Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9482
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 3 a: Drucksache 16/9482 –.
Text
Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9482
Herr Kollege Wissing, wie Sie wissen, sind die
Grünen der Auffassung, dass die Hartz-IV-Regelsätze auf
420 Euro erhöht werden sollten
(Frank Schäffler [FDP]: Na ja! Mal so, mal
so!)
und die Regelsätze für Kinder neu justiert werden
müssen. Die Sozialminister aller Bundesländer haben
bestätigt, dass dieser Schritt angebracht wäre. Wenn man das
tut, muss man natürlich auch das steuerfreie
Existenzminimum erhöhen. Dieser Vorschlag wird von unserer
Seite unterstützt.
Wir können den Leuten in der aktuellen Situation und
angesichts der gigantischen Staatsverschuldung aber
nicht versprechen, dass wir den Steuertarif insgesamt
senken, wie Sie es vorgeschlagen haben. Dafür ist jetzt
der falsche Zeitpunkt. Jetzt muss man die Dinge tun, die
jetzt anstehen, um den Leuten zu helfen, die jetzt
Unterstützung brauchen. Deswegen müssen wir sowohl die
Hartz-IV-Sätze als auch die unteren Einkommen in den
Blick nehmen. Von einer Erhöhung des steuerfreien
Existenzminimums, Herr Wissing, hätten sogar alle
etwas. Hinzu käme, dass sehr viele Menschen dann nicht
mehr steuerlich belastet würden. Auch das würde
insgesamt zur Vereinfachung beitragen.
Das wäre die richtige Antwort. Das gilt aber nicht für
das Steuerprogramm, das die FDP vorgeschlagen hat.
(Dr. Volker Wissing [FDP]: Sie haben es
wirklich nicht verstanden!)
Für uns ist es wichtig, dass wir in die Zukunft
investieren. Für uns ist es wichtig, dass wir Regelungen
treffen, die Anreize zu mehr Klimaschutz und zur
Einsparung von Energie geben. Auch die Einsparung von
Energie ist ein gutes Investitionsprogramm; denn das hat
zur Folge, dass die Bürger und die Unternehmen in
Zukunft geringere Kosten haben. Wir müssen Schritte in
diese Richtung unternehmen.
Darüber hinaus treten wir Grüne für ein Green-Car-
Konzept ein;
(Rainer Brüderle [FDP]: Oh! Das ist ja
interessant!)
das wissen Sie. Das würde eine ökologische
Innovationskraft entfalten, mit der für die Automobilindustrie
neue Märkte erschlossen werden können. Auch das geht
in die richtige Richtung. Das heißt: Wir müssen den
technologischen Wandel fördern. Wir müssen
umweltverträgliche Automobile so schnell wie möglich auf die
Straße bringen und dürfen nicht das tun, was diese
Große Koalition vorgeschlagen hat und heute mit diesem
Gesetz verabschieden wird, nämlich CO2-Schleudern
auch noch von der Kfz-Steuer zu befreien. Das ist, wie
gesagt, die falsche Antwort.
Es gibt viele gute Ideen. Die Grünen haben diese
Ideen vorgetragen. Wir gehen davon aus, dass wir diese
in der Zukunft weiter diskutieren werden. Das werden
wir wohl machen, wenn die Regierung im Herbst des
nächsten Jahres wechselt. Dann haben wir vielleicht die
Chance, diese Ideen umzusetzen, und zwar sofort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Ich gebe dem Kollegen Philipp Mißfelder, CDU/
CSU-Fraktion, das Wort.