Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 10 und 11: Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,.
Text
Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,
Herr Präsident! Sehr verehrter Herr Botschafter!
85 Jahre – ein Zeitraum, der scheinbar weit zurückliegt.
Aber für die Erinnerung an Babyn Jar ist er eben kein
Abstand, hinter dem Geschichte verschwinden darf. An
jenen zwei Tagen 1941 haben deutsche SS-Einheiten und
ihre Helfer Juden ermordet. Sie haben sie
zusammengetrieben, ihrer Würde beraubt, erschossen, weil sie
Juden waren. Babyn Jar ist nicht einfach ein Kapitel für ein
Geschichtsbuch. Es steht dafür, was geschieht, wenn
Antisemitismus nicht schon bei Worten gestoppt wird, wenn
Menschen erst ausgegrenzt, dann entrechtet und
schließlich entmenschlicht werden und wenn eine Gesellschaft
wegschaut.
Erinnerung bedeutet nicht, sich einmal im Jahr zu
versammeln und Betroffenheit zu zeigen. Erinnerung ist die
Herausforderung, der Gefahr einer Wiederholung dieser
Geschichte von ihrem Beginn an mit aller Kraft zu
widerstehen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD])
Wir schauen auf der Landkarte nach Kyjiw, nach
Babyn Jar. 85 Jahre nach dem deutschen Massenmord
ist dieser Ort erneut vom Krieg eingeholt. Am 1. März
2022 schlug eine russische Rakete in der Nähe des
Fernsehturms von Kyjiw ein; das ist unmittelbar beim
Gelände von Babyn Jar. Fünf Zivilisten wurden getötet.
Das ist eine donnernde Mahnung, dass Frieden nicht
selbstverständlich, Freiheit niemals garantiert und die
Erinnerung niemals einfach nur Vergangenheit ist.
Deutschland trägt dabei eine besondere
Verantwortung. Die Verantwortung endet nicht mit einer
Gedenkminute oder einer Rede. Sie zeigt sich darin, ob jüdisches
Leben in Deutschland heute wirklich sicher ist.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
des Abg. Robin Wagener [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])
Sie zeigt sich daran, ob Antisemitismus bekämpft wird –
egal ob er von rechts, von links, aus dem islamistischen
Milieu oder aus anderen Milieus kommt.
„Nie wieder!“ muss bedeuten: Nie wieder wegsehen,
nie wieder Angst haben, als Jude auf die Straße zu gehen,
nie wieder Gewalt und Antisemitismus in Deutschland.
Das muss die politische Handlungsmaxime aller Parteien
sein.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten der Linken und des Abg.
Dr. Paul Schmidt [AfD])
Babyn Jar muss uns mahnen. Jüdisches Leben braucht
keine Sonntagsreden. Es braucht Schutz, Haltung und
Konsequenz. Antisemitismus beginnt nicht mit dem
ersten Schuss. Es beginnt mit Worten. Es beginnt mit
Entmenschlichung, Ausgrenzung, mit dem Wegsehen.
Deshalb müssen wir widersprechen, bevor aus diesen Worten
Taten werden. 85 Jahre nach Babyn Jar ist die wichtigste
Frage deswegen nicht: Was ist damals geschehen?
Sondern: Was tun wir heute, dass es niemals wieder
geschieht?
Deswegen: Herr Wagener, herzlichen Dank! Ich weiß
um Ihr großes Engagement, ich bewundere Sie dafür, und
ich hoffe, wir können uns dem alle anschließen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → 85 Jahre Massaker von Babyn Jar - Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine
- part_of_vorgang → 85. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar - Erinnerung bewahren, historische Verantwortung stärken und die Ukraine auf ihrem Weg in Freiheit
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