Protokoll der 61. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 61. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 13/61
D
eutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
61. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 12. Oktober 1995
Inhalt:
Erweiterung und Abwicklung der Tages
-
ordnung 5073 A
Absetzung von Tagesordnungspunkten 5073 D
Absetzung des Zusatztagesordnungs
punktes 10 . . . . . . . . . . . . . . 5198 D
Tagesordnungspunkt 3:
a) Abgabe einer Erklärung der
Bundesregierung: Fünf Jahre deutsche Einheit
b) Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Materialien zur Deutschen
Einheit und zum Aufbau in den neuen
Bundesländern (Drucksache 13/2280)
c) Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Aufbau Ost - Die zweite Hälfte
des Weges - Stand und Perspektiven -
Bericht der Bundesregierung zur
Entwicklung in den neuen Ländern
(Drucksache 13/2489)
d) Erste Beratung des von den
Abgeordneten Dr. Christa Luft, Dr. Gregor Gysi
und der Gruppe der PDS eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur teilweisen
Erstattung des bei der Währungsunion
1990 2 : 1 reduzierten Betrages vorerst
für ältere Bürgerinnen und Bürger
sowie Alleinerziehende (Drucksache
13/1737)
e) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Verbesserung des Schutzes der
Nutzer und zur weiteren Erleichterung
von Investitionen in dem in Artikel 3
des Einigungsvertrages genannten
Gebiet (Nutzerschutzgesetz) (Drucksache
13/2022)
f) Erste Beratung des von der Fraktion der
SPD eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Verlängerung des
besonderen Kündigungsschutzes in den neuen
Bundesländern (Drucksache 18/2444)
g) Antrag des Abgeordneten Dr. Gregor
Gysi und der Gruppe der PDS: Entwurf
eines Verfahrensgesetzes zu Artikel 44
des Vertrages zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik über die
Herstellung der Einheit Deutschlands
- Einigungsvertrag - vom 31. August
1990 - (Drucksache 13/1080)
h) Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara
Höll, Rolf Kutzmutz, Dr. Christa Luft,
Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der
PDS: Bestandsaufnahme des
Vermögens der DDR (Drucksache 13/1834)
i) Antrag der Abgeordneten Rolf
Schwanitz, Hans-Joachim Hacker, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Verbesserungen bei der
Rehabilitierung von SED-Unrecht über die
Verlängerung von Antragsfristen
hinaus (Drucksache 13/2445)
j) Antrag der Abgeordneten Do ris
Odendahl, Dr. Ulrich Böhme (Unna),
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der SPD: Novellierung des Gesetzes
zur Errichtung einer Stiftung „Haus
der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland" (Drucksache 13/2367)
k) Bericht des Rechtsausschusses gemäß
§ 62 Abs. 2 der Geschäftsordnung zu
dem Antrag der Abgeordneten Dr.
Uwe-Jens Heuer, Klaus-Jürgen
Warnick und der weiteren Abgeordneten
der PDS: Moratorium zum Schutze der
redlichen Nutzer und Nutzerinnen vor
der zivilrechtlichen Durchsetzung von
Rückübertragungsansprüchen im
Beitrittsgebiet (Drucksachen 13/613, 13/
2578)
1) Große Anfrage der Abgeordneten Dr.
Barbara Höll, Rolf Kutzmutz und der
weiteren Abgeordneten der PDS:
Zusage der deutschen Kreditwirtschaft
„zusätzlich eine Milliarde DM in den
Privatisierungsprozeß von
sanierungsfähigen Unternehmen der
Treuhandanstalt im eigenen Risiko
einzubringen" vom Februar 1993 (Drucksachen
13/589, 13/1568)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 1:
Erste Beratung des von dem
Abgeordneten Manfred Müller (Berlin) und der
Gruppe der PDS eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur
Gleichstellung der Beschäftigten des Bundes mit
den Beschäftigten des Landes im Land
Berlin (Drucksache 13/1383)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 2:
Antrag der Abgeordneten Werner
Schulz (Berlin), Steffi Lemke, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN: Jährliche
Vorlage eines „Berichtes zur Entwicklung
der deutschen Einheit" durch die
Bundesregierung (Drucksache 13/2572)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Antrag der Abgeordneten Rolf
Schwanitz, Ernst Bahr, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD:
Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit
(Drucksache 13/2586)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 4:
Antrag der Abgeordneten Rolf
Schwanitz, Dr. Christine Lucyga, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Altschulden ostdeutscher Gemeinden
auf gesellschaftliche Einrichtungen
(Drucksache 13/2587)
Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler . . . 5075C
Rudolf Scharping SPD 5079 C
Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 5085 A
Werner Schulz (Berlin) BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5089 A
Dr. Wolfgang Gerhardt F.D.P 5093 B
Dr. Gregor Gysi PDS 5096D, 5124 D
Gerald Häfner BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
-
NEN 5098 B
Armin Laschet CDU/CSU . . . . . 5099 B
Dr. Burkhard Hirsch F.D.P. . . . . . 5099 C
Dr. Theodor Waigel, Bundesminister
BMF . . . . . . . . . . . . . 5100B, 5112 C
Wolfgang Thierse SPD . . . . . 5103A, 5112B, D
Dr. Theodor Waigel CDU/CSU . . . . 5103C, D
Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 5104 B
Dr. Günter Rexrodt, Bundesminister BMWi 5107B
Dr. Angela Merkel CDU/CSU 5110A
Iris Gleicke SPD . . . . . . . . . 5112 D
Dr. Michael Luther CDU/CSU . . . 5114 A
Ingrid Matthäus-Maier SPD 5114 B
Jürgen Türk F.D.P 5114 D
Dr.-Ing. Paul Krüger CDU/CSU 5115 C
Hans-Joachim Hacker SPD 5117 D
Dr. Christa Luft PDS 5119 C
Gerhard Schulz (Leipzig) CDU/CSU . 5121A
Rolf Schwanitz SPD . . .. . . . . 5122B, 5125 A
Tagesordnungspunkt 4:
Große Anfrage der Abgeordneten
Rudolf Dreßler, Gerd Andres, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Entwicklung und Stand der
Arbeitszeitflexibilisierung in Deutschland
(Drucksachen 13/1334, 13/2581)
Rudolf Dreßler SPD 5125D, 5131A
Dr. Gisela Babel F.D.P 5127D
Andreas Storm CDU/CSU 5129 B
Hans Büttner (Ingolstadt) SPD . . . 5130B
Marieluise Beck (Bremen) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 5131 D
Joseph Fischer (Frankfurt) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 5132B
Katrin Fuchs (Verl) SPD zur GO . 5134A, 5135D
Clemens Schwalbe CDU/CSU zur GO . . 5134B
Dr. Gisela Babel F.D.P 5134 C
Manfred Müller (Berlin) PDS 5136A
Horst Günther, Parl. Staatssekretär BMA 5137 C
Rolf Köhne PDS 5138A, 5139C, 5142D
Doris Barnett SPD . . . . . . . . . . 5139 D
Karl-Josef Laumann CDU/CSU . . . . 5141B
Johannes Singhammer CDU/CSU . . 5141 D
Peter Dreßen SPD 5142 B
Marieluise Beck (Bremen) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 5143A, 5147A
Dr. Heinrich L. Kolb, Parl. Staatssekretär
BMWi 5143 D
Karl-Josef Laumann CDU/CSU 5144 D
Otto Schily SPD 5145 D
Jörg Tauss SPD . . . . . . . . . . 5146B
Tagesordnungspunkt 19:
Überweisungen im vereinfachten
Verfahren
b) Antrag der Abgeordneten Rolf
Kutzmutz, Dr. Christa Luft und der Gruppe
der PDS: Flexiblere Gestaltung der
Förderprogramme (Drucksache 13/1798)
c) Antrag der Abgeordneten Ge rt
Weisskirchen (Wiesloch), Brigitte Adler,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der SPD: Verhandlung vor dem
Internationalen Gerichtshof zur Frage der
völkerrechtlichen Legalität des
Einsatzes oder der Androhung des Einsatzes
von Atomwaffen (Drucksache 13/1879)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 5:
Weitere Überweisungen im
vereinfachten Verfahren
Antrag der Abgeordneten Gerhard
Jüttemann, Rolf Kutzmutz, Eva Bulling-
Schröter, Dr. Gregor Gysi und der
Gruppe der PDS: Änderung des
Bundesberggesetzes (Drucksache 13/2497) 5148 C
Tagesordnungspunkt 20:
Abschließende Beratungen ohne
Aussprache
a) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Vertrag vom 2. April 1993
zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Republik Belarus über
die Förderung und den gegenseitigen
Schutz von Kapitalanlagen
(Drucksachen 13/2047, 13/2448)
b) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Vertrag vom 20. April 1993
zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Republik Lettland über
die Förderung und den gegenseitigen
Schutz von Kapitalanlagen
(Drucksachen 13/2046, 13/2449)
c) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Vertrag vom 24. September
1992 zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und Jamaika über die
gegenseitige Förderung und den Schutz
von Kapitalanlagen (Drucksachen 13/
2045, 13/2450)
d) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Abkommen vom 15. März 1994
zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Republik Litauen über
die gegenseitige Hilfeleistung bei
Katastrophen oder schweren
Unglücksfällen (Drucksachen 13/1665, 13/2517)
f) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Bildung, Wissenschaft,
Forschung, Technologie und
Technikfolgenabschätzung
zu dem Vorschlag für eine Verordnung
(EG) des Rates über ein
Gemeinschaftsprogramm zur finanziellen
Unterstützung der Förderung
europäischer Energietechnologien 1995-1998
(„THERMIE II")
zu dem Geänderten Vorschlag für eine
Verordnung (EG) des Rates über ein
Gemeinschaftsprogramm zur
finanziellen Unterstützung der Förderung
europäischer Energietechnologien 1995
bis 1998 („THERMIE II") (Drucksachen
13/269 Nr. 2.3, 13/1096 Nr. 2.4, 13/1962)
g) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Wi rtschaft
zu dem Antrag der Abgeordneten
Heinrich Graf von Einsiedel, Dr.
Willibald Jacob, Andrea Lederer und der
weiteren Abgeordneten der PDS:
Verbot der Rüstungsexporte und
Konversion der Rüstungsindustrie
zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Bericht der
Bundesregierung zum Stand der EG-
Harmonisierung des Exportkontrollrechts für
Güter und Technologien mit doppeltem
Verwendungszweck (Dual-use-Waren)
(Drucksachen 13/584, 12/8368, 13/725
Nr. 92, 13/2545)
h) Beschlußempfehlung und Bericht des
Finanzausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung: MwSt
- geänderter Richtlinienvorschlag betr.
Personenbeförderung (Drucksachen
13/1234 Nr. 1.2, 13/2403)
i) bis n)
Beschlußempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 63
bis 68 zu Petitionen (Drucksachen 13/
2465, 13/2466, 13/2467, 13/2468, 13/
2469, 13/2470) 5148D
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Abgabe einer Erklärung der
Bundesregierung
Jahresversammlung des
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
in Washington unter Berücksichtigung
der konjunkturellen Entwicklung und
ihrer einnahme- und ausgabemäßigen
Auswirkungen auf die öffentlichen
Haushalte
Dr. Theodor Waigel, Bundesminister
BMF 5151B, 5174D
Karl Diller SPD 5155B, 5157B
Wilfried Seibel CDU/CSU 5156 D
Hansgeorg Hauser (Rednitzhembach)
CDU/CSU 5157B
Ludger Volmer BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
-
NEN 5158D
Carl-Ludwig Thiele F.D.P. 5160A
Dr. Otto Graf Lambsdorff F.D.P. . . . . . 5160B
Dr. Uwe-Jens Rössel PDS 5162B
Jochen Feilcke CDU/CSU . . . . . . 5163 C
Albert Schmidt (Hitzhofen) BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . 5164 C
Dr. Ingomar Hauchler SPD . . . . 5165C, 5176C
Dr. Wolfgang Weng (Gerlingen) F.D.P. . . 5167 C
Oswald Metzger BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
NEN 5168C
Ingrid Matthäus-Maier SPD 5168 D
Dankward Buwitt CDU/CSU 5170A
Jörg-Otto Spiller SPD 5171D
Peter Harald Rauen CDU/CSU . . . . . 5172 C
Dr. Konstanze Wegner SPD 5173 D
Jörg-Otto Spiller SPD 5176A
Tagesordnungspunkt 5:
a) Erste Beratung des von den Fraktionen
der CDU/CSU und F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Feststellung des Bedarfs von
Magnetschwebebahnen
(Magnetschwebebahnbedarfsgesetz) (Drucksache 13/2345)
b) Erste Beratung des von den
Fraktionen der CDU/CSU und F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines Allgemeinen
Magnetschwebebahngesetzes
(Drucksache 13/2346)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 7:
Antrag der Abgeordneten Dr. Dagmar
Enkelmann, Dr. Winfried Wolf und der
Gruppe der PDS: Prüfung von
Alternativen zur Magnetschwebebahn
(Drucksache 13/2570)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 8:
Antrag der Abgeordneten Rainder
Steenblock, Albe rt Schmidt
(Hitzhofen), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Stopp der Vorbereitungsmaßnahmen
für den Transrapid und Planung einer
ICE-Verbindung Hamburg-Berlin
(Drucksache 13/2573)
Dirk Fischer (Hamburg) CDU/CSU . . 5177D
Elke Ferner SPD 5179B
Wolfgang Börnsen (Bönstrup) CDU/
CSU 5180A, 5184B
Rainder Steenblock BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN ' 5181D
Horst Friedrich F.D.P. 5182D
Dr. Klaus Röhl F.D.P 5185A, 5187C
Eckart Kuhlwein SPD 5186 D
Dr. Herwig Eberhard Haase, Senator
(Berlin) 5187 D
Dr. Winfried Wolf PDS 5189D
Werner Kuhn CDU/CSU 5191B
Rainder Steenblock BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5191D
Dr. Barbara Höll PDS 5192 D
Klaus Hasenfratz SPD 5193 B
Dirk Fischer (Hamburg) CDU/CSU 5194D, 5195 B
Elke Ferner SPD 5195A, 5196C
Matthias Wissmann, Bundesminister BMV
5195D, 5198C
Ernst Schwanhold SPD . . . . . . . . 5197 D
Vizepräsident Dr. Burkhard Hirsch . . . 5191A
Tagesordnungspunkt 6:
Antrag der Abgeordneten Klaus
Lennartz, Friedhelm Julius Beucher,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Kindergesundheit und
Umweltbelastungen (Drucksache 13/1968)
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 9:
Antrag der Abgeordneten Vera
Lengsfeld, Gila Altmann (Aurich), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN: Die
Notwendigkeit von ökologischen Kinderrechten;
Gefährdung von Kindern durch
Umweltgifte (Drucksache 13/2574)
Klaus Lennartz SPD 5199B
Editha Limbach CDU/CSU . . . . . . 5200 C
Vera Lengsfeld BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
NEN 5202 D
Birgit Homburger F.D.P. . . . . . 5204 A, 5208D
Dr. Ruth Fuchs PDS 5205 D
Friedhelm Julius Beucher SPD 5207 A
Editha Limbach CDU/CSU 5207 C
Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Parl.
Staatssekretärin BMG 5209 B
Dr. Wolfgang Wodarg SPD 5211 C
Tagesordnungspunkt 7:
Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Handlungsrahmen der Bundesregierung
für eine Initiative zum kosten- und
flächensparenden Bauen (Drucksache 13/
2247)
Joachim Günther, Parl. Staatssekretär
BMBau 5213B
Volkmar Schultz (Köln) SPD . . . . . 5214 D
Hildebrecht Braun (Augsburg) F.D.P. 5215D, 5216A
Margarete Späte CDU/CSU 5217 B
Helmut Wilhelm (Amberg) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 5218D, 5220A
Herbert Frankenhauser CDU/CSU . . . 5219D
Hildebrecht Braun (Augsburg) F.D.P. . . 5220A
Klaus-Jürgen Warnick PDS 5221 B
Josef Hollerith CDU/CSU 5222 B
Angelika Mertens SPD 5223 B
Gert Willner CDU/CSU 5224 D
Tagesordnungspunkt 8:
Antrag der Abgeordneten Ge rt
Weisskirchen (Wiesloch), Dr. Wolfgang
Freiherr von Stetten und weiteren
Abgeordneten: Humanitäre Geste für die
Opfer des NS-Unrechts in den
baltischen Staaten Litauen, Lettland und
Estland (Drucksache 13/1294)
Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten CDU/
CSU 5226A, 5231B
Gert Weisskirchen (Wiesloch) SPD . . . 5227 B
Winfried Nachtwei BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5228 B
Dr. Edzard Schmidt-Jortzig F.D.P. . . . 5229A
Ulla Jelpke PDS 5229 D
Helmut Schäfer, Staatsminister AA . . 5230 B
Volker Beck (Köln) BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5231C
Tagesordnungspunkt 9:
Erste Beratung des von den Fraktionen
der CDU/CSU und F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines ...
Strafrechtsänderungsgesetzes — §§ 177 bis 179 StGB
(Drucksache 13/2463) 5231D
Tagesordnungspunkt 10:
Bericht des Rechtsausschusses gemäß
§ 62 Abs. 2 der Geschäftsordnung zu
dem vom Bundesrat eingebrachten
Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der
Mieter von Geschäftsraum in den
Ländern Berlin und Brandenburg
(Drucksachen 13/206, 13/2529)
Horst Eylmann CDU/CSU 5232 A
Hans-Joachim Hacker SPD 5233 B
Norbert Geis CDU/CSU 5234 C
Jochen Feilcke CDU/CSU 5235 A
Gerald Häfner BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
-
NEN 5235C
Heinz Lanfermann F.D.P 5236C
Dr. Uwe-Jens Heuer PDS 5237 D
Joachim Gres CDU/CSU 5238 B
Dr. Uwe-Jens Heuer PDS 5239B
Hans-Joachim Hacker SPD 5239 C
Tagesordnungspunkt 11:
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über das Bundeskriminalamt
und die Zusammenarbeit des Bundes
und der Länder in kriminalpolizeilichen
Angelegenheiten (Bundeskriminal
amtgesetz) (Drucksache 13/1550) . . 5240A
Tagesordnungspunkt 12:
Bericht des Ausschusses für Arbeit und
Sozialordnung gemäß § 62 Abs. 2 der
Geschäftsordnung zu dem von den
Abgeordneten der PDS eingebrachten
Entwurf eines Gesetzes zur
grundlegenden Korrektur des Renten-
Überleitungsgesetzes (Rentenüberleitungs-
Korrekturgesetz) (Drucksachen 13/216,
13/2549)
Ulrike Mascher SPD 5240 B
Petra Bläss PDS 5241 B
Volker Kauder CDU/CSU . 5242 C, 5244 D, 5246 D
Dr. Christa Luft PDS . . . . . . . . . 5244 C
Andrea Fischer (Berlin) BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5245 B
Dr. Gregor Gysi PDS 5246 B
Uwe Lühr F.D.P 5247 B
Tagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Hans Büttner
(Ingolstadt), Gerd Andres und weiterer
Abgeordneter der Fraktion der SPD:
Umbenennung der Generaloberst
-Dietl-Kaserne in Füssen und der Ge
neral-Kübler-Kaserne in Mittenwald
(Drucksache 13/1628)
Hans Büttner (Ingolstadt) SPD . . 5248B, 5259A
Benno Zierer CDU/CSU 5250 A
Winfried Nachtwei BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 5251 B
Dr. Gregor Gysi PDS 5251D
Hildebrecht Braun (Augsburg) F.D.P. . 5252 B
Gerhard Zwerenz PDS 5253 C
Volker Rühe, Bundesminister BMVg . 5254 C
Gerald Häfner BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
NEN 5256A
Walter Kolbow SPD 5256 B
Kurt J. Rossmanith CDU/CSU 5256 D
Walter Kolbow SPD 5257 B
Tagesordnungspunkt 18:
Erste Beratung des von den Fraktionen
der CDU/CSU und F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes
zur Änderung des Gesetzes zur
Änderung des Strafgesetzbuches, der
Strafprozeßordnung und des
Versammlungsgesetzes und zur Einführung
einer Kronzeugenregelung bei
terroristischen Straftaten (Zweites
Kronzeugen-Verlängerungs-Gesetz) (Druck
-
sache 13/2575) 5259 C
Nächste Sitzung 5259 C
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . 5261* A
Anlage 2
Entwicklung einer Friedensordnung für
das ehemalige Jugoslawien unter
Einbeziehung der Russischen Föderation
MdlAnfr 19, 20 - Drs 13/2407 -
Gernot Erler SPD
SchrAntw StMin Helmut Schäfer AA . . 5261* C
61. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 12. Oktober 1995
Beginn: 9.00 Uhr
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Meine Damen und
Herren, die Sitzung ist eröffnet.
Ich komme zunächst zu den Amtlichen
Mitteilungen.
Interfraktionell ist vereinbart worden, die
verbundene Tagesordnung um die Ihnen in der
Zusatzpunktliste vorliegenden Punkte zu erweitern.
1. Erste Beratung des von dem Abgeordneten Manfred Müller
(Berlin) und der Gruppe der PDS eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Gleichstellung der Beschäftigten des
Bundes mit den Beschäftigten des Landes im Land Berlin
- Drucksache 13/1383 -
2. Beratung des Antrags der Abgeordneten Werner Schulz
(Berlin), Steffi Lemke, Antje Hermenau, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Jährliche Vorlage eines „Berichtes zur Entwicklung der
deutschen Einheit" durch die Bundesregierung - Drucksache
13/2572 -
3. Beratung des Antrags der Abgeordneten Rolf Schwanitz,
Ernst Bahr, Wolfgang Behrendt, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Jahresbericht zum Stand der
deutschen Einheit - Drucksache 13/2586 -
4. Beratung des Antrags der Abgeordneten Rolf Schwanitz,
Dr. Christine Lucyga, E rnst Bahr, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD: Altschulden ostdeutscher
Gemeinden auf gesellschaftliche Einrichtungen -
Drucksache 13/2587 -
5. Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren
(Ergänzung zu TOP 19)
Beratung des Antrags der Abgeordneten Gerhard
Jüttemann, Roll Kutzmutz, Eva Bulling-Schröter, Dr. Gregor Gysi
und der Gruppe der PDS: Ä nderung des
Bundesberggesetzes - Drucksache 13/2497 -
6. Abgabe einer Erklärung der Bundesregierung:
Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank in Washington unter Berücksichtigung der
konjunkturellen Entwicklung
7. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Dagmar
Enkelmann, Dr. Winfried Wolf und der Gruppe der PDS: Prüfung
von Alternativen zur Magnetschwebebahn - Drucksache
13/2570 -
8. Beratung des Antrags der Abgeordneten Rainder
Steenblock, Albert Schmidt (Hitzhofen), Gila Altmann (Aurich),
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Stopp der Vorbereitungsmaßnahmen für den
Transrapid und Planung einer ICE-Verbindung Hamburg-
Berlin - Drucksache 13/2573 -
9. Beratung des Antrags der Abgeordneten Vera Lengsfeld,
Gila Altmann (Aurich), Franziska Eichstädt-Bohlig,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Die Notwendigkeit von ökologischen
Kinderrechten; Gefährdung von Kindern durch Umweltgifte
- Drucksache 13/2574 -
10. Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der SPD:
Haltung der Bundesregierung zu den Auswirkungen der
Steuerausfälle in Höhe von 40 Mrd. DM auf die Haushaltslage
des Bundes
11. Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und
F.D.P. eingebrachten Entwurfs eines ... Gesetzes zur
Änderung der Strafprozeßordnung - Drucksache 13/2576 -
Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll,
soweit erforderlich, abgewichen worden.
Darüber hinaus ist vereinbart worden, die
Tagesordnungspunkte 3 m - Zweiter Tätigkeitsbericht des
Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen -, 19 a -
Agrarsoziales Sicherungsgesetz -, und 20 e - Soziale
Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit -
abzusetzen.
Des weiteren mache ich darauf aufmerksam,
daß das Thema der heutigen Regierungserklärung
zur Jahresversammlung des IWF und der
Weltbank in Washington erweitert wurde. Es heißt
nunmehr:
Jahresversammlung des Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank in Washington
unter Berücksichtigung der konjunkturellen
Entwicklung und ihrer einnahme- und
ausgabemäßigen Auswirkungen auf die öffentlichen
Haushalte
Sind Sie mit den interfraktionellen
Vereinbarungen einverstanden? - Das ist der Fall. Dann ist es so
beschlossen.
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 3 a bis 31 und
die Zusatzpunkte 1 bis 4 auf:
3. a) Abgabe einer Erklärung der
Bundesregierung
Fünf Jahre deutsche Einheit
b) Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung
Materialien zur Deutschen Einheit und
zum Aufbau in den neuen Bundesländern
- Drucksache 13/2280 —
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuß (federführend)
Rechtsausschuß
Finanzausschuß
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuß für Gesundheit
Ausschuß für Verkehr
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
Ausschuß für Bildung, Wissenschaft, Forschung,
Technologie und Technikfolgenabschätzung
Sportausschuß
c) Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung
Aufbau Ost - Die zweite Hälfte des Weges
- Stand und Perspektiven -
Bericht der Bundesregierung zur
Entwicklung in den neuen Ländern
- Drucksache 13/2489 -
Überweisungsvorschlag:
Ausschuß für Wirtschaft (federführend)
Innenausschuß
Rechtsausschuß
Finanzausschuß
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuß für Gesundheit
Ausschuß für Verkehr
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
Ausschuß für Bildung, Wissenschaft, Forschung,
Technologie und Technikfolgenabschätzung
Haushaltsausschuß
d) Erste Beratung des von den Abgeordneten
Dr. Christa Luft, Dr. Gregor Gysi und der
Gruppe der PDS eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur teilweisen Erstattung
des bei der Währungsunion 1990 2:1
reduzierten Be trages vorerst für ältere
Bürgerinnen und Bürger sowie Alleinerziehende
- Drucksache 13/1737 -
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuß (federführend)
Rechtsausschuß
Ausschuß für Arbeit und Sozialordnung
Haushaltsausschuß
e) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Verbesserung des Schutzes der Nutzer und zur
weiteren Erleichterung von Investitionen in
dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages
genannten Gebiet (Nutzerschutzgesetz -
NutzSchG)
- Drucksache 13/2022 —
Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuß (federführend)
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
f) Erste Beratung des von der Fraktion der
SPD eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Verlängerung des besonderen
Kündigungsschutzes in den neuen
Bundesländern
- Drucksache 13/2444 -
Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuß (federführend)
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
g) Beratung des Antrags des Abgeordneten
Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der PDS
Entwurf eines Verfahrensgesetzes zu
Artikel 44 des Vertrages zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik über die
Herstellung der Einheit Deutschlands -
Einigungsvertrag - vom 31. August 1990
- Drucksache 13/1080 —
Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuß (federführend)
Innenausschuß
h) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Barbara Höll, Rolf Kutzmutz, Dr. Christa
Luft, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der
PDS
Bestandsaufnahme des Vermögens der
DDR
- Drucksache 13/1834 —
Überweisungsvorschlag:
Haushaltsausschuß (federführend)
Rechtsausschuß
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
i) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Rolf Schwanitz, Hans-Joachim Hacker,
Ernst Bahr, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD
Verbesserungen bei der Rehabilitierung
von SED-Unrecht über die Verlängerung
von Antragsfristen hinaus
- Drucksache 13/2445 —
Überweisungsvorschlag:
Rechtsausschuß (federführend)
Innenausschuß
Ausschuß für Arbeit und Sozialordnung
j) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Doris Odendahl, Dr. Ulrich Böhme (Unna),
Stephan Hilsberg, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD
Novellierung des Gesetzes zur Errichtung
einer Stiftung „Haus der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland"
- Drucksache 13/2367 —
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuß (federführend)
Ausschuß für Bildung, Wissenschaft, Forschung,
Technologie und Technikfolgenabschätzung
k) Beratung des Berichts des
Rechtsausschusses (6. Ausschuß) gemäß § 62 Abs. 2 der
Geschäftsordnung zu dem Antrag der
Abgeordneten Dr. Uwe-Jens Heuer, Klaus-
Jürgen Warnick und der weiteren
Abgeordneten der PDS
Moratorium zum Schutze der redlichen
Nutzer und Nutzerinnen vor der
zivilrechtlichen Durchsetzung von
Rückübertragungsansprüchen im Beitrittsgebiet
- Drucksachen 13/613, 13/2578 -
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Michael Luther
Hans-Joachim Hacker
Heinz Lanfermann
1) Beratung der Großen Anfrage der
Abgeordneten Dr. Barbara Höll, Rolf Kutzmutz,
Dr. Christa Luft und der weiteren
Abgeordneten der PDS
Zusage der deutschen Kreditwirtschaft
„zusätzlich eine Milliarde DM in den
Privatisierungsprozeß von
sanierungsfähigen Unternehmen der Treuhandanstalt im
eigenen Risiko einzubringen" vom
Februar 1993
- Drucksachen 13/589, 13/1568 -
ZP1 Erste Beratung des von dem Abgeordneten
Manfred Müller (Berlin) und der Gruppe der
PDS eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Gleichstellung der Beschäftigten des
Bundes mit den Beschäftigten des Landes im Land
Berlin
- Drucksache 13/1383 -
Überweisungsvorschlag:
Ausschuß für Arbeit und Sozialordnung (federführend)
Innenausschuß
Rechtsausschuß
ZP2 Beratung des Antrags der Abgeordneten
Werner Schulz (Berlin), Steffi Lemke, Antje
Hermenau, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Jährliche Vorlage eines „Berichtes zur
Entwicklung der deutschen Einheit" durch die
Bundesregierung
- Drucksache 13/2572 —
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuß
ZP3 Beratung des Antrags der Abgeordneten Rolf
Schwanitz, Ernst Bahr, Wolfgang Behrendt,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD
Jahresbericht zum Stand der deutschen
Einheit
- Drucksache 13/2586 —
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuß
ZP4 Beratung des Antrags der Abgeordneten Rolf
Schwanitz, Dr. Christine Lucyga, Ernst Bahr,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD
Altschulden ostdeutscher Gemeinden auf
gesellschaftliche Einrichtungen
- Drucksache 13/2587 —
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuß (federführend)
Haushaltsausschuß
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind
für die gemeinsame Aussprache im Anschluß an die
Regierungserklärung drei Stunden vorgesehen. -
Auch dazu sehe ich keinen Widerspruch. Wir
verfahren so.
Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung
hat Herr Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl.
Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler: Frau Präsidentin!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Deutschland hat mit der wiedergewonnenen
Einheit eine grosse Leistung vollbracht und
bewiesen, dass es auch unter schwersten Belastungen
ein stabiler und verlässlicher Pa rtner bleibt.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Mit diesen Worten faßte die „Neue Zürcher Zeitung"
in diesen Tagen ihre Bilanz von fünf Jahren deutsche
Einheit zusammen.
In der heutigen Debatte, meine Damen und
Herren, werden wir uns selbst Rechenschaft darüber
ablegen, was wir Deutschen seit dem 3. Oktober 1990
mit vereinten Kräften erreicht haben. Ich denke,
ebenso wichtig ist, daß wir miteinander offen und
auch nachdenklich über den Weg unseres Landes in
die Zukunft, d. h. in das 21. Jahrhundert, sprechen.
Die vergangenen fünf Jahre sind heute bereits ein
Stück gemeinsamer Geschichte. In dieser Zeit haben
wir alle uns verändert.
Das wiedervereinigte Deutschland ist mehr als nur
eine um fünf neue Bundesländer erweiterte
Bundesrepublik. Wahr ist auch, daß die überwältigende
Mehrheit der Menschen in der früheren DDR die
politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche
Ordnung der Bundesrepublik Deutschland gewollt, ja
herbeigesehnt hat. So stehen wir heute gemeinsam
auf dem Boden des Grundgesetzes, der
freiheitlichsten Verfassung unserer Geschichte, der Sozialen
Marktwirtschaft und der westlichen
Wertegemeinschaft mit ihren europäisch-atlantischen
Institutionen.
Nicht nur wir, die Deutschen, haben
Veränderungen durchgemacht. Auch unser internationales
Umfeld erlebte einen Wandel, dessen Dramatik - das
sollten wir nie vergessen - das Geschehen in
Deutschland vielfach in den Schatten stellte.
Ich erinnere nur an das Ende der Sowjetunion, an
den Krieg im früheren Jugoslawien, an
Entwicklungen wie den Friedensprozeß im Nahen Osten oder
die Wende zum Guten im südlichen Afrika, an die
Schaffung der Europäischen Union durch den
Vertrag von Maastricht und den Beitritt neuer Mitglieder
zur EU.
Jede dieser Veränderungen berührt uns alle.
Gemeinsam tragen wir die Risiken, gemeinsam aber
nutzen wir auch die Chancen, die sich aus diesen
Veränderungen ergeben. Bei allen Sorgen dürfen wir
nicht vergessen, daß andere mit weitaus größeren
Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
empfinden wir Deutschen noch einmal besonders
stark, was für ein Glück es bedeutet, daß wir unsere
Einheit in Frieden und freier Selbstbestimmung
erreichen konnten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. so
-
wie bei Abgeordneten der SPD)
Wir verdanken dies vor allem unseren Freunden
und Partnern in der Welt. Allen voran nenne ich
George Bush und Michail Gorbatschow. Ohne sie
hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben.
(Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P. un d
der SPD sowie der Abg. Halo Saibold
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Für die Wiedervereinigung fanden wir die
Zustimmung aller unserer Nachbarn. Dies war auch eine
Frucht des Vertrauens, das alle Bundesregierungen,
das alle meine Vorgänger seit 1949 durch eine Politik
der Stetigkeit und Verläßlichkeit in Europa und
weltweit gewonnen haben.
Meine Damen und Herren, unsere größte
Hochachtung verdienen jene tapferen Frauen und
Männer, die wegen ihres Einsatzes für die Achtung der
Bürger- und Menschenrechte durch das DDR-
Regime bespitzelt, verfolgt, eingekerkert oder
ausgebürgert wurden.
(Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P., der
SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wer einmal - wir wollen das nicht vergessen - die
Käfige im Zuchthaus von Bautzen gesehen hat, der
weiß, daß das SED-Regime unmenschlich und
verbrecherisch war.
(Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P., der
SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Diese Tatsache klar und deutlich auszusprechen,
schulden wir allen Opfern der kommunistischen
Diktatur.
Viel verdanken wir den Menschen der früheren
DDR, die im Herbst 1989 zu Hunderttausenden auf
die Straße gingen, um gegen das kommunistische
Regime zu demonstrieren. Die Demonstrationen in
Leipzig, in Dresden und in vielen anderen Orten
brachten vor den Augen der Weltöffentlichkeit den
Freiheitswillen der Menschen zum Ausdruck. Sie
bewiesen zugleich, daß es richtig war, am Wiederver
einigungsgebot des Grundgesetzes festzuhalten und
die Geraer Forderungen Honeckers abzulehnen,
d. h. alles zu tun, um die deutsche Frage
offenzuhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie des Abg. Markus Meckel [SPD])
Manches Mal war es nicht leicht gewesen, dem
Zeitgeist zu widerstehen. Viele hatten an die
deutsche Einheit nicht mehr geglaubt, und manche
waren sogar bereit, dieses Ziel zu verraten. Deswegen
danke ich allen Deutschen in Ost und West, die in
diesen vier Jahrzehnten Geduld und Hoffnung nicht
verloren haben.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Die politische Führung der DDR war im Herbst
1989 politisch und moralisch am Ende. Sie stand
wirtschaftlich vor dem Bankrott. Der Bevölkerung hat sie
dies verschwiegen. Manche wollen das auch heute
noch nicht wahrhaben. Sie wollen unser Land erneut
spalten. Aber ich denke, dies wird ihnen nicht
gelingen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Unser ganz besonderer Respekt gilt auch den
Frauen und Männern, die nach dem 18. März 1990
als Abgeordnete der erstmals frei gewählten
Volkskammer den demokratischen Neuanfang gestalteten
und wagten. Sie haben an gute deutsche Traditionen
angeknüpft und die Länder Mecklenburg-
Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und
Sachsen wiedererrichtet. Sie haben sich für den
Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober
1990 entschieden.
Auch in den Gemeinden und auf der Ebene der
Länder haben viele mit großem Engagement
Demokratie aufgebaut und gestaltet. Darunter waren nicht
wenige - das sollten wir mehr erwähnen und
hervorheben -, die sich zuvor nie mit politischen Dingen
befaßt hatten. Sie haben einen ganz ungewöhnlichen
persönlichen Einsatz geleistet,
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
und wir haben gesehen, was in den Gemeinden,
Städten, Kreisen und Ländern der früheren DDR
entstehen konnte. Dem Föderalismus als einem
bewährten deutschen Verfassungsprinzip wurde eine neue
Chance eröffnet.
Schließlich verdanken wir unseren erfolgreichen
Weg seit 1989 den Menschen im Westen
Deutschlands: an Rhein und Ruhr, in Hamburg und in
Bayern, in Holstein und in Württemberg.
(Joseph Fischer [Frankfu rt ] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Die Pfalz hat er vergessen!)
Sie haben sich sehr viel solidarischer verhalten, als
oft zu hören und zu lesen ist.
Die Deutschen in West und Ost haben in den
vergangenen fünf Jahren Opfer gebracht; es waren für
manchen durchaus schmerzliche Opfer. Niemand
sollte die Opfer oder Kosten kleinreden - aber es sind
Kosten, die das Erbe des DDR-Sozialismus
verursacht hat: eine marode Wi rtschaft, ein
verantwortungsloser Umgang mit der Umwelt, eine
hoffnungslos veraltete Infrastruktur. Das kommunistische
System hat 18 Millionen Deutsche daran gehindert, die
angemessenen Früchte ihrer Leistung und ihres
Leistungswillens zu ernten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In
den vergangenen fünf Jahren sind wir bei der
Vollendung der inneren Einheit ein gutes Stück
vorangekommen. Das sieht jeder, der mit offenen
Augen durch die neuen Bundesländer fährt. Die
Menschen spüren das in ihrem persönlichen
Umfeld. So entspricht die Infrastruktur in den neuen
Bundesländern bereits heute vielfach weltweitem
Spitzenstandard. Als Beispiel nenne ich die
Telekommunikation, die über ein hochmodernes Netz
verfügt. Zehn Stunden Wartezeit auf ein
Ferngespräch von Rostock nach Düsseldorf gehören der
Vergangenheit an.
Zahlreiche Industrieunternehmen in den neuen
Ländern arbeiten heute mit Anlagen, die zu den
modernsten der Welt gehören. Ich brauche hier
nicht nur das Opel-Werk in Eisenach zu erwähnen;
es gibt viele solcher Beispiele. Wir wissen, eine
moderne Verkehrsinfrastruktur ist mitentscheidend
für den wirtschaftlichen Aufbau und die
Herstellung vergleichbarer Lebensverhältnisse. Die
Fortschritte, die seit der Wiedervereinigung erreicht
wurden, sind offensichtlich: Tausende Kilometer
Schienenwege, Straßen und Wasserstraßen wurden
neu gebaut oder erneuert. Die Fahrzeit auf der
Eisenbahnstrecke von Frankfu rt am Main nach
Dresden wurde um eine ganze Stunde verkürzt,
um ein Beispiel zu nennen. Der Standard der
Autobahnen ist zwischen den alten und den neuen
Ländern weitgehend angeglichen.
Wir wissen, meine Damen und Herren, wenn ich
dies hier sage, daß trotz aller Erfolge noch eine
schwierige Wegstrecke vor uns liegt und daß
Umstrukturierungen und Neuaufbau noch lange nicht
abgeschlossen sind. Wir wissen auch, daß vor allem
die Männer und Frauen in den neuen Ländern in
diesen fünf Jahren viele Opfer bringen mußten, vor
allem auch die völlige Veränderung ihrer persönlichen
Lebensverhältnisse nicht nur erfahren und
manchmal erleiden, sondern auch selbst neu gestalten
mußten. Wer einmal in den großen Industriekombinaten,
etwa im Chemiedreieck, in Leuna, Bitterfeld oder
Halle, war und dort mit Bet riebsräten, Betriebsleitern
und den Belegschaften gesprochen hat, der hat eine
Vorstellung davon, was in diesen wenigen Jahren
den Menschen zugemutet wurde und was sie sich
selbst zugemutet haben.
Deswegen will ich ein besonderes Wo rt des
Dankes gerade denjenigen sagen, die vor Ort diese
Verantwortung getragen haben: Bet riebsratsvorsitzende,
Unternehmensleiter, die in einer Weise
Verantwortung übernommen haben, wie wir sie selten im
westlichen Teil Deutschlands in diesen Jahren erlebt
haben.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben neben den Problemen, die in diesen
Jahren mit dem Zusammenbruch der Märkte im
Osten Europas, vor allem der früheren Sowjetunion,
über Nacht zu erwarten waren, noch eine weitere
Verschärfung der Situation vor allem auch mit der
Folge der Arbeitslosigkeit erfahren. Dies alles gehört
in dieses Bild. Unter kaum einer anderen Erblast des
SED-Regimes hatten die Menschen so sehr zu leiden.
Deswegen war und ist in diesem Felde besondere
Solidarität geboten. Von 1991 bis 1994 sind im Rahmen
der Systeme der sozialen Sicherung 240 Milliarden
DM von West nach Ost geflossen. Mit
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Maßnahmen der
Fortbildung konnte Millionen von Menschen geholfen
werden. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es seit der zweiten
Jahreshälfte 1993 eine spürbare
Aufwärtsentwicklung. Seit dem Tiefstand der Beschäftigung hat sich
die Zahl der Erwerbstätigen um rund 240 000 erhöht.
Gewinner der deutschen Einheit - das sage ich mit
Nachdruck - sind in den neuen Ländern die Rentner.
