Rede von Dr. Rainer Stinner (FDP) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Dr. Rainer Stinner (FDP) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Vielen Dank, lieber Herr Weisskirchen. – Sehr
geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Weisskirchen, Sie haben
für mich kryptisch gesprochen. Deshalb frage ich Sie
ganz konkret: War nach Ihrer Einschätzung des Kosovo
der Ahtisaari-Prozess falsch, war der Troika-Prozess
falsch, und was hätten wir im Lichte der Erfahrung, die
wir jetzt mit Georgien gemacht haben, im Kosovo
anders machen sollen?
Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD):
Das möchte ich Ihnen gerne beantworten. – Das war
gar nicht kryptisch. Wenn Sie zu dem entsprechenden
Zeitpunkt im Ausschuss gewesen wären, dann wüssten
Sie – der Kollege Hoyer weiß das –, was ich gesagt
habe, auch zu Dan Fried, mit dem ich an diesem Punkt
eine offene und harte Kontroverse ausgetragen habe.
Warum haben wir nicht die Chance genutzt, die
Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrats wenigstens
noch etwas länger als präsent wirken zu lassen? Warum
kann man nicht mehr auf Zeit spielen und Zeit
gewinnen, wenn es darauf ankommt, um dadurch vielleicht
dazu beizutragen, Konflikte nicht explodieren zu lassen?
Lieber Herr Stinner, ich sage Ihnen ganz offen: Ich bin
dafür, lieber Zeit zu gewinnen und damit die Probleme
möglicherweise nicht wirklich zu lösen; das gebe ich ja
zu.
Ist denn das Problem Kosovo gelöst? Schauen Sie
sich doch einmal an, wie im Kosovo gegenwärtig gegen
EULEX demonstriert wird.
(Marieluise Beck [Bremen] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Das hat die Regierung
gestern aber anders gesehen!)
– Liebe Kollegin Beck, ich halte es geradezu für absurd,
dass man sich innerhalb des Kosovo gegen die
Friedensbemühungen auflehnt, die die Europäische Union in der
Region unternimmt.
Lieber Kollege Stinner, das soll ja nur heißen: Man
kann sich manchmal auch überlegen, unvollkommene
Prozesse etwas länger laufen zu lassen, wenn damit ver-mieden wird, dass man von Russland an diesem Punkt
möglicherweise kritisiert werden kann. Ich glaube nicht,
dass Russland in diesem Punkt recht hat; das habe ich
auch gesagt. Leider gibt es aber in Russland solche
Kräfte, die das tun. Ich halte das für falsch und hoffe,
dass wir aus solchen Konflikten für künftige
Entscheidungen besser lernen können.
– Bitte schön.