Rede von Iris Gleicke (SPD) – Drucksache 16/9482
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 3 a: Drucksache 16/9482 –.
Text
Rede von Iris Gleicke (SPD) – Drucksache 16/9482
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, nach der
die Menschen in Ostdeutschland mit der sozialen
Gerechtigkeit in unserem Land mehrheitlich unzufrieden
sind. Mehr als die Hälfte, nämlich 53 Prozent der
befragten Ostdeutschen, vertrauen unseren sozialen
Sicherungssystemen nur zum Teil, 28 Prozent haben wenig
und 8 Prozent überhaupt kein Vertrauen in sie. Dabei ist
die Frage nach dem Vertrauen in unseren Sozialstaat
für das Vertrauen in die Demokratie mit entscheidend.
Die Rente ist ein durch Arbeit und durch
Beitragszahlung erworbener Rechtsanspruch. Wer mit diesem
sensiblen Thema Schindluder treibt, versündigt sich am
Sozialstaat und damit auch an der Demokratie.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Die Menschen in Ostdeutschland empfinden das
geteilte Rentenrecht als ungerecht. Das ist auch kein
Wunder; denn es war nur für einen Übergangszeitraum
gedacht. Deshalb arbeiten wir an einer Ausgestaltung
des Rentenrechts, die von den Menschen in
Ostdeutschland und in Westdeutschland als gut und gerecht
empfunden wird.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Linkspartei,
Sie haben einen Vorschlag vorgelegt, den Sie hier und in
der Öffentlichkeit als Gipfel der sozialen Gerechtigkeit
verkaufen. Sie wollen den Rentenwert Ost auf das
Westniveau anheben und gleichzeitig die Hochwertung
der ostdeutschen Arbeitsentgelte beibehalten. Ganz
abgesehen davon, dass Ihr Vorschlag über 6 Milliarden
Euro kosten würde, die irgendwie aufgebracht werden
müssten, würde damit der Grundsatz „gleiche Beiträge,
gleiche Rente“ eben nicht verwirklicht werden,
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
sondern wir hätten dann ganz klar immer noch ein
rentenrechtliches Sondergebiet Ost.
Wir hätten – auch das gehört dazu – eine deutliche
Besserstellung der Ostdeutschen gegenüber den
Westdeutschen. Ich frage Sie ganz klar: Was hat das
eigentlich mit Gerechtigkeit zu tun?
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU – Widerspruch des Abg.
Dr. Gregor Gysi [DIE LINKE])
Zumindest die Ostdeutschen unter Ihnen wissen, wie
schwer es für uns alle in Ostdeutschland ist, so elementar
wichtige und zentrale Dinge wie den Solidarpakt
gegenüber allen möglichen Begehrlichkeiten aus den alten
Bundesländern zu verteidigen. Mit Ihrem Vorschlag,
liebe Kolleginnen und Kollegen, erweisen Sie uns einen
Bärendienst.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Relationen
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