Wir haben eine selbstverständliche moralische
Verpflichtung gegenüber der Generation gesehen, die
zuerst unter dem Krieg und dann unter der
kommunistischen Diktatur zu leiden hatte. Am 30. Juni 1990
betrug die Rente höchstens 600 Mark Ost. Das war
ein Drittel der verfügbaren Rente eines
Durchschnittsverdieners in den alten Bundesländern nach
über 40 Versicherungsjahren. Heute erhält ein
Rentner in den neuen Bundesländern bei gleichem
beruflichem Werdegang wie ein Rentner im Westen mit
über 1 500 DM fast 80 % der Westrenten. Die
Rentenausgaben in den neuen Bundesländern erhöhten sich
von knapp 17 Milliarden Mark Ost im Jahre 1989 auf
über 69 Milliarden DM in diesem Jahr. Ich halte dies
für eine der größten sozialen Leistungen in der
Geschichte unseres Landes.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie des Abg. Markus Meckel [SPD])
Fünf Jahre nach der Wiedervereinigung hat das
Gesundheitswesen der neuen Länder im
wesentlichen das Niveau Westdeutschlands erreicht. Die
Patienten können heute ihren Arzt frei wählen, und sie
haben Zugang zu moderner Medizintechnik, zu allen
Arzneien, Heil- und Hilfsmitteln. Sie kommen jetzt in
den Genuß von Leistungen, die in der DDR-Zeit oft
nur einer kleinen Gruppe von Privilegierten
vorbehalten waren.
Das jahrzehntelange sozialistische Wirtschaften
hat zu schlimmen Belastungen von Boden, Luft und
Wasser geführt. Um die Planziele zu erreichen,
wurden gravierende Gesundheits- und Umweltschäden
in Kauf genommen. Wir konnten die ökologischen
Belastungen erheblich vermindern und viele
Umweltschäden sanieren. Aber, meine Damen und
Herren, gerade auf diesem Feld ist noch viel zu tun. Die
Bewahrung der Schöpfung ist nicht zuletzt Ausdruck
unserer Verantwortung gegenüber künftigen
Generationen.
Die Jungen in Deutschland haben heute die
begründete Aussicht auf ein Leben in Frieden und
Freiheit. Wann je war das in der jüngeren deutschen
Geschichte der Fall? Für die persönliche
Lebensplanung junger Menschen ist eine gute Ausbildung von
zentraler Bedeutung. Es ist deshalb ganz besonders
wichtig, daß jedem Jugendlichen, der dies wünscht
und der die Anforderungen erfüllt, ein
Ausbildungsplatz angeboten wird. Ich danke allen, die dazu
beigetragen haben, daß es in den alten wie in den
neuen Bundesländern Jahr für Jahr gelungen ist,
eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen zur
Verfügung zu stellen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. -
Markus Meckel [SPD]: Ausreichend?)
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, es
gibt keinen Grund, die noch vor uns liegenden
Herausforderungen zu unterschätzen oder gar den
Aufbau Ost für abgeschlossen zu erklären. Aber es gibt
auf der anderen Seite auch überhaupt keine
Berechtigung, weltweit anerkannte Fortschritte zu zerreden
und Pessimismus zu verbreiten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Die beispiellose Dynamik in den neuen Ländern
sollte uns allen Ansporn sein, mit Realismus und
Zuversicht auf dem eingeschlagenen Weg
weiterzugehen.
Nach wie vor sind die neuen Bundesländer die
stärkste Wachstumsregion in Europa. Im ersten
Halbjahr 1995 ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber
dem Vorjahreszeitraum um rund 7 % gestiegen. Erst
kürzlich hat die OECD in ihrem Deutschland-Be richt
vorausgesagt, daß dies auch weiterhin so bleibt. Bis
Ende 1995 werden seit der Wiedervereinigung aus
öffentlichen Kassen über 600 Milliarden DM in die
neuen Länder geflossen sein. Das ist eine
unvorstellbar große Summe, und das wird auch weltweit
anerkannt.
Aber diese Zahlen sagen für sich allein noch nichts
aus. Hinter diesen Zahlen steht die gemeinsame
Kraftanstrengung der Menschen aus den neuen wie
aus den alten Ländern, die mit Entschlossenheit,
Leistungswillen und Mut zur Zukunft den Neuanfang
im Osten der Bundesrepublik gestalten. Jenen, die
ständig über Dauer und Finanzierung des Aufbaus
Ost klagen, halte ich ganz einfach entgegen: Wer ja
sagt zur deutschen Einheit, darf die notwendige
Aufbauhilfe nicht verweigern. Jede D-Mark, die dort
ausgegeben wird - das vergessen manche, die so
reden -, ist eine Investition in eine gemeinsame gute
Zukunft aller Deutschen.
(Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU, der
F.D.P. und der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich bin sicher, meine Damen und Herren, daß wir die
materiellen Fragen im Zusammenhang mit der deut
-
schen Einheit lösen werden. Ich sage allen: Es mag
sein, daß die Zeitachse sehr unterschiedlich ist und
daß dieses und jenes länger dauert. Aber für mich ist
sicher, daß wir es schaffen. Entscheidend wird sein,
daß wir in Deutschland, egal, woher wir kommen, wo
wir unsere Heimat haben, aufeinander zugehen und
begreifen, daß wir wieder in einem gemeinsamen
Vaterland leben, und daß diejenigen, die wie ich das
Glück hatten, zeit ihres Erwachsenenlebens in
Freiheit leben zu dürfen, dabei den größeren Schritt
machen und auf unsere Landsleute in den neuen
Ländern zugehen müssen, daß wir - ich sage es noch
einmal ganz einfach formuliert - mehr mit- und weniger
übereinander reden. Das scheint mir eine der
entscheidenden Voraussetzungen zu sein.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Der größte Gewinn für uns alle ist die Einheit in
Freiheit. Die Freiheit ist nicht bezahlbar. Ihren
wahren Wert kann nur derjenige erfassen, der Unfreiheit
erfahren hat. Deshalb müssen auch künftige
Generationen wissen, was Mauer und Schießbefehl
bedeutet haben, damit sich ähnliches nie mehr wiederholt.
Ich nehme für mich nicht das Recht in Anspruch,
jene zu verurteilen, die sich unter den damaligen
Verhältnissen in der DDR angepaßt haben. Ich weiß
nicht, wie ich persönlich mich verhalten hätte, wäre
ich in Leipzig statt in Ludwigshafen geboren und
aufgewachsen. Ich bin gegen pauschale
Verdächtigungen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Sie werden dem Alltag unter dem SED-Regime nicht
gerecht.
Wir Deutsche müssen unsere Vergangenheit in Ost
und West als gemeinsames Erbe annehmen. Wir sind
aufgerufen, uns ehrlich mit der ganzen deutschen
Geschichte auseinanderzusetzen. Nur mit Offenheit
und Wahrhaftigkeit können wir wirklich zueinander
finden.
Die Menschen in den neuen Ländern verdienen
Respekt für die Lebensleistung, die sie unter den
Bedingungen des DDR-Regimes erbracht haben. Zu
diesem Respekt gehört, daß die Deutschen im
Westen mehr Verständnis für die Unsicherheiten und
Belastungen aufbringen, die diese gewaltigen
Umstellungen im Osten Deutschlands bedeuten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie des Abg. Markus Meckel [SPD] und
des Abg. Gerhard Zwerenz [PDS])
Aber - das gehört auch ins Bild - auf der anderen
Seite müssen die Deutschen in den neuen Ländern
verstehen, daß beispielsweise der Wohlstand in der
alten Bundesrepublik nicht über Nacht vom Himmel
gefallen ist und daß das sogenannte
Wirtschaftswunder der 50er Jahre das Ergebnis einer jahrelangen
Aufbauleistung von Millionen fleißiger Menschen im
Westen auf der Grundlage der Sozialen
Marktwirtschaft war.
(Dr. Uwe-Jens Heuer [PDS]: Wir waren
auch nicht faul!)
- Auf diesen Gedanken bin ich bei Ihnen nie
gekommen.
(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU
und der F.D.P. - Beifall des Abg. Gerhard
Zwerenz [PDS])
Herr Abgeordneter, wenn Sie vielleicht weniger
emsig in Wort und Schrift gewesen wären, hätten Sie es
heute leichter.
(Beifall und Heiterkeit bei der CDU/CSU
und der F.D.P. - Beifall des Abg. Gerhard
Zwerenz [PDS])
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, der
3. Oktober 1990 war der Beginn einer neuen und
glücklichen Pe riode in der Geschichte unseres
Volkes. Gemeinsam haben wir die Gunst der
historischen Stunde genutzt. Die über vier Jahrzehnte
währende Teilung hatte uns stärker voneinander
entfernt, als die meisten von uns - auch ich - damals
angenommen haben. Aber wo heute Bayern und
Sachsen, Mecklenburger und Rheinländer einander
begegnen, ist die innere Einheit unseres Vaterlandes
schon gelebte Wirklichkeit. Dies ist - ich wi ll es
hervorheben - beispielsweise bei der Bundeswehr der
Fall. Die Integration unserer Streitkräfte und das
Miteinander der Soldaten sind ein großer Erfolg, und ich
danke allen, die dazu beigetragen haben.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Die innere Einheit, nach der wir streben, ist nicht
Einheit in Gleichförmigkeit, sondern Einheit in
Vielfalt. Richard Schröder, der Vorsitzende der SPD-
Fraktion in der frei gewählten Volkskammer, hat dies
kürzlich in folgenden Worten zum Ausdruck
gebracht:
Wenn sich Ostdeutsche und Westdeutsche so gut
- und so schlecht - verstehen wie Ostfriesen und
Bayern, ist die Einigung gelungen.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU - Michael
Glos [CDU/CSU]: Ein gewagter Vergleich!)
Probleme werden wir dann trotzdem noch
reichlich haben. Denn unsere deutschen
Einigungsprobleme sind wahrhaftig nicht die größten in der
Welt.
(Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P. und
der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Jeder von uns, meine Damen und Herren, ist
seiner Heimat besonders verbunden, und das ist gut so.
Deutschland ist unser Vaterland und Europa unsere
Zukunft. Wir Deutsche würden vor der Geschichte
versagen, wenn wir jetzt in unserem Einsatz für das
vereinte Europa nachließen. Es geht dabei um
Wohlstand und soziale Sicherheit, aber vor allem - ich
betone: vor allem - geht es um den Frieden und die
Freiheit für künftige Generationen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich habe keinen Zweifel daran, daß wir die
Aufgaben meistern werden. Wir haben gute
Grundlagen für einen gemeinsamen Aufbruch in die Zu
-
kunft gelegt. Jetzt gilt es, alle Kräfte anzuspannen,
um ganz Deutschland, unsere Bundesrepublik
Deutschland, fit zu machen für das kommende
Jahrhundert.
Deutschland wird seine schöpferischen Energien
für Werke des Friedens und der Freiheit und der
Gerechtigkeit einsetzen. Es wird ein Ort guter
Nachbarschaft sein und in der Völkergemeinschaft als
zuverlässiger Freund handeln und auftreten. Dieses Ziel,
meine Damen und Herren, ist jede Anstrengung
wert .
(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und
der F.D.P. - Beifall des Abg. Gerhard
Zwerenz [PDS])
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Es spricht jetzt
der Vorsitzende der Fraktion der SPD, Rudolf
Scharping.
Rudolf Scharping (SPD): Frau Präsidentin! Meine
Damen und Herren! Die Deutschen sind mit ihren
staatlichen Möglichkeiten selten so
verantwortungsbewußt umgegangen wie bei der Vereinigung am
3. Oktober 1990.
Wenn wir an diesem fünften Jahrestag
zurückdenken, dann denken wir an einen Epochenbruch, aber
auch daran, daß jene Anerkennung verdient haben,
die entscheidend zum ersehnten Ziel der deutschen
Vereinigung beigetragen haben.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU, der F.D.P. und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Mit großem Respekt erinnern wir an die
demokratische Opposition, aber auch an jene Menschen, die
ausgewiesen wurden, noch mehr an jene, die in den
Gefängnissen leiden mußten, an jene Menschen, die
in zunächst kleiner und dann wachsender Zahl und
unter großen persönlichen Opfern der
kommunistischen Repression trotzten und für politische Freiheit
und Menschenrechte eintraten.
Unser Dank gilt der evangelischen Kirche, in der
eine Vielzahl von Gemeinden und Synoden in
vielfältiger Weise Freiheitsräume erschloß, staatliche
Bevormundung unterlief und demokratische
Bestrebungen förderte.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU, der F.D.P. und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich erinnere an die Ausreisenden, die damals unter
großen persönlichen Risiken und teils dramatischen
Umständen mit einer großen Fluchtbewegung den
Ruf „Wir bleiben hier!" erst zu einer wirklichen
Bedrohung in der Diktatur gemacht hatten.
(Beifall bei der SPD)
Ich erinnere auch an die Hunderttausenden, die im
Herbst 1989 auf die Straße gingen und mutig den
Weg zu freien und demokratischen Wahlen öffneten,
die Voraussetzung für die Einheit der Deutschen
waren.
Es ist wahr: Wir sind auch anderen zu Dank
verpflichtet: der Sowjetunion unter Michail
Gorbatschow, deren Zustimmung die Gewaltfreiheit der
SED-Entmachtung erst möglich gemacht hat,
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
und den Ungarn und Polen - den Ungarn wegen der
mutigen Grenzöffnung und den Polen, weil ihre
reformerischen Umwälzungen Ermutigung schufen
und innerhalb der DDR Reformbewegungen
inspirierten.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg.
Dr. Heiner Geißler [CDU/CSU])
Wir sind auch und insbesondere unseren
westlichen Partnern, unter ihnen besonders den
Vereinigten Staaten von Amerika, zu Dank verpflichtet, die
entschlossen die deutsche Vereinigung förderten
und entscheidenden Anteil am Abschluß des
Zweiplus-Vier-Vertrages hatten.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg.
Dr. Hermann Otto Solms [F.D.P.])
Nicht zuletzt, meine Damen und Herren, will ich
darauf aufmerksam machen, daß die deutsche
Einheit erst auf den Grundlagen stabiler Westbindung
und vertrauensbildender Ostpolitik möglich
geworden ist.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg.
Dr. Hermann Otto Solms [F.D.P.] und der
Abg. Dr. Antje Vollmer [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])
Deshalb sagen wir in allem Freimut: Dazu haben
viele beigetragen. Wir wollen weder die Verdienste
von Willy Brandt und Helmut Schmidt verschweigen
- wir anerkennen sie vielmehr ausdrücklich - noch
die Leistungen der damaligen Bundesregierung, des
Bundeskanzlers Helmut Kohl und des
Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der
F.D.P. sowie der Abg. Dr. Antje Vollmer
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Meine Damen und Herren, in einem solchen,
historisch einmaligen, komplexen Prozeß gibt es sicher
auch unvermeidbare Fehler; ich konzediere dies
ausdrücklich. Neben unvermeidbaren Fehlern
allerdings gibt es auch vermeidbare.
Herr Bundeskanzler, wer Ihre
Regierungserklärung gehört hat, wird den Eindruck nicht los, daß es
Ihnen im wesentlichen um die Verbreitung eines
Gefühls, nicht aber um die Formulierung von Politik
geht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie haben die Worte „blühende Landschaften"
erneut bemüht. Nach unserer Auffassung gehört schon
viel dazu, sich erneut auf eine Aussage zu berufen,
die quasi als Schlüsselglied für eine Politik der
Täuschung und der Übervorteilung der Ostdeutschen
steht.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und des Abg. Manfred Müller [Berlin] [PDS]
- Widerspruch bei der CDU/CSU und der
F.D.P.)
Denn entgegen Ihrer späteren Behauptung, diese
Aussage sei nur vor dem Hintergrund zu verstehen,
daß die Bundesregierung den tatsächlichen Zustand
von Infrastruktur, Kapitalstock oder
Arbeitsproduktivität nicht richtig eingeschätzt habe, haben Sie
tatsächlich um wahltaktischer Vorteile willen mit der
Hoffnung und mit der Erwartung nicht nur der
16 Millionen Menschen im Osten Deutschlands,
sondern aller in Deutschland gespielt und die
Unwahrheit über das gesagt, was auf die Menschen
zukommen würde.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Auch das setzt sich heute fort. Die Arbeitslosigkeit
in Deutschland, namentlich im Osten Deutschlands,
ausschließlich auf die Fehler von Planwirtschaft
zurückzuführen, ist eine grobe historische Täuschung.
Das spielt eine Rolle, erklärt aber längst nicht alles.
(Beifall bei der SPD)
Natürlich muß in einem historisch einmaligen
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturbruch
manches verändert werden. Wir bestreiten nicht, daß
dieser radikale Strukturbruch unvermeidbar war.
Was wir allerdings bestreiten, ist, daß die Umstände
so hätten gestaltet werden müssen, wie sie gestaltet
worden sind.
(Joachim Hörster [CDU/CSU]: Wie hätten
Sie es denn gemacht?)
Deshalb möchte ich doch darauf hinweisen, daß sich
auf der Grundlage dieser Entwicklung eine
erhebliche Veränderung vollzogen hat.
Man kann verstehen, daß in einem solchen
Umbruch auch Mißmut, Enttäuschung und
Unzufriedenheit entstehen. Aber eine solche Diagnose bleibt
unvollständig und oberflächlich, wenn man nicht auch
zur Kenntnis nimmt, daß sich im Osten Deutschlands
eine bedrohlich veränderte Stimmung entwickelt
hat.
(Zuruf von der CDU/CSU: Was? - Wolfgang
Zöller [CDU/CSU]: Er spricht von der SPD!)
Im Juli 1995 haben - demoskopischen Umfragen
zufolge - viele Ostdeutsche gesagt, daß das
Gesellschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland
nicht gerecht sei. 50 % der Befragten im Osten
hielten die Ordnung in der DDR, aber nur noch 38 % die
Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland für
gerecht. Während 1990 noch die große Mehrheit der
befragten Ostdeutschen die Ursache für das
Scheitern des DDR-Sozialismus im System selbst und nur
36 % in der Unfähigkeit der Politiker sahen, hat im
Juli 1995 der Anteil derer, die die Politik und nicht
das System für das Scheitern verantwortlich gemacht
haben, mit 79 % eine geradezu erschreckende Größe
erreicht.
Meine Damen und Herren, wer das nicht zur
Kenntnis nehmen will, der weige rt sich, Realität,
Gefühl und Emotionen von Menschen zur Kenntnis zu
nehmen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der PDS)
Es ist geradezu unfaßbar, wie die Freude und die
Begeisterung der Menschen in Deutschland, auch
der Menschen im Osten Deutschlands, über das
Ende des DDR-Sozialismus in eine Stimmung
umgeschlagen sind, die man als zwiespältig, in der
Tendenz allerdings als eindeutig beschreiben muß. Das
ist eine Stimmung, die viel mit enttäuschten
Hoffnungen zu tun hat.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten der PDS)
Selbst wenn man konzediert - was ich
ausdrücklich tue -, daß es in einem solchen Prozeß
unvermeidbare Fehler gibt, so ist doch darauf hinzuweisen, daß
es von Anfang an auch Stimmen gegeben hat, die
nachdrücklich und - wie sich herausgestellt hat - zu
Recht auf vermeidbare Fehler und falsche
Weichenstellungen hingewiesen haben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten der PDS - Widerspruch bei der CDU/
CSU)
Von Anfang an haben Vertreter der Opposition in
der damaligen DDR auf die Größe, die
Langwierigkeit und auch auf die immensen Kosten des
Umstellungsprozesses hingewiesen. Der damalige
Finanzminister Romberg ist auf Grund des politischen
Drucks aus der Regierung im Westen Deutschlands
entlassen worden, obwohl seine Zahlen damals
wesentlich näher an der Realität waren als die der
Bundesregierung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der PDS)
Man fragt sich: Wo ist denn ein Wo rt des
Bedauerns z. B. gegenüber einem ehrlichen Mann, der
genau - jedenfalls wesentlich genauer als diese
Bundesregierung - gesehen hat, welche Aufgaben auf
uns zukamen, welche finanziellen Leistungen das
erforderte? Ich finde, es gehörte zur Souveränität einer
Bundesregierung, die damals die Entlassung dieses
Mannes bewirkt hat, wenigstens heute ein kleines
Wort des Bedauerns wegen dieser groben
Fehlentscheidung auszusprechen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der PDS)
Das ist, Herr Bundeskanzler, nicht nur eine Frage
der menschlichen Anständigkeit; es ist auch eine
Frage der politischen Klarheit. Ihr ehemaliger
Finanzstaatssekretär Köhler hat jüngst in einem
bemerkenswerten Interview in der Wochenzeitung „Die
Zeit" folgendes formuliert:
Schon vor der Bundestagswahl im Oktober 1990
war klar, daß es nicht ohne
Einnahmeverbesserungen gehen würde. Die Politik hat halt aus
Gründen der politischen Opportunität
entschieden, diese Erkenntnis nicht in den Vordergrund
zu rücken.
(Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: „Keine
Steuererhöhungen"!)
Den Prozeß der deutschen Einheit, seine
Enttäuschungen und Frustrationen kann man trotz aller
Erfolge nicht beschreiben, wenn man nicht hinzufügt,
daß im Jahr 1990 bewußt getäuscht worden ist, wie
der damalige Finanzstaatssekretär ausdrücklich sagt.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
PDS)
Das hat auch mit der Finanzierung der deutschen
Einheit auf Pump zu tun. Sie wird zu einer immensen
Hypothek für künftige Generationen und zugleich
für eine Belastung des europäischen
Integrationsprozesses sorgen.
(Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Sind Sie also
dagegen?)
Meine Damen und Herren, mit diesen
Weichenstellungen begann eine Reihe von
Fehlentscheidungen strategischer Art, die man der Bundesregierung
anlasten muß und die man nicht allein auf den
Zustand der damaligen DDR zurückführen kann.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD -
Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU -
Zuruf von der CDU/CSU: Das haben Ihnen
nicht einmal die eigenen Leute geglaubt!)
Diese Fehlentscheidungen haben viele Millionen
Menschen in eine tiefe Existenzkrise gestürzt und
vor allen Dingen tiefe Zweifel an der Redlichkeit der
Politik hervorgerufen.
(Beifall bei der SPD - Zuruf von der CDU/
CSU: An Ihrer!)
Es war - ich sage es noch einmal: im Rahmen eines
notwendigen und unvermeidbaren Strukturbruches -
eine Schocktherapie ohne wirkliche Flankierung.
Industrielle Arbeitsplätze sind zusammengebrochen,
3,5 Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Es war
im Zuge dieser strategischen Fehlentscheidungen
konsequent, der Treuhandanstalt anfangs nur einen
Privatisierungsauftrag zu erteilen, der sich aber in
der Praxis häufig als Liquidationsauftrag erwies.
Meine Damen und Herren, wer 1989/1990 als
Epochenbruch beschreibt und in der gegenwärtigen
Diskussion hinzufügt, daß der Wandel in der
Weltwirtschaft, mindestens die Europäisierung, häufig die
Globalisierung des Wirtschaftens, ungehemmt
voranschreitet, muß zugleich die Frage beantworten: Soll
es die Leitlinie der Politik sein, die soziale
Integration zu stärken - dann hätten wir eine vernünftige
Leitlinie für die Gestaltung des deutschen
Einigungsprozesses in der Zukunft -, oder wollen wir ignorant
die falschen Weichenstellungen weiterverfolgen?
Denn eine bloß auf Unternehmen und Erträge - so
notwendig das alles ist - orientierte Politik wird am
Ende nicht fähig sein, die soziale Erosion der
Gesellschaft und auch den tiefen emotionalen und
kulturellen Graben, den es in Deutschland immer noch gibt,
zu überwinden.
(Beifall bei der SPD)
Ich beziehe mich noch einmal auf Ihren früheren
Staatssekretär Köhler, der in dem erwähnten
Interview gesagt hat:
Das Bundeswirtschaftsministerium hat den
strukturpolitischen Handlungsbedarf unterschätzt und
war in seiner Aufmerksamkeit wohl auch
zuwenig auf den Aufbau in Ostdeutschland
konzentriert.
(Zuruf von der CDU/CSU)
- Meine Damen und Herren, wenn jetzt aus den
Reihen der Union dazwischengerufen wird, warum ich
immer diesen Staatssekretär zitiere, antworte ich:
Der Bundeskanzler war stolz auf dessen Sachkunde
in internationalen und anderen Finanzfragen. Die
Tatsache, daß dieser Mann jetzt ein anderes
öffentlich wirksames Amt bekleidet, macht ihn etwas
freier. Ich kann durchaus verstehen, daß dieser freie
und kritische Geist in der Bilanzierung Ihrer eigenen
Tätigkeit - das macht diese Regierungserklärung
überdeutlich klar - bei Ihnen ganz und gar
unerwünscht ist; denn er müßte zu selbstkritischen
Bemerkungen führen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der PDS)
Herr Bundeskanzler, was Ihr damaliger
Staatssekretär Köhler gesagt hat, halte ich für eine vornehme
Beschreibung von Inkompetenz und Ignoranz.
Mindestens ebenso verheerend für die wi
rtschaftliche Lage im Osten Deutschlands hat sich die
Entscheidung der Bundesregierung ausgewirkt, die
Rückgabe alten Eigentums der Entschädigung für
altes Eigentum vorzuziehen.
(Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Leider, lei
der!)
Daraus ist das Investitionshemmnis Nummer eins im
Osten Deutschlands geworden,
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
und der PDS)
mit allen Folgen für den wirtschaftlichen Aufbau und
die Arbeitsplätze.
So sehr man sich über gute Entwicklungen freuen
kann: Die Bilanz bleibt unvollständig und wird zur
Schönfärberei, wenn man auf solche Entwicklungen
nicht genauso deutlich hinweist. So, wie Sie damals
den Mut und die Bereitschaft zur Solidarität mit der
Täuschung, man könne das aus der Portokasse
machen, verspielt haben, beginnen Sie erneut, die
Bilanz zu fälschen und schönzufärben und damit Mut
und Solidarität zu untergraben, Mißmut und
Enttäuschung zu fördern. Diese Regierungserklärung ist ein
Hinweis darauf.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
PDS)
Die faktische Entindustrialisierung bedeutet für
die Ostdeutschen, daß von hundert Erwerbswilligen
ein Drittel keine reguläre Arbeit findet, ein Drittel
Arbeitsplätze aus Transferleistungen findet und nur ein
Drittel Arbeitsplätze aus eigener Wertschöpfung.
Die fehlerhaften Weichenstellungen der
Bundesregierung zu Lasten und auf Kosten der ostdeutschen
Bevölkerung waren eine Konsequenz aus der
falschen gestalterischer Zielsetzung in der
Vereinigungspolitik, nämlich einer Ausdehnung der alten
Bundesrepublik auf die frühere DDR. Es gab keinen
Politikbereich, Herr Bundeskanzler, in dem Sie nicht
signalisiert hätten, daß der Osten gefälligst westliche
Maßstäbe zu erfüllen habe.
Die politisch-kulturellen Folgen blieben nicht aus.
Viele Menschen sahen sich ihrer eigenen Geschichte
und Selbstachtung beraubt. Ihnen wurden generell
Unterlegenheit und Zweitklassigkeit signalisiert. Das
sind Verwerfungen, die das politische und
gesellschaftliche Klima zwischen Ost und West in
Deutschland nach wie vor stark belasten und die auch zu der
beschriebenen Vertrauenskrise im Osten
Deutschlands geführt haben.
Es ist diese Ignoranz, diese Geringschätzung von
Erfahrungen, die ein politisches Milieu ostdeutscher
Befindlichkeit hat entstehen lassen, die einer
regionalistischen, regressiven und im Kern unpolitischen
Partei einen starken Resonanzboden verschafft. Die
relativen Erfolge der PDS sind ein direktes Ergebnis
von Vereinigungspolitik, wie Sie sie gestaltet haben.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wer, Herr Bundeskanzler, die zurückliegenden
fünf Jahre bilanziert, wird feststellen: Nach ihren
unbestrittenen Verdiensten beim Zustandekommen der
deutschen Einheit hat die Bundesregierung, hat der
Bundeskanzler bei der Gestaltung der deutschen
Einheit schwere Fehler gemacht. Im Streit um die
tauglicheren Lösungen gab es bessere Vorschläge.
Unbestreitbar richtig war der Vorschlag, die
Finanzierung der deutschen Einheit auf eine allgemeine
Grundlage zu stellen und von einer realistischen
Einschätzung der Schwierigkeiten auszugehen.
Nachweislich war richtig, die Entindustrialisierung
nicht so Platz greifen zu lassen und Vorschläge zur
Erhaltung der industriellen Kerne zu machen.
Nachweislich hatten wir recht, daß ein
Sanierungsauftrag für die Treuhand von Anfang an richtiger
gewesen wäre als der Privatisierungsauftrag.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Nachweislich hatten wir recht mit der Befürchtung,
daß die vorgesehene Behandlung der
Eigentumsfrage eine fatale Folge für Investitionen und das
Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen hätte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Nachweislich haben wir immer noch recht mit der
Forderung, daß es eine aktive Arbeitsmarktpolitik
geben muß, um Zeit und Zuversicht für die
Menschen zurückzugewinnen.
(Beifall bei der SPD)
Meine Damen und Herren, vor diesem Hintergrund
stehen wir vor neuen Herausforderungen und neuen
Entscheidungen. Wohl wahr, in den letzten fünf
Jahren sind über die Steuerkassen hinaus insgesamt
rund 1 000 Milliarden DM in die neuen Bundesländer
geflossen. Niemand kann seriös voraussagen, wann
dieser Prozeß zu einem Ende kommt. Eines aber muß
man sagen, und das sage ich Ihnen mit den Worten
von Klaus von Dohnanyi: Von einem selbsttragenden
wirtschaftlichen Aufschwung kann nicht gesprochen
werden. Von Dohnanyi schrieb im „Handelsblatt":
Das Wachstum ist immer noch vom Westtransfer
geschenkt, und die Ausgangsposition wird durch
den dramatischen Einbruch markiert, den die
Wirtschaftsunion zwangsläufig auslösen mußte.
Von diesem geringen Niveau aus bewirken auch
hohe Zuwachsraten nur sehr kleine Schritte in
Richtung auf die Angleichung zum Westen. Sehr
wenig plus 10 ist zwar mehr, aber zunächst eben
doch nur ein wenig mehr.
(Beifall bei der SPD)
Meine Damen und Herren, man kann stolz sagen,
es gibt hohe Zuwachsraten; aber das bleibt
unvollständig und ist schönfärberisch, wenn man nicht das
niedrige Niveau und die Tatsache berücksichtigt,
daß viele Regionen im Osten Deutschlands in ihrer
wirtschaftlichen Kraft hinter den schwächsten
Regionen Portugals, Spaniens oder Griechenlands
zurückbleiben.
(Beifall bei der SPD)
Meine Damen und Herren, die Rede von der
dynamisch wachsenden Region ist eine halbe Wahrheit.
Der Aufschwung do rt steht auf wackeligen Beinen,
so wie sich leider auch der Aufschwung in
Deutschland etwas abschwächt.
(Zuruf von der CDU/CSU: Miesmacher!)
- Das hat, verehrter Herr Kollege, mit Miesmacherei
überhaupt nichts zu tun, sondern mit einer ehrlichen
Bilanz. Sie werden merken, daß eine ehrliche Bilanz
das einzige Mittel ist, Vertrauen zurückzugewinnen,
das auf eine fahrlässige Weise verspielt worden ist.
(Beifall bei der SPD)
Im übrigen gibt es Leute, die Kassandra einen
schlechten Ruf bescheinigen. Aber: Hätten die
angeblich klugen Männer auf sie gehört, wäre Troja
vermutlich nicht untergegangen.
(Beifall bei der SPD)
Es ist nicht richtig, den Eindruck zu erwecken, wir
seien schon über den Berg. Es ist auch nicht richtig,
den Eindruck zu erwecken, wir könnten auf weitere
Finanzhilfen verzichten. Aber mit dem
Jahressteuergesetz 1996 wird die steuerliche Förderung von
Investitionen ab 1997 um fast ein Drittel gekürzt, ab 1999
soll sie insgesamt auslaufen. Die
Investitionsförderung geht um 15 Milliarden DM zurück. Im
Bundeshaushalt 1996 kommt es zu massiven Kürzungen.
Der Bewilligungsrahmen für die
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur" wird auf 7 Milliarden DM gesenkt. Wer sich
den Finanzplan 1995 bis 1999 anschaut, so unse riös
er ist, stellt fest, daß weitere massive Einsparungen
vorgesehen sind.
Es ist ziemlich absurd, die zehnprozentige
Investitionszulage für den innerstädtischen Handel im
Jahressteuergesetz zu beschließen - ich füge hinzu: auf
unser Drängen -, auf der anderen Seite im
Bundeshaushalt die Städtebauförderung um 100 Millionen
DM zu kürzen.
(Beifall bei der SPD)
Wer den mangelnden überregionalen Absatz
ostdeutscher Produkte beklagt, hat recht, denn die
ostdeutsche Wirtschaft trägt nur einen ganz geringen
Teil zu unserem Expo rt bei. Um so unverständlicher
ist es, daß die Absatzförderung um ein Drittel
gekürzt wird.
Jeder weiß, daß in Ostdeutschland reichlich
Forschungs- und Entwicklungspotentiale vorhanden
sind. Gleichzeitig werden die Mittel zur Förderung
von Forschung, Entwicklung und Innovation
gekürzt. Jeder redet von der Bedeutung von
Umweltschutz, Energiesparen und Fernwärme, gleichzeitig
aber werden die Mittel zur Sanierung der
vorhandenen Einrichtungen im Bundeshaushalt auf Null
gefahren. Es macht keinen Sinn, schöne Ziele zu
beschreiben und dann Haushalte zu verabschieden, die
nichts von dem einlösen, was in den Zielen
beschrieben worden ist.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Wir sagen: Jawohl, die ostdeutsche Wirtschaft
braucht massive staatliche Unterstützung. Sie
braucht dauerhafte verläßliche Förderung. Ein
abgebrochener wirtschaftlicher Aufbauprozeß würde zu
noch höheren Arbeitslosenzahlen und im Ergebnis
zu einem wachsenden Transfer führen.
Deshalb beschreiben wir fünf Defizite und geben
eine Antwort auf sie.
Erstens. Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem,
was in den neuen Ländern konsumiert wird, und
dem, was dort produziert wird. Diese
Produktionslücke ist nicht, wie man annehmen könnte,
verkleinert worden, sondern sie ist von 155 Milliarden DM
auf 211 Milliarden DM gewachsen. Also sagen wir:
Es muß einen klaren Vorrang geben für die
Förderung gewerblich-industrieller Arbeitsplätze und für
die Stärkung des Mittelstandes im Osten
Deutschlands.
(Beifall bei der SPD)
Zweitens. Das Bruttoanlagevermögen pro Kopf
der Bevölkerung ist im Osten heute nur halb so groß
wie im Westen Deutschlands. Die Produktivität der
Arbeitnehmer erreicht deshalb nur etwas über 50 %
des westdeutschen Niveaus. Die Lohnstückkosten
freilich liegen 30 % über dem westdeutschen Niveau.
Deshalb sagen wir: Es wäre dringend erforderlich,
daß diese Bundesregierung endlich eine Politik
betreibt, die die Gesamtheit der Produzenten von den
Kosten der Einheit entlastet und die Einheit so
finanziert, wie es richtig ist, nämlich durch die Gesamtheit
der Steuerzahler. Dazu hat Ihnen immer der Mut und
immer die Konsequenz gefehlt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN -
Joachim Hörster [CDU/CSU]: Sie sollten
dann nur erst die A-Länder fragen!)
Drittens. Die hohe Arbeitslosigkeit ist Ergebnis
und Ausdruck des wachsenden Maßes an
Unterbeschäftigung. Es ist nicht richtig, wenn die Statistik
signalisiert, nur 13 % der Bevölkerung seien
arbeitslos. Tatsächlich haben über 30 % der Menschen
keine reguläre Arbeit. Wer verhindern will, daß eine
weitere Auszehrung stattfindet, daß immer mehr
Jüngere in den Westen Deutschlands wandern, daß
andere ihre Heimat verlassen, wer verhindern will,
daß daraus auch massive Folgen für die
westdeutschen Gemeinden und Länder bei den öffentlichen
Einrichtungen und bei der Infrastruktur entstehen,
der muß dafür sorgen, daß es eine aktive
Arbeitsmarktpolitik gibt. Sich hier hinzustellen und zu
behaupten, jeder habe einen Ausbildungsplatz
gefunden,
(Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl: Das ist
wahr!)
das ist nicht nur eine Schönfärberei, Herr
Bundeskanzler, sondern ein Hohn gegenüber den
Zehntausenden junger Leute, die bis zuletzt mühsam darum
gerungen haben, überhaupt eine Chance zu
bekommen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Viertens. Die ostdeutsche Wirtschaft ist zuwenig
exportorientiert; folglich wird man hier helfen
müssen. Die lediglich 12 Milliarden DM Exporterlöse der
ostdeutschen Wirtschaft reichen nicht aus. Folglich
sollten Sie mithelfen und Ihre Mehrheit dafür
einsetzen, daß die Absatzförderung, die Exportförderung
und vieles andere nicht gekürzt, sondern aufgestockt
werden.
Fünftens. Im Osten Deutschlands erleben wir eine
Pleitewelle, die mittlerweile die Erfolge der ersten
Existenzgründungswelle zunichte zu machen droht.
Es gibt nach wie vor zuwenig Unternehmer. Es gab
einen Gründungsboom Anfang der 90er Jahre. Aber
jetzt sind die Nettogewerbeanmeldungen im Osten
Deutschlands um 90 % zurückgegangen.
Managementfehler, unzureichendes Marketing - das alles
kann man beklagen. Vor allen Dingen aber ist die
Eigenkapitalausstattung der Unternehmen zu
schwach. Eine Bundesregierung, die noch nicht
einmal in der Lage ist, in Berlin ihre öffentlichen
Bauaufträge unter der Bedingung zu vergeben - wie der
Berliner Senat es tut -, daß Menschen anständige
Tariflöhne gezahlt bekommen, ruiniert Unternehmen
und Arbeitsplätze. Das ist das praktische Ergebnis
Ihrer Politik.
(Beifall bei der SPD und der PDS sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Meine Damen und Herren, eine Bilanz fünf Jahre
nach der deutschen Einheit bleibt unvollständig,
wenn sie sich nur auf das Gefühl und nur auf die
unbestreitbar guten Entwicklungen bezieht. Es gibt
erhebliche Schwierigkeiten. Sie zu nennen ist die
Voraussetzung dafür, daß sich Kraft entfaltet, um sie zu
überwinden. Der Satz von Willy Brandt, daß
zusammenwächst, was zusammengehört, ist unverände rt
richtig und bleibt Richtschnur unseres Handelns. Bei
all den Schwierigkeiten und komplizierten
Entwicklungen sagen wir: Wir brauchen Zeit. Folglich
brauchen wir auch Geduld, vor allen Dingen im Osten
Deutschlands, und Solidarität im Westen
Deutschlands.
Wenn wir dazu auffordern, dann tun wir das in
dem Bewußtsein, daß die schlimmen und tiefen
Folgen der Spaltung im Inneren überwunden werden
müssen und überwunden werden können im
Interesse einer stabilen Demokratie und einer
anerkannten Rechtsordnung, die Eckpfeiler inneren Friedens
und Wohlstandes sind. Was wir aber ebenfalls
brauchen, ist eine Kultur der gegenseitigen
Anerkennung, die auf der enormen Anpassungsleistung der
Ostdeutschen und auf der großartigen
Teilungsbereitschaft der Westdeutschen aufbaut.
(Beifall bei der SPD)
Es kann gelingen, eine gesamtdeutsche Wirklichkeit
zu gestalten, die ein besseres Deutschland bewirkt.
Wenn wir eines Tages nicht mehr von
„Westdeutschen" und „Ostdeutschen" im Sinne eines
Spaltungsmerkmales reden, dann haben wir viel erreicht.
Zur Vollendung der deutschen Einheit auch auf
politisch-kulturellem Gebiet hat Günter Kunert
jüngst einen richtigen Hinweis gegeben. Er sagte:
Es will auch mir nicht einleuchten, warum so
etwas wie eine Ausschaltung von Gegensätzen und
Widersprüchen wünschenswert sei - eine
Harmonie, die ausschließlich durch Uniformität zu
gewinnen wäre, eine mentale Gleichheit, wie sie
nur für Zombies vorstellbar ist. Unsere
Werturteile und unsere Vorurteile werden wir ohnehin
nicht los. Wir müßten nur mit ihnen gelassener
umgehen.
(Beifall des Abg. Hans Büttner [Ingolstadt]
[SPD])
Auch wenn es vielen in Deutschland schwerfällt:
Gelassenheit und Entschlossenheit auf der
Grundlage einer realistischen Bilanz, auf der Grundlage
des festen Willens, begangene Fehler konsequent zu
korrigieren, sind die Voraussetzungen dafür, daß wir
Schaffenskraft und Gestaltungswillen der
Bürgerinnen und Bürger weiter wecken und fördern. Beides
brauchen wir in Deutschland mehr denn je.
(Langanhaltender Beifall bei der SPD - Bei
-
fall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Als nächster
spricht der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU,
Dr. Wolfgang Schäuble.
Dr. Wolfgang Schäuble (CDU/CSU): Frau
Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Eigentlich ist mir an diesem Tag und bei diesem Anlaß
nicht zum Streiten zumute.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge
ordneten der F.D.P.)
Ich finde, die deutsche Einheit in Frieden und
Freiheit ist auch nach fünf Jahren Grund zur Freude und
Dankbarkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Deswegen, Herr Bundeskanzler, möchte ich Ihnen
für die CDU/CSU-Fraktion für Ihre
Regierungserklärung danken und unsere Zustimmung ausdrücken.
Sie haben vielen gedankt, die in den dramatischen
Monaten 1989/90 Entscheidendes dazu beigetragen
haben, daß die Einheit gelungen ist. Ich füge hinzu:
In diesen Dank schließe ich ausdrücklich
Bundeskanzler Helmut Kohl ein, ohne dessen mutiges
Zupacken wir die Einheit auch nicht erreicht hätten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Natürlich muß man immer zwischen Mut und
Mißmut unterscheiden können. Für ein so großes Werk,
wie nach 45 Jahren der Teilung und Sozialismus in
einem Teil Deutschlands in kurzer Zeit die Einheit,
Soziale Marktwirtschaft, wi rtschaftlichen Wohlstand,
soziale Sicherheit in ganz Deutschland herzustellen,
braucht man mehr Mut als Mißmut. Deswegen sind
wir mehr für die Regierungserklärung als für das,
was Herr Scharping als Kontrastprogramm geboten
hat.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Herr Kollege Scharping, ich will wirklich nicht
noch einmal den Wahlkampf des Jahres 1990 führen.
Sie haben mich in Ihrer Rede streckenweise an Ihren
Vorgänger als gescheiterten Kanzlerkandidaten aus
dem Jahre 1990 erinnert. Dieser hat damals in der
Ratifizierungsdebatte zum Einigungsvertrag eine
Dreiviertelstunde geredet. Aber er hat nicht einmal
ja zur Einheit gesagt. Man mußte sich wirklich
wundern, wozu er redet. So ähnlich war es auch bei
Ihnen.
Wenn Sie aber am Anfang Ihrer Rede - das muß
zurückgewiesen werden - von einer Politik der
Täuschung und der Übervorteilung gesprochen haben,
dann muß ich Sie doch einmal fragen: Wie ist es denn
1989/90 gewesen? Kaum war die Mauer offen, haben
die Sozialdemokraten von Wiedersehen statt von
Wiedervereinigung gesprochen. Dann kam Herr
Lafontaine und wollte das Aufnahmeverfahren für
Übersiedler stoppen, damit der Prozeß möglichst
wieder unterbrochen wird.
(Zuruf von der CDU/CSU: Sehr wahr!)
Dann ist man in der damaligen DDR herumgereist
und hat gesagt: Es ist viel zuwenig, was der Westen
zahlt. Gleichzeitig hat man im Westen gesagt: Es
wird viel zu teuer.
Herr Romberg ist doch nicht auf Druck der
Bundesregierung abgelöst worden, sondern auf Druck von
Herrn Lafontaine.
(Lachen bei der SPD - Wolfgang Thierse
[SPD]: Quatsch!)
- Herr Thierse, Sie wissen es ganz genau.
(Wolfgang Thierse [SPD]: Ich weiß es
genau!)
Deswegen will ich Sie daran erinnern. Auf Druck von
Herrn Lafontaine ist Richard Schröder als
Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Volkskammer an die
Seite geschoben worden, weil man aus der Großen
Koalition und der gemeinsamen Verantwortung in
der damaligen DDR herauswollte.
(Wolfgang Thierse [SPD]: Das ist Unsinn!
De Maizière war doch nicht der verlängerte
Arm von Lafontaine!)
Ich nutze gerne die Gelegenheit, Lothar de
Maizière und Günther Krause für ihren Beitrag zur
deutschen Einheit zu danken.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich will es in aller Ruhe sagen. Zu einer ehrlichen
Bilanz gehört auch, daß man über die Probleme, über
das, was noch zu schaffen ist, redet. Aber man darf
bei der ehrlichen Bilanz auch nicht vergessen, was
erreicht worden ist und welches die ungeheuren
Vorteile sind. Auch das muß gesagt werden, sonst ist es
keine Bilanz, sonst ist es Miesmacherei. Mit
Miesmacherei gewinnen wir die Zukunft nicht.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Zu der Bilanz gehört beispielsweise, daß sich die
Menschen in Deutschland wieder frei bewegen
können. Was das bedeutet, wissen die Menschen in
Berlin noch sehr genau. Selbst ich kann mich noch
erinnern, was es bedeutet hat, wie man aufgeatmet hat,
wenn man aus dem Ostsektor wieder im Westen war
oder wenn man auf der Interzonenbahn die Kontrolle
hinter sich gebracht hatte.
Wir beklagen manchmal zu Recht ein Übermaß an
Perfektionismus unseres Rechtsstaates. Aber den
Druck, den man empfunden hat, wenn man in einem
System war, wo kein Rechtsstaat herrschte, wo man
Willkür ohnmächtig ausgeliefert war, sollte man
nicht vergessen. Deswegen sollte man unser System
freiheitlicher Rechtsstaatlichkeit bewahren und für
die Zukunft vital erhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Die Menschen können sich wieder frei von
Bespitzelung, Angst und Unterdrückung in den neuen
Bundesländern fühlen. Sie brauchen nicht mehr
Angst zu haben, daß bis in den privaten Bereich
Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde, selbst Ehepartner
Spitzel sind. Das alles sind ungeheure Vorteile. Wir
sollten sie bei der Bilanz an diesem Tag nicht
vergessen.
Wahr ist auch, daß die wirtschaftlichen Probleme,
die sich mit der Aufgabe stellten, quasi von einem
Tag auf den anderen aus einem gescheiterten,
maroden, bankrotten System des real existierenden
Sozialismus eine Soziale Marktwirtschaft zu schaffen und
die Menschen in kurzer Zeit an das Niveau von
Wohlstand und sozialer Sicherheit, das sie aus dem
Westen kannten und für sich mit der
Wiedervereinigung erwarteten, heranzuführen, die
grundstürzenden Veränderungen bedingten, die die Menschen im
Osten mehr als wir im Westen aushalten müssen.
Deswegen ist das alles schwieriger geworden, als
wir uns das 1990 vorgestellt haben und als wir 1990
geglaubt und gesagt haben. Ich habe es mir so
schwer und so kostenintensiv 1990 auch nicht
vorgestellt. Das kann man doch heute, fünf Jahre danach,
bekennen. Aber es gehört auch dazu, daß es vor drei
Jahren niemand für möglich gehalten hätte, daß wir
im Jahre 1995 mit dem Aufbau im Osten und in ganz
Deutschland wirtschaftlich so gut vorangekommen
sind, daß die D-Mark stabil geblieben ist, die
öffentlichen Haushalte nicht überlastet sind, wir dauerhaftes
Wachstum haben und die Kriterien des Vertrags von
Maastricht erfüllen. Dies alles hat vor drei Jahren
kaum jemand für möglich gehalten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Weil Sie, Herr Scharping, den früheren Kollegen
von Dohnanyi erwähnt haben: Er hat einen Beitrag
zur deutschen Einheit mit „Kein Grund für schlechte
Laune" überschrieben. Ich hätte ihm gewünscht, daß
Sie wenigstens die Überschrift zur Kenntnis nehmen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge
-
ordneten der F.D.P.)
Wahr ist auch, daß wir die Anstrengungen
fortsetzen müssen. Deswegen behält der Aufbau Ost
Vorrang in der Wirtschafts- und Finanzpolitik der CDU/
CSU-Fraktion und, ich meine, der ganzen Koalition.
Deswegen werden wir auch die Förderung von
Investitionen, insbesondere im industriellen Bereich, in
den neuen Bundesländern fortsetzen. Wir müssen
uns stärker auf den industriellen Bereich
konzentrieren; denn im Einzelhandel brauchen wir die
Investitionsförderung nicht mehr so sehr, im industriellen
Bereich haben wir aber nach wie vor einen starken
Rückstand.
Herr Kollege Scharping, wenn Sie von „hohen
Zuwachsraten auf niedrigem Niveau" sprechen, dann
gehört zur Wahrheit doch auch das niedrige Niveau,
auf dem sich die hohen Zuwachsraten erfüllen. Dafür
war das gescheiterte System des Sozialismus in der
früheren DDR verantwortlich. Für die hohen
Zuwachsraten, die wir jetzt haben, ist die Soziale
Marktwirtschaft verantwortlich. So einfach ist das.
Deswegen müssen wir den Weg der hohen
Zuwachsraten fortsetzen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Deswegen brauchen wir übrigens auch in der
Zukunft die solidarische Hilfe aller Bundesländer.
Zu der Wahrheit des Jahres 1990 und auch der fünf
Jahre seit der Vereinigung gehört, daß die
Solidarität unter den Bundesländern auf dem Weg zur
Vollendung der deutschen Einheit insgesamt noch ein
Stück weit besser hätte sein können. Was die
westdeutschen Länder beim Solidarpakt zum Teil
gemacht haben, ist kein Ruhmesblatt. Damals sind Sie
noch auf der Seite der Länder gesessen, Herr
Scharping. Sie haben den Bund und die Steuerzahler
kräftig ausgenommen, aber relativ wenig für den Aufbau
Ost getan.
(Rudolf Scharping [SPD]: Was? -
Widerspruch bei der SPD)
- Natürlich ist das wahr.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Ich könnte Ihnen auch noch vorhalten, was Ihre
Kollegen gesagt haben, bei Herrn Schröder in
Hannover angefangen, der gesagt hat „Keine Mark von
niedersächsischen Steuerzahlern für den Aufbau
Ost", bis zu Herrn Lafontaine, der schon seit dem
Jahre 1989 und seitdem immer wieder nicht die
Solidarität in Deutschland gefördert hat, sondern das
Gegenteil getan hat. Am Ende hat man sich zu Lasten
des Bundes und zu Lasten der Steuerzahler allenfalls
auf Minimalkompromisse geeinigt.
Dieser Weg wird fortgesetzt. Noch immer haben
wir die Gewerbekapitalsteuer in Deutschland nicht
abgeschafft. Wir müssen sie aber abschaffen, damit
die Investitionen in ganz Deutschland vorankommen
und wir diese Steuer nicht auch noch in den neuen
Bundesländern einführen müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Zu der erbärmlichen Kampagne, die
Ministerpräsident Eichel zu Beginn dieses Jahres im
Landtagswahlkampf von Hessen mit der angeblichen
Verschwendung von Steuergeldern beim Aufbau Ost
geführt hat, sage ich:
(Widerspruch bei der SPD - Wolfgang
Thierse [SPD]: Und Stoiber?)
So viele Steuergelder, wie Herr Eichel sie für seine
Dienstvilla verschwendet hat, hat im Verhältnis dazu
kaum jemals ein anderer verschwendet.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Das zeigt, daß Sie jede Gelegenheit nutzen, um die
Menschen auseinanderzutreiben. Wir brauchen aber
mehr Kraft für die Arbeit im Rahmen der Einheit.
Deswegen sagen wir auch: Wir müssen die
Anstrengungen solidarisch fortsetzen, um den
wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Ländern, vor allem im
industriellen Bereich, rasch so weit voranzubringen,
daß wir ein vergleichbares Niveau mit dem Westen
erreichen. So lange werden wir auch auf den
Solidaritätszuschlag nicht vollständig verzichten können.
Wir hoffen, daß wir ihn bald ein Stück abbauen
können. Wir brauchen ihn aber so lange, bis wir im
Osten im wesentlichen gleiche wirtschaftliche und
soziale Verhältnisse erreicht haben.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge
-
ordneten der F.D.P.)
Wer nicht bereit ist, die notwendige Solidarität zu
zeigen, der versündigt sich an der Einheit.
Ich finde, wir sollten uns aus der Bilanz, aus dem
Vergleich dessen, was erreicht worden ist, die Kraft
bewahren, auch weiterhin solidarisch die
erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen. Die größeren
Anstrengungen, die mit der deutschen Einheit
verbunden sind, bestehen doch letztlich in den
ungeheuren Veränderungen, die die Menschen in den
neuen Bundesländern, für die sich die
grundlegenden Lebensverhältnisse in kurzer Zeit dramatisch
verändern, aushalten müssen. Ich sage: Zu einer
kritischen Bilanz fünf Jahre nach der deutschen Einheit
würde für mich eher gehören - dazu habe ich von
Herrn Scharping gar nichts gehört -, daß wir
vielleicht im Westen die Chance der Erneuerung, die
uns die deutsche Einheit geboten hat, nicht
hinreichend genutzt haben.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ich habe früh gesagt: Die Bereitschaft, durch
Teilen die Teilung zu überwinden, wird sich vor allen
Dingen darin bewähren müssen, daß wir auch im
Westen bereit sind, Veränderungen mitzutragen und
zu ertragen. Das ist eine Chance für ganz
Deutschland. Wenn wir so wie die Sozialdemokraten und
Rot-Grün jeden Besitzstand nur tabuisieren und jede
Veränderung blockieren, werden wir die Zukunft
verspielen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Deswegen ist die größte Chance, die die deutsche
Einheit uns allen eröffnet, die Chance zu begreifen,
daß wir mit einem größeren Maß an Innovation, mit
einem größeren Maß an Veränderungsbereitschaft,
mit einem größeren Maß an Mut und nicht an
Mißmut, auch liebgewordene Besitzstände auf den
Prüfstand zu stellen, eine bessere Chance für eine gute
Zukunft für alle Deutschen in West, Ost, Nord und
Süd haben werden. Dieser Aufgabe müssen wir uns
stellen.
Es wird von vielen gesagt - man kann es an einem
solchen Tag noch einmal sagen -: Im Osten hat der
ganz eigene Lebensweg in diesen 40 Jahren vieles
an Schwierigkeiten mit sich gebracht: die
Introvertiertheit der Menschen, die eingesperrt waren, die
nicht mit ausländischen Mitbürgern zusammenge
lebt haben und keinen Austausch mit dem Ausland
hatten, mit dem Westen nicht, selbst mit Polen war
der Austausch aus der Bundesrepublik intensiver als
aus der DDR.
Aber im Westen haben wir uns in 40 Jahren
wachsenden Wohlstands zu sehr angewöhnt, jeden
Besitzstand zu verteidigen. Wir sind in der Gefahr, daß wir
die Kraft zur Veränderung zunehmend verlieren.
Wenn wir deswegen aus der deutschen Einheit,
deren Lasten und deren Chancen wir gemeinsam
tragen, Kraft für die Zukunft gewinnen sollen, dann
sollten wir beides miteinander verbinden. Dann
haben wir eine gute Chance, unser Land weiter
voranzubringen.
Ich glaube, in einer Welt, in der sich so ungeheuer
viel verändert, ist das, was wir in Deutschland in den
letzten fünf Jahren mit großartigem Gewinn für alle
Menschen auf den Weg gebracht haben und weiter
voranbringen müssen, für uns eine Chance, eine
Bewährungsprobe für unsere gemeinsame Zukunft zum
Ende dieses Jahrhunderts und darüber hinaus.
Wir sollten bei diesen Überlegungen, liebe
Kolleginnen und Kollegen, vielleicht auch einen Moment
den Blick über unsere eigenen Grenzen hinaus
richten. Es ist wahr: Die Einheit hat nicht in Deutschland
begonnen. Die Entwicklung begann in Polen, und in
Ungarn hat sie ihren Höhepunkt gefunden. Wir
danken unseren Nachbarn in Polen, in Ungarn, in der
Tschechei und in der Slowakei.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir sollten vielleicht bei allen Problemen, die wir
in unserem eigenen Lande haben, auch an diesem
Tag einen Moment an Aufmerksamkeit darauf
verwenden, daß andere in Europa mit diesen
ungeheuren Veränderungen ganz andere Probleme haben als
wir in Deutschland. Gemessen an den Sorgen, die
wir in Deutschland, die selbst unsere Mitbürger in
den neuen Ländern haben, haben die Menschen in
Mittel- und Osteuropa, die Menschen in der
ehemaligen Sowjetunion viel größere Probleme mit den
historischen Veränderungen, mit denen auch
historische Chancen verbunden sind. Deswegen lassen Sie
uns nicht so kleinmütig und kleinkariert nur auf
unsere eigenen Probleme schauen. Gerade weil wir
unsere wiedergewonnene Einheit in Frieden und
Freiheit unserer jahrzehntelangen konsequenten Politik
der Westintegration, der europäischen Einheit und
des Ausgleichs zwischen Ost und West verdanken,
schulden wir unser Engagement unseren Nachbarn
im Osten und der europäischen Einigung.
Wir wären der Chance nicht we rt , die wir mit der
deutschen Einheit in Frieden und Freiheit gewonnen
haben, wenn wir jetzt nicht unsere gemeinsame Kraft
einbringen würden, um dieses Europa zu einem
Kontinent sicheren Friedens in Einheit zu machen.
Deswegen ist es unsere Aufgabe im vereinten
Deutschland, uns jetzt um so mehr für die europäische
Einigung, und zwar für die Einigung ganz Europas und
nicht nur bis zur Oder und Neiße, zu engagieren
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
und der F.D.P.)
und unsere Beiträge dazu zu leisten, daß die
Europäische Union vorankommt, aber zugleich auch die
Kraft und Dynamik bewah rt , sich nach Osten zu
erweitern. Wir müssen unseren russischen Freunden
immer wieder erklären, daß die europäische
Einigung nicht gegen sie gerichtet ist, sondern auf
Zusammenarbeit auch mit Rußland angelegt ist. Wir
wollen nicht eine Konfrontation, sondern wir wollen
Zusammenarbeit, weil wir nur in einem Europa der
Zusammenarbeit den Frieden, die Freiheit, die
Demokratie und die Menschenrechte sichern und zum
wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand aller
beitragen können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir reden oft
darüber: Wie können die Deutschen das, was sie nach
45 Jahren an unterschiedlichen Erfahrungen, an
unterschiedlichen Lebenswegen und Lebenswelten
trennt, überwinden? Es ist trennender, als viele, auch
ich, 1990 geglaubt haben. Aber es ist eigentlich
logisch. Jemand, der so alt ist wie ich, hat bis zur
deutschen Einheit immer nur in einem geteilten
Deutschland bewußt gelebt. Ich bin 1942 geboren. Soweit ich
mich zurückerinnern kann, war Deutschland schon
geteilt. Wir waren sehr getrennt, und die Menschen
in der DDR waren eingesperrt. Deswegen sind
unsere Einstellungen und Erfahrungen so
unterschiedlich. Wir müssen aufeinander zugehen, miteinander,
nicht übereinander reden, dürfen nicht
auseinandertreiben, nicht die einen gegen die anderen
ausspielen und nicht über die Probleme hinwegreden. Wir
dürfen aber die Fortschritte, die erreicht worden
sind, nicht vergessen und das Große und Gute neben
dem, was weiter zu tun ist, nicht aus dem Blick
verlieren.
Wir finden, glaube ich, am besten zusammen,
wenn wir über unsere gemeinsamen Aufgaben, über
unsere gemeinsame Verantwortung für unsere
Zukunft und für die Zukunft Europas stärker
nachdenken. Das Allerwichtigste für die nächsten Jahre wird
neben der Fortsetzung der Hilfe für den Aufbau der
neuen Bundesländer und der Lösung der Probleme,
die noch zu lösen sind und die wir Woche für Woche,
angefangen beim Renten-Überleitungsgesetz, im
Bundestag bearbeiten müssen, sein, zu begreifen,
daß wir eine gemeinsame Verantwortung haben,
unser Land als eine stabile freiheitliche Demokratie
auch in der Zukunft zu bewahren.
Für den Rechtsstaat, für den inneren Frieden ist
eine Menge zu tun. Man muß den Rechtsstaat z. B.
verteidigen und darf ihn nicht verkommen lassen,
wie es bei den Chaostagen in Hannover geschehen
ist. Wenn der Rechtsstaat nicht durchgesetzt wird,
verkommen Freiheit und Recht.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Da gibt es noch anderes. Man sollte z. B. daraus ler
-
nen, daß man mit denjenigen, die nicht sicher für
Freiheit und Demokratie sind, nicht
zusammenarbeitet.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Herr Scharping, als Sie von Kassandra und Troja
geredet haben, habe ich an Magdeburg gedacht.
Passen Sie auf, daß Sie mit Ihrer Zusammenarbeit mit
der PDS nicht zum trojanischen Esel werden, der den
Feinden der Demokratie das Tor neu öffnet!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P. - Joseph Fischer
[Frankfurt] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Da habe ich doch heute morgen Herrn Gysi
und Herrn Kohl zusammen auf einem Foto
gesehen! Das war in Frankfu rt !)
- Herr Fischer, zu einer vernünftigen und
realistischen Bilanz gehört z. B. auch, einmal zu
vergleichen, was unter dem real existierenden Sozialismus
an Umweltschäden angerichtet worden ist und was
die Soziale Marktwirtschaft unter der Regierung von
Helmut Kohl in den letzten fünf Jahren an
Umweltschäden beseitigt hat. Darüber ist mit keinem Wo rt
geredet worden.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. -
Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Kommt jetzt die Ökosteuer,
oder kommt sie nicht? - Heiterkeit beim
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD
und der PDS)
- Das ist das Niveau, mit dem Sie über die Probleme
der deutschen Einheit reden, Herr Kollege Fischer.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Das Allerwichtigste ist, daß wir begreifen - das
wiederhole ich -, daß es die Verpflichtung für uns
selbst in der Mitte Europas, aber auch für unsere
Nachbarn in Europa in West und Süd und in Nord
und Ost ist, zum Frieden, zur Freiheit und zur
Demokratie in Europa beizutragen.
Weil wir die deutsche Einheit der europäischen
Einigung, dem Mitwirken und dem Einsatz unserer
Nachbarn und Freunde in Ost und West verdanken,
schulden wir die deutsche Einheit dem Frieden in
Europa. Deswegen müssen wir uns für die
europäische Einigung sowie für die Bewahrung,
Wiederherstellung und Sicherung des Friedens in Europa
einsetzen, und zwar, Herr Kollege Fischer, nicht nach
dem Prinzip: Wir kämpfen bis zum letzten Franzosen,
wie Sie es schriftlich verkünden, sondern nach dem
Prinzip, daß wir das, was wir von anderen fordern,
auch selbst zu leisten bereit sind.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Wenn wir die Aufgaben und Herausforderungen
so verstehen, vor die wir Deutsche uns heute gestellt
sehen, sowie unsere Verantwortung für uns selbst
und für andere wahrnehmen, kann uns dies helfen,
zu uns selbst zu finden. Das ist vielleicht der beste
Weg, unsere Identität zu erklären; wir sollten nicht
abstrakt darüber diskutieren.
Ich bin ganz sicher, daß jeder gemeinsame Erfolg
bei diesen Bemühungen die Frage klarer
beantworten wird, wer wir sind und was wir wollen. Ich bin
sicher, daß wir im Verstand wie im Herzen - denn
beides, Ratio und Emotio, gehört zusammen; das
Gefühl der Menschen ist auch wichtig - die
Gemeinschaft begründen, die notwendig ist, schwierige
Zeiten zu bestehen, die in der Zukunft gewiß vor uns
liegen.
Die Herausforderungen und die Veränderungen in
der Welt sind groß. Der Friede und auch die Umwelt
bleiben bedroht. Die Demokratie muß immer neu
bewahrt werden. Aber mir ist vor diesen
Herausforderungen nicht bange. Ich finde, wir haben gerade fünf
Jahre nach der deutschen Einheit überhaupt keinen
Grund zu Pessimismus und Mißmut, sondern wir
haben allen Grund zu Mut und Zuversicht. So - dessen
bin ich sicher - dienen wir am besten der Einheit,
und so sichern wir am besten unsere Zukunft.
(Langanhaltender Beifall bei der CDU/CSU
und der F.D.P.)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Es spricht jetzt der
Kollege Werner Schulz.
Werner Schulz (Berlin) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Ich hatte eigentlich geglaubt, daß uns heute bei
einigem zeitlichen Abstand zum 3. Oktober eine
Diskussion mit Feiertagspathos erspart bleibt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
PDS)
Schließlich ist ein Jubiläum ohne großen Jubel
vorbei. Vielleicht können wir das nächste Mal sogar
darauf verzichten, mit großem Zapfenstreich die Einheit
der Armee als Zeichen unserer wiedererlangten
Souveränität zu demonstrieren. Das brauchen wir am
allerwenigsten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der PDS)
Die Stimmung im Land hat sich zwischen Euphorie
und Ernüchterung eingependelt. Weder die
begeisterten Optimisten noch die Katastrophen
voraussehenden Pessimisten haben recht behalten. Nach wie
vor gehen im Osten Lage und Stimmung
auseinander. Vielen geht es heute materiell besser als vor fünf
Jahren. Sie fühlen sich politisch frei, aber sozial
unsicher.
Die demokratischen Grundrechte gehören zur
Grundausstattung dieser Republik, Werte, die
gerade nach Jahrzehnten der Unterdrückung, der
ideologischen Bevormundung und der geistigen Enge
zählen. Andererseits sind die alten sozialen
Sicherheiten weggebrochen und die neuen noch nicht
greifbar oder ungewiß.
(Zuruf von der CDU/CSU: Welche denn?)
Im Osten wurde Enormes geleistet. Die
Ostdeutschen mußten in kürzester Zeit die völlige
Veränderung ihrer Lebensverhältnisse bewältigen, von der
Steuererklärung bis hin zum Rufzeichen im Telefon.
Alles, aber auch alles hat sich verändert. Durch die
Art der Vereinigung allerdings, die eine Mischung
aus Beitritt und kollektivem Ausreiseantrag war, ist
ihnen bei allem Für und Wider zunächst das
abverlangt worden, was sie zuallererst abschütteln
wollten: das erzwungene Anpassungsvermögen.
Die Westdeutschen haben diese rasante
Lebensumstellung teils ganz persönlich und vor allem
finanziell unterstützt. Sie haben hier in dankenswerter
Weise Wichtiges und Wertvolles geleistet.
Doch für sie ist die neue Bundesrepublik eigentlich
die alte geblieben. Leider wurde der Aufbruch des
Ostens nur als Zusammenbruch des Systems
verstanden, wurde die Chance zur Inventur in Ost und West
verkannt oder nicht gewollt, wurde die
demokratische Reformchance vertan. Hätte man den Elan zur
politischen Veränderung aufgegriffen, wäre schnell
klar geworden, daß die Ostdeutschen mehr als ein
Dauerlamento, verschlissene Bet riebe oder einen
unaufgeräumten Keller voller Stasi-Akten in die Einheit
einbringen.
Verschwunden ist der Instant-Glaube, daß man ein
Westkonzentrat nur kräftig umrühren muß, um sofort
die fertige Lösung zu bekommen. Heute ist klar: Es
gibt keine schnellen und schon gar keine billigen
Lösungen. Wir Ostdeutschen werden die verlorenen
Jahre vermutlich erst in Generationen aufholen.
Doch warum konnten und können wir uns darüber
nicht verständigen? Politik muß doch Orientierung
geben und mehr sein als schnelles Reagieren und
Aussitzen.
Die Einheit, Herr Bundeskanzler, war kein
Glücksfall, sondern die Selbstbefreiung einer aktiven
Generation,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
die ihre Leistungsbereitschaft ins vereinte
Deutschland einbringen wollte und zusehen mußte, wie das
Volkseigentum und die Arbeitsplätze
verlorengingen, wie im Zeitraffertempo ein halbes Volk zum
Hans im Glück geworden ist.
Warum konnte diese Bundesregierung den
Bürgerinnen und Bürgern nicht wenigstens die
Wohnungen zum symbolischen Preis überlassen,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
wo sie doch weiß, daß Eigentum verpflichtet, wo sie
doch weiß, daß es in der DDR keine
Vermögensbildung gab, wo heute viele den drastischen Anstieg
der Wohnkosten erleben, obwohl sich die
Wohnungsqualität oder der Service der
Wohnungsverwaltungen nicht verbessert hat? Sie erleben heute
Mieterhöhungen als soziale Bedrohung und nicht als
Einbindung in die neue Gesellschaft.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei Abgeordneten der SPD)
Immerhin wurden ja Banken und Bet riebe für'n
Appel und 'n Ei verkauft - übrigens ein
Naturalzahlungsmittel, das seit der Währungsunion offenbar
hoch im Kurs steht.
(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Ich möchte auch mit einer anderen Legende
aufräumen, Herr Bundeskanzler; auch Herr Schäuble
bedient das ja immer so wunderbar: „Verrat" und
„Verweigerer der deutschen Einheit" . Das sind
immer diese tollen Verschwörungsdiskussionen. Ich
will Ihnen sagen, was es gab: keinen Verrat; es gab
keine Visionen für dieses vereinigte Deutschland,
keinen Bauplan, noch nicht einmal Skizzen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Weder Ihre Deutschlandpolitik, die der Union, noch
die Strategie „Wandel durch Annäherung" haben
den Durchbruch geschafft. Selbst die Dissidenten,
selbst wir, die wir vielleicht die einzigen wenigen
waren, die dem SED-Regime noch Widerstand
entgegengebracht haben, haben ja nicht geglaubt, daß
sich der Mauerdurchbruch eines Tages ereignen
könnte, daß ein bis an die Zähne bewaffneter Staat
plötzlich zusammenbricht wie eine
Plattenbausiedlung, in der die Armierung durchgerostet ist.
(Zuruf von der F.D.P.: Wir aber! - Zurufe
von der CDU/CSU)
Vielleicht wäre es gut gewesen, Herr
Bundeskanzler, Sie wären schon früher einmal in den Prenzlauer
Berg zu den mutigen Bürgerrechtlern gefahren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dann hätten Sie etwas über deren Vorstellungen
gehört, wie sie sich den Weg zur deutschen Einheit
vorgestellt haben, nämlich durch einen demokratischen
Prozeß, und dann hätten Sie nicht mit dieser
Ignoranz das Vermächtnis des Runden Tisches, die
Verfassung des Runden Tisches weggewischt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Das bleibt als Makel stehen. Der Art. 146 GG zeigt,
daß Sie über die Köpfe der Leute hinweg die
deutsche Einheit gemacht haben. Sie haben den Ruf „Wir
sind das Volk" nicht ernstgenommen, so wie gerade
eine große Volkspartei in Bayern ganz weit neben
der direkten Demokratie stand.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Noch immer fehlt ein politischer Entwurf für das
vereinte Deutschland. Genauer betrachtet, lebt
Deutschland noch immer in zwei Gesellschaften.
(Widerspruch bei der CDU/CSU)
Das liegt auch daran, Herr Bundeskanzler, daß Sie
am 3. Oktober 1990 nicht den Mut hatten, die
Neuordnung Deutschlands anzugehen, daß Sie den
Epocheumbruch nicht als Reformchance begriffen
haben,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
daß Sie in einer historischen Umbruchsituation
darauf verzichtet haben, die Fülle der in der
Gesellschaft vorhandenen Sachkompetenz und Bereitschaft
zur Mitverantwortung aufzugreifen, daß Sie die
Einheit eben nicht als Gestaltungschance beg riffen,
sondern als Wahlkampfrennen veranstaltet haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der PDS)
Ich erinnere: „Allianz für Deutschland" hieß die
Allunionsversicherung, die sich heute schwertut, ihre
Garantien einzulösen und ihre eigenen
Schadensfälle zu übernehmen. Schon wieder wird der
Solidaritätszuschlag ganz bewußt zum Wahlkampfthema
gemacht. Schon wieder werden Sympathietests auf
dem Rücken der Solidarität veranstaltet.
Nicht die innere Einheit ist unser Problem, meine
Damen und Herren; das ist eher ein Suchbild mit
fragwürdigem Inhalt. Die innere Einheit, das
Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen, ist längst da,
stärker, als uns offenbar bewußt ist. Heute läßt sich
feststellen: Die Akzeptanz der staatlichen
Vereinigung ist gewachsen, allerdings auch die Kritik an
deren Folgen.
Niemand will die DDR wiederhaben oder erhebt
ernsthaft die Forderung nach Zweistaatlichkeit.
Dennoch besteht eine nationale Schieflage.
Was wir brauchen, ist ein inneres Gleichgewicht.
Wie weit wir davon noch entfernt sind, kann jeder
ermessen, der einmal drüben war. Vielleicht
verschwindet in einigen Jahren sogar dieses Trennwort
aus unserem Sprachgebrauch. Vielleicht ist das ein
Kriterium dafür, wie die Einheit entsteht; so wie die
Ostdeutschen lernen, daß die Zeit der Westpakete
vorbei ist.
Von Anfang an hat ein solider, klar umrissener
Lastenausgleich gefehlt. Er kam durch die Hintertür:
Der Kanzler hat den Ostdeutschen versprochen, die
D-Mark zu bringen, und den Westdeutschen gesagt,
daß er sie ihnen nicht nehmen will. Das eine hat er
gehalten, das andere nicht. An diesem wunden
Punkt laborieren wir noch heute.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Es ist wahr, meine Damen und Herren, bisher ist
viel erreicht worden: Ohne Fünfjahresplan ist der
Aufbau in den neuen Ländern ein gutes Stück
vorangekommen. Verwaltungen arbeiten, das
Rechtssystem funktioniert, Löhne und Renten nähern sich -
wenn auch manchem viel zu langsam - dem
westdeutschen Niveau an, die Qualität der Infrastruktur
wird immer besser, die Wiederbelebung der Wi rt
-schaft zeigt erste Erfolge.
Es wäre verbohrte Opposition gegenüber dieser
Regierung, nicht anzuerkennen, daß auch ihr
Bemühen um den Aufbau Ost nicht völlig erfolglos war.
Der Bundeskanzler hat eine Bilanz geboten, was er
alles auf der Glanzseite seines Guthabens sieht.
Allerdings verdeckt seine Regierungspolitik der Wo rt
-und Wertschöpfung, daß er wichtige Chancen vertan
hat, z. B., daß mit dem Neuaufbau der Verwaltung in
den neuen Ländern auch eine Verwaltungsreform in
ganz Deutschland hätte durchgreifen können.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
So wurden die verkrusteten Strukturen, ein Wust an
Vorschriften einfach unkritisch in den Osten
übertragen. Hier wurde ein Investitionshemmnis ersten
Ranges geschaffen. Hätte die alte Bundesrepublik in
ihren Gründerjahren auf ein solch kompliziertes
Regelwerk, auf eine solche Regelungsdichte zurückgreifen
müssen, ich glaube, sie würden noch heute auf das
Wirtschaftswunder der 50er Jahre warten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Statt den industriellen Aufbau der neuen
Bundesländer für den ökologischen Strukturwandel in ganz
Deutschland zu nutzen, wurde die schnelle
Privatisierung durch die Treuhand priorisiert und wurden
westdeutsche Gebrauchsmuster übernommen. Statt
die Hauptstadtfrage eindeutig im Einigungsvertrag
zu regeln und mit dem schnellen Regierungsumzug
nach Berlin ein Beispiel für den Umbau zu leisten,
wurde eine quälende Ersatzdebatte zur deutschen
Einheit zugelassen. Statt den Zusammenschluß für
eine Bestandsaufnahme der sozialen Systeme zu
nutzen, wurden die Sozialkassen für den Aufbau Ost
zweckentfremdet. Nicht einmal ansatzweise wurde
die deutsche Einheit als Ausgangspunkt für einen
Reformprozeß genutzt.
Zwar hat jetzt die Bundesregierung das
Hauptmanko des Einigungsvertrages, daß die neuen
Länder die ersten vier Jahre nicht in den
Länderfinanzausgleich einbezogen waren, durch einen
Solidarpakt ausgeglichen, doch war dieser Pakt mehr ein
Vertrag der Länder zu Lasten des Bundes, wie
überhaupt der Beitrag der Länder zur deutschen Einheit
nicht gerade ein Ruhmesblatt der föderalen
Geschichte darstellt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ein wirklicher Solidarpakt im Sinne eines
Grundkonsenses, im Sinne eines neuen Gesellschaftsvertrages,
den diese Republik unbedingt braucht, steht
allerdings erst noch aus.
Eine Regierung im vereinten Deutschland muß
sich an der Zukunftsdebatte messen lassen. Hier
einige Themen: Können wir unsere föderale
Grundordnung auch angesichts der europäischen
Entwicklung tatsächlich noch mit 16 bzw. 15 Ländern
aufrechterhalten? Oder sollten nicht dem Beispiel
Berlin-Brandenburg andere folgen? Was wird aus dem
Aufbau einer modernen Infrastruktur? Was darf sie
kosten? Was dürfen der Umzug nach Berlin und der
Ausgleich für Bonn kosten? Muß Bonn erst in Berlin
nachgebaut werden, oder können nicht vorhandene
Möglichkeiten besser genutzt werden? Welche
Fördermittel und -maßnahmen erhalten andere
Problemregionen? Schaffen wir mit Berlin-Bonn nicht
einen schwer nachvollziehbaren Maßstab?
Wie kann der Sozialstaat durch die stärkere
Beteiligung, durch das stärkere Engagement der
Staatsbürger gesichert werden? Wie können die Renten
gesichert werden - hier hat die Regierung sicherlich
nicht ganz uneigennützig schon vieles getan -, und
wie kann gleichzeitig den Kindern und Jugendlichen
eine angemessene Perspektive eröffnet werden?
Wieviel Beamte braucht dieser Staat, und wo braucht
er sie? Das sind Fragen und vor allen Dingen auch
Versäumnisse.
Aber in den letzten Jahren sind auch
schwerwiegende Fehler passiert: So sieht der Einigungsvertrag
keine Korrektur von Fehlentwicklungen vor. Es gibt
keine Öffnungsklausel, nach der falsche
Weichenstellungen berichtigt werden können. Er hat sich
vielerorts als Korsett für den Gestaltungswillen im Osten
erwiesen.
Oder nehmen Sie z. B. nur die Altschulden. Hier
lauert ein Konflikt, gegen den die Zwick-, Schneider-
und Graf-Affären wirklich Peanuts sind. Mit einem
Federstrich wurden aus willkürlichen
Verrechnungseinheiten D-Mark-Schulden in der Landwirtschaft,
beim Wohnungsbau, in den Kommunen oder bei
vielen Betrieben der Treuhand. Obwohl ansonsten alles
abgewickelt wurde, alles negiert wurde, wurde hier
einer der fragwürdigsten Posten aus dem
Unrechtsstaat ohne Abstriche in den Rechtsstaat übertragen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Gewinner sind die Banken, über die diese
Forderungen gekommen sind wie die Sterntaler im Märchen.
Die gleichen Banken, die die großen Gewinner der
Einheit sind, lassen heute die ostdeutschen
Existenzgründer bei der Vergabe von Risikokapital im Stich.
Wegen der sogenannten kommunalen
Altschulden will der Bundesfinanzminister in der
kommenden Woche sogar Mahnbescheide an 1 200
ostdeutsche Kommunen verschicken. Dabei brauchen wir
keine buchhalterische, sondern eine politische
Lösung.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Der Bundesfinanzminister leistet dem Aufbau Ost
einen sehr fragwürdigen Dienst, wenn er weiterhin auf
seiner sturen Position beharrt und womöglich ein
weiteres Mal durch Karlsruhe belehrt wird.
Die Bundesregierung hat es bisher vorgezogen,
auf eine Gesamtschau der Entwicklung zu
verzichten. Seit fünf Jahren gibt es keine verbindliche
Darstellung des Entwicklungsstandes, keine
Zielvorgaben, keine Kriterien, keine Zeithorizonte. So
begeistert, wie früher der Be richt zur Lage der Nation
diskutiert wurde, so wenig scheint die Bundesregierung
heute an Klarheit, Verbindlichkeit und Übersicht
interessiert zu sein. Das Motto des Bundeskanzlers
lautet: Wer nichts verspricht, dem kann man nachher
auch keine Vorwürfe machen, und der Vorwurf der
Steuerlüge bleibt dem erspart, der sich zur
Steuerpolitik gar nicht erst äußert.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Insofern brauchen wir einen Be richt zur
Entwicklung der deutschen Einheit. Wir sollten nicht aus den
Sensationsmeldungen deutscher Wochenmagazine
über die nächsten Milliardengräber informiert
werden, sondern diese Regierung hat die
Auskunftspflicht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Die kostenlose Einheit hat sich als grandiose
Illusion erwiesen. Im fünften Jahr der deutschen Einheit
hat die Staatsverschuldung eine neue Rekordmarke
erreicht. Eine Haushaltskonsolidierung ist nicht in
Sicht. Gespart wird allenfalls bei Sozialhilfe und
Arbeitslosengeldern, also bei den Ärmsten in dieser
immer noch reichen Gesellschaft. Es wäre schon gut
gewesen, meine Damen und Herren von der
Regierungsbank, die Beamten und Selbständigen an der
Rentenkasse und damit an der deutschen Einheit zu
beteiligen. Dann hätten wir an dieser Stelle kein
Milliardenloch.
Ost- und Westdeutsche wurden immer wieder im
unklaren gelassen über die mit der Vereinigung
verbundenen Umwälzungen und auch Belastungen.
Das ständige Theater um Einführung, Abschaffung,
Wiedereinführung und Absenkung des
Solidarzuschlags ist ermüdend, frustiert und erzeugt
Ablehnung. Die Regierung muß den Bürgern in Ost und
West endlich klar sagen, was auf sie zukommt,
welche Veränderungen notwendig sind und welche
Lasten zu tragen sind.
Es wäre gut, wenn wir nicht gleich in die nächste
Währungsunion hineinstolperten, wenn der
Finanzminister zumindest aus dieser lernte und durch
diskrete Hilfe den osteuropäischen Staaten die
Annäherung an die EU ermöglichte, anstatt durch
Indiskretion ein finanzpolitisches Kerneuropa
heraufzubeschwören.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die wichtigste und vorrangigste Aufgabe, an der
sich jede Regierung im vereinten Deutschland
messen lassen muß, ist die Eindämmung der
Arbeitslosigkeit. Es gilt, neue Arbeitsplätze und damit
Vertrauen in die Zukunft zu schaffen. Das ist
zuallererst natürlich eine Herausforderung an die Wi rt
-schaft.
Aber vorhandene Arbeit muß auch gerecht verteilt
werden. Vielleicht können wir hier mit unseren
Erfahrungen aus der Mangelgesellschaft behilflich
sein, zumindest mit dem Wissen, daß etwas, was
knapp ist, gerecht verteilt werden muß.
Geradezu paradox ist es allerdings, daß
ausgerechnet der Kanzler, der die höchste Arbeitslosigkeit seit
der Weimarer Republik zu verantworten hat, in einer
Situation, in der ganze Jahrgänge in den
Vorruhestand gehen, über das verdiente Rentenalter hinaus
einen Dauerarbeitsplatz besetzen will.
Die politische Entscheidung zur Einheit
Deutschlands war wirtschaftlich falsch. Damit wurde ein
Schock ohne Therapie ausgelöst, der viele Bet riebe
die Existenz kostete. Das ist heute unumst ritten.
Damit ist zwar der Übergang von der Plan- zur
Marktwirtschaft gelaufen, aber er ist nicht gelungen. In
diesem Zusammenhang von einer einzigartigen
Erfolgsstory zu sprechen, wie der Wi rtschaftsminister
das tut, ist zumindest für einen ehemaligen
Treuhanddirektor ein erschreckender Fall von
Verantwortungsvergessenheit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zumindest ein paar Moritaten müßten ihm doch noch
geläufig sein.
Sicher, der Aufschwung Ost findet statt, nur kann
er nicht alle gebrauchen. Auch das ist eine herbe
Erfahrung aus fünf Jahren Währungs-, Wirtschafts- und
Sozialunion, von der immerhin mehr erwartet wurde
als eine Konkursverwaltung mit Sozialplan.
Noch steht die ostdeutsche Wi rtschaft nicht auf
eigenen Beinen, noch hängt das Wachstum am
Fördermitteltropf. Noch ist die indust rielle Basis zu
schwach, und andere Wi rtschaftszweige können
nicht im erforderlichen Umfang wachsen.
Die Wertschöpfung in den neuen Bundesländern
muß steigen, und das unter verschärften weltweiten
Konkurrenz- und Wettbewerbsbedingungen.
Immerhin haben Polen und Tschechien einen
selbsttragenden Aufschwung auf niedrigem Niveau erreicht. Die
neuen Bundesländer sind hingegen noch weit davon
entfernt, ihr höheres Einkommen selbst zu erzeugen.
Auch das hat Einfluß auf die Stimmung.
Fünf Jahre nach der staatlichen Vereinigung
Deutschlands gibt es noch nicht den
Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern deren zwei, einen
westdeutschen, dessen strukturelle Defizite jetzt ans
Licht kommen, und einen östlichen, der sich trotz
mancher positiven Entwicklung in einer immer noch
schwierigen Situation befindet.
Heute gibt es kein Ostprodukt mehr mit
bundesweiter oder gar internationaler Bedeutung, weder im
Konsumgüter- noch im Investitionsgüterbereich.
In Ostdeutschland sind kaum noch größere
Unternehmen. Es gibt keinen einzigen überregional
wichtigen und wirklich ständigen Firmensitz.
Infolgedessen zeigt sich die Industrie als die entscheidende
Schwachstelle der ostdeutschen Wirtschaft. Hier ist
Strukturpolitik erforderlich. Die Bundesrepublik hat
es bisher vermieden, diese zu betreiben. Und da, wo
sie Strukturpolitik gemacht hat, z. B. beim
Stromvertrag, hat sie dafür gesorgt, daß ausgerechnet die aus-
Betretensten Wege des Westens in den Osten
verlängert werden. Gerade mit der jetzt ausgebliebenen
Sanierung des Fernwärmenetzes wird schwerer
Schaden ange richtet.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Da, wo die Chancen des Ostens eigentlich liegen
könnten, verweigert man ihm den Anschluß.
Deutsche Einheit - um ein Dichterwort
aufzugreifen - ist „ein weites Feld" . Deswegen am Ende
meiner Rede zwei Überlegungen:
Erstens. Die Deutschen haben im Osten wie im
Westen in Nischengesellschaften gelebt. 40 Jahre
DDR und Bundesrepublik, die Zeit vor und hinter der
Mauer, sind vorbei. Die Politik und politische
Generation des Mauerfalls muß lernen, mit großen
Problemen und Konflikten zu leben.
Zweitens. Wir leben nach den Wendezeiten in
West und Ost in einer Zeitenwende, in einer
komplizierten ungewissen Umbruchsituation. Noch haben
wir Zeit, wenn auch keine mehr zu verlieren. Die
Zukunft Deutschlands wird sich daran entscheiden, wie
wir den Reformstau auflösen, ob wir daran glauben,
daß das westdeutsche Modell nicht nur nach
Ostdeutschland, sondern auch ins nächste Jahrtausend
übertragen werden kann, oder ob wir eine
gemeinsame, eine gesamtdeutsche Antwort auf die
veränderten Bedingungen in Europa und die weltweiten
Herausforderungen finden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Es spricht als
nächster der Kollege Dr. Wolfgang Gerhardt.
Dr. Wolfgang Gerhardt (F.D.P.): Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren! Wir diskutieren heute
über einen Zeitraum von fünf Jahren deutscher
Einheit. Ich glaube, es läuft schwieriger, als wir alle am
Anfang ahnen konnten, es läuft aber besser, als wir
bereit sind, uns gegenseitig öffentlich zuzugestehen
und auch offen zu berichten.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Es gab im übrigen auch damals unterschiedliche
Bewertungen. Wir alle haben noch Menschen im
Gedächtnis, die wirklich die Vereinigung unseres
Landes nicht wollten. Ich kenne solche und habe
welchen gegenübergestanden, die vor der
Wiedervereinigung gewarnt haben, wie der hessische
Ministerpräsident Eichel; und der Herr Kollege Schäuble hat
zu Recht den saarländischen Ministerpräsidenten
Lafontaine zitiert. So war es.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Es gab einige, die zwar wußten, daß das historisch
unumgänglich ist, aber sie hatten ernsthafte
Probleme in der Verarbeitung. Und es gab welche, die
hatten - wie auch wir - nicht daran geglaubt, daß die
Vereinigung in diesem Jahrhundert stattfindet. Wer
hat denn hier zehn Jahre vorher das Datum gewußt,
die Blaupausen gesetzt, die Termine vorbereitet und
Juristen an einen Einigungsvertrag gesetzt? So war
das doch nicht. Deshalb ist nicht die Kritik
angebracht, es hätte eine große Vision gefehlt, sondern es
war das Glück der Stunde. Ich weiß jedenfalls noch,
daß seit dem 9. November 1989 wöchentlich 15 000
Menschen aus der damaligen DDR in den Westen
kamen. Die sagten nicht nur: „Wir sind das Volk!",
sondern sie sagten: „Wir sind ein Volk, und wir wollen
zur D-Mark, wenn die D-Mark nicht zu uns kommt."
Diese kurze historische Stunde unter Beteiligung
schon erwähnter Persönlichkeiten, insbesondere des
damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow, in
diesem Zeitfenster der Geschichte genutzt zu haben,
das war die Stunde von Hans-Dietrich Genscher und
Helmut Kohl, die die Vorgänge mitgestaltet haben,
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
und die Stunde der 17 Millionen, die in friedlicher
Revolution die entscheidenden Anstöße gegeben
haben.
Niemand konnte sich darauf vorbereiten. Niemand
hat damit gerechnet. Wir können es als großes Glück
empfinden, daß es gelungen ist. Das war die
Situation vor fünf Jahren. Es war keine Vision, keine
große Vorbereitung, nur ein Fünkchen Hoffnung -
und dann das große Glück heute.
Nach fünf Jahren sagen wir: Wir haben vieles
unterschätzt. Im Grunde geht es mir nicht nur um die
Frage, wieviel Finanzen man aufwenden muß. Wir
haben das tiefe Maß der geistigen und seelischen
Zerstörung, die das ostdeutsche Regime ange richtet
hat, gewaltig unterschätzt.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU -
Zuruf von der CDU/CSU: Sehr richtig!) ,
Daß es Geld kostet, wissen wir alle. Daß es aber
hinter dem Skelett eines damals zusammenbrechenden
Staates nichts an Infrastruktur, nichts mehr an
politischer Beteiligung an einem Führungssystem und
überhaupt kein Funke rechtsstaatlichen Bewußtseins
gab, daß, wie Christian Graf von Krockow in seinem
Buch „Die Deutschen vor ihrer Zukunft" schreibt,
dieses System in 40 Jahren beim Menschen
Antriebsarmut erzeugt hat, die wir heute überwinden
müssen, ist die Wahrheit über den inneren Zustand, über
die offen gesprochen werden muß.
(Beifall bei der F.D.P. sowie des Abg.
Eduard Oswald [CDU/CSU])
Wenn wir nämlich weiterkommen wollen, genügt
keine Bilanz der wirtschaftlichen Förderprogramme
oder eine Betrachtung der strukturellen Schwächen
oder eine unterschiedliche Diskussion über
industrielle Kerne. Vielmehr stellt sich die Frage, ob
unsere deutsche Gesellschaft die Kraft entwickeln
kann, die nächsten Jahre noch erfolgreicher zu
gestalten. Da müssen wir über Hemmnisse,
Strukturprobleme und vieles mehr sprechen.
Herr Schulz, Sie haben zu Recht gesagt, daß es um
die Erkenntnis geht, daß es kein „vor und hinter der
Mauer" mehr gibt; das ist richtig. Wir müßten
gemeinsam daran arbeiten, daß sich diese Erkenntnis
in ganz Deutschland durchsetzt. Denn ich habe die
große Befürchtung, daß viele im Westen geglaubt
haben, daß die Vereinigung nur große Veränderungen
für die Menschen im Osten b ringe. Erst jetzt merken
sie, daß es für uns im Westen genauso viele
Veränderungen gibt.
Der Herr Kollege Schäuble hat zu Recht
angesprochen, wir hätten die große Chance, viele strukturelle
Schwächen, viele Schieflagen in unserem Denken
und viele Veränderungsnotwendigkeiten auch im
Westen mit der Wiedervereinigung zu beseitigen. Es
ist wahr: Im Westen hat sich angesichts von Mauer
und Stacheldraht in 40 Jahren wi rtschaftlicher
Wachstumsraten ein ähnliches Denken
herausgebildet wie vielleicht bei vielen Menschen in einem
staatsbetreuten System im Osten: zu hoffen, daß
Politik nur Verteilung ist, daß der Staat schon alles
regeln wird, daß man sich an jährliche Wachstumsraten
wie an Besitzstände gewöhnt hat und dies nicht mehr
hinterfragt und eine ganz geringe Bereitschaft da ist,
Veränderungswillen auszudeuten.
Der Bundespräsident hat zu Recht gesagt: Wir
werden das nicht schaffen, wenn wir nicht vor unserer
Zukunft neue Grundlagen festmachen und uns neu
orientieren.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Wir haben diese Chance in Deutschland bisher
nicht ausreichend genutzt. Nach fünf Jahren Bilanz
reicht nicht nur ein Rückblick; jetzt ist auch ein
Ausblick notwendig. Da möchte ich über einige
Korrekturen reden, die auch unsere Einstellungen
betreffen.
Wir alle sagen: Wir brauchen Arbeitsplätze.
Jeder, der hier im Hause anwesend ist, erklärt, es sei
unerträglich, 3,7 Millionen Arbeitslose zu haben.
Dies ist insbesondere das persönliche Schicksal
vieler Menschen in den neuen Bundesländern, die
ihre Hoffnung auf ein freiheitliches System und auf
marktwirtschaftliche Ordnung gesetzt haben. An
sich aber findet ein Wettstreit statt, der Menschen
betrügt. Es gibt ganze politische Gruppierungen,
die die Menschen glauben machen, Arbeitsplätze
könnten durch staatliche Investitionen, durch einen
zweiten Arbeitsmarkt, durch staatlichen
Interventionismus und durch staatliche Transferleistungen
geschaffen und langfristig gehalten werden. Das
ist nicht wahr.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Wer dies den Menschen in den neuen
Bundesländern erklärt, sagt ihnen nicht die Wahrheit.
Arbeitsplätze werden geschaffen, indem es in diesem Land
Menschen gibt, die bereit sind, Risiken einzugehen,
die bereit sind, ein Produkt herzustellen und dafür
bei der Bank einen Kredit aufzunehmen, die
manchmal schlaflose Nächte haben und sich unruhig im
Bett wälzen, weil sie darüber nachdenken, ob sie die
Beschäftigtenzahl noch halten können. Noch immer
signalisieren wir denen, die als persönlich Haftende
einen Betrieb führen, nicht, daß die
Gewerbekapitalsteuer wegfallen und in den neuen Ländern gar nicht
eingeführt werden sollte, wenn wir etwas für die
Beschäftigung tun wollen.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Es reicht auch längst nicht mehr aus, zu sagen, die
Lage sei nur entstanden, weil - sicherlich ein
wichtiger Grund - die Märkte in den früheren RGW-
Staaten weggebrochen sind. Das reicht nach fünf Jahren
als Feststellung nicht mehr aus. Wir haben eine
Globalisierung der Märkte, und wir haben verstärkten
Wettbewerb in Hochlohnländern. Aber wir starren
alle wie das Kaninchen auf die Schlange. Wir
reagieren zu defensiv. Die gesamten Tarifvertragsparteien
machen Tarifverträge, als säßen wir im Westen noch
in den 50er Jahren.
Wir haben zuwenig Flexibilität,
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
wir berücksichtigen zuwenig bet riebliche
Besonderheiten, und wir haben ein vermeintliches Sichern von
Arbeitnehmern, die Arbeitsplätze haben, und eine
Hinderungsbarriere für diejenigen, die Arbeitsplätze
suchen. Das offen auszusprechen bringt einem in
Deutschland manchmal den Vorwurf der sozialen
Kälte ein; aber das ist die Wahrheit. Arbeitsplätze
werden in diesem Land entweder durch
Produktivität und durch gegenseitigen Abgleich der
Weltmarktchancen des Produkts und der Arbeitsplätze im
Betrieb geschaffen werden können, oder wir werden
dauerhaft keine Arbeitsplätze sichern können.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Einem Arbeitnehmer kann es nicht gleichgültig
sein, wo ein Investor investiert. Einem Kapitaleigner
kann es relativ gleichgültig sein, wo er sein Kapital
hinträgt. Deshalb muß ihm die Politik
Standortbedingungen in Deutschland schaffen, damit er hier
investiert, weil wir hier für Arbeitsplätze verantwortlich
sind.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Aber wir haben noch nicht genügend reagiert.
Wenn wir ehrlich sind, wissen wir doch alle, daß wir
mit dem Standort Deutschland, mit unserer
Steuerbelastung im Verhältnis zu europäischen
Nachbarländern noch immer keinen klaren gleichen
Wettbewerb haben. Wem es um Arbeitsplätze in
Deutschland geht - der Freien Demokratischen Partei geht es
wegen des inneren Zusammenwachsens um
Arbeitsplätze in Deutschland -, der muß auch mit einer
Steuerpolitik reagieren, damit hier investiert wird, und
darf nicht in der Öffentlichkeit den Eindruck
erwekken, es genüge, den Reichen etwas wegzunehmen,
um die Probleme in Deutschland zu lösen. Das ist der
fatale politische Fehler.
(Beifall bei der F.D.P.)
Meine Damen und Herren, wenn das innere
Zusammenwachsen gelingen soll, müssen wir offener
sein für den Wandel, müssen wir flexibler sein in der
strukturellen Bewältigung, müssen wir mutiger
werden in Veränderungen, und brauchen wir - wie das
unser Bundespräsident ausgedrückt hat - eine
stärkere gemeinsame Wagniskultur in Deutschland.
(Dr. Gregor Gysi [PDS]: Kapital brauchen
wir!)
Nur dann wird es uns gelingen, eine vitale
Gesellschaft für die Zukunft aufzubauen.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordne
-
ten der CDU/CSU)
Nun wurde hier - das ist richtig - über Bürokratie
geklagt. Meistens klagen diejenigen über
Bürokratie, die wünschen, daß der Staat nahezu alle
Probleme löst.
(Carl-Ludwig Thiele [F.D.P.]: Sehr richtig!)
Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, daß sich
im Westen in einer ganz anderen Ordnung bis heute
massiv der Glaube verbreitet hat, daß der Staat so
etwas wie ein Garant des Verfassungsauftrags zur
Wachstumsvorsorge sei, und daß sich im Osten in der
Mentalität der Menschen der Glaube breitgemacht
hat, der Staat habe irgendeinen Knopf zur
Verfügung, auf den er nur zu drücken brauche, um so als
Problemlöser zur Verfügung zu stehen.
Das ist nicht wahr. Dieser Staat wird in eine
gewaltige Legitimitätskrise geraten, wenn wir ihn
öffentlich so darstellen lassen. Er ist nicht allein deswegen
unser Staat, weil er für jedes Daseinsproblem eine
Lösung anbieten müßte. Er ist ein Staat, der
Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen kann und der
gerne durch Entbürokratisierung zurückgenommen
werden kann. Aber dann darf niemand hier im
Hause vor Privatisierung, vor
Verwaltungsvereinfachungen und vor Delegation von Aufgaben an
andere zurückschrecken.
(Carl-Ludwig Thiele [F.D.P.]: Sehr richtig!)
Dann muß er den Menschen sagen: Wir können
gerne die Bürokratie zurücknehmen, wenn ihr selbst
in diesem Lande mehr persönliche Verantwortung
übernehmt. Das ist die Konsequenz.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Ich will das hier offen aussprechen: Probleme in
unserem Land oder in dem gesellschaftlichen
Denken sind sicher aus dem schnellen Tempo der
Wiedervereinigung, aus dem Druck zur Lösung von
Problemen und daraus, daß nicht genügend miteinander
gesprochen wird, entstanden. Aber vor der Mauer
und hinter der Mauer haben sich manchmal
Verhaltensweisen breitgemacht, die die persönliche
Verantwortung von der Freiheit abgekoppelt haben. So
wird eine Gesellschaft das nicht schaffen. Zu einem
freiheitlichen System gehört untrennbar verbunden
die zweite Seite der Medaille: die persönliche
Verantwortungsbereitschaft.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Die Menschen in unserer Gesellschaft koppeln -
man muß nach fünf Jahren sagen: das müssen wir
verändern - viele Problemlösungen von sich persön
lich ab, geben sie an große Solidargemeinschaften ab
und glauben, die Probleme kämen nie wieder in
Form von Kosten und Beitragslasten auf sie zurück.
Der Hang zum Handeln auf Kosten Dritter ist eine
gefährliche Strömung. Wir müssen den Menschen in
unserem Land sagen: Wenn ihr die Lösung eines
Problems wollt, wird das nicht ohne Kosten geschehen
können: entweder über direkte finanzielle Kosten
oder über soziale Kosten, die sich auf
Veränderungsbereitschaft und andere Verhaltensweisen beziehen.
Alles so weiterzumachen wie bisher und die
deutsche Einheit im Innern zu stärken wird so nicht
gelingen.
(Beifall bei der F.D.P.)
Deshalb muß man nach fünf Jahren darauf
hinweisen.
Im übrigen gibt es nicht nur die Bundesregierung.
Es sind viele Akteure in unserem Land in
Verantwortung. In einem freiheitlichen Rechtsstaat gibt es die
„balance of power": Wir haben Länder. Wir haben
eine Medienlandschaft. Wir haben Verbraucher und
Produzenten. Wir haben Tarifvertragsparteien. Eines
möchte ich nicht zulassen: daß sie alle die
Eigenverantwortung beiseite ziehen und den politischen
Lösungsdruck auf die Bundesregierung oder das
Parlament erhöhen.
(Christine Scheel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das verlangt doch keiner!)
Wer in einer Demokratie lebt und stolz darauf ist,
daß es in ihr verfassungsrechtliche Zuständigkeiten
für Land und Kommune gibt, wer sich stetig darüber
freut, daß die Tarifautonomie
Wesensgestaltungskraft in einem freien, marktwirtschaftlichen System
besitzt, der hat auch Verantwortung für das innere
Zusammenwachsen dieses Landes und kann sich
keinen schlanken Fuß machen und nur auf die
Bundesregierung verweisen.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Alle Akteure haben damit zu tun.
Ein Stück des Ärgers über Politik und dessen, was
wir an Verdrossenheit wahrnehmen, liegt auch
daran, daß allzu viele in unserer Gesellschaft alles
auf Bonn abladen, obwohl sie in der Gesellschaft
eigene Verantwortung wahrnehmen müßten, eigenes
Risiko eingehen müßten, eigenes Mißlingen
zugestehen müßten und eigene Vorschläge machen müßten.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU)
(Vorsitz : Vizepräsidentin Dr. Antje
Vollmer)
Der Kollege Schäuble hat darauf hingewiesen: Es
darf uns wirklich nicht der Blick auf die tatsächlichen
Probleme um uns herum verlorengehen. Unser
Zusammenwachsen, das wir in den nächsten Jahren
verstärken müssen, wird nicht erfolgreich sein, wenn
weiter ein Stück Armutsgrenze durch Europa
verläuft und wenn wir nicht Gesellschaften in den
mittel- und osteuropäischen Staaten beachten, die noch
nach europäischer Orientierung suchen.
Das heißt: Wir können uns nicht auf uns allein
besinnen; wir haben die Verpflichtung, den mittel- und
osteuropäischen Reformstaaten die Chance eines
Wegs nach Europa aufzuzeigen,
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordne
-
ten der CDU/CSU)
weil wir Deutsche unsere Rolle nicht dauerhaft und
stabil finden können, wenn wir nicht in Europa
eingebaut sind. Deshalb spreche ich diesen Punkt an
und danke ausdrücklich der Bundesregierung und
besonders Bundesaußenminister Kinkel für die tiefe
Überzeugung, daß dieser so verstandene deutsche
Weg mit dem Bundeskanzler der europäischen
Einbettung gegangen werden muß.
(Beifall bei der F.D.P. sowie der Abg. Mo
nika Brudlewsky [CDU/CSU])
Das innere Zusammenwachsen dieses Landes muß
europäisch gelingen. Es kann nicht auf den alten
Wegen, die in der Geschichte immer in Schwierigkeiten
geführt haben, funktionieren.
Meine Damen und Herren, unser Staat macht
Fehler; Politiker verschätzen sich; wir sind nicht
sakrosankt in allem, was wir tun. Was wir in diesem Land
nach fünf Jahren zustande bringen müssen, ist eine
nüchterne und aufgeklärte Bindung der Gesellschaft
an dieses Land, an diesen Staat. Wir müssen ein
Stück Verfassungspatriotismus erreichen, der das
innere Zusammenwirken - auch angesichts der
Umfragen, die Herr Scharping zitiert hat - auf solide
Grundlagen stellt.
Ein Staat wird nicht dauerhaft handlungsfähig
sein, eine D-Mark wird nicht dauerhaft stabil sein,
das innere Zusammenwachsen wird nicht dauerhaft
gelingen, wenn wir uns nicht zu einer gemeinsamen
Werbekampagne für die Grundlagen unseres
Staatswesens verabreden, und zwar in allen politischen
Gruppierungen und bei allen Begegnungen und im
Umgang mit allen Menschen.
(Beifall des Abg. Ulrich Irmer [F.D.P.])
Eine geschriebene Verfassung reicht nicht. Wenn
eine Gesellschaft ihre Verfassung nicht will und sie
nicht täglich lebt, dann wird die Verfassung
Probleme bekommen. Wir merken erste Anzeichen in
Aggressivität; wir merken erste Anzeichen bei
jungen Menschen, die Perspektivlosigkeit erleben.
Das zusammenwachsende Deutschland muß einen
natürlichen Verfassungspatriotismus entwickeln. Das
ist ein notwendiges Stück Identitätsfindung der
Deutschen in europäischer Einbindung.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Wir haben alle Chancen, mit einem schlankeren
Staat, mit einer nicht so großen Bürokratie, mit mehr
Privatisierung, mit volkswirtschaftlich klugen
Signalen für Arbeitsplätze, mit gemeinsamem
Gegensteuern gegen das Bedrohungsempfinden von
Menschen, mit Verzicht auf ideologische Grabenkämpfe
im Bildungs- und Qualifizierungssystem und mit dem
Wissen, daß wir in einer internationalen Gesellschaft
leben, darauf hinzuwirken.
Unser Land hat größere Chancen, als es sie je in
seiner Geschichte gehabt hat. Es befindet sich auf
besserem Weg, als wir noch vor fünf Jahren geglaubt
haben. Es liegt an uns und unseren
Renovierungskünsten im Denken, die Schwierigkeiten, die vor uns
stehen, zu beseitigen.
Auch wenn einige geglaubt haben, nur in den
neuen Ländern müsse neu begonnen werden, so
weiß doch jeder, daß das auch für die alten
Bundesländer gilt; alle sind gefordert. Die großen politischen
Veränderungen gehen an niemandem vorbei. Aber
sie werden nur bewältigt werden können, wenn sich
diese Gesellschaft auf drei Erfolgsstorys der
Bundesrepublik Deutschland besinnt: technische
Höchstleistungsfähigkeit des Landes, Marktwirtschaft und
Sozialkonsens sowie außenpolitische Bündnisfähigkeit.
Im Kern sind das die Gesichtspunkte, die das
vereinigte Deutschland und seine Gesellschaft leiten
sollten.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer: Das Wort hat
jetzt der Abgeordnete Gysi.
Dr. Gregor Gysi (PDS): Frau Präsidentin! Meine
Damen und Herren! Was ich befürchtet habe, Herr
Bundeskanzler, ist eingetroffen: Sie haben - ob nun
gut oder schlecht - auf jeden Fall die Rede eines
Bundespräsidenten gehalten. Es war ungeheuer
präsidial: Sie haben die Geschichte aus Ihrer Sicht
gewürdigt, haben sie dargestellt, haben Menschen gut
zugesprochen, haben viel Moral verbreitet. Das ist
typisch für einen Bundespräsidenten. Aber ein
Bundeskanzler hat eigentlich die Aufgabe, Probleme zu
benennen und Wege vorzuschlagen, wie man die
Probleme lösen könnte. Davon war in Ihrer Rede
wirklich nichts zu hören.
(Beifall bei der PDS)
Da das schon eine ganze Weile so geht, kann ich nur
empfehlen: Wenn Sie denn Bundespräsident werden
wollen, bewerben Sie sich um das Amt!
(Dr. Dagmar Enkelmann [PDS]: Um Gottes
willen!)
- Ich habe gesagt: „bewerben Sie sich um das Amt";
ich habe nicht gesagt, daß er gewählt wird. - Aber
als Regierung muß man sich den Problemen in dieser
Gesellschaft stellen.
Es ist ja richtig: Die deutsche Einheit hat ganz
unterschiedliche Veränderungen für die Menschen in
Ost und West nach sich gezogen. Ich glaube, es gibt
talsächlich eine kleine Gruppe in den neuen
Bundesländern, die nur einen Verlust an Lebensqualität
empfindet. Es gibt eine andere kleine Gruppe, die
nur einen Zugewinn an Lebensqualität empfindet.
Aber die große Mehrheit empfindet sowohl einen
Verlust als auch einen Zugewinn an Lebensqualität.
Diese Menschen sind nicht bereit, das miteinander
aufzurechnen, sondern sie wollen gerne, daß das
eine gelöst wird, auch wenn man das andere
würdigt.
Es ist hier viel über Freiheit, Demokratie und
Menschenrechte gesprochen worden. Auch wir haben
uns dazu erklärt, auch zu dem Zuwachs, den es
diesbezüglich gegeben hat. Sie haben die
Entwicklungen in der Infrastruktur hervorgehoben, auch das zu
Recht.
Aber Sie haben z. B. das Wo rt Arbeitslosigkeit in
Ihrer ganzen Rede nur ein einziges Mal benutzt. Das
ist, glaube ich, zuwenig, um die Problemlage in
unserer Gesellschaft darzustellen.
(Beifall bei der PDS)
In keinem Falle haben Sie das „Aber" mit
formuliert. Sie sprechen davon, daß ökologische
Umweltschäden im Osten beseitigt worden sind. Sie reden
aber nicht davon, wie das geschehen ist, in erster
Linie nämlich dadurch, daß deindustrialisiert worden
ist. Wenn Schornsteine nicht mehr rauchen, richten
sie natürlich auch keine ökologischen Schäden mehr
an.
(Beifall bei der PDS)
Mancher Rückschritt stellt sich nachträglich als
Fortschritt heraus. Wir haben uns in der DDR
immer darüber geärgert, daß wir nicht so viele Deo
-
Spraydosen und anderes haben. Dann stellte sich
heraus, daß der Mangel an FCKW gar nicht so
schlecht war. Manchmal ist ein Rückschritt auch
fortschrittlich.
(Widerspruch bei der CDU/CSU und der
F.D.P.)
Es gab übrigens auch andere umweltpolitische
Lösungen, die gar nicht so schlecht waren. Es tut mir
leid, Herr Schäuble: Die Sekundärrohstofferfassung
und -verwertung, die zwar aus ökonomischen
Gründen in der DDR entstanden ist, war ökologisch aber
durchaus vorteilhaft. Sie haben nicht einmal
hingesehen, sondern sie erst einmal beseitigt. Jetzt beginnen
Sie, sie ganz langsam wieder aufzubauen.
(Beifall bei der PDS)
Sie haben gesagt, die Schienenwege sind
verbessert worden. Das ist wahr. Aber wie viele Strecken
haben Sie stillgelegt? Die DDR hatte das
weitverzweigteste Schienennetz Europas.
(Michael Glos [CDU/CSU]: Aber das war
marode!)
Das war kein schlechter Anfang, wenn man die
Transporte von der Straße auf die Schiene verlagern
will. Doch Sie haben massenhaft Strecken stillgelegt,
nur weil sie sich in einem engen Sinne nicht rechnen.
Aber Ökologie rechnet sich nie in einem so engen
Sinne. Daran muß man volkswirtschaftlich anders
herangehen.
Wenn Sie immer von der Ineffizienz der
Planwirtschaft sprechen, dann ist das wahr. Aber wenn
Sie dabei zu erwähnen vergessen, daß natürlich
keine Volkswirtschaft, auch die der alten Bundes
republik Deutschland nicht, eine Aufwertung um
450 % verkraftet hätte und dieser Volkswirtschaft
damit der eigentliche Todesstoß versetzt worden
ist, ist das unehrlich. Sie müßten auch erwähnen,
daß selbstverständlich mögliche Konkurrenz
beseitigt wurde und daß wir deshalb eine verheerende
wirtschaftliche Situation in den neuen
Bundesländern haben, die die Eigenerwirtschaftung der
Mittel nicht zuläßt.
In der Regierungserklärung hat der
Bundeskanzler wieder darauf hingewiesen, daß insgesamt
schon 600 Milliarden DM von West nach Ost
geflossen sind. Er erwähnt nie die zweite Seite.
Warum eigentlich nicht? Abgesehen davon, daß
die Zahl nicht stimmt, weil es eine Bruttozahl ist
und dahinter lauter Zahlungen stehen, auf die ein
Rechtsanspruch besteht, z. B. Kindergeld - darauf
hat man in Bayern genauso einen Rechtsanspruch
wie in Mecklenburg-Vorpommern. Warum wird es
eigentlich immer den einen vorgerechnet und den
anderen nicht? -, glaube ich: Dahinter steckt eine
Spaltungsabsicht; denn man redet den
Westdeutschen permanent ein, wie teuer die Ostdeutschen
sind. Es wird nie mit erwähnt, daß es einen
riesigen Vermögenstransfer von Ost nach West
gegeben hat. Wem gehören denn heute die Immobilien,
die Banken, die Versicherungen, die Einrichtungen
und Betriebe der ehemaligen DDR?
(Beifall bei der PDS)
Das muß man doch wohl hinzufügen. Im übrigen hat
man sie zum Teil, wie Werner Schulz sagte, für 'nen
Appel und 'n Ei erworben.
Der Bundeskanzler hat hier erklärt: Gewinner der
Einheit sind vor allem die Rentnerinnen und
Rentner. - Das ist schon ein bemerkenswe rter Satz,
vergißt er doch, ein paar andere Gewinner zu erwähnen,
z. B. die Banken und Versicherungen, die nämlich für
wenige Millionen ganze Einrichtungen erworben
haben und deren Forderungen dazu und die jetzt die
Altschulden geltend machen, mit denen sie
überhaupt nichts zu tun hatten, die sie nie finanziert
haben und die allein zu ihrem Wohle sozusagen im
Gesetzeswerk dieser Bundesrepublik Deutschland
bleiben, obwohl sie Betriebe, Genossenschaften,
Mieterinnen/Mieter und jetzt auch noch die
Kommunen ruinieren. Das ist wirklich ein Skandal. Das sind
die Gewinner der Einheit. Warum erwähnen Sie die
nie mit? Warum immer nur die Rentnerinnen und
Rentner?
Und dann muß ich Ihnen sagen: So pauschal
stimmt das auch nicht. Es gibt Rentnerinnen und
Rentner, denen es besser geht. Aber vergessen wir
eines nicht: Die meisten von ihnen haben keine
Sparguthaben, weil wir keine Vermögensbildung hatten.
Das ist wahr.
(Zuruf von der CDU/CSU)
- Aber Sie haben die Sparguthaben der
Rentnerinnen und Rentner zum größten Teil halbiert und
haben ihnen im Vertrag über die Wirtschafts-,
Währungs- und Sozialunion und im Einigungsvertrag
versprochen, daß sie verbriefte Anteilsscheine
bekommen, z. B. für ihre Wohnung oder sonstiges. Wo
bleiben denn diese verbrieften Anteilsscheine? Das war
eines Ihrer ganz typischen leeren Versprechen.
(Beifall bei der PDS)
Dann gibt es Rentnerinnen und Rentner, die in der
DDR eine lächerliche Mindestrente bekamen. Das ist
wahr. Die bekommen sie jetzt weiter und keinen Sou
dazu. Sie haben verbindlich geregelt, daß es keine
Dynamisierung dieser Mindestrenten gibt. Damit
haben Sie die Rentnerinnen und Rentner zu
dauerhafter Armut verurteilt.
Und Sie haben nicht nur das Strafrecht im
Rentenrecht eingeführt, sondern Sie haben darüber hinaus
mit Auffüllbeträgen operiert und festgelegt - das
verschweigen Sie natürlich -, daß ab 1. Januar 1996 - da
werden sich Hunderttausende in den neuen
Bundesländern umsehen - diese Auffüllbeträge in dem
Maße gekürzt werden, in dem die Renten erhöht
werden. Das heißt, über Jahre ändert sich an deren
finanzieller Situation überhaupt nichts, obwohl es
eine Teuerung der Lebensverhältnisse gibt.
Sie haben natürlich über ein Problem auch nicht
gesprochen - sehr absichtsvoll -, nämlich über das
Problem der Gleichstellung der Geschlechter. Die
Situation der Frauen in der DDR war durchaus
dadurch gekennzeichnet, daß auch wir ein Patriarchat
hatten. Aber es gab schon Rahmenbedingungen, um
sich darin besser zurechtzufinden als in der
westdeutschen Gesellschaft. Dazu gehörte z. B. die F ri
-stenregelung beim Schwangerschaftsabbruch, dazu
gehörte aber auch der Fakt der sozialen
Unabhängigkeit dadurch, daß über 90 % der Frauen
erwerbstätig waren. Heute stellen sie den größten Teil des
Arbeitslosenheeres dar. Deshalb sagen Sie zu dieser
Problematik keinen einzigen Satz. Das wäre aber
ganz wichtig gewesen, um einmal zu erklären, wie
Sie Arbeitslosigkeit und Altersarmut, die zum großen
Teil weiblich ist, beseitigen, überwinden wollen.
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer: Herr Kollege
Gysi, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen
Häfner?
Dr. Gregor Gysi (PDS): Ja.
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer: Bitte.
Gerald Häfner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr
Kollege Gysi, da Sie gerade von Altersarmut
sprechen, da Sie die Lage der Rentnerinnen und Rentner
zu Recht beklagt haben und da Sie sich über das
verbreitete Abkassieren zu Recht erregt haben, möchte
ich Sie jetzt fragen, wie Sie das Verhalten Ihres
Noch-Fraktionskollegen - oder besser: ehemaligen? -
Heym beurteilen, der sich in den Deutschen
Bundestag hat wählen lassen, danach für diese Arbeit nur
äußerst sporadisch zur Verfügung gestanden hat
(Widerspruch bei der PDS)
und der dann dieser Tage erklärt hat, er wolle nicht
zu den Abkassierern gehören, den Raubzug in der
Diätenfrage gegeißelt und seinen Rücktritt als
Bundestagsabgeordneter erklärt hat, nun aber diesen
Rücktritt nicht vollzieht, weil er wartet, bis er so die
Anwartschaft für die Übergangsgelder erreicht hat,
um sich dann Zigtausende einzustecken,
abzukassieren und nach diesem Raubzug nach Berlin
zurückzukehren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Dr. Gregor Gysi (PDS): Herr Abgeordneter, zu
dieser Frage will ich gern Stellung nehmen.
Erstens war der eigentliche Gegenkandidat von
Stefan Heym nicht Wolfgang Thierse, sondern Herr
Dregger. Es haben sich die Berlinerinnen und
Berliner in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg sehr wohl
und sehr bewußt für Herrn Heym entschieden und
dafür, daß dieser den 13. Deutschen Bundestag
eröffnet. Das hat er mit einer sehr guten Rede getan,
(Beifall bei der PDS - Widerspruch bei der
CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN und der F.D.P. sowie bei
Abgeordneten der SPD)
bei der Sie sich so insouverän wie immer erwiesen
haben.
(Gerald Häfner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Herr Heym hat doch den
Wählerauftrag gar nicht erfüllt! Er hat doch die
Wähler verraten, die ihn gewählt haben! Das ist
ja lächerlich! - Weitere Zurufe vom BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und der CDU/CSU)
- Schreien Sie doch nicht so! Ich komme ja zu Ihrer
Frage.
Zweitens war er in diese
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Allgemeines Magnetschwebebahngesetz (AMbG) (G-SIG: 13020272) (Beratung)
- part_of_vorgang → Altschulden ostdeutscher Gemeinden auf gesellschaftliche Einrichtungen (G-SIG: 13010959) (Beratung)
- part_of_vorgang → Änderung des Bundesberggesetzes (G-SIG: 13010920) (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Aufbau Ost - Die zweite Hälfte des Weges - Stand und Perspektiven - Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung in den neuen Ländern (G-SIG: (Beratung)
- part_of_vorgang → Bericht der Bundesregierung zum Stand der EG-Harmonisierung des Exportkontrollrechts für Güter und Technologien mit doppeltem Verwendungszwe (Beratung)
- part_of_vorgang → Bestandsaufnahme des Vermögens der DDR (G-SIG: 13010656) (Beratung)
- part_of_vorgang → Die Notwendigkeit von ökologischen Kinderrechten; Gefährdung von Kindern durch Umweltgifte (G-SIG: 13010957) (Beschlussempfehlung und Bericht)
- part_of_vorgang → Entwicklung einer Friedensordnung für das ehemalige Jugoslawien unter Einbeziehung der Russischen Föderation (G-SIG: 13052702) (Schriftliche Antwort)
- part_of_vorgang → Entwicklung und Stand der Arbeitszeitflexibilisierung in Deutschland (G-SIG: 13010484) (Beratung)
- part_of_vorgang → Entwurf eines Verfahrensgesetzes zu Artikel 44 des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republ (Beratung)
- part_of_vorgang → Flexiblere Gestaltung der Förderprogramme (G-SIG: 13010645) (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Fünf Jahre deutsche Einheit (G-SIG: 13000594) (Beratung)
- part_of_vorgang → Geänderter Vorschlag für eine Verordnung (EG) des Rates über ein Gemeinschaftsprogramm zur finanziellen Unterstützung der Förderung europäis (Beratung)
- part_of_vorgang → Geschäftsordnungsantrag der Fraktion der SPD auf Herbeirufung des Bundesministers für Wirtschaft, Dr. Günter Rexrodt (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Gesetz über das Bundeskriminalamt und die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in kriminalpolizeilichen Angelegenheiten (Bundeskriminala (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zu dem Abkommen vom 15. März 1994 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Litauen über die gegenseitige Hilfeleistun (2. Beratung und Schlussabstimmung)
- part_of_vorgang → Gesetz zu dem Vertrag vom 20. April 1993 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Lettland über die Förderung und den gegens (2. Beratung und Schlussabstimmung)
- part_of_vorgang → Gesetz zu dem Vertrag vom 24. September 1992 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jamaika über die gegenseitige Förderung und den Sch (2. Beratung und Schlussabstimmung)
- part_of_vorgang → Gesetz zu dem Vertrag vom 2. April 1993 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Belarus über die Förderung und den gegensei (2. Beratung und Schlussabstimmung)
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schutz der Mieter von Geschäftsraum in den Ländern Berlin und Brandenburg (G-SIG: 13020013) (Beratung über Bericht gemäß § 62 Abs. 2 Geschäftsordnung BT)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur sozialen Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit (G-SIG: 13020205) (Geschäftsordnungsantrag auf Absetzung von der TO)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Feststellung des Bedarfs von Magnetschwebebahnen (Magnetschwebebahnbedarfsgesetz - MsbG) (G-SIG: 13020269) (Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Gleichstellung der Beschäftigten des Bundes mit den Beschäftigten des Landes im Land Berlin (G-SIG: 13020171) (Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur grundlegenden Korrektur des Renten-Überleitungsgesetzes (Rentenüberleitungs-Korrekturgesetz - Rü-KG) (G-SIG: 13020078) (Beratung über Bericht gemäß § 62 Abs. 2 Geschäftsordnung BT)
- part_of_vorgang → Gesetz zur teilweisen Erstattung des bei der Währungsunion 1990 2:1 reduzierten Betrages vorerst für ältere Bürgerinnen und Bürger sowie All (Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Verbesserung des Schutzes der Nutzer und zur weiteren Erleichterung von Investitionen in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages (Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Verlängerung des besonderen Kündigungsschutzes in den neuen Bundesländern (G-SIG: 13020279) (Beratung)
- part_of_vorgang → Handlungsrahmen der Bundesregierung für eine Initiative zum kosten- und flächensparenden Bauen (G-SIG: 13000541) (Beratung)
- part_of_vorgang → Humanitäre Geste für die Opfer des NS-Unrechts in den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland (G-SIG: 13010467) (Beschlussempfehlung und Bericht)
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- part_of_vorgang → Prüfung von Alternativen zur Magnetschwebebahn (G-SIG: 13010953) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 63 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000558) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 64 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000559) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 65 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000560) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 66 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000561) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 67 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000562) (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 68 des Petitionsausschusses (2.Ausschuß) über Anträge zu Petitionen (G-SIG: 13000563) (Beratung)
- part_of_vorgang → Stopp der Vorbereitungsmaßnahmen für den Transrapid und Planung einer ICE-Verbindung Hamburg-Berlin (G-SIG: 13010956) (Beratung)
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- part_of_vorgang → Verbesserungen bei der Rehabilitierung von SED-Unrecht über die Verlängerung von Antragsfristen hinaus (G-SIG: 13010907) (Beratung)
- part_of_vorgang → Verbot der Rüstungsexporte und Konversion der Rüstungsindustrie (G-SIG: 13010222) (Beratung)
- part_of_vorgang → Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof zur Frage der völkerrechtlichen Legalität des Einsatzes oder der Androhung des Einsatzes von (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Vorschlag einer Verordnung (EG) des Rates über ein Gemeinschaftsprogramm zur finanziellen Unterstützung der Förderung europäischer Energiete (Beratung)
- part_of_vorgang → Zusage der deutschen Kreditwirtschaft "zusätzlich eine Milliarde DM in den Privatisierungsprozeß von sanierungsfähigen Unternehmen der Treuh (Beratung)
- part_of_vorgang → Zweites Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches, der Strafprozeßordnung und des Versammlungsgesetzes und zur Ein (1. Beratung)
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