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Rede von Cornelia Pieper (FDP) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN

dip / rede 13.12.2007 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Aktuelle Stunde: GRÜNEN.

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Rede von Cornelia Pieper (FDP) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich habe die große Bitte an alle Abgeordneten im Deutschen Bundestag, aber auch in den Landtagen, endlich die ideologi- Cornelia Pieperschen Scheuklappen abzulegen, wenn wir über Bildungspolitik in Deutschland diskutieren. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD) Für die Liberalen ist die größte sozialpolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts, unseren Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung zu ermöglichen. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hat vor rund zehn Jahren in seiner berühmten „Ruck-Rede“ erklärt, Bildung müsse in unserem Land zu einem Megathema werden, wenn wir uns in der Wissensgesellschaft des nächsten Jahrhunderts behaupten wollen. Recht hat er gehabt. Zehn Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, und wir sind ein Stück vorangekommen. Ich behaupte aber, das reicht noch nicht. Bildung muss das zentrale Zukunftsthema für Deutschland werden. Unter diesem Gesichtspunkt stimme ich zumindest dem Titel des Antrages von Bündnis 90/Die Grünen „Bildungsstrategie für mehr Chancengerechtigkeit starten“ zu. Die Frage ist nur, wie wir das in Deutschland umsetzen. (Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sicher nicht mit Studiengebühren!) Aus der teilweise richtigen, aber nicht ganz vollständigen Analyse im Antrag zieht die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen aus meiner Sicht falsche, nämlich rein ideologische Schlussfolgerungen. Ich will noch einmal die Fakten nennen. Nach den letzten internationalen Studien ist es so, dass Deutschland zu den elf IGLU-Teilnehmerstaaten gehört, in denen 2006 signifikant bessere Leseleistungen erzielt wurden als 2001. Deutschland liegt erstmals über dem OECD-Durchschnitt. Beim Schwerpunkt Naturwissenschaften erreicht Deutschland Platz 13 von 57 Nationen. Schauen Sie sich in diesem Zusammenhang einmal die Rangfolge der Bundesländer an: Auf Platz 1 liegt Bayern, auf Platz 2 Baden-Württemberg, auf Platz 3 Sachsen und auf Platz 4 Thüringen. Danach folgen Hessen und Sachsen-Anhalt. Soweit ich mich erinnere, regiert in keinem dieser Bundesländer Rot-Grün. Man muss den Schwarz-Weiß-Diskussionen mit Vorsicht begegnen. Deswegen will ich sie nicht fortsetzen. Wir sehen keinen kausalen Zusammenhang zwischen sozialer Selektion, also den schlechteren Chancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten, und einem gegliederten Schulsystem. Nicht nur wir, sondern auch der Bildungsexperte Professor Dr. Prenzel meint: Wer nur die Schulstruktur ändert, wird auf die Nase fallen. Recht hat er. (Beifall bei der FDP)Es geht aber um mehr. Wir haben noch weitere große Sorgen in diesem Land, was das Bildungssystem anbelangt. Wir ignorieren nicht die rund 24 Prozent junger Menschen, die ihre Berufsausbildung abbrechen. Wir ignorieren nicht die 8 bis 9 Prozent Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang, die noch nicht einmal ihren Hauptschulabschluss schaffen. Jedes Schicksal, jedes Kind ist uns wichtig. Alle Kinder, gerade die aus einkommensschwachen Elternhäusern, müssen eine Chance auf bessere Bildung bekommen. Deswegen meinen wir: Der Schlüssel zum Erfolg, was die chancengerechte Bildung angeht, ist mehr frühkindliche Bildung. Diese frühkindliche Bildung muss eine intensive Sprachförderung beinhalten, gerade für Kinder mit Migrationshintergrund. Auch die Mütter dieser Kinder müssen bei der Förderung einbezogen werden. Wir brauchen bessere Bildungseinrichtungen und bessere Kindergärten, die auch Bildung vermitteln. Deswegen sind bundesweite Bildungsstandards, mit denen die Qualität von Kindergärten beschrieben werden kann, vonnöten. (René Röspel [SPD]: Warum haben Sie das damals nicht gemacht?) Wir brauchen eine bessere Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern; da gebe ich den Grünen recht. Wir wollen, dass zumindest die Kindergartenleiterinnen einen Fachhochschulabschluss haben. Wir wollen mehr Qualität in der Bildung und eine individuellere Förderung von Kindern. Das ist der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit und zu mehr Qualität in unserem Bildungssystem. So werden wir im internationalen Wettbewerb besser bestehen können. Vielen Dank.

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