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Rede von Maren Kaminski (DIE LINKE) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,

dip / rede 09.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 10 und 11: Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring,.

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Text

Rede von Maren Kaminski (DIE LINKE) – Wagener, Agnieszka Brugger, Deborah Düring, Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Vor 85 Jahren erschossen Einsatzgruppen der deutschen Sicherheitspolizei in Babyn Jar 33 771 jüdische Kinder, Frauen und Männer. Es war das größte Einzelmassaker des Zweiten Weltkriegs, ein besonders grausames Beispiel für den menschenverachtenden Antisemitismus der Nationalsozialisten. Wenige Monate später beschlossen die politischen Eliten Deutschlands auf der Wannseekonferenz die Fortführung der Shoah in den Gaskammern der Vernichtungslager. Vor dem Überfall auf die Sowjetunion lebten 220 000 Jüdinnen und Juden in Kyjiw, einem Zentrum jüdischen Lebens. In der trügerischen Hoffnung auf ihre Evakuierung versammelten sich einen Tag vor Jom Kippur Jüdinnen und Juden an der Schlucht von Babyn Jar. Die Nazis hatten sie in eine Falle gelockt und ermordeten sie systematisch. Ich zitiere Dina Myroniwna, damals 30 Jahre jung und eine der wenigen Überlebenden: „Sie mussten sich bäuchlings auf die Leichen der schon Ermordeten legen und auf die Schüsse warten, die von oben kamen. Dann kam die nächste Gruppe. 36 Stunden lang kamen Juden und starben. […] Manche […] starben mit dem Gedanken an andere, wie die Mutter der schönen fünfzehnjährigen Sara, die bat, gemeinsam mit ihrer Tochter erschossen zu werden. […] Wenn sie sah, wie ihre Tochter erschossen wurde, würde sie nicht sehen, wie sie vergewaltigt wurde. Eine nackte Mutter verbrachte ihre letzten Augenblicke damit, ihrem Säugling die Brust zu geben. Als das Baby lebendig in die Schlucht geworfen wurde, sprang sie hinterher.“ Es sind Worte, wie die von Dina, die das unbegreifliche Grauen begreifbar machen. Sie erinnern uns an unsere historische Verantwortung gegenüber den Millionen Toten des nationalsozialistischen Vernichtungswahns und gegenüber den Lebenden, die heute von Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus bedroht und angegriffen werden. (Klaus-Peter Willsch [CDU/CSU]: Von Ihrer Partei!) 2026 sitzen wieder Abgeordnete im Bundestag, die diese Barbarei als „Vogelschiss“ der Geschichte oder sich selbst als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus bezeichnen“. Und das ist unerträglich. (Beifall bei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, mit dem Grundgesetz wurde 1949 unverrückbar die antifaschistische Ewigkeitsklausel festgeschrieben – eine notwendige Lehre aus dem nationalsozialistischen Zivilisationsbruch. Ihr sind wir alle verpflichtet. Wenn in Sachsen-Anhalt diese Woche ein rechtsextremer Parlamentspräsident gewählt wurde – wahrscheinlich mit den Stimmen der CDU –, dann ist das keine parteipolitische Episode; das ist eine Zäsur. (Dr. Götz Frömming [AfD]: So kann man die Geschichte auch verharmlosen, durch solche Vergleiche!)

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