten wir endlich auch den Mut haben, diese
Werkzeuge zu benutzen.
Die Haltung der SPD ist völlig klar: Die AfD gehört
überprüft.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der Linken und der Abg. Sylvia Rietenberg
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wir reden seit Jahren darüber und beobachten, wie sich
diese Partei weiter radikalisiert. Dann lasst uns doch
endlich handeln! Eine wehrhafte Demokratie muss sich
verteidigen, bevor sie es nicht mehr kann. Aber dieses Buch,
das Grundgesetz, wird unsere Freiheit und unsere
Demokratie nicht allein verteidigen. Das müssen wir schon
selbst tun.
Und deshalb möchte ich etwas zu den Menschen
sagen, die gerade mit Sorge auf dieses Land schauen, zu
den Menschen, die sich fragen, ob ihr Name, ihre
Hautfarbe, ihr Glaube, ihre Beeinträchtigung, ihre sexuelle
Orientierung oder ihre Familie irgendwann darüber
entscheiden könnten, wie selbstverständlich sie
dazugehören, zu den Menschen, die sich engagieren und dafür
bedroht werden, und zu all jenen, die spüren, dass hier
gerade was ins Rutschen gerät: Ich teile eure Sorge, und
ich will sie nicht kleinreden. Aber ich will auch nicht,
dass sie uns lähmt; denn dieses Land gehört nicht denen,
die am lautesten schreien, dieses Land gehört uns allen.
Ich denke dabei auch an meine zweijährige Tochter.
Ich denke darüber nach, in welchem Land sie einmal
groß werden wird. Denn am Ende geht es doch genau
um diese Frage: Was für ein Land hinterlassen wir
unseren Kindern? – Und genau deshalb macht mich all das so
wütend. Aber diese Wut darf uns nicht auffressen, und
diese Angst darf uns nicht lähmen.
Vielleicht brauchen wir tatsächlich eine Wende in
diesem Land. Aber ich meine damit eine Wende weg von der
Angst hin zu einem Land, das sich selbst wieder was
zutraut, das Probleme löst, ohne Menschen zu Feinden
zu erklären, das Fehler eingestehen kann, ohne an sich
selbst zu verzweifeln, und das den Mut hat zu sagen: Ich
liebe dieses Land.
Meine Eltern sind hierhergekommen, ich bin hier
geboren, und meine Tochter wächst hier auf. Drei
Generationen, für die Deutschland Heimat ist! Und niemand –
niemand! – entscheidet für uns, wie deutsch wir sind.
Und ich überlasse Ihnen von der AfD weder dieses
Land noch Schwarz-Rot-Gold. Deutschland hat mehr
verdient als Hass und die permanente Erzählung vom
eigenen Untergang. Dieses Land ist nicht perfekt – wir
haben Fehler gemacht, und wir werden weitere machen;
aber wir werden auch aus diesen Fehlern lernen –; aber
ich weigere mich, zu glauben, dass Angst und Hass die
Zukunft dieses Landes sind. Dafür kenne ich dieses Land
zu gut.
Vielleicht mache ich mir deshalb gerade so große
Sorgen um Deutschland, weil ich so sehr daran glaube.
Und genau deshalb, meine Damen und Herren, werde ich
niemals aufhören, für dieses Land zu kämpfen, und ich
hoffe, Sie sind an meiner Seite.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Maßnahmen für eine wirkliche Migrationswende
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