Rede von Ina Lenke (FDP) – Drucksache 16/11192
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Drucksache 16/11192 –.
Text
Rede von Ina Lenke (FDP) – Drucksache 16/11192
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit
einem Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen
auf dem viertletzten Platz. Gerade in Berufen, in denen
Frauen überproportional vertreten sind, zum Beispiel bei
haushaltsnahen Dienstleistungen und im
Gesundheitswesen, ist der Abstand der Gehälter besonders groß.
Faktoren, die das Lohngefälle stark beeinflussen, sind
Bildungsstand, Branchenzugehörigkeit, Alter der
erwerbstätigen Frauen, das Verhältnis von Vollzeit zu
Teilzeit sowie die immer noch verbreitete öffentliche
Meinung, dass die Kindererziehung und -betreuung
Hauptaufgabe von Frauen sei.
Gerade bei alleinerziehenden Frauen ist die
Arbeitslosigkeit immer noch zu hoch. Das wird sich hoffentlich
ändern, wenn auch in den alten Bundesländern Betreuung
zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr von
Kommunen, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und endlich auch zuZu Protokoll gegebene Reden
gleichen Bedingungen von privatwirtschaftlichen
Trägern bereitgestellt wird.
Im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen –
gerade in Privathaushalten – ist Schwarzarbeit auf beiden
Seiten zu finden: bei den Arbeitgeberinnen und denen, die
diese Arbeit ausführen, und das sind auf beiden Seiten in
der Mehrzahl Frauen. Hier ist politische
Aufklärungsarbeit zu leisten: Keine Altersversorgung ohne
Rentenversicherungsbeiträge und mangelnde Absicherung bei
Unfällen sind unter anderem die negativen Folgen.
In Deutschland ist die Erwerbstätigenquote weiter
angestiegen, die weibliche Teilzeitquote aber auch. Im
öffentlichen Dienst hat die starke politische Unterstützung
der Teilzeit, die doch gerade Männer zu mehr Teilzeit für
Familienarbeit animieren sollte, zum gegenteiligen Effekt
geführt: Die Teilzeitquote der Frauen im öffentlichen
Dienst hat sich erhöht! Hier wird deutlich, dass gut
gemeint nicht gleich gut gemacht ist.
Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände sieht
die Lohnungleichheit in der häufigen
Berufsunterbrechung von Frauen wegen familiärer Verpflichtungen. Das
ist interessant. Denn das europäische Förderprogramm
für mehr Betreuungsplätze in Betriebskitas ist von der
Wirtschaft nicht angenommen worden. Das ist meines
Erachtens ein Versäumnis der Wirtschaftsverbände, die
sicher im Vorfeld die Chance hatten, ein praktikables,
nachhaltiges Konzept mit in dieses Förderprogramm
einzubringen.
Die „Süddeutsche Zeitung“ titelte: „Millionen, die
keiner will.“ 150 Millionen Euro sind im Fördertopf.
15 000 Betreuungsplätze können mit diesem Geld
geschaffen werden. Aber nur 13 Unternehmen erhielten
bisher staatliche Mittel. Über tausend Firmen haben sich
danach erkundigt, aber nur 13 Unternehmen nutzten das
Förderprogramm. Bislang haben die Arbeitgeber und
Arbeitgeberinnen aus nicht bekannten Gründen die
Chance nicht ergriffen, ihr Unternehmen mit einer
Betriebskita familienfreundlicher zu gestalten. Hier
hätten Frauen die familienbedingte Lücke, die von den
Unternehmerverbänden so bedauert wird, schließen
können.
Die FDP fordert in ihrem Antrag die Bundesregierung
unter anderem auf, das Elterngeldgesetz zu überprüfen,
um gemeinsame Teilzeit-Elternzeit 14 Monate
zuzulassen, mit der Wirtschaft Modelle für den
familienfreundlicheren Arbeitsalltag zu erarbeiten, mit den
Sozialpartnern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sich für
eine Verdienststrukturerhebung und Überprüfung von
Stellenbeschreibungen ein- und dies dann auch
umzusetzen. Es müssen endlich Verfahren der Arbeitsbewertung
mit Blick auf die Auswirkungen auf Entgeltgleichheit
überprüft werden. Vorhandene Studien zur
Entgeltgleichheit sollen ausgewertet, die Ergebnisse zusammengeführt
und die Ursachen der Lohnungleichheit erfasst werden,
um breite Analysestrategien zur Beseitigung der
Lohnungleichheit zu ermitteln. Dazu erhalten Sie von der FDP