Protokoll der 25. Sitzung des 8. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 25. Sitzung des 8. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 8/25
Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
25. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 5. Mai 1977
Inhalt:
Nachruf auf den früheren Bundesminister
für Wirtschaft und Bundeskanzler Prof. Dr
Ludwig Erhard 1673 A
Nachruf auf den Abg. Spillecke 1723 B
Glückwünsche zum Geburtstag des Abg
Scheu 1673 D
Erweiterung der Tagesordnung 1674 A
Abwicklung der Tagesordnung 1737 C
Amtliche Mitteilung ohne Verlesung . . 1674 A
Erste Beratung des von der Fraktion der
CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Beschleunigung strafrechtlicher
Verfahren
— Drucksache 8/323 —
in Verbindung mit
Erste Beratung des von der Fraktion der
CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines Ge
-
setzes zur Bekämpfung von Terrorismus
und Gewaltkriminalität sowie zum Schutz
des inneren Friedens
— Drucksache 8/322 —
Vogel (Ennepetal) CDU/CSU 1674 B
Dürr SPD 1680 D
Engelhard FDP 1684 B
Dr. Vogel, Bundesminister BMJ 1688 A
Dr. Merk, Staatsminister des Freistaates
Bayern 1692 B
Dr. Hirsch, Minister des Landes Nordrhein-
Westfalen 1696 D
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU . . 1700 A
Kleinert FDP 1723 C
Pensky SPD 1725 D
Dr. Eyrich CDU/CSU 1729 D
Dr. Emmerlich SPD . . . . . . . . 1733 C
Wolfgramm (Göttingen) FDP . . . . . 1736 A
Beratung des Antrags der Fraktionen der
CDU/CSU, SPD, FDP
Enquete-Kommission Frau und Gesellschaft
— Drucksache 8/305 —
Frau Schleicher CDU/CSU . . . . . . . 1737 D
Frau Dr. Timm SPD 1741 A
Eimer (Fürth) FDP 1743 A
Frau Huber, Bundesminister BMJFG . . 1744 D
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
über die Zeitbestimmung (Zeitgesetz)
— Drucksache 8/258 —
von Schoeler, Parl. Staatssekretär BMI . . 1745 D
Broll CDU/CSU . . . . . . . .. . . 1746 D
Frau Dr. Hartenstein SPD 1748 D
Wolfgramm (Göttingen) FDP 1750 B
Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr
Dollinger, Dr. Schulte (Schwäbisch Gmünd),
Straßmeir, Dr. Luda, Tillmann, Dreyer, Frau
Hoffmann (Hoya), Milz, Dr. Riedl
(München), Regenspurger, Biechele, Dr. Jobst
und der Fraktion der CDU/CSU
Telefon-Nahbereiche ohne Zeittakt
— Drucksache 8/308 —
in Verbindung mit
Antrag der Abgeordneten Mahne, Wuttke,
Stahl (Kempen), Topmann, 011esch, Hoffie
und der Fraktionen der SPD, FDP
Versuchsbetrieb in Telefon-Nahbereichen
Drucksache 8/342 —
Dr. Dollinger CDU/CSU . . . . . . . 1751 B
Wuttke SPD 1754 B
Hoffie FDP 1756 B
Zweite Beratung und Schlußabstimmung
des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Ü
bereinkommen vom 30. August 1961 zur
Verminderung der Staatenlosigkeit und zu dem
Übereinkommen vom 13. September 1973
zur Verringerung der Fälle von
Staatenlosigkeit
— Drucksache 8/12 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Innenausschusses
— Drucksache 8/320 — 1760 A
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Ausführungsgesetzes zu dem
Übereinkommen vom 30. August 1961 zur
Verminderung der Staatenlosigkeit und zu dem
Übereinkommen vom 13. September 1973 zur
Verringerung der Fälle von
Staatenlosigkeit (Gesetz zur Verminderung der
Staatenlosigkeit)
— Drucksache 8/13 —
Beschlußempfehlung und Bericht des
Innenausschusses
— Drucksache 8/321 — . 1760 B
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Abkommen vom 28. Juni 1976
zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und dem Königreich Schweden über
Leistungen für Arbeitslose
— Drucksache 8/259 — . . . . . . . . 1760 C
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Zusatzabkommen vom 8. Juli 1976
zu dem Abkommen vom 29. Juni 1973
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
der Sozialistischen Republik Rumänien über
Sozialversicherung
— Drucksache 8/260 — 1760 C
Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Internationalen
Kakaoübereinkommen von 1975
— Drucksache 8/272 — 1760 C
Beratung der Sammelübersicht 2 des Peti
-
tionsausschusses über Anträge zu Petitionen
— Drucksache 8/298 —
Braun CDU/CSU 1760 D
Beratung der Ubersicht 1 des
Rechtsausschusses über die dem Deutschen
Bundestag zugeleiteten Streitsachen vor dem
Bundesverfassungsgericht
— Drucksache 8/283 — 1763 C
Beratung des Antrags des Bundesministers
der Finanzen
Entlastung der Bundesregierung wegen der
Haushaltsrechnung und
Vermögensrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 1975
(Jahresrechnung 1975)
Drucksache 8/116 — 1763 C
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Jugend,
Familie und Gesundheit zu der Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur
Festsetzung spezifischer Reinheitskriterien
für Stoffe mit antioxydierender Wirkung,
die in Lebensmitteln verwendet werden
dürfen
— Drucksachen 7/5901, 8/241 — . . . . 1763 D
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Finanzausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag für eine Richtlinie des Rates über
die gegenseitige Amtshilfe zwischen den
zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten im
Bereich der direkten Steuern
— Drucksachen 7/5081, 8/281 — 1763 D
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Haushaltsausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag einer Verordnung (EWG) des
Rates über die Verbuchung des Betrages,
der aus der Anwendung unterschiedlicher
Umrechnungskurse bei den Ausgaben des
EAGFL, Abteilung Garantie, entsteht, im
Haushaltsplan der Europäischen
Gemeinschaf ten
— Drucksachen 7/5906, 8/299 — . . . . . 1763 D
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Haushaltsausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag einer Haushaltsordnung zur
Änderung der Haushaltsordnung vom 25. April
1973 für den Gesamthaushaltsplan der
Europäischen Gemeinschaften
— Drucksachen 8/26, 8/300 — 1764 A
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Haushaltsausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag einer Verordnung (EWG,
Euratom, EGKS) des Rates zur Anpassung bzw.
Änderung der Verordnung 2/71 zur
Durchführung des Beschlusses vom 21. April 1970
über die Ersetzung der Finanzbeiträge der
Mitgliedstaaten durch eigene Mittel der
Gemeinschaften
— Drucksachen 7/5519, 8/301 — 1764 A
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Haushaltsausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag einer Verordnung (EGKS, EWG,
Euratom) des Rates zur Ä nderung der
Haushaltsordnung vom 25. April 1973 für den
Gesamthaushaltsplan der Europäischen
Gemeinschaften
— Drucksachen 7/5745, 8/302 — 1764 B
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Haushaltsausschusses zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung
Vorschlag einer Verordnung (EGKS, EWG,
Euratom) des Rates über die Verwendung
der Europäischen Rechnungseinheit (ERE)
in den Rechtsakten der Organe der
Europäischen Gemeinschaften
— Drucksachen 7/5846, 8/303 — . . . . . 1764 B
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Arbeit und
Sozialordnung zu der Unterrichtung durch die
Bundesregierung
Vorschlag einer Richtlinie des Rates zur
Angleichung der Rechts- und
Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den
Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern, die
beruflich Vinylchloridmonomer ausgesetzt sind
— Drucksachen 7/5931, 8/307 — ..... 1764 C
Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft zu
der von der Bundesregierung beschlossenen
Verordnung zur Änderung des Deutschen
Teil-Zolltarifs (Nr. 10/76 Zollkontingente
für Walzdraht und Elektrobleche — 2.
Halbjahr 1976)
Verordnung zur Ä nderung des Deutschen
Teil-Zolltarifs (Nr. 12/76 Besondere
Zollsätze gegenüber Portugal — EGKS)
Verordnung zur Änderung des Deutschen
Teil-Zolltarifs (Nr. 13/76 Besondere
Zollsätze gegenüber Algerien, Marokko und
Tunesien — EGKS)
— Drucksachen 8/148, 8/149, 8/150, 8/309 — 1764 C
Fragestunde
— Drucksache 8/328 vom 29. 04. 1977 —
Informationspolitik der Bundesregierung
gegenüber Abgeordneten der Opposition
im Vergleich zu Abgeordneten der Koalition
MdlAnfr Al24 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU
Antw StSekr Bölling BPA 1704 B, C, D,
1705 A, B, C, D
ZusFr Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU . . . 1704 C
ZusFr Dr. Hammans CDU/CSU 1704 D
ZusFr Dr. Corterier SPD . . . . . . 1705 A
ZusFr Bühler (Bruchsal) CDU/CSU . . . 1705 A
ZusFr Dr. Nothhelfer CDU/CSU . . . . 1705 B
ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU 1705 C
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 1705 D
Gefahren der politischen Zusammenarbeit
mit den Führungskräften des
Zentralkomitees der kommunistischen polnischen
Arbeiterpartei in Fragen der Sicherheit unseres
Staates und unserer Verbündeten
MdlAnfr A60 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Czaja CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . . . . . 1706 A, B
ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU . . . . 1706 A, B
Einladung der Wahlkreisabgeordneten bei
Besuchen ausländischer Regierungschefs
außerhalb von Bonn sowie Unterrichtung des
SPD-Bundestagsabgeordneten, nicht aber
des CDU-Bundestagsabgeordneten beim
Besuch des britischen Premierministers
Callaghan in Brüggen
MdlAnfr Al25 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hammans CDU/CSU
MdlAnfr Al26 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hammans CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . 1706 C, D, 1707 A
ZusFr Dr. Hammans CDU/CSU 1706 D
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 1707 A
Nichtverwirklichung der humanitären
Vereinbarungen gemäß der Schlußakte der
KSZE in der DDR und den anderen
kommunistischen KSZE-Teilnehmerstaaten wegen
Unterlassung von Initiativen bzw. trotz
Verhandlungen seitens der Bundesregierung
mit diesen Staaten
MdlAnfr Al27 29.04.77 Drs 08/328
Jäger (Wangen) CDU/CSU
MdlAnfr Al28 29.04.77 Drs 08/328
Jäger (Wangen) CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA 1707 A, B, D,
1708 A, B, C, D, 1709 A, B
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . . 1707 D,
1708 A, D
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU 1708 B
ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU 1709 A
ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . 1709 A
Verweigerung von Genehmigungen zum
Besuch von in der Bundesrepublik
Deutschland lebenden Familienangehörigen und
negative Behandlung von Anträgen auf
Familienzusammenführung durch die DDR und
andere kommunistische KSZE-
Teilnehmerstaaten
MdlAnfr Al29 29.04.77 Drs 08/328
Schmöle CDU/CSU
MdlAnfr A130 29.04.77 Drs 08/328
Schmöle CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . . . 1709 B, C, D,
1710 A,B,C
ZusFr Schmöle CDU/CSU . . . 1709 C, 1710 C
ZusFr Dr. Mertes (Gerolstein) CDU/CSU . 1709 D
ZusFr Pawelczyk SPD 1709 D
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . 1710 A
Nichteinhaltung der Vereinbarungen der
KSZE-SchluBakte durch die DDR und die
anderen kommunistischen KSZE-
Teilnehmerstaaten hinsichtlich der Freizügigkeit
für Reisen ihrer Bürger
MdlAnfr A131 29.04.77 Drs 08/328
Böhm (Melsungen) CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA 1710 D,
1711 A, B, C, D
ZusFr Böhm (Melsungen) CDU/CSU . . . 1710 D,
1711 A
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU 1711 B
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . 1711 C
ZusFr Straßmeir CDU/CSU 1711 D
Nichterfüllung der Vereinbarungen der
KSZE-SchluBakte durch die DDR und die
anderen kommunistischen KSZE-
Teilnehmerstaaten hinsichtlich der Erweiterung des
Jugendaustauschs und des Sportverkehrs
MdlAnfr A134 29.04.77 Drs 08/328
Lagershausen CDU/CSU
MdlAnfr A135 29.04.77 Drs 08/328
Lagershausen CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . . 1712 A, B, C, D,
1713 A, B, C, D, 1714 B
ZusFr Lagershausen CDU/CSU 1712B, D, 1714 B
ZusFr Schmöle CDU/CSU . . . . . . . 1712 C
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . . 1712 D
ZusFr Dr. Mertes (Gerolstein) CDU/CSU . 1713 A
ZusFr Voigt (Frankfurt) SPD . . . . . . 1713 B
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU . . . . . 1713 B, C
ZusFr Pawelczyk SPD 1713 C
Nichterfüllung der Vereinbarungen der
KSZE-Schlußakte durch die DDR und die
anderen kommunistischen KSZE-
Teilnehmerstaaten hinsichtlich Reiseerleichterungen
und der Verbreitung westlicher Zeitungen
MdlAnfr A138 29.04.77 Drs 08/328
Frau Pieser CDU/CSU
MdlAnfr A139 29.04.77 Drs 08/328
Frau Pieser CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . 1714 B, D, 1715 A, B
ZusFr Frau Pieser CDU/CSU 1715 A
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU 1714 C, 1715 A
Übernahme des Document Center Berlin in
deutsche Verwaltung
MdlAnfr A143 29.04.77 Drs 08/328
Hansen SPD
Antw BMin Genscher AA 1715 C, D
ZusFr Hansen SPD . . . . . . . 1715C, D
ZusFr Schulze (Berlin) SPD 1715 D
Einziehung von Reisepässen
ausreisewilliger Volksdeutscher in Rumänien
MdlAnfr A144 29.0437 Drs 08/328
