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Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,

dip / rede 09.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 10 und 11: Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,.

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Text

Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring, Herr Präsident! Sehr verehrter Herr Botschafter! 85 Jahre – ein Zeitraum, der scheinbar weit zurückliegt. Aber für die Erinnerung an Babyn Jar ist er eben kein Abstand, hinter dem Geschichte verschwinden darf. An jenen zwei Tagen 1941 haben deutsche SS-Einheiten und ihre Helfer Juden ermordet. Sie haben sie zusammengetrieben, ihrer Würde beraubt, erschossen, weil sie Juden waren. Babyn Jar ist nicht einfach ein Kapitel für ein Geschichtsbuch. Es steht dafür, was geschieht, wenn Antisemitismus nicht schon bei Worten gestoppt wird, wenn Menschen erst ausgegrenzt, dann entrechtet und schließlich entmenschlicht werden und wenn eine Gesellschaft wegschaut. Erinnerung bedeutet nicht, sich einmal im Jahr zu versammeln und Betroffenheit zu zeigen. Erinnerung ist die Herausforderung, der Gefahr einer Wiederholung dieser Geschichte von ihrem Beginn an mit aller Kraft zu widerstehen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]) Wir schauen auf der Landkarte nach Kyjiw, nach Babyn Jar. 85 Jahre nach dem deutschen Massenmord ist dieser Ort erneut vom Krieg eingeholt. Am 1. März 2022 schlug eine russische Rakete in der Nähe des Fernsehturms von Kyjiw ein; das ist unmittelbar beim Gelände von Babyn Jar. Fünf Zivilisten wurden getötet. Das ist eine donnernde Mahnung, dass Frieden nicht selbstverständlich, Freiheit niemals garantiert und die Erinnerung niemals einfach nur Vergangenheit ist. Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung. Die Verantwortung endet nicht mit einer Gedenkminute oder einer Rede. Sie zeigt sich darin, ob jüdisches Leben in Deutschland heute wirklich sicher ist. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Robin Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie zeigt sich daran, ob Antisemitismus bekämpft wird – egal ob er von rechts, von links, aus dem islamistischen Milieu oder aus anderen Milieus kommt. „Nie wieder!“ muss bedeuten: Nie wieder wegsehen, nie wieder Angst haben, als Jude auf die Straße zu gehen, nie wieder Gewalt und Antisemitismus in Deutschland. Das muss die politische Handlungsmaxime aller Parteien sein. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken und des Abg. Dr. Paul Schmidt [AfD]) Babyn Jar muss uns mahnen. Jüdisches Leben braucht keine Sonntagsreden. Es braucht Schutz, Haltung und Konsequenz. Antisemitismus beginnt nicht mit dem ersten Schuss. Es beginnt mit Worten. Es beginnt mit Entmenschlichung, Ausgrenzung, mit dem Wegsehen. Deshalb müssen wir widersprechen, bevor aus diesen Worten Taten werden. 85 Jahre nach Babyn Jar ist die wichtigste Frage deswegen nicht: Was ist damals geschehen? Sondern: Was tun wir heute, dass es niemals wieder geschieht? Deswegen: Herr Wagener, herzlichen Dank! Ich weiß um Ihr großes Engagement, ich bewundere Sie dafür, und ich hoffe, wir können uns dem alle anschließen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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