Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2520
Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 6: Drucksache 16/2520 –.
Text
Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2520
Ich bin bereit, das zu würdigen. Sie haben mich nach
der Weltmarktsituation gefragt und Vergleiche mit dem
Dollar angestellt. Dazu will ich sagen: Die Bedeutung
Christine Scheeldes Dollars für unseren Wirtschaftsraum ist bei weitem
nicht mehr so groß, wie es beispielsweise vor zehn oder
20 Jahren der Fall war, weil sich unsere
Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern verändert haben. Die
damit verbundenen Risiken wirken sich auf uns, was den
Handel anbelangt, bei weitem nicht mehr so stark aus,
wie es vor vielen Jahren der Fall war.
Da Sie so schön stehen, gebe ich Ihnen noch eine
andere Antwort. Sie haben vorhin die konjunkturelle
Situation in Schweden angesprochen.
(Ute Kumpf [SPD]: Das hat er gar nicht
gefragt! Sie nutzt einfach die Zeit!)
Dazu möchte ich Ihnen klar sagen: In Schweden
finanzieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das
hohe Steueraufkommen. Die Kapitaleinkünfte werden
aufgrund der Tatsache, dass Kapital sehr flüchtig ist, was
die Schweden zu Recht erkannt haben, mit einer sehr
geringen Abgeltungsteuer bedacht.
Ich finde, man kann nicht immer bei bestimmten
Ländern das herausziehen, was einem gefällt, und alles
andere, was dort vonstatten geht, nicht zur Kenntnis
nehmen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Sie müssen, wenn Sie schon einen Vergleich mit dem
skandinavischen Raum anstellen, auch die andere Seite
der Medaille sehen und nicht immer nur das, was Ihnen
passt.
(Dr. Herbert Schui [DIE LINKE]: Was ich
jetzt sagen will, kann ich leider nicht in einer
Frage formulieren!)
– Ja, das kann ich mir vorstellen.
(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
Ich wollte noch einmal kurz auf das Stimmenchaos in
der großen Koalition eingehen. Wir sehen: Wenn es um
Steuererhöhungen geht, ist sich die große Koalition sehr
schnell einig. Wenn es darum geht, strukturelle
Veränderungen vorzunehmen, kommen Sie nur millimeterweise
voran, wenn Sie nicht sogar ein Stück zurückfallen.
Wenn man sich die wirtschaftliche Entwicklung
ansieht, erkennt man, dass sie nicht wegen, sondern trotz
der großen Koalition so gut ist.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der FDP)
Das muss man in diesem Kontext deutlich sagen. Trotz
Ihrer verkorksten Politik haben Sie der Wirtschaft zum
Glück nicht geschadet. Diese Perspektive sollte man zur
Kenntnis nehmen.
Ich finde, dass die Diskussion, die über die
Beteiligung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen
am Produktivkapital geführt wird, bei den
Tarifparteien anzusiedeln ist.
(Frank Schäffler [FDP]: Bei den
Unternehmen!)Politik kann Rahmenbedingungen setzen. Sie kann auch
vieles andere tun. Aber generell ist es so, dass Sie sich
Themen zu Eigen machen, die Sie gar nicht unbedingt
auf der politischen Ebene zu lösen haben, sondern die an
anderer Stelle gelöst werden müssen. Über sie wird an
anderer Stelle diskutiert und dort werden sie
angegangen.
Letztendlich kann man sagen, dass wir Grüne sehr
gute Vorschläge gemacht haben zur
Haushaltskonsolidierung, zum Abbau der Neuverschuldung und zu
Einsparungen im Haushalt. Hier sitzt Frau Hajduk, die die
große Koalition mit 350 Anträgen im
Haushaltsausschuss malträtiert – das ist positiv gemeint – und
Vorschläge gemacht hat. Wir haben zu den sozialen
Sicherungssystemen Vorschläge gemacht.
(Dr. Volker Wissing [FDP]: Stimmen Sie dem
Antrag zu?)
Wir hätten auf die Mehrwertsteuererhöhung verzichten
können. Aber wenn man sie schon macht, dann sollte
man die Mittel sinnvoll verwenden und nicht so, dass sie
versacken.
(Frank Schäffler [FDP]: Was machen die
Grünen?)
Wir befürchten, dass das der Fall sein wird.
Danke schön.