Dr. Hupka CDU/CSU
MdlAnfr A145 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hupka CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . . 1716 A, B, C, D,
1717 A, B, C
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU 1716 B, 1717 A, B
ZusFr Dr. Hennig CDU/CSU . . . . . 1716 C
ZusFr Schmöle CDU/CSU 1716 D
ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU 1717 B
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . 1717 C
Drohungen gegen die vor der rumänischen
Botschaft im Hungerstreik befindlichen
Personen hinsichtlich der Behandlung ihrer
Angehörigen in Rumänien
MdlAnfr A146 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA 1717 D
ZusFr Dr. Wittmann (München) CDU/CSU 1717 D
Schutz der in Südwestafrika lebenden
Deutschen bei Abzug der südafrikanischen
Truppen aus Südwestafrika
MdlAnfr A147 29.04.77 Drs 08/328
Niegel CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . . . . . 1718 A, B
ZusFr Niegel CDU/CSU 1718 B
Käuflicher Erwerb der von der
Bundesrepublik Deutschland für die Opfer der
Erdbebenkatastrophe in Rumänien zur
Verfügung gestellten Hilfsgüter durch die von
der Katastrophe Betroffenen
MdlAnfr A148 29.04.77 Dr. 08/328
Böhm (Melsungen) CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA 1718 C, D
ZusFr Böhm (Melsungen) CDU/CSU . . 1718 C
Unterschiedliche Äußerungen von
Staatsminister Dr. von Dohnanyi und dem
deutschen Botschafter in Chile über die Colonia
Dignidad
MdlAnfr A149 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Möller CDU/CSU
MdlAnfr A150 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Möller CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . . 1718 D, 1719 A, B
ZusFr Dr. Möller CDU/CSU 1719 A, B
ZusFr Hansen SPD 1719 A
Beseitigung von Verkehrsschildern mit
Aufschriften wie z. B. „Allenstein i 100 km"
wegen Verstoßes gegen den Warschauer
Vertrag
MdlAnfr A151 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hennig CDU/CSU
Antw BMin Genscher AA . 1719 C, D, 1720 A, B
ZusFr Dr. Hennig CDU/CSU . . . . . . 1719 C
ZusFr Luster CDU/CSU . . . . . . . 1719 D
ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU . . . . . . 1719 D
ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU . . . . . . 1720 A
ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . . 1720 B
Themen für die beabsichtigten
Verhandlungen mit der DDR
MdlAnfr A25 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
Antw PStSekr Höhmann BMB 1720 C, D, 1721 A
ZusFr Dr. Wittmann (München) CDU/CSU 1720 C
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . 1720 D
ZusFr Straßmeir CDU/CSU 1720 D
Adressat für die Vorwürfe des
Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen
über die Störung der Verhandlungen zur
Senkung der Altersgrenze für Besucher
aus der DDR durch „ultimative
Forderungen im Wahlkampf"
MdlAnfr A26 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Marx CDU/CSU
Antw PStSekr Höhmann BMB 1721 A, B, C, D,
1722 A
ZusFr Dr. Marx CDU/CSU . . . . . 1721 B, C
ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . . 1721 D
ZusFr Dr. Hennig CDU/CSU 1722 A
Auslegung des § 10 des neuen
Rundfunkgesetzes der DDR hinsichtlich des Abhörens
westlicher Sender '
MdlAnfr A27 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hennig CDU/CSU
Antw PStSekr Höhmann BMB 1722 B
ZusFr Dr. Hennig CDU/CSU 1722 B
Mängel des Berufsbildungsberichts 1977
hinsichtlich der statistischen Qualität
MdlAnfr A35 29.04.77 Drs 08/328
Wüster SPD
Antw PStSekr Dr. Glotz BMBW . 1722 D, 1723 A
ZusFr Wüster SPD 1723 A
Nächste Sitzung 1764 D
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . . 1765* A
Anlage 2
Verhütung von Schäden und Abwicklung
von Entschädigungsansprüchen im
Zusammenhang mit der Ölkatastrophe in der
Nordsee; Auswirkungen des Ölunfalls im
Ekofisk-Feld für den deutschen
Nordseeküstenbereich, insbesondere für die
Fischerei und den Fremdenverkehr
MdlAnfr A2 29.04.77 Drs 08/328
Zywietz FDP
MdlAnfr A18 29.04.77 Drs 08/328
Zywietz FDP
SchrAntw PStSekr Wrede BMV 1765* B
Anlage 3
Unterbindung des Verkaufs von
subventionierter Butter in Nidit-EWG-Länder durch
Änderung der Milchmarktordnung
MdlAnfr A3 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jens SPD
SchrAntw PStSekr Gallus BML . . . . . 1766* A
Anlage 4
Erneuerung der Decken von insbesondere
durch Milchtankwagen beanspruchten
Wirtschaftswegen im Rahmen der Förderung von
Wirtschaftswegen
MdlAnfr A4 29.04.77 Drs 08/328
Kiechle CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Gallus BML . . . . . 1766* C
Anlage 5
Erhaltung der EG-Zuschüsse durch
Bereitstellung nationaler Mittel zur Beseitigung
der Sturmschäden in Niedersachsen für die
Zeit nach 1978
MdlAnfr A7 29.04.77 Drs 08/328
Wolfgramm (Göttingen) FDP
MdlAnfr A8 29.04.77 Drs 08/328
Wolfgramm (Göttingen) FDP
SchrAntw PStSekr Gallus BML . . . . . 1766* D
Anlage 6
Transport von Säuren und Chemikalien in
zum Lebensmitteltranspo rt benutzten
Tankfahrzeugen
MdlAnfr A10 29.04.77 Drs 08/328
Frau Simonis SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . . 1767* A
Anlage 7
Festlegung der Entschädigungsgrenzwerte
für den Straßenlärm in Vollzug des Bundes-
Immissionsschutzgesetzes
MdlAnfr A13 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Bötsch CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV 1767* C
Anlage 8
Beurteilung der Ölkatastrophe in der
Nordsee
MdlAnfr A15 29.04.77 Drs 08/328
Wolfram (Recklinghausen) SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV 1767' D
Anlage 9
Erlaß einer gesetzlichen Vorschrift zum
Einbau von Abgasfiltern in Kraftfahrzeuge
MdlAnfr A20 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Geßner SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV 1767* D
Anlage 10
Erfindung zur Anreicherung von Uran durch
Laserstrahlen; Einnahmen der
Kernforschungszentren Karlsruhe und Jülich aus
industrieller Nutzung dortiger Erfindungen
und Patente
MdlAnfr A28 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Sperling SPD
MdlAnfr A29 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Sperling SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Hauff BMFT . . . 1768* A
Anlage 11
Beeinflussung der Entwicklung der
Reaktorlinien SNR und HTR in der Bundesrepublik
Deutschland durch die amerikanische Kern
-energiepolitik
MdlAnfr A30 29.04.77 Drs 08/328
Lenzer CDU/CSU
MdlAnfr A31 29.04.77 Drs 08/328
Lenzer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Hauff BMFT . . . 1768* C
Anlage 12
Lieferverzögerungen Kanadas gegenüber
der EG bei Natururan
MdlAnfr A32 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Spöri SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Hauff BMFT . . . 1769* A
Anlage 13
Äußerungen des Vorsitzenden des „Bundes
-verbands Bürgerinitiativen Umweltschutz",
Wüstenhagen, über die Parteiendemokratie
MdlAnfr A33 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Waigel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Hauff BMFT . . . 1769* B
Anlage 14
Vermittlung eines graduierten Ingenieurs
mit jahrelanger praktischer Berufserfahrung
für Positionen bei internationalen
Organisationen
MdlAnfr A34 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schäuble CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1769* D
Anlage 15
Aufnahme der aus dem
Berufsbildungssystem kommenden Nachfragen, z. B. von
Berufsschulen, im Berufsbildungsbericht
sowie Schätzung der tatsächlichen
Ausbildungskapazitäten im Handwerk
MdlAnfr A36 29.04.77 Drs 08/328
Daubertshäuser SPD
MdlAnfr A37 29.04.77 Drs 08/328
Daubertshäuser SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1770* A
Anlage 16
Regionale Anwendung des
Ausbildungsplatzförderungsgesetzes im Jahr 1978
MdlAnfr A38 29.04.77 Drs 08/328
Peiter SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1770* C
Anlage 17
Differenzierung beim Handel mit den
Entwicklungsländern zugunsten der am
wenigsten entwickelten Länder;
Benachteiligung der rohstoffreichen
Entwicklungsländer durch die Praxis der
Hermesversicherung bei Bürgschaften und Garantien im
Vergleich zu kommunistischen
Staatshandelsländern
MdlAnfr A39 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hüsch CDU/CSU
MdlAnfr A40 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Hüsch CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1771* A
Anlage 18
Bewilligung von Bundesmitteln für ein
Projekt zur Leistungssteigerung der
Schwimmsportler für die Olympiade in Montreal
MdlAnfr A48 29.04.77 Drs 08/328
Krockert SPD
MdlAnfr A49 29.04.77 Drs 08/328
Krockert SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1771* D
Anlage 19
Im öffentlichen Dienst beschäftigte
Angehörige von Gruppen der „Neuen Linken"
MdlAnfr A50 29.04.77 Drs 08/328
Schwarz CDU/CSU
MdlAnfr A51 29.04.77 Drs 08/328
Schwarz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1772* B
Anlage 20
Fassung der Gesetze in einer den Bürgern
verständlichen Sprache sowie Abschaffung
überflüssiger Gesetze und
Rechtsverordnungen
MdlAnfr A52 29.04.77 Drs 08/328
von der Heydt Freiherr von Massenbach
CDU/CSU
MdlAnfr A53 29.04.77 Drs 08/328
von der Heydt Freiherr von Massenbach
CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1772* D
Anlage 21
Zeitlicher und finanzieller Aufwand
infolge unverständlich formulierter Gesetze
und Verordnungen
MdlAnfr A54 29.04.77 Drs 08/328
Feinendegen CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1773* B
Anlage 22
Verbesserung der hygienischen
Verhältnisse in den Bundesgrenzschutz-
Unterkünften des Bundespräsidialamts und des
Auswärtigen Amts
MdlAnfr A55 29.04.77 Drs 08/328
Krey CDU/CSU
MdlAnfr A56 29.04.77 Drs 08/328
Krey CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1773* D
Anlage 23
Mitgliedschaft des Vorsitzenden des
„Bundesverbands Bürgerinitiativen
Umweltschutz", Hans Helmuth Wüstenhagen, in
der Kommunistischen Partei Deutschlands
sowie seine Tätigkeit als Korrespondent in
Bayern und als Redakteur in Ost-Berlin für
das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland"
MdlAnfr A57 39.04.77 Drs 08/328
Klein (München) CDU/CSU
MdlAnfr A58 29.04.77 Drs 08/328
Klein (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1774* A
Anlage 24
Vorlage des Gesetzentwurfs zur Änderung
des Personenstandsgesetzes
MdlAnfr A59 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Meinecke (Hamburg) SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1774* B
. Anlage 25
Unterlassung parteipolitischer Begünstigung
in Sendungen der Rundfunkanstalten des
öffentlichen Rechts, insbesondere des
Bundesrechts
MdlAnfr A61 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Czaja CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1774* C
Anlage 26
Weiterentwicklung der Deutschen
Nationalstiftung
MdlAnfr A62 29.04.77 Drs 08/328
Ey CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1775* A
Anlage 27
Möglichkeit der nachträglichen
Namensänderung für Frauen, die vor dem i. Juli
1976 geheiratet haben
MdlAnfr A63 29.04.77 Drs 08/328
Frau Matthäus-Maier FDP
MdlAnfr A64 29.04.77 Drs 08/328
Frau Matthäus-Maier FDP
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1775* B
Anlage 28
Gesetzesvorschläge über die Angleichung
der Bewertung von Grund und Boden im
steuerlichen und städtebaulichen Bereich
MdlAnfr A65 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schneider CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1775* C
Anlage 29
Verwechslung des alljährlich zu
erstattenden Finanzberichts mit dem einmaligen
Tarifbericht nach § 56 EStG durch den
Parlamentarischen Staatssekretär Offergeld
sowie Ausführungen im Finanzbericht über
die Auswirkungen der wirtschaftlichen
Entwicklung auf die Steuereinnahmen der
öffentlichen Haushalte
MdlAnfr A66 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Häfele CDU/CSU
MdlAnfr A67 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Häfele CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1775* D
Anlage 30
Zuständigkeit des Bundesaufsichtsamts für
das Kreditwesen für die
aufsehenerregenden Vorgänge um die Hessische Landesbank
MdlAnfr A68 29.04.77 Drs 08/328
Ey CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1776* B
Anlage 31
Kosten pro Ausbildungsplatz in der
Ausbildungs- und Fortbildungsstätte der
Deutschen Bundesbank auf Schloß Hachenburg
sowie Ausgaben der Bundesbank für den
Erwerb und den Ausbau des Schlosses
MdlAnfr A69 29.04.77 Drs 08/328
Kuhlwein SPD
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1776* C
Anlage 32
Verkauf oder Übernahme von
Dienstwohnungen für amtierende oder ehemalige
Bundesminister und Parlamentarische
Staatssekretäre durch den Bund sowie Zahl
der in Bonn und Umgebung an Mitglieder
der Bundesregierung vermieteten
bundeseigenen Wohnungen
MdlAnfr A70 29.04.77 Drs 08/328
Hartmann CDU/CSU
MdlAnfr A71 29.04.77 Drs 08/328
Hartmann CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1776* D
Anlage 33
Kosten für die Renovierung der den
ehemaligen Bundesministern Bahr und Dr.
Ehmke vermieteten Gebäude sowie
Umwandlung des Amtssitzes des ehemaligen
Bundesministers Bahr bei dessen
Ausscheiden in eine bundeseigene Wohnung
MdlAnfr A72 29.04.77 Drs 08/328
Regenspurger CDU/CSU
MdlAnfr A73 29.04.77 Drs 08/328
Regenspurger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1777* B
Anlage 34
Absinken der jahresdurchschnittlichen
Stromverbrauchszuwachsrate der Haushalte
von 1973 bis 1985
MdlAnfr A76 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Spöri SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . 1777* C
Deutscher Bundestag — 8. Wahlperiode — 25, Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 5. Mai 1977 IX
Anlage 35
Vorstellungen des Bundesarbeitsministers
über den Solidarbeitrag der
Nichtarbeitnehmer
MdlAnfr A96 29.0477 Drs 08/328
Gerlach (Obernau) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1778* A
Anlage 36
Gesamtsumme der bei der
Rentenversicherung durch die Nachzahlung für die
nachträgliche Aufnahme Selbständiger in die
Pflichtversicherung eingegangenen Beträge
sowie Höhe des der Rentenversicherung
zugute kommenden Anteils
MdlAnfr A97 29.04.77 Drs 08/328
Schedl CDU/CSU
MdlAnfr A98 29.04.77 Drs 08/328
Schedl CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1778* B
Anlage 37
Auslegung des Konkursausfallgesetzes
MdlAnfr A99 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Weber (Köln) SPD
MdlAnfr A100 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Weber (Köln) SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1778* D
Anlage 38
Kostenübernahme durch Krankenkassen für
Kuren im Ausland bei bestimmten
Krankheiten
MdlAnfr A101 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Enders SPD
MdlAnfr A102 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Enders SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1779* A
Anlage 39
Gestaltung des Ladenschlußgesetzes
MdlAnfr A103 29.04.77 Drs 08/328
Frau Schleicher CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1779* D
Anlage 40
Einbeziehung geistig Behinderter in den im
Personennahverkehr begünstigten
Personenkreis
MdlAnfr A104 29.04.77 Drs 08/328
Brandt (Grolsheim) SPD
MdlAnfr A105 29.04.77 Drs 08/328
Brandt (Grolsheim) SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1780* A
Anlage 41
Mißbrauch von Lohnkostenzuschüssen durch
Unternehmer in Niederbayern
MdlAnfr A106 29.04.77 Drs 08/328
Wüster SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1780* B
Anlage 42
Einführung von Qualitätsnormen für
medizinisch-technische Apparate
MdlAnfr A107 29.04.77 Drs 08/328
Frau Geier CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1780* C
Anlage 43
Unterschiedliche Bezahlung ziviler
Angestellter und Soldaten in der Fernmelde- und
Radarstelle des Amtes für Fernmeldewesen
der Bundeswehr Hof bei gleicher
Arbeitsleistung; Anschaffung von Stützgürteln für
Hubschrauberpiloten im Jahre 1968 sowie
Anerkennung von vor Anschaffung des
Stützgürtels entstandenen
Wirbelsäulenschäden als Wehrdienstbeschädigungen
MdlAnfr A108 29.04.77 Drs 08/328
Frau Krone-Appuhn CDU/CSU
MdlAnfr A109 29.04.77 Drs 08/328
Frau Krone-Appuhn CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1781* A
Anlage 44
Schwierigkeiten bei der Erprobung des
Alpha-Jet-Triebwerks Larzac 04
MdlAnfr A110 29.04.77 Drs 08/328
Würtz SPD
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1781* C
Anlage 45
Ausbildung von Offizieren der Polizei und
des Militärs von Paraguay in der
Bundesrepublik Deutschland
MdlAnfr A111 29.04.77 Drs 08/328
Frau Erler SPD
MdlAnfr A112 29.04.77 Drs 08/328
Frau Erler SPD
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1781* D
Anlage 46
Gleiche Bedingungen bei der
Zurverfügungstellung von Flugzeugen der
Flugbereitschaft des BMVg für die
Parteivorsitzenden
MdlAnfr A113 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Voss CDU/CSU
MdlAnfr A114 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Voss CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg . 1782* A
X Deutscher Bundestag — 8. Wahlperiode — 25. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den_5. Mai 1977
Anlage 47
Höhe der Kosten für die Behandlung von
Alkoholkranken im Jahr 1976 sowie Zahl
der Alkoholkranken und Anteil der
Jugendlichen
MdlAnfr A115 29.04.77 Drs 08/328
Löffler SPD
MdlAnfr A116 29.04.77 Drs 08/328
Löffler SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1782* B
Anlage 48
Konsequenzen aus dem Zustand auf dem
Brotmarkt
MdlAnfr A117 29.04.77 Drs 08/328
Kirschner SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1782* C
Anlage 49
Verzicht auf eine Selbstbeteiligung der
Spätaussiedler an den Aufwendungen der
für ihre Kinder notwendigen schulischen
Maßnahmen einschließlich der
Unterbringung in Internaten im Interesse der
Kostenersparnis für die öffentliche Hand
MdlAnfr A118 29.04.77 Drs 08/328
Röhner CDU/CSU
MdlAnfr A119 29.04.77 Drs 08/328
Röhner CDU/CSU
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1782* D
Anlage 50
Anstieg des Mißbrauchs von Rauschgiften
sowie Unterbindung der Lieferung von
Rauschgiften aus den Niederlanden
MdlAnfr Al20 29.04.77 Drs 08/328
Immer (Altenkirchen) SPD
MdlAnfr Al21 29.04.77 Drs 08/328
Immer (Altenkirchen) SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1783* A
Anlage 51
20% Eigenkapital seitens des Trägers als
Voraussetzung für eine Eigenbeteiligung
der Heiminsassen beim Bau von
Altenheimen durch gemeinnützige
Wohlfahrtsverbände
MdlAnfr Al22 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Friedmann CDU/CSU
MdlAnfr Al23 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Friedmann CDU/CSU
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1783*C
Anlage 52
Nichteinhaltung der Vereinbarung der
KSZE-Schlußakte durch die DDR und die
anderen kommunistischen KSZE-Teilneh
-merstaaten hinsichtlich der Ausreise
zwecks Eheschließung und der
Familienzusammenführung
MdlAnfr A132 29.04.77 Drs 08/328
Graf Huyn CDU/CSU
MdlAnfr A133 29.04.77 Drs 08/328
Graf Huyn CDU/CSU
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1783* D
Anlage 53
Nichterfüllung der Vereinbarungen der
KSZE-Schlußakte durch die DDR und die
anderen kommunistischen KSZE-
Teilnehmerstaaten hinsichtlich der
Zusammenarbeit zwischen den Massenmedien und auf
dem Gebiet der Kultur
MdlAnfr A136 29.04.77 Drs 08/328
Kunz (Berlin) CDU/CSU
MdlAnfr A137 29.04.77 Drs 08/328
Kunz (Berlin) CDU/CSU
SchrAntw BMin Genscher AA 1784* A
Anlage 54
Nichterfüllung der humanitären
Verpflichtungen aus der KSZE-Schlußakte durch die
DDR und andere kommunistische Staaten
sowie Aussprache darüber auf der KSZE-
Folgekonferenz in Belgrad
MdlAnfr A140 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Abelein CDU/CSU
MdlAnfr A141 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Abelein CDU/CSU
SchrAntw BMin Genscher AA 1784* D
Anlage 55
Ergebnis der Kulturarbeit der
Bundesregierung im Ausland im Vergleich zum
Wirken der DDR
MdlAnfr A142 29.0437 Drs 08/328
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU
SchrAntw BMin Genscher AA 1785* B
Anlage 56
Einstellung von Bewerbern im Auswärtigen
Amt unter Umgehung der üblichen
Einstellungsverfahren; Zahl der seit 1970 in den
auswärtigen Dienst übernommenen
Beamten des höheren und gehobenen Dienstes
SchrAnfr B1 29.04.77 Drs 08/328
Helmrich CDU/CSU
SchrAnfr B2 29.04.77 Drs 08/328
Helmrich CDU/CSU
SchrAnfr B3 29.04.77 Drs 08/328
Helmrich CDU/CSU
SchrAnfr B4 29.04.77 Drs 08/328
Helmrich CDU/CSU
SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 1785* C
Anlage 57
Abschluß der Schadensregulierung für
Angehörige der früheren Botschaft in
Südvietnam sowie Ergebnisse der Überprüfung der
Entschädigungsrichtlinien für
Auslandsbedienstete
SchrAnfr B5 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 1786* B
Anlage 58
Überprüfung der Geltendmachung von
völkerrechtlichen Schadenersatzansprüchen
gegenüber Dänemark im
Entschädigungsfall Stengel
SchrAnfr B6 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Czaja CDU/CSU
SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 1786* C
Anlage 59
Konsequenzen aus der Entscheidung des
Bundesverwaltungsgerichts über die
rechtswidrige Versetzung von 25 Diplomaten in
den Ruhestand
SchrAnfr B7 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 1787* A
Anlage 60
Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
um Griechenland, Portugal, Spanien und die
Türkei
SchrAnfr B8 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAnfr B9 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAnfr B10 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAnfr B11 29.0437 Drs 08/328
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 1787* B
Anlage 61
Unterbindung des Vertriebs von
Abhörgeräten (sog. Wanzen)
SchrAnfr B12 29.04.77 Drs 08/328
Kleinert FDP
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1788* B
Anlage 62
Parteibuchkarrieren von Beamten beim
Auswärtigen Amt und bei anderen
Bundesbehörden
SchrAnfr B13 29.04.77 Drs 08/328
Regenspurger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1788* D
Anlage 63
Zusammenarbeit der Polizeien in Europa im
Hinblick auf den grenzübergreifenden
Terrorismus
SchrAnfr B14 29.04.77 Drs 08/328
Engelhard FDP
SchrAnfr B15 29.0437 Drs 08/328
Engelhard FDP
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1789* A
Anlage 64
Verbot der Herstellung, des Vertriebs und
der Anbringung von Mini-Spionen
SchrAnfr B16 29.04.77 Drs 08/328
Wolfram (Recklinghausen) SPD
SchrAnfr B17 29.04.77 Drs 08/328
Wolfram (Recklinghausen) SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1789* C
Anlage 65
Gefährdung der Ozonschicht der
Stratosphäre durch die als Treibgas in
Spraydosen verwendeten Chlorfluormethane
SchrAnfr B18 29.04.77 Drs 08/328
Vogelsang SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1790* A
Anlage 66
Erkenntnisse über die politische
Vergangenheit des Vorsitzenden des „Bundesverbands
Bürgerinitiativen Umweltschutz", Hans-
Helmuth Wüstenhagen
SchrAnfr B19 29.04.77 Drs 08/328
Klein (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1790* D
Anlage 67
Realisierbarkeit der von Herrn Grottian
vorgeschlagenen Änderungen in der
Besoldung des öffentlichen Dienstes
SchrAnfr B20 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Steger SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1790* D
Anlage 68
Verhandlungen mit der DDR über die
Verminderung der Chloridbelastung der Weser
und Werra durch Kaliabwässer
SchrAnfr B21 29.04.77 Drs 08/328
Ibrügger SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 1791* A
Anlage 69
Sicherheitsnormen für beim Kernreaktorbau
verwendete Materialien
SchrAnfr B22 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Sperling SPD
SchrAnfr B23 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Sperling SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI . . . . . 1791* B
Anlage 70
Rechtsprechung im Bereich der
Mietanpassung nach dem
Wohnraumkündigungsschutzgesetz
SchrAnfr B25 29.04.77 Drs 08/328
Kleinert FDP
SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ . . . 1791* C
Anlage 71
Verteilung der Subventionen des Bundes
auf Großunternehmen und mittlere bzw.
kleinere Unternehmen
SchrAnfr B27 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Spöri SPD
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1792* A
Anlage 72
Sicherheitsausstattung der Dienstfahrzeuge
der Bundeszollverwaltung und des
Zollfahndungsdienstes
SchrAnfr B28 29.04.77 Drs 08/328
Engholm SPD
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1792* B
Anlage 73
Steuerfreiheit der Altersrenten von in
Frankreich tätig gewesenen
Wanderarbeitnehmern
SchrAnfr B29 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schäuble CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Offergeld BMF . . . . 1792* B
Anlage 74
Beteiligung des Bundes an den Kosten für
die Kläranlage Hügelsheim (Baden)
SchrAnfr B30 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Lepsius SPD
SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 1792* D
Anlage 75
Besteuerung der Förderungs- und
Kostenerstattungsbeträge nach dem
Städtebauförderungsgesetz für Sanierungs- und
Modernisierungsmaßnahmen
SchrAnfr B31 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Friedmann CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Offergeld BMF . . . . 1793* A
Anlage 76
Beim Bundesverwaltungsgericht auf Grund
der Ablehnung von Anträgen auf Förderung
im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur" anhängige Prozesse
SchrAnfr B32 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Steger SPD
SchrAnfr B33 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Steger SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . 1793* C
Anlage 77
Auffassung des Bundesministers Matthöfer
über die Realisierbarkeit der vom Kabinett
festgelegten Eckdaten des
Energieprogramms im Bereich des Kernenergiebedarfs
SchrAnfr B34 29.04.77 Drs 08/328
Schröder (Lüneburg) CDU/CSU
SchrAnfr B35 29.04.77 Drs 08/328
Schröder (Lüneburg) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1794* A
Anlage 78
Gefährdung der Verlängerung des
Welttextilabkommens durch die Haltung der
Bundesrepublik Deutschland bei den
Verhandlungen in der EG
SchrAnfr B36 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAnfr B37 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1794* B
Anlage 79
Einführung eines neuen Studienfachs
Öffentliche Betriebswirtschaftslehre —
Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen
Verwaltung und der öffentlichen Unternehmer
SchrAnfr B 38 29.04.77 Drs 08/328
Voigt (Frankfurt) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1795* B
Anlage 80
Veralterung unserer Industrieanlagen durch
die von 1973 bis 1976 entstandene
Investitionslücke sowie steuerliche Entlastung der
Wirtschaft zur Förderung von
Privatinvestitionen
SchrAnfr B39 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAnfr B40 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1795* C
Anlage 81
Ergebnisse des 1975 bei den
Bundesministerien für Wirtschaft und für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau gebildeten
Gesprächskreises zur „Verbesserung der
Wettbewerbsverhältnisse auf dem Baumarkt"
SchrAnfr B41 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schneider CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1796* A
Anlage 82
Erschließung der Kaolinvorkommen im
bayerischen Landkreis Tirschenreuth
SchrAnfr B42 29.04.77 Drs 08/328
Zebisch SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1796* C
Anlage 83
Unterbindung der wechselnden Nutzung
von Tankfahrzeugen für den Transport von
Nahrungsmitteln und Chemikalien
SchrAnfr B44 29.04.77 Drs 08/328
Immer (Altenkirchen) SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1796* D
Anlage 84
Durchführung von Umschulungen nach dem
Arbeitsförderungsgesetz
SchrAnfr B46 29.04.77 Drs 08/328
Kleinert FDP
SchrAnfr B47 29.04.77 Drs 08/328
Kleinert FDP
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1393* A
Anlage 85
Einführung einer internationalen
Kreditkarte für Krankheitskosten
SchrAnfr B48 29.04.77 Drs 08/328
Büchner (Speyer) SPD
SchrAnfr B49 29.04.77 Drs 08/328
Büchner (Speyer) SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1797* C
Anlage 86
Entlassung mehrerer Redakteure aus der
mit öffentlichen Mitteln finanzierten
Redaktion der in Bonn erscheinenden Berufswahl
-
magazine „Abi" und „Uni"
SchrAnfr B50 29.04.77 Drs 08/328
Frau Simonis SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1798* A
Anlage 87
Erfahrungen mit der Neufassung des
Gesetzes zur Bekämpfung der Schwarzarbeit
SchrAnfr B51 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAnfr B52 29.0437 Drs 08/328
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1798* A
Anlage 88
Gesetzliche Möglichkeiten zur Finanzierung
der beruflichen Fortbildung und
Umschulung von Hausfrauen durch Arbeitsämter
SchrAnfr B53 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Walz CDU/CSU
SchrAnfr B54 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Walz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1798* C
Anlage 89
Initiative der Bundesregierung oder des
Landes Berlin zur Änderung des
Ladenschlusses
SchrAnfr B55 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Diederich (Berlin) SPD
SchrAnfr B56 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Diederich (Berlin) SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 1399* B
Anlage 90
Einbeziehung der Kfz-Werkstätten des
Bundesgrenzschutzes und der Bundeswehr in
die Berufsausbildung der Jugendlichen,
insbesondere im Zonenrandgebiet
SchrAnfr B57 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg . 1799* C
Anlage 91
Änderung der Arbeitszeitverordnung
SchrAnfr B58 29.04.77 Drs 08/328
Immer (Altenkirchen) SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1399* D
Anlage 92
Verwirklichung des geplanten Modells einer
wirtschaftlichen Bauweise von
Krankenhäusern
SchrAnfr B59 29.04.77 Drs 08/328
Vogelsang SPD
SchrAnfr B60 29.04.77 Drs 08/328
Vogelsang SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1800* A
Anlage 93
Erlaß der Wahlordnung nach dem neuen
Mitbestimmungsgesetz bis zum 30. Juni 1977
SchrAnfr B61 29.0437 Drs 08/328
Russe CDU/CSU
SchrAnfr B62 29.04.77 Drs 08/328
Russe CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1800* B
Anlage 94
Vorlage des Entwurfs einer Verordnung
auf Grund der Ermächtigung in § 9 Abs. 6
des Schwerbeschädigtengesetzes
SchrAnfr B63 29.04.77 Drs 08/328
Geisenhofer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1800* D
Anlage 95
Befreiung höherverdienender
Nebenerwerbslandwirte von der gesetzlichen
Krankenversicherungspflicht
SchrAnfr B64 29.04.77 Drs 08/328
Niegel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 1801* A
Anlage 96
Lage des Kernkraftwerkes Biblis im
Bereich eines Tiefflugbandes der Luftwaffe
SchrAnfr B65 29.04.77 Drs 08/328
Zywietz FDP
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1801* B
Anlage 97
Verhinderung der Einberufung
wehrpflichtiger Studenten während der
Vorlesungszeit
SchrAnfr B66 29.04.77 Drs 08/328
Wüster SPD
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1802* A
Anlage 98
Anbringen von Anschlägen an den
„Schwarzen Brettern" der Truppenunterkünfte durch
Gewerkschaften und Soldatenverbände
SchrAnfr B67 29.04.77 Drs 08/328
Stutzer CDU/CSU
SchrAnfr B68 29.04.77 Drs 08/328
Stutzer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1802* B
Anlage 99
Zulassung von Übungseinsätzen des
Radarführungsdienstes der Luftwaffe im Rahmen
der Luftverteidigung
SchrAnfr B69 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jenninger CDU/CSU
SchrAnfr B70 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Jenninger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1802* D
Anlage 100
Munitionstransporte der Bundeswehr und
der englischen Streitkräfte durch das
Erholungsgebiet Düshorn, Kreis Fallingbostel
SchrAnfr B71 29.04.77 Drs 08/328
Frau Hoffmann (Hoya) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1803* A
Anlage 101
Verhinderung eines weiteren Anstiegs der
Selbsttötungsversuche und Selbsttötungen
in der Bundeswehr
SchrAnfr B72 29.04.77 Drs 08/328
Würtz SPD
SchrAnfr B73 29.04.77 Drs 08/328
Würtz SPD
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1803* B
Anlage 102
Durchführung der
Wehrfliegertauglichkeitsuntersuchung für Piloten
SchrAnfr B74 29.04.77 Drs 08/328
Ludewig FDP
SchrAnfr B75 29.04.77 Drs 08/328
Ludewig FDP
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1803* D
Anlage 103
Auswirkungen der geplanten Einführung
des Heeresmodells 4 auf die
Landesverteidigung, insbesondere auf die zivile
Verteidigung mit Schwerpunkt Objektschutz
SchrAnfr B76 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Laufs CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 1804* B
Anlage 104
Künftige Funktionen des Abteilungsleiters
im Bundesministerium für Jugend, Familie
und Gesundheit, Ministerialdirektor Dr. med.
Lösken, bei seiner Nichtversetzung in den
einstweiligen Ruhestand
SchrAnfr B77 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Neumeister CDU/CSU
SchrAnfr B78 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Neumeister CDU/CSU
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1805* A
Anlage 105
Ausgaben im Rahmen der örtlichen und
überörtlichen Sozialhilfe in den Jahren
1974, 1975 und 1976
SchrAnfr B79 29.04.77 Drs 08/328
Kiechle CDU/CSU
SchrAnfr B80 29.04.77 Drs 08/328
Kiechle CDU/CSU
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1805* C
Anlage 106
Gefahren im Zusammenhang mit der
transzendentalen Meditation
SchrAnfr B81 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 1805* D
Anlage 107
Elektrifizierung der Bundesbahnstrecke
Nürnberg—Stuttgart
SchrAnfr B82 29.04.77 Drs 08/328
Spranger CDU/CSU
SchrAnfr B83 29.04.77 Drs 08/328
Spranger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1806* A
Anlage 108
Verhandlungen mit der niederländischen
Regierung über die Anbindung des
Eisenbahnnetzes zwischen Aachen und dem
südlimburgischen Gebiet
SchrAnfr B84 29.04.77 Drs 08/328
Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1806' B
Anlage 109
Beinahezusammenstöße im Luftraum der
Bundesrepublik Deutschland
SchrAnfr B85 29.04.77 Drs 08/328
Jung FDP
SchrAnfr B86 29.04.77 Drs 08/328
Jung FDP
SchrAnfr B87 29.04.77 Drs 08/328
Jung FDP
SchrAnfr B88 29.04.77 Drs 08/328
Jung FDP
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . : . . 1806* C
Anlage 110
Vernichtung mittelständischer Betriebe
durch die künftige Herstellung von
Signaltafeln und Schildern für die Bundesbahn
in eigenen Regiebetrieben
SchrAnfr B89 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAnfr B90 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1807* A
Anlage 111
Einsprüche gegen die Linienführung der
A 30 im Bereich Altenrheine
SchrAnfr B91 29.04.77 Drs 08/328
Seiters CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1807* C
Anlage 112
Bau der Bundesautobahn A 56 Bonn—Düren
SchrAnfr B92 29.04.77 Drs 08/328
Milz CDU/CSU
SchrAnfr B93 29.04.77 Drs 08/328
Milz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1807* C
Anlage 113
Änderung des Systems der
Strafpunktvergabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie
Neuregelung der Ordnungswidrigkeiten im
Bußgeldkatalog
SchrAnfr B94 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Walz CDU/CSU
SchrAnfr B95 29.04.77 Drs 08/328
Frau Dr. Walz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1807* D
Anlage 114
Ergebnisse der Verhandlungen der
Bundesbahn über die Vermittlung freier
Bundesbahnausbildungskapazitäten an private
oder andere Träger
SchrAnfr B96 29.04.77 Drs 08/328
Engholm SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV .. . . . 1808* B
Anlage 115
Ausschaltung der sich durch von
Flugzeugtragflächen lösende Eisbrocken
insbesondere auf dem Flughafen Frankfurt/Main
ergebenden Gefahren
SchrAnfr B97 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1808* D
Anlage 116
Anbringung einer Lärmschutzanlage im
Stadtteil Aachen-Verlautenheide
SchrAnfr B98 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Stercken CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1809* A
Anlage 117
Ausschöpfung der Ausbildungskapazität bei
der Bundesbahn
SchrAnfr B99 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schneider CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1809* B
Anlage 118
Genehmigung des Einsatzes von
Motorbooten für Rettungszwecke auf dem Edersee
SchrAnfr B100 29.04.77 Drs 08/328
Walther SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1809* C
Anlage 119
Auslastung der Ausbildungskapazitäten im
Ausbesserungswerk der Bundesbahn in
Kassel
SchrAnfr B101 29.04.77 Drs 08/328
Walther SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1809* D
Anlage 120
Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen auf
den Bohrinseln von den deutschen Küsten
SchrAnfr B102 29.04.77 Drs 08/328
Schreiber SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 1810* A
Anlage 121
Überprüfung der Katastrophenpläne zur
Bekämpfung einer „Ölpest" vor den
deutschen Küsten
SchrAnfr B103 29.04.77 Drs 08/328
Schreiber SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1810* B
Anlage 122
Ergebnis der Verhandlungen mit Italien
über eine Erhöhung des Kontingents im
Straßengüterverkehr
SchrAnfr B104 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schöfberger SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . 1810* D
Anlage 123
Erhöhung der Lärmbelästigung durch die
Begradigung der Streckenführung der
Bundesbahn in Mörfelden
SchrAnfr B105 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1811* A
Anlage 124
Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen bei
Ölbohrungen auf offener See und für unter
deutscher Flagge fahrende Öltanker sowie
internationale Zusammenarbeit bei
Ölunfällen auf dem Meer und Sicherstellung einer
Schadensregulierung nach dem
Verursacherprinzip
SchrAnfr B106 29.04.77 Drs 08/328
Wolfgramm (Göttingen) FDP
SchrAnfr B107 29.04.77 Drs 08/328
Wolfgramm (Göttingen) FDP
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1811* B
Anlage 125
Beseitigung des unhygienischen Zustandes
der sanitären Anlagen in der
Autobahnraststätte Helmstedt-Süd
SchrAnfr B108 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Köhler (Wolfsburg) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1811* D
Anlage 126
Fertigstellung der Autobahn München–
Deggendorf
SchrAnfr B109 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1812* A
Anlage 127
Stand der Disziplinarverfahren auf Grund
des Bummelstreiks der Fluglotsen 1973
SchrAnfr B110 29.04.77 Drs 08/328
Hoffie FDP
SchrAnfr B111 29.04.77 Drs 08/328
Hoffie FDP
SchrAnfr B112 29.04.77 Drs 08/328
Hoffie FDP
SchrAnfr B113 29.04.77 Drs 08/328
Hoffie FDP
SchrAntw PStSekr Wrede BMV . . . . 1812* B
Anlage 128
Aushöhlung der Ziele des
Bergarbeiterwohnungsbaugesetzes und des sozialen
Wohnungsbaus durch Ablösung der
Bundestreuhandmittel mit Arbeitgeberdarlehen der
künftigen Mieter
SchrAnfr B121 29.04.77 Drs 08/328
Menzel SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau . . . 1812* D
Anlage 129
Individuelle Heizkostenabrechnung gemäß
der in der Neubaumietenverordnung
vorgesehenen Regelung
SchrAnfr B122 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Köhler (Duisburg) CDU/CSU
SchrAnfr B123 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Köhler (Duisburg) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau . . . 1813* C
Anlage 130
Statistische Erfassung der Jugendlichen aus
früheren Schulentlaßjahren im Beruf
sbildungsbericht
SchrAnfr B127 29.04.77 Drs 08/328
Wüster SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1813* D
Anlage 131
Ausweitung berufsbegleitender
Studiengänge
SchrAnfr B128 29.04.77 Drs 08/328
Voigt (Frankfurt) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1814* A
Anlage 132
Konsequenzen aus dem Überschuß von
Akademikern
SchrAnfr B129 29.04.77 Drs 08/328
Dr. Steger SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW . . . 1814* C
Anlage 133
Zusagen des Bundesministers für
wirtschaftliche Zusammenarbeit, Frau Schlei, an den
Führer der SWAPO
SchrAnfr B130 29.04.77 Drs 08/328
Glos CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Brück BMZ . . . . . 1815* C
25. Sitzung
Bonn, den 5. Mai 1977
Beginn: 9.00 Uhr
Präsident Carstens: Die Sitzung ist eröffnet.
(Die Abgeordneten erheben sich)
Der Deutsche Bundestag trauert um sein ältestes
Mitglied, den früheren Bundesminister für
Wirtschaft und Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland, Professor Ludwig Erhard, der heute
nacht in einem Bonner Krankenhaus gestorben ist.
Geboren in Fürth 1897, wirkte Ludwig Erhard von
1928 bis 1942 an der Handelshochschule in
Nürnberg. 1945 bis 1946 war er bayerischer
Wirtschaftsminister, 1948 bis 1949 Direktor der Verwaltung für
Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, 1949
bis 1963 Bundesminister für Wirtschaft und 1963 bis
1966 Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland.
Seine historische Leistung bestand in der
Durchsetzung liberaler Grundsätze in der
Wirtschaftspolitik in einem Lande, das eine fast 15jährige Phase
der staatlichen Lenkung der Wirtschaft hinter sich
hatte, in dem das Verständnis für die Bedeutung
marktwirtschaftlicher Grundsätze weitgehend
verlorengegangen war und das sich zudem nach dem
verlorenen zweiten Weltkrieg im Zustand tiefen
wirtschaftlichen und finanziellen Elends befand. Die
Währungsreform 1948 und die anschließende
Beseitigung , der Zwangswirtschaft gegen starke innere
und äußere Widerstände erscheinen als die
bedeutendste Leistung seines Lebens. Er setzte damit die
Kräfte frei, die den wirtschaftlichen Wiederaufstieg
in unserem Lande nach dem Kriege bewirkt haben.
Er tat das in langen, zähen Auseinandersetzungen
mit eigenen Freunden und Gegnern, in denen er
niemals das Ziel aus dem Auge verlor.
Dieses Ziel lautete: dem Menschen ein
menschenwürdiges Dasein in Freiheit zu verschaffen. Dabei
nahm er von Anfang an die Verpflichtung, zur
sozialen Gerechtigkeit beizutragen, sehr ernst. Freie
Marktwirtschaft war die eine, soziale Gerechtigkeit
die andere Komponente seiner wirtschaftspolitischen
Konzeption. In dem von ihm vertretenen und
weltweit verbreiteten Begriff der sozialen
Marktwirtschaft vereinigte sich beides.
Ludwig Erhard war ein mutiger Mann. Der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft setzte er
aktiven Widerstand entgegen. Von der Verfolgung
seiner großen politischen Ziele ließ er sich durch
nichts abbringen.
Er war ein großer Redner, dessen Reden im
Parlament und in der Öffentlichkeit seine Zuhörer in
ihren Bann schlugen.
Er war dabei gleichzeitig ein feinsinniger,
empfindsamer und gütiger Mensch. Gegen verletzende
Angriffe, die auch ihm nicht erspart blieben, setzte
er sich nur widerstrebend zur Wehr. Er glaubte an
die positiven Kräfte in den Menschen, an ihre
Bereitschaft zur Leistung, an ihr Engagement für die
Freiheit. Er vertraute seinen Mitbürgern, und seine
Mitbürger haben ihm in einem selten erreichten Maße
vertraut.
Er war ein überzeugter Demokrat. Die Regeln der
parlamentarischen Demokratie waren für ihn die
unverzichtbare Grundlage einer freiheitlichen
Ordnung. Deutschland verliert mit ihm einen seiner
großen Söhne, der in der Geschichte unseres Landes
einen ehrenvollen Platz einnehmen wird.
Ich spreche namens des Deutschen Bundestages
den Angehörigen des Verstorbenen und der CDU/
CSU-Fraktion unsere tief empfundene Anteilnahme
aus.
Sie, meine verehrten Kolleginnen und Kollegen,
haben sich zu Ehren des Verstorbenen von den
Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen.
Ich unterbreche die Sitzung bis 9.15 Uhr.
(Unterbrechung von 9.05 bis 9.15 Uhr)
Präsident Carstens: Meine Damen und Herren, wir
setzen die unterbrochene Sitzung fort.
Am 26. April 1977 hat unser Kollege Adolf Scheu
seinen 70. Geburtstag gefeiert.
(Beifall)
Ich möchte ihm dazu die herzlichen Glückwünsche
des Hauses aussprechen. Er kann heute leider nicht
hier sein. Ich glaube, es ist wohl die Meinung aller
Kollegen, wenn ich sage, daß wir in dem Kollegen
Scheu einen besonders liebenswerten Kollegen
unseres Hauses schätzen.
(Beifall)
Ich muß, bevor wir in die Tagesordnung
eintreten, von einer interfraktionellen Vereinbarung
Kenntnis geben. Die heutige Tagesordnung soll
ergänzt werden um den Antrag der Abgeordneten
Mahne, Wuttke, Stahl (Kempen), Topmann, Ollesch,
Hoffie und der Fraktionen der SPD, FDP betr.
Versuchsbetrieb in Telefon-Nahbereichen (Drucksache
8/342). — Ich sehe und höre keinen Widerspruch.
Ich stelle fest, daß das Haus einverstanden ist und
die Erweiterung der Tagesordnung entsprechend
beschlossen ist.
Folgende amtliche Mitteilung wird ohne Verlesung in den
Stenographischen Bericht aufgenommen:
Der Vermittlungsausschuß hat das vom Deutschen Bundestag
am 17. März 1977 besdilossene Gesetz zur Änderung des
Gesetzes über Investitionszuschüsse für Mietwohnungen,
Genossensdhaftswohnungen und Wohnheime im sozialen
Wohnungsbau bestätigt. Sein Schreiben wird als Drucksache 8/348 verteilt.
Ich rufe Punkt 2 der Tagesordnung auf:
a) Erste Beratung des von der Fraktion der
CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Beschleunigung strafrechtlicher
Verfahren
— Drucksache 8/323 —
Überweisungsvorsdilag des Ältestenrates:
Rechtsausschuß
b) Erste Beratung des von der Fraktion der
CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Bekämpfung von Terrorismus und
Gewaltkriminalität sowie zum Schutz des
inneren Friedens
— Drucksache 8/322
Überweisungsvorschlag des Ältestenrates:
Rechtsausschuß (federführend)
Innenausschuß
Das Wort zur Begründung und zugleich als erster
Redner in der Debatte hat der Abgeordnete Vogel
(Ennepetal).
Vogel (Ennepetal) (CDU/CSU) : Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich freue
mich, meine Ausführungen mit einem Dank an die
Strafverfolgungsbehörden beginnen zu können, die
bei der Aufklärung des Mordes an
Generalbundesanwalt Buback und den beiden Beamten Göbel und
Wurster sowie bei der Ergreifung der
tatverdächtigen Personen einen entscheidenden Schritt
weitergekommen sind.
(Beifall)
Der Dank meiner Fraktion gilt auch den
wachsamen Bürgern, die die Polizei bei der Ergreifung
der Anarchisten tatkräftig unterstützt haben.
(Beifall)
Unser Mitgefühl gilt den beiden Polizeibeamten,
die bei der Ergreifung der Anarchisten verletzt
worden sind. Einer der Beamten ist schwerverletzt. Ich
möchte diesen Beamten hier auch im Namen meiner
Fraktion und sicherlich auch im Namen des
gesamten Hauses die besten Genesungswünsche
aussprechen.
(Beifall)
Meine Damen und Herren, dieser Erfolg der
Strafverfolgungsbehörden ist nun allerdings nicht dazu
angetan, daß Bundesregierung und Parlament jetzt
ihre Hände in den Schoß legen mit der
Selbstberuhigung, die Strafverfolgungsbehörden würden
es schon schaffen, die Täter dingfest zu machen. Die
Bekämpfung des Terrorismus ist eben nicht allein
eine Sache der Strafverfolgungsbehörden und der
Gerichte — so wichtig es ist, die zu fassen, die
schwere Straftaten begangen haben, und sie ihrer
gerechten Strafe zuzuführen —, sie ist auch vor
allem eine Sache der Bundesregierung und dieses
Parlaments und nicht zuletzt eine Frage der
geistigen und moralischen Orientierung. Wir haben das
in diesem Hause schon oft gesagt, zuletzt noch vor
wenigen Wochen, aber es muß wohl wieder und
wieder gesagt werden, wenn ich an einige
Äußerungen der jüngsten Zeit denke.
Dieses Parlament als Gesetzgeber muß in seiner
Aktion, in seinen Gesetzen zeigen, daß Terrorismus
und Schwerkriminalität als Bedrohung des Bürgers
nicht nur erkannt werden, sondern daß der Staat
auch entschlossen bereit ist, den Schutz seiner
Bürger zu übernehmen und denjenigen mit fühlbaren
Sanktionen zu belegen, der die Regeln, die sich
unsere Gesellschaft in ihrer freien demokratischen
Ordnung zu gedeihlichem Zusammenleben selbst
auferlegt hat, bricht. Auf der Verhältnismäßigkeit
von Rechtsbruch und Sanktion ist unser Strafrecht
aufgebaut. Der Ladendieb wird anders bestraft als
der Einbrecher oder Totschläger. Terrorismus und
Gewaltkriminalität sind die schwersten Formen des
Rechtsbruchs. Die Sanktionen müssen entsprechend
hart sein.
Der Bürger erwartet von diesem Parlament die
moralische Kraft, dieses Problem mit angemessener
Sachlichkeit, aber auch mit aller Entschlossenheit
zu behandeln und nicht weiterzuspinnen, was in
manchen Diskussionszirkeln ohne Beziehung zur
Wirklichkeit vorgesponnen worden ist.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat dem
Bundestag die heute hier zur Beratung anstehenden
Gesetzentwürfe vorgelegt, weil sie nicht zuletzt die
moralische Verpflichtung gegenüber der übergroßen
Mehrheit der gesetzestreuen Staatsbürger empfindet,
die Sorge, die Beunruhigung und die Angst dieser
Bürger, die aus vielen Briefen sprechen, die uns
erreichen, durch besseren Schutz vor Terrorismus
und Gewaltkriminalität abzubauen.
Wir haben zu unseren Gesetzesvorschlägen schon
in der Vordiskussion leider viel Kritik hören
müssen. Ich würde gern sagen, daß diese Kritik wenig
sachlich war. Ich kann das nicht; denn sie war noch
nicht einmal wenig sachlich, sie war überhaupt nicht
sachlich. Dabei konnte man sich in Ihren Reihen,
meine Damen und Herren der Koalition, nicht einmal
in der Kritik auf eine inhaltliche Linie einigen.
Einerseits wurden wir mit einem gewissen Spott
bedacht: unsere Vorschläge seien sozusagen alles
„olle Kamellen". Andererseits hieß es jedoch: „nach
jedem Terroranschlag neue Gesetze" und
„Überreaktion". Da hier Plus und Minus bekanntlich null
ergeben, heben sich auch diese Scheinargumente
gegenseitig auf.
Das schärfste Geschütz, das gegen unsere
Vorschläge aufgefahren wird, ist die Behauptung, mit
ihnen werde die Axt an die Wurzeln des
Rechtsstaates gelegt und der Weg in Richtung Polizeistaat
beschritten. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf,
meine Damen und Herren. Er würde uns sicher tief
treffen, wenn wir nicht wüßten, um welch
abgegriffene Münze es sich handelt. •
Wir kennen doch dieses Schauspiel. Erster Akt:
SPD und FDP sind die liberalen Helden. CDU und
CSU werden als antirechtsstaatlich und reaktionär
beschimpft. Zweiter Akt: Irgendwo geschieht ein
spektakulärer terroristischer Anschlag. Dritter Akt:
SPD und FDP schließen sich den angeblich anti
rechtsstaatlichen Gesetzesvorschlägen von CDU und
CSU an. Epilog: SPD und FDP geben die von CDU
und CSU vorgeschlagenen und zunächst vehement
beschimpften Gesetze plötzlich als ihr eigenes
rechtspolitisches Verdienst aus. Dies, meine Damen
und Herren, ist keine Erfindung von mir, sondern
das Drehbuch z. B. für die Änderung des Haftrechts.
Ich darf nur an die damalige Diskussion und daran
erinnern, wie man mit stolzgeschwellter Brust im
Bundestagswahlkampf 1972 verkündete, das alles
seien die Beiträge der Koalition zur inneren
Sicherheit.
Wenn wir — wie immer in den vergangenen
Jahren nötig — mehr Schutz und Sicherheit für unsere
Bürger auch durch Gesetze fordern, hören wir z. B.
in schöner Regelmäßigkeit die Stimme eines
gewissen Herrn Wassermann, den ich nicht wegen seiner
persönlichen Bedeutung nenne, sondern weil er
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Sozialdemokratischer Juristen ist. Er pflegt dann immer ein
Schrekkensgemälde von den Gefährdungen des
Rechtsstaats zu malen, und immer wieder finden dann
publizistische Büchsenspanner mit
nachtwandlerischer Sicherheit Herrn Wassermann als
Interviewpartner, obwohl er noch nie irgendwo konkrete
politische Verantwortung getragen hat. Dieser selbe
Herr Wassermann, der sich so für den Rechtsstaat
engagiert, meine Damen und Herren, ist der
Erfinder der Figur des politischen Richters. Mit dieser
Figur des politischen Richters, nicht mit unseren
Gesetzesvorschlägen, meine Damen und Herren,
wird die Axt an die Wurzeln des Rechtsstaates
gelegt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Besonders besorgt stimmt uns allerdings eine
andere Äußerung zur Ermordung des
Generalbundesanwalts, zum Terrorismus und zur
Rechtsstaatlichkeit. Wir sind deshalb besorgt, weil diese Äußerung
aus dem SPD-Vorstand kommt und weil sie eine
Geisteshaltung zeigt, die wir alle gemeinsam vor
wenigen Wochen als gefährlich erkannt haben. Ich
zitiere aus der „Süddeutschen Zeitung" vom 3. Mai
1977, und zwar wörtlich. Unter der Überschrift
„Steffen: Der Staat begibt sich auf
Terroristenniveau" heißt es dort:
Das SPD-Vorstandsmitglied Jochen Steffen hat
die Befürchtung geäußert, daß nach dem Mord
an Generalbundesanwalt Siegfried Buback die
Prinzipien des Rechtsstaates „noch mehr
abgewürgt" werden. In einem Kommentar für die
Zeitschrift Schüler Express der Jungsozialisten
schrieb Steffen, der Mord an Buback sei eine
Herausforderung des Rechtsstaates. Bisher habe
man auf diese Herausforderung immer so
geantwortet, daß man dem Rechtsstaat langsam
die Luft abdrücke. Damit begebe sich der
Rechtsstaat „auf das Niveau der Terroristen". Es zähle
nichts mehr außer Zweckmäßigkeit und Gewalt.
„Dann sind wir im Urwald. Bei der Affäre mit
den Wanzen waren wir schon voll drin", schrieb
Steffen.
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU] : Unglaub
-
lich! — Weitere Zurufe von der CDU/
CSU)
Wenn der Staat seinen Bürgern, die ihn erst
bildeten, nicht traue, setze er seinen Apparat
gegen sie ein, fuhr der SPD-Politiker fort. Er
erzeuge ein Klima der Bespitzelung und
Verdächtigung. Steffen vertrat die Auffassung, daß
der Mord an Buback alles noch verschlimmern
dürfte. „Jetzt werden erst recht die Wanzen
kommen. Aber ein Staat ohne Recht ist eine
organisierte Terrorbande.
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU] : Unglaub
lich! Und das in einer Regierungspartei!
— Weitere Zurufe von der CDU/CSU)
Die Bürger werden um rechtsstaatliche
Prinzipien kämpfen müssen, oder der US-Präsident
Carter kann uns in seine Gebete für die
Menschenrechte einschließen", heißt es abschließend
in dem Kommentar.
Diese Ausführungen sprechen für sich. Ich
unterstelle, daß sie mit Sicherheit nicht repräsentativ für
die SPD sind. Aber Herr Steffen ist immerhin
Mitglied des Parteivorstandes der SPD. Eine solche
Stimme aus dem Führungsgremium der tragenden
Regierungspartei ist schlicht und einfach skandalös.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Nicht nur wir, auch die Bürger dieses Landes
werden am Ende der Beratungen über unsere
Gesetzesvorschläge wissen, wer in dieser Partei das Sagen
hat: Herr Steffen und seine Freunde im Geiste oder
noch der Herr Bundeskanzler.
Lassen Sie mich, bevor ich zu unseren Vorschlägen
im einzelnen komme, auf einen letzten Einwand aus
den Reihen der SPD und der FDP eingehen, nämlich
den Einwand, wir suchten alles Heil in Gesetzen.
Wir suchen gewiß nicht alles Heil in Gesetzen.
Wir suchen es aber auch in Gesetzen. Wir wissen:
Wenn diese unsere Vorschläge Gesetz werden, wird
nicht das Paradies auf Erden ausbrechen. Es hat zu
allen Zeiten Kriminalität und Gewaltkriminalität
gegeben. Dies wird sich nicht ändern; denn die
menschliche Natur ändert sich nicht. Aber wir sind der
festen Überzeugung, daß unsere Gesetzesvorschläge,
ein wohlausgewogenes Paket aus
materiellrechtlichen Bestimmungen und Änderungen der
Strafprozeßordnung und des Versammlungsrechts,
mindestens helfen werden, ein weiteres Ansteigen des
Terrorismus zu verhindern, und letztlich zu einer
Abnahme von Terrorismus und Gewaltkriminalität
führen können.
Auch für uns sind im übrigen Gesetze nur ein Teil
des Instrumentariums, das dem Staat zur Verfügung
I steht oder zur Verfügung gestellt werden muß, um
die Kriminalität einzudämmen und den Bürger
besser zu schützen. Ich selber setze mich zum Beispiel
schon seit vielen Jahren auch für technische
Verbesserungen ein, die den Aktionsradius und die
Handlungsfähigkeit der Verbrecher für kriminelle
Handlungen einschränken. Ich brauche nur an
fälschungssichere Kraftfahrzeugkennzeichen und
Ausweispapiere zu erinnern. Es freut mich, daß der Herr
Kollege Kleinert von der FDP das in der jüngsten
Debatte über die innere Sicherheit ein wichtiges
Mittel zur Terroristenbekämpfung genannt hat.
Im Gegensatz zum Kollegen Kleinert bin ich
allerdings für eine konzertierte Aktion. Technische
Maßnahmen, Maßnahmen in der Ausstattung der
Polizei und des Bundeskriminalamts oder zur
personellen Verstärkung des Verfassungsschutzes
beispielsweise dürfen nicht für sich allein angestrebt werden.
Sie müssen Hand in Hand gehen mit der Schaffung
des nötigen gesetzlichen Instrumentariums.
Ein 'wichtiger Bestandteil unserer
Gesetzesvorschläge ist die Anhebung der angedrohten
Höchststrafe von 15 auf 20 Jahre bei besonders schweren
Straftaten und die Verschärfung des
Demonstrationsstrafrechts. In erster Linie auf diese Vorschläge
scheint sich das Argument aus den Reihen von SPD
und FDP zu beziehen, sie hätten mit einer
Bekämpfung des Terrorismus nichts zu tun.
Zunächst darf ich dazu bemerken, daß der eine
unserer Gesetzentwürfe nach seinem Titel nicht
allein die Bekämpfung des Terrorismus zum
Gegenstand hat, sondern auch die Bekämpfung anderer
Gewaltkriminalität. Nur zu Ihrer Orientierung —
ich weiß, es fehlt oft die Zeit,
Bundestagsdrucksachen zu lesen —: Die Überschrift unserer
Initiative heißt „Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung
von Terrorismus und Gewaltkriminalität sowie zum
Schutz des inneren Friedens".
Abgesehen davon meinen wir aber auch, daß die
Erhöhung der Höchststrafe für Delikte der
Gewaltkriminalität und die Änderung des
Demonstrationsstrafrechts sehr wohl etwas mit der Bekämpfung des
Terrorismus zu tun haben. Wir sind mit Ihnen der
Überzeugung, daß sich der harte Kern der
Terroristen mutmaßlich durch die Erhöhung der
Höchststrafe von 15 auf 20 Jahre für bestimmte Delikte
von weiteren Terrorakten nicht abhalten läßt. Wie
Sie, meine Damen und Herren von der Koalition,
aber nach einigen Anhörungen und dem vielen
Ihnen zur Verfügung stehenden Material wissen
sollten, geht es nicht allein um diesen harten Kern,
es geht auch um das Umfeld und um diejenigen, die
noch nicht zum harten Kern gehören, die vielleicht
noch nicht einmal zu dem Umfeld gehören, sondern
auf dem Wege dorthin sind. Hier haben die
Anhebung der Höchststrafandrohung und die
Verschärfung des Demonstrationsstrafrechts sehr wohl ihre
Berechtigung.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Es ist ja schließlich nicht so, daß ein Mensch eines
Morgens aufwacht und Terrorist ist. Es führt ein
Weg dahin, manchmal ein längerer, manchmal ein
kürzerer. Eine Station am Anfang dieses Weges ist
häufig — Sie haben das in der gemeinsamen Unter
-
richtung des Innenausschusses und des
Rechtsausschusses nach dem Mordanschlag von Karlsruhe
gehört — Häuserbesetzung und Teilnahme an
gewalttätigen Demonstrationen. Das Stichwort heißt
„gewalttätige Demonstrationen".
Hier ist nun leider von Ihrer Seite schon wieder
bewußt ein „Türke" aufgebaut worden. Ich will nur
Herrn Kollegen Wehner aus seinem Beitrag für die
Esslinger Zeitung vom 29. April 1977 zitieren. Dieser
Beitrag steht für eine Reihe von Äußerungen aus der
SPD. Ich zitiere:
Es kann auch nicht dienlich sein, daß
verschiedenste Erscheinungen miteinander vermengt
werden, so zum Beispiel friedliche, im
Grundgesetz verbürgte Demonstrationen und
strafbare Gewaltaktionen am Rande oder unter
Mißbrauch von Demonstrationen.
(Dr. Emmerlich [SPD]: Genau richtig!)
Nun ist Herr Wehner sicher kein Jurist, aber bei
seinem Intelligenzgrad kann ich dies nicht als
Entschuldigung gelten lassen. Herr Kollege Wehner,
Sie wissen doch trotzdem sehr wohl, daß sich unser
Vorschlag zur Änderung des Paragraphen über
Landfriedensbruch nur gegen gewalttätige
Demonstrationen richtet.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vielleicht sollten Sie daneben unseren
gleichzeitig eingebrachten Vorschlag zur Änderung des
Versammlungsgesetzes lesen, der lautet:
Jeder hat das Recht, öffentliche Versammlungen
und Aufzüge friedlich zu veranstalten und an
solchen Veranstaltungen friedlich teilzunehmen.
Das — und nur das — entspricht dem Grundrecht
der Versammlungsfreiheit in Art. 8 des
Grundgesetzes.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Unsere Vorschläge verfolgen gerade das Ziel, das
Recht auf friedliche Demonstration dadurch in
seiner Bedeutung hervorzuheben und zu stärken, daß
wir einen klaren Trennungsstrich ziehen zwischen
friedlichen und gewalttätigen Demonstrationen, und
letztere sind von dem Grundrecht der
Versammlungsfreiheit eben nicht umfaßt.
(Sehr wahr! bei der CDU/CSU)
Sie arbeiten also mit einer Unterstellung, Herr
Kollege Wehner. Daß damit Ihre Beteuerungen,
unsere Gesetzentwürfe sachlich und
unvoreingenommen prüfen zu wollen, unglaubwürdig
erscheinen müssen, liegt auf der Hand. Ich möchte hier
noch einmal an Sie und Ihre Fraktion appellieren:
Lassen Sie die Worte von einer unpolemischen und
sachlichen Diskussion zu Taten werden!
Wie notwendig eine Änderung des
Demonstrationsstrafrechts ist, zeigen die Demonstrationen in
Frankfurt, Brokdorf, Grohnde — um nur einige
herauszugreifen. Insbesondere Grohnde macht deutlich,
daß politische Gruppierungen und Vereinigungen,
radikale Gruppen und subversive Kräfte
(Dr. Emmerlich [SPD] : Das war nackte
Gewalt!)
) Demonstrationen zu organisiertem Widerstand und
Angriff auf unsere freiheitliche verfassungsmäßige
Ordnung benutzen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Herr Kollege Emmerlich, jetzt hören Sie sich
vielleicht einmal den Bericht an. Die Ermittlungen
zu den Vorgängen in Grohnde haben z. B. ergeben,
daß das Vorgehen bis ins einzelne taktisch geplant
war. Das Gelände wurde vorher aufgeklärt, Karten
und Pläne wurden angefertigt. Bereits bei der
Anfahrt wurden die Lenkung, Sammlung und
Einweisung der Teilnehmer sowie die Einteilung der
Führungs- und Verbindungsleute vorgenommen. Es
wurden eigene Verkehrslenkungsmaßnahmen
getroffen; zur taktischen Lenkung wurden
gruppenweise einheitliche Kennzeichen und Symbole
ausgegeben. Zahlreiche Anführer waren maskiert bzw.
stark vermummt. Die Führung bei den
Einzelaktionen erfolgte durch Megaphon und
Lautsprecherwagen. Innerhalb eng geschlossener
Marschkolonnen wurde schweres Gerät in den
Aktionsraum eingeschleust. Die Akteure erhielten
Feuerschutz durch Steinwürfe und gezielte
Zwillenschüsse mit Stahlkugeln und Schrauben. Die
Demonstranten hatten sogar einen eigenen Sanitätsdienst
mit Ärzten, Helfern und Fahrzeugen.
Nach dem derzeit geltenden
Demonstrationsstrafrecht können nur diejenigen bestraft werden, die
selbst Gewalttätigkeiten begangen haben oder auf
die Menschenmenge eingewirkt haben, um deren
Bereitschaft zu solchen Handlungen zu fördern.
Meine Damen und Herren von der Koalition, ich
glaube, die Strafverfolgungsbehörden wären Ihnen
dankbar, wenn Sie ihnen einen Tip geben könnten,
wie sie aus einer Menschenmenge von ca. 10 000
bis 12 000 Demonstrationsteilnehmern die aktiven
Teilnehmer ermitteln sollen.
(Dr. Penner [SPD] : Wie wollen Sie denn
10 000 verfolgen? — Weitere Zurufe von
der SPD)
— Hören Sie weiter zu, Herr Kollege Penner.
(Zuruf des Abg. Dr. Emmerlich [SPD])
Nach vorliegenden Berichten sind bei den
gewalttätigen Ausschreitungen in Grohnde junge
Demonstranten mit Injektionsnadeln, mit denen Überdosen
des Medikaments Novalgin gespritzt werden
sollten, von hinten gegen Polizeibeamte vorgegangen.
Versuchen Sie einmal, hinterher aus 10 000 oder
12 000 Demonstrationsteilnehmern die
herauszufinden, die in dieser hinterhältigen Weise
Polizeibeamte angegriffen oder anzugreifen versucht
haben! Hier liegt doch das Problem.
(Beifall bei der CDU/CSU — Dr. Penner
[SPD] : Sie können doch nicht 10 000 Leute
einsperren!)
Nach allen vorliegenden Erkenntnissen war die
sogenannte Demonstration von Grohnde unter
Ausnutzung des derzeit geltenden § 125 StGB so
geplant, daß allein durch die Menge der Teilnehmer
der Schutz der Gewalttätigen nahezu vollkommen
war.
(Zuruf des Abg. Dr. Emmerlich [SPD])
— Herr Emmerlich, hören Sie zu. Sie sind zu schnell;
Sie kriegen auf Ihre Frage gleich eine Antwort.
In Grohnde haben die gewalttätigen
Demonstranten selbst für ihr schützendes Umfeld gesorgt. In
anderen Fällen bedienen sich diese subversiven
Kräfte der Teilnehmer an friedlich geplanten
Demonstrationen. Sie mischen sich unter die
Demonstranten und benutzen sie als schützendes Umfeld.
Die Wirkung für ,die gewalttätigen Demonstranten
ist dieselbe: Sie sind weitgehend vor
strafrechtlichem Zugriff geschützt. Es gibt nur eine
Möglichkeit, ihnen diesen Schutz zu entziehen, nämlich
die Bestrafung auch dessen, der als
Demonstrationsteilnehmer zwar selbst keine Gewalttätigkeiten
begeht, sich aber an einer Demonstration beteiligt, aus
der heraus Gewalttätigkeiten begangen werden.
Es mag sein, daß diese Lösung für Demonstranten,
die mit dem Ziel einer friedlichen Demonstration
gekommen sind, nicht angenehm ist. Aber es kann
doch wohl von jedem gesetzestreuen Staatsbürger
verlangt werden, daß er sich, auch wenn er selbst
nur friedliche Absichten hat, an gewalttätigen
Demonstrationen nicht beteiligt und sich entfernt,
sobald eine Demonstration gewalttätig wird.
Im übrigen darf ich zu dieser Frage abschließend
darauf hinweisen, daß die von uns vorgeschlagene
gesetzliche Regelung auch zu dem rechtlichen
Instrumentarium anderer Länder gehört; ich möchte
hier nur auf entsprechende Vorschriften in
Dänemark, Norwegen, Österreich, Schweden und der
Schweiz hinweisen. Sie sollten endlich anerkennen,
daß Sie 1970 übers Ziel hinausgeschossen sind, und
sollten bereit sein, den damaligen Fehler zu
korrigieren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zu der Frage der Anhebung von Höchst- und
Mindeststrafen für eine Reihe schwerster
Verbrechen wird mein Kollege Dr. Wittmann noch nähere
Ausführungen machen. Unsere Vorschläge verfolgen
das Ziel, den hohen Unrechtsgehalt solcher
Verbrechen, bei denen Gewalttätigkeiten gegen Menschen
begangen werden und die schwerwiegende Folgen
für Leben und Gesundheit von Menschen haben,
noch deutlicher als im geltenden Strafrecht
hervorzuheben. Wir erhoffen uns davon Auswirkungen
auf die Strafzumessungspraxis der Gerichte, deren
Urteile gerade in Fällen der Schwerstkriminalität
vielen Bürgern oft genug von unverständlicher
Milde erscheinen. Wir erhoffen uns davon aber auch
eine abschreckende Wirkung auf alle diejenigen,
die noch nicht zur Tat fest entschlossen, sondern
in der Versuchung sind, ein solches schweres
Verbrechen zu begehen.
Den hohen Unrechtsgehalt dieser schwersten
Verbrechen wollen wir auch noch dadurch
unterstreichen, daß wir verhindern möchten, daß derjenige,
der z. B. wegen Geiselnahme oder erpresserischen
Menschenraubs verurteilt worden ist, mit ziemlicher
Sicherheit die Aussetzung des Strafrestes zur
Bewährung erwarten kann, wenn er zwei Drittel der
Strafe verbüßt hat. Wer wegen solcher Verbrechen
verurteilt worden ist, soll in der Regel-damit
rechnen müssen, daß er seine Strafe auch voll verbüßen
muß.
Das soll vor allem dann gelten, wenn nicht zu
erwarten ist, daß der Täter den Schaden, den er
angerichtet hat, wiedergutmacht, soweit er dazu in
der Lage ist. Für das Rechtsempfinden unserer
Bürger ist es z. B. schlechthin unerträglich, wenn ein
Verbrecher wie der Albrecht-Entführer Ollenburg,
der eine Millionenbeute sicher beiseite geschafft hat,
auch noch vorzeitig entlassen wird, um möglichst
frühzeitig in den Genuß seiner Beute zu kommen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir halten gerade die Anhebung der Höchst- und
der Mindeststrafen im Bereich der
Schwerstkriminalität für kriminalpolitisch wichtig. Und Sie dürfen
versichert sein, daß es dazu keine unterschiedlichen
Aufassungen zwischen CDU und CSU, sondern
völlig einmütige Übereinstimmung gibt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ich sehe gerade den Herrn Kollegen Penner. Sie
sollten vielleicht Ihr „Sonthofen-Argument" endlich
einmal einmotten. Es hilft hier überhaupt nicht.
(Zurufe von der SPD)
— Ich würde sagen, Sie brauchen ja irgend etwas,
wo Sie gegen eine Wand reden können, und hier
haben Sie so eine imaginäre Wand, die Sie sich
aufgebaut haben. Motten Sie das lieber ein und
kommen Sie zu einer sachlichen Auseinandersetzung
über unsere Vorschläge zurück!
(Beifall bei der CDU/CSU — Pensky [SPD] :
Sie dürfen es ja noch nicht einmotten!)
— Haben Sie keine Sorge! Irgendwo muß man sich
Mut machen, wenn man in einer so verzweifelten
Lage ist wie Sie im Augenblick in der SPD.
(Erneuter Beifall bei der CDU/CSU)
Einen Schwerpunkt gerade für die Bekämpfung
des Terrorismus sehen wir in der Ermöglichung der
Anordnung der Sicherungsverwahrung gegen solche
Terroristen, die sich eines Verbrechens der
Beteiligung an einer schwerkriminellen Vereinigung
schuldig gemacht und im Zusammenhang damit ein
Verbrechen begangen haben, das mit einer lebenslangen
Freiheitsstrafe oder mit einer Höchststrafe von 20
Jahren bedroht ist. Wir sind der Auffassung, daß
die Gerichte bei der Aburteilung dieser Terroristen
auch dann die Möglichkeit haben müssen, die
Sicherungsverwahrung im Anschluß an die Verbüßung
einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren —
so lautet unser Vorschlag — anzuordnen, wenn sie
zum erstenmal bestraft werden. Die bisherigen
Erfahrungen zeigen, daß solche Terroristen, wenn sie
nach der Verbüßung ihrer Strafe entlassen werden,
in der Regel sofort wieder in der Terroristenszene
untertauchen und damit das terroristische Potential
verstärken.
Die heute schon geltenden Möglichkeiten zur
Anordnung der Sicherungsverwahrung verlangen auch
nicht immer, daß der Täter früher schon wegen
erheblicher Straftaten verurteilt worden ist. Nach § 66
Abs. 2 des Strafgesetzbuches kann das Gericht auch
ohne frühere Verurteilung dann die
Sicherungsverwahrung anordnen, wenn jemand drei vorsätzliche
Straftaten begangen hat, durch die er jeweils Frei
-
heitsstrafe von mindestens einem Jahr verwirkt hat,
und wenn er wegen einer oder mehrerer dieser
Taten zu zeitiger Freiheitsstrafe von mindestens drei
Jahren verurteilt worden ist. Der entscheidende
Maßstab für die gesetzliche Regelung ist, daß der
Täter nachhaltig erhebliche kriminelle Energie
aufgewandt hat und erwarten läßt, daß das auch künftig
der Fall sein wird.
Nachhaltig erhebliche kriminelle Energie wendet
auch derjenige auf, der sich des Verbrechens der
Beteiligung an einer schwerkriminellen Vereinigung,
also an einem sogenannten Dauerdelikt, schuldig
macht und im Zusammenhang damit ein besonders
schwerwiegendes Verbrechen begeht. Ergibt in
diesen Fällen die Gesamtwürdigung des Täters und der
Tat, daß seine Bereitschaft zum Terrorismus
fortbesteht, soll das Gericht die Möglichkeit haben, die
Sicherungsverwahrung anzuordnen. Diese muß so
lange vollzogen werden können, wie die Bereitschaft
zu terroristischen Verbrechen weiterbesteht. Wir
sehen darin nicht zuletzt ein wirksames Mittel,
terroristischen Umtrieben vorzubeugen. Das ist
mindestens so rechtsstaatlich, wie die heute schon
bestehende Möglichkeit der Anordnung der
Sicherungsverwahrung gegen den notorischen Einbruchsdieb.
Denn der notorische Terrorist, meine Damen und
Herren, stellt in jedem Fall eine größere Gefahr dar
als der notorische Einbruchsdieb.
Neben den von uns vorgeschlagenen und von mir
in den wesentlichen Grundzügen erläuterten
Änderungen des materiellen Strafrechts messen wir
unseren Vorschlägen zur Änderung des
Strafverfahrensrechts besonders große Bedeutung bei. Unser
Gesetzentwurf zur Beschleunigung strafrechtlicher
Verfahren ist eine Antwort auf den zu Recht
bestehenden Eindruck, daß gerade im Bereich der
Gewaltkriminalität und des Terrorismus die Strafverfahren oft
viel zu lange dauern. Die Dauer und die Art und
Weise des Ablaufs des Baader-Meinhof-Prozesses in
Stammheim haben dem Rechtsstaat größeren
Schaden zugefügt und das Vertrauen in die Fähigkeit
des Rechtsstaates zu angemessener und würdiger
Ahndung von Verbrechen stärker erschüttert, als
manchem bewußt ist.
Hier muß bald etwas geschehen. Wir würden es
sehr begrüßen, wenn die Bundesregierung hier
endlich aus dem Stadium des Prüfens in das Stadium des
Handelns käme. Der Bundesrat und die CDU/CSU-
Bundestagsfraktion hatten schon in der letzten
Legislaturperiode die Vorschläge vorgelegt, die wir
jetzt wieder eingebracht haben.
Unser Gesetzentwurf hat den großen Vorzug, die
rechtsstaatlich gebotene Verteidigung des
Angeklagten zu gewährleisten und andererseits durch
Einschränkung des Prozeßstoffs eine Beschleunigung
des Verfahrens zu erreichen. Die Möglichkeiten des
geltenden Strafprozeßrechts, den Prozeßstoff sinnvoll
zu begrenzen, sind unzureichend. In vielen Fällen —
dies trifft insbesondere auf Großgefahren zu —
sind die Anklagevorwürfe gegen die Angeklagten
so umfangreich, daß auch ein Teil dieser Vorwürfe,
wenn sie nachgewiesen werden, ausreichen, um
gegen den Angeklagten eine Höchststrafe zu
verhängen. Für den Strafzweck ist es daher unerheblich,
Deutscher Bundestag — 8. Wahlperiode — 25. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den. 5. Mai 1977 1679
Vogel (Ennepetal)
wenn die übrigen Delikte vorläufig eingestellt
werden. Für das Strafverfahren ist es jedoch von
entscheidender Wirkung, weil das Strafverfahren
dadurch in kürzerer Zeit durchgeführt werden kann.
Dies beeinträchtigt auch nicht etwa die Wirkung
des materiellen Strafrechts, sondern es verstärkt sie
nur noch; denn je schneller die Bestrafung der Tat
erfolgt, um so wirksamer ist sie. Damit verstärkt
das beschleunigte Strafverfahren die
Präventivwirkung des Strafrechts.
Auch der Deutsche Juristentag in Hamburg hat
sich 1974 für die Beschleunigung von Großverfahren
ausgesprochen. Die Konferenz der Justizminister
und -senatoren hat 1975 die Prüfung entsprechender
Maßnahmen empfohlen. Im Bundesjustizministerium
wird an einem entsprechenden Entwurf gearbeitet.
(Dr. Lenz [Bergstraße] [CDU/CSU] : Schon
lange!)
Ich glaube daher, daß hier ein Konsens unter den im
Bundestag vertretenen Parteien gefunden werden
kann.
Zum Schluß möchte ich noch einiges zu dem
leidigen Thema der Überwachung des mündlichen
Verteidigerverkehrs sagen. Die bisherige Behandlung
dieses Themas — meine Damen und Herren, lassen
Sie es mich hart formulieren — ist skandalös und
stellt objektiv eine folgenschwere Begünstigung
terroristischer Anschläge in den letzten Jahren dar.
(Beifall bei der CDU/CSU — Dr. Kunz
[Weiden] [CDU/CSU]: Nichts anderes!)
Wir werden in dieser Frage nicht nachgeben,
sondern alles tun, damit eine Regelung geschaffen wird,
die Schluß damit macht, daß sogenannte
Rechtsanwälte ihre Verteidigerrechte zur tätigen
Komplicenschaft
(Sehr gut! bei der CDU/CSU)
mit inhaftierten Terroristen mißbrauchen können.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn irgendwo das Wort „Überreaktion"
berechtigt ist, dann bei der überempfindlichen Reaktion in
manchen Kreisen auf die Forderung nach einer
gesetzlichen Ermöglichung der Überwachung des
mündlichen Verteidigerverkehrs. Diejenigen in der
Bundesregierung und in der Koalition, allen voran
der Herr Bundeskanzler, die sich nun schon
wiederholt öffentlich für eine solche Regelung
ausgesprochen haben, werden von uns die Möglichkeit
eingeräumt erhalten, ihrer Meinung in einer namentlichen
Abstimmung hier im Deutschen Bundestag Geltung
zu verschaffen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Eine solche Regelung rüttelt keineswegs an den
Grundfesten unseres Verfahrensrechts, zu denen das
Vertrauensverhältnis zwischen dem Verteidiger und
seinem Mandanten gehört. Wie oft haben wir schon
den Nachweis erbracht, daß die von uns
vorgeschlagene Regelung nicht nur allen rechtsstaatlichen
Erfordernissen gerecht wird, sondern im Ergebnis ein
Beitrag zur Festigung des Rechtsstaates sein wird.
Ich habe schon in der Bundestagsdebatte am
24. Juni des vorigen Jahres nachgewiesen, daß in
den rechtsstaatlichen Demokratien um uns herum, (
z. B. in den Niederlanden, in der Schweiz, in England
oder in Schweden, sehr viel weitergehende
Überwachungsmöglichkeiten bestehen als nach den von
uns jetzt erneut vorgelegten Vorschlägen.
Ich würde es begrüßen, wenn sich die sehr
verehrten Damen und Herren der Koalitionsfraktionen
endlich einmal unvoreingenommen und gründlich
damit beschäftigen würden.
(Lachen des Abg. Dr. Penner [SPD])
— Ich nehme es durchaus ernst, Herr Kollege
Penner.
(Dr. Penner [SPD] : Herr Vogel, aber bei
Ihnen entwickelt sich dieses Thema zu einer
reinen Glaubensfrage! — Lachen bei der
CDU/CSU)
— Lieber Herr Kollege Penner, Sie haben die
jahrelangen Diskussionen um die Verschärfung des
Haftrechts hier im Haus nicht mitbekommen. Das
Drehbuch ist genau das gleiche gewesen. Wir waren
„antirechtsstaatlich". Hier wurde die „Axt an die
Wurzeln des Rechtsstaates gelegt". Hier ging es
darum, daß „liberale Errungenschaften des
Rechtsstaates abgebaut" werden sollten. Dann gab es da
Vokabeln, die unterschwellig verdächtigen sollten,
„Vorbeugehaft", „Schutzhaft", und was es alles
gegeben hat.
Es hat jahrelang gedauert — ich sage —, viel zu
lange gedauert. Am Ende haben Sie alle zugestimmt.
Haben Sie seitdem irgendeine Klage darüber gehört,
daß das ein Haftrecht sei, das mit dem Rechtsstaat
nicht vereinbar ist?
(Dr. Kohl [CDU/CSU] : Sehr gut!)
Haben Sie seitdem irgendeine Klage gehört, das
geltende Haftrecht reiche nicht aus? Das heißt, damit
ist dieses Thema dann vom Tisch gekommen. Wenn
hier jemand versagt hat, dann, würde ich sagen,
diejenigen, die hysterisch auf diese Vorschläge
reagiert haben
(Beifall bei der CDU/CSU)
und nicht einsehen konnten, daß es eben hier
notwendig war, das rechte Verhältnis zwischen der
Freiheit des einzelnen, der Freiheit der vielen und
den notwendigen Sicherheitsbedürfnissen in diesem
Staat, in dieser Gesellschaft herzustellen. Ich meine,
im Haftrecht haben wir es geschafft. Schaffen wir es
doch endlich auch in der Frage der Überwachung
des Verteidigerverkehrs!
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ich nehme es durchaus ernst, wenn das Argument
vorgebracht wird, auch der terroristischer
Aktivitäten Beschuldigte habe Anspruch darauf, mit
seinem Verteidiger vertrauliche Gespräche führen zu
können. Niemand bestreitet einen solchen Anspruch,
Herr Kollege Penner. Ich möchte das sehr
nachdrücklich unterstreichen. Wir erwarten nur, daß
auch der Terrorist sich einen Verteidiger nimmt,
dessen Ziel einzig und allein die Verteidigung des
Beschuldigten ist und daß er sich nicht einen
Komplicen im Gewande eines Verteidigers anheuert,
mit dessen Hilfe er aus der Zelle heraus dann sein
terroristisches Treiben fortsetzt. Nur darum geht es.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn Sie unseren Vorschlag nachlesen, dann
werden Sie feststellen: Nur dann, wenn bestimmte
Tatsachen den Verdacht begründen, daß der
Verkehr zwischen dem Verteidiger und seinem
Mandanten komplicenhaft mißbraucht wird, gibt unser
Vorschlag die Möglichkeit zur Überwachung des
mündlichen Verteidigerverkehrs, nur dann. Die
Anordnung wird einem Richter vorbehalten, dessen
Entscheidung von einer höheren Instanz überprüft
werden kann. Die Durchführung soll ebenfalls in
den Händen eines unabhängigen Richters liegen.
Herr Kollege Penner, wir haben vorhin ein
Gespräch geführt. Wenn Sie der Auffassung sind, der
Richter sei hier von seiner Erfahrung, von
seinem Sachverstand her überfordert, dann, meine ich,
sollten wir nicht sagen: Ergo werden wir überhaupt
nichts tun, sondern dann sollten wir gemeinsam
überlegen, wie wir es dann so effektiv und so
wirksam gestalten können, daß es hinterher auch in
diesen extremen Ausnahmefällen funktioniert. Ich
meine, diese Verpflichtung hätten wir alle
gemeinsam.
(Dr. Penner [SPD]: Ausschluß!)
— Herr Kollege Penner, die Bundesregierung hat
1974 den Vorschlag gemacht, eine
Überwachungsregelung zu treffen. Dann hat die kluge Mehrheit
dieses Hauses gesagt: Wir machen etwas viel
Schlimmeres, wir regeln den Ausschluß.
(Dr. Emmerlich [SPD] : Wirkungsvoll!)
Dann gucken Sie doch mal, was der Herr Croissant
nach wie vor macht, daß er nach wie vor in
Düsseldorf verteidigen kann, daß er nach wie vor durch
die Haftanstalten der Bundesrepublik Deutschland
reisen kann. Es ist interessant, daß es dann immer
zeitliche Zusammenhänge mit dem Beginn eines
Hungerstreiks, mit dem Abbruch eines
Hungerstreiks, mit Durststreik, das heißt mit konzertierten
Aktionen gibt.
(Sehr gut! bei der CDU/CSU)
Ich habe hier nur einen dieser Anwälte genannt.
Natürlich sind das Leute, die nicht in den
Anwaltsstand gehören, aber sie sind drin. Ihre
Ausschlußregelung hat nicht verhindert, daß dieses Treiben
fortgesetzt wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Leute, die etwas von der Sache verstehen, haben
Ihnen doch gesagt, daß wir ohne eine solche
Regelung nicht auskommen. Hören Sie doch endlich auf
diejenigen, bei denen man mit Recht annehmen
kann, daß sie Sachverstand haben und nicht
ideologisch verblendet sind!
Meine Damen und Herren, ich habe manchmal
den Eindruck, daß sich die Gegner einer solchen
Regelung, wir würden bei uns im Ruhrgebiet sagen:
in den gleichen Knüpp hineinargumentiert haben,
wie bei der seinerzeitigen Diskussion um die
Verschärfung des Haftrechts. Bringen Sie doch
endlich den Mut auf, diesen Knoten durchzuschlagen,
damit das getan werden kann, was alle Fachleute
für unausweichlich notwendig halten.
(Kleinert [FDP]: Na, na!)
— Herr Kollege Kleinert, ich würde Sie in
gewissem Umfang auch als Fachmann betrachten. Nur,
für die Fragen, die hier kriminaltechnisch, die
kriminologisch, -die im Bereich der
Kriminalbekämpfung notwendig sind, sind Sie mir jedenfalls nicht
der kompetente Fachmann. Das darf ich doch wohl
so sagen.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, die Sicherheit unserer
Bürger duldet in dieser Frage, wie wir meinen,
keinen weiteren Aufschub, wenn wir nicht mit dazu
beitragen wollen, objektiv Beihilfe zu weiteren
terroristischen Anschlägen zu leisten, die in dem
sichersten konspirativem Raum, den es in der
Bundesrepublik Deutschland gibt, nämlich in einer
Haftzelle, ausgeheckt worden sind.
Ich habe versucht, die Vorschläge, die meine
Fraktion Ihnen zur Beratung vorgelegt hat, zu
begründen und dabei auch zur Sache zu
argumentieren. Ich wäre Ihnen außerordentlich dankbar, wenn
Sie die Bereitschaft aufbringen könnten, sich
darauf zu konzentrieren, ebenfalls zur Sache zu
diskutieren, zu argumentieren, weil ich sicher bin, daß
wir dann zu Ergebnissen kommen werden, die die
breite deutsche Öffentlichkeit von diesem
Bundestag, von diesem Parlament erwartet.
(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU)
Präsident Carstens: Das Wort hat der
Abgeordnete Dürr.
Dürr (SPD) : Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Der Herr Kollege Friedrich Vogel hat seine
Rede zunächst mit einigen Zitaten garniert; das ist
ihm mehr oder weniger gelungen. Er hat mit
besonderer Entrüstung einen Satz aus einem
Zeitungsartikel von Jochen Steffen zitiert
(Dr. Kunz [Weiden] [CDU/CSU] : Der nicht
mehr zur SPD gehört!)
— den ich im übrigen weitgehend für abwegig
halte —, der lautet, ohne Gerechtigkeit seien
Staaten nur große Terrorbanden. Das ist gar nicht von
Jochen Steffen; im Urtext heißt dies „Sine iustitia
quid sint regna nisi magna latrocinia" und steht im
„Gottesstaat" des Heiligen Augustinus.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Das hat
jeder Staatsbürger verstanden! —
Stücklen [CDU/CSU] : Nur in anderem Zusam
-
menhang!)
Im übrigen hat Herr Kollege Vogel uns ein wenig
glauben machen wollen, der Kampf gegen den
Terrorismus finde in erster Linie im Bundesgesetzblatt
statt. Das ist grundfalsch. Richtig ist vielmehr, daß
sich Erfolg und Nichterfolg der
Terroristenbekämpfung nicht nach der Anzahl der vorgeschlagenen
Paragraphen, sondern einzig und allein nach der
Anzahl der gefaßten Terroristen bestimmen. Der
I Gesetzgeber steht sozusagen erst in der dritten
Reihe.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Als vorgestern die Verhaftung der beiden
Terroristen bekannt wurde, konnte jeder die große
Erleichterung verspüren, mit der diese Nachricht
aufgenommen wurde. Mitzutun und mitzuhelfen, um
solche Erfolge bei der Fahndung zu ermöglichen,
ist unsere Aufgabe. Die Mörder von Siegfried
Buback und seinen beiden Begleitern gehören
hinter Schloß und Riegel und nicht in einen neuen
Paragraphendschungel.
Unser Dank gilt allen, die bei der Ergreifung der
Verdächtigen mitgeholfen haben, unsere
Anteilnahme gilt dem schwerverletzten Polizeibeamten.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Er war nicht der erste, den der blinde Fanatismus
der Gewalttäter getroffen hat. Insgesamt sind vier
Polizei- und vier Justizbeamte durch Terroristen
getötet und viele verletzt worden.
Die Umstände der Verhaftung der beiden
Verdächtigen am Dienstag zeigen, worauf es ankommt:
auf Solidarität mit den Beamten der Polizei, der
Staatsanwaltschaften, des Bundeskriminalamts, mit
den Mitarbeitern des Verfassungsschutzes, die im
Kampf gegen den Terrorismus stehen. Es kommt
ferner zunehmend auf die Mithilfe der Bevölkerung an.
Was wir tun können und tun sollen, ist zum einen,
im Rahmen unserer bundesgesetzlichen Kompetenz
die Chancen zur Ergreifung der Täter zu verbessern.
Als Beispiel sei nur die Verbesserung der
Möglichkeiten des Bundeskriminalamts in den letzten sieben
Jahren genannt. Die Zusammenarbeit zwischen
den Behörden im Bund und in den Ländern muß
ständig daraufhin überprüft werden, ob sie sich nicht
noch verbessern läßt. Hierzu wird mein
Fraktionskollege Heinz Pensky ausführlicher Stellung
nehmen.
Zum anderen ist es unsere Aufgabe — eine sich
immer wieder stellende, nie abgeschlossene
Aufgabe —, unseren Staat für jeden einzelnen Bürger
verteidigenswert zu gestalten. Wenn die Terroristen
so etwas wie eine Theorie haben, dann doch die,
daß unser Staat nicht verteidigenswert sei, auch
nichts Verteidigenswertes schaffen könne, sondern
zerstört werden müsse. Wir müssen uns unseren
Reformaufgaben stellen. Jeder Fortschritt in unserer
Gesellschaft, alles, was für unsere Bürger das
Leben lebenswerter macht, zeigt den Widersinn des
Terrorismus. Alles, was .die Bürger als Verbesserung
des freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens
empfinden, erleichtert es ihnen, diesen Staat als
unseren Statat zu empfinden. Jeder Fortschritt ist
geeignet, die sogenannte Sympathisantenszene
auszutrocknen.
Über die wirksamste Bekämpfung des Terrorismus
kann es unterschiedliche Ansichten geben. Diese
Meinungsverschiedenheiten können auch
kontrovers ausgetragen werden. Es hilft aber nicht weiter
und lenkt nur von der gemeinsamen Aufgabe ab,
wenn viel Zeit, Energie und Rhetorik darauf
verwendet werden, die eigene politische Richtung als
Garanten der Sicherheit der Bürger dadurch
erscheinen zu lassen, daß der Gegenseite persönlich und
sachlich die Fähigkeit zur wirksamen
Terroristenbekämpfung abgesprochen wird.
Hier gibt es Leute, die eine Brücke von
Terroristen zur sozialliberalen Koalition schlagen wollen.
Dazu gehört der Bremer CDU-Abgeordnete Dr.
Ernst Müller-Hermann, der am 16. April der
Deutschen Presseagentur anvertraute, in den
Jugendorganisationen von SPD und FDP gebe es „immer
noch so etwas wie eine geistige Komplizenschaft
mit den Terroristen".
(Zuruf von der SPD)
Dazu gehören alle, die in früheren Debatten und
vielleicht auch heute wieder die Gelegenheit zum
Rundumschlag gegen die sozialliberale Koalition
suchen und behaupten, SPD und FDP seien
knieweich und nachgiebig, von der
Terroristenbekämpfung bis zur Ostpolitik. Dient es schließlich der
gemeinsamen Sache oder nicht vielmehr der
parteipolitischen Profilierung, wenn die Herren Strauß
und Kohl publikumswirksam die Einladung zu einem
gemeinsamen Sicherheitsgespräch ablehnen?
Wer auf dem Pfad der parteipolitischen
Ausmünzung des Sicherheitsthemas wandelt, ist auch leicht
geneigt, in einen Gesetzesvorschlag nicht nur das
hineinzuschreiben, was er für wirksam hält, sondern
auch andere Punkte, die ihm lediglich
publikumswirksam erscheinen. Weil es nach meiner Ansicht
solche Punkte in den Gesetzentwürfen gibt, sei
gesagt: Wir gingen den Terroristen voll auf den Leim,
wenn wir einen Großteil unserer Zeit dafür opfer
-
ten, Kontroversen über die Herstellung derjenigen
Paragraphenlassos auszutragen, die bestimmt nicht
geeignet sind, Terroristen damit zu fangen.
Niemand kann behaupten, er habe das
Patentrezept für die Sicherheit unserer Bürger und für den
inneren Frieden, und niemand kann sich mit der
Behauptung auf den Lorbeeren ausruhen wollen,
er habe das ideale Strafrecht geschaffen. Das ist
schon deshalb nicht möglich, weil die Entwicklung
unserer Lebensumstände neuartige Straftaten erst
hervorbringt, für die neue Vorschriften geschaffen
werden müssen.
Deshalb und weil wir von der so oft rednerisch
beschworenen Solidarität der Demokraten etwas
halten, erklären wir, daß wir bereit sind, in den
Ausschüssen alle Vorschläge der Opposition
gewissenhaft zu prüfen und uns von denen beraten zu lassen,
deren Sachverstand uns hilfreich sein kann. Das
gilt auch für die längst bekannten, von der
Opposition in mehr oder weniger unveränderter
Neuauflage dargebotenen Vorschläge. Nur muß sich die
CDU/CSU darüber klar sein, daß sie bei Dingen,
die schon in den vergangenen Jahren oft überlegt,
hin- und hergewendet, geprüft und diskutiert
worden sind, mit neuen Tatsachen und Argumenten
überzeugen muß, wenn sie Erfolg haben will.
Soweit sich die Vorschläge der Opposition
überhaupt mit dem Problem des Terrorismus befassen,
sollen sie Terroristen betreffen, die bereits verhaftet
sind. Wir meinen, es müsse mit besonderer
Dringlichkeit und Intensität auch auf das eingegangen
werden, was geeignet ist, den Aktionsradius der
Terroristen, die noch nicht hinter Schloß und Riegel
sind, einzuschränken und ihre Logistik zu
erschweren. Davon steht in den Gesetzentwürfen der
Opposition nichts. Ich freue mich aber, daß Herr Kollege
Friedrich Vogel — angeregt unter anderem durch
den Kollegen Kleinert — in seiner Rede einen
diesbezüglichen Einschub gemacht hat
Deshalb laden wir ,die Opposition dazu ein und
bitten sie herzlich darum, mit uns zusammen in den
Ausschüssen auch über Probleme der
Zusammenarbeit bei der Fahndung nachzudenken und mit zu
überlegen, welche weitere Entwicklung unser
Waffenrecht nehmen sollte. Wegen der Mobilität der
Gewalttäter ist dabei auch an eine internationale
Kooperation zu denken. Das Sprengstoffrecht muß
in diesem Zusammenhang genauso genannt werden
wie Überlegungen über fälschungssichere
Personalausweise oder Kraftfahrzeugkennzeichen und auch
über deren sichere Verwahrung. Es muß geprüft
werden, inwieweit eine bessere optische
Überwachung der Schalterräume von Banken und
Sparkassen eine Hilfe gegen terroristische und andere
Räuber sein kann. Auch dazu wird mein Kollege
Pensky noch sprechen.
Die Opposition schlägt in ihren Entwürfen vor,
einige Höchst- und Mindeststrafen zu erhöhen.
Diesem Begehren stehen wir mit erheblicher Skepsis
gegenüber, weil wir die abschreckende Wirkung
solcher Strafen bezweifeln. Gerade bei der schweren
Kriminalität schrecken nicht hohe Strafdrohungen,
sondern die Aussicht, mit großer
Wahrscheinlichkeit gefaßt zu werden, mögliche Täter ab.
(Dr. Schäfer [Tübingen] [SPD] : Sehr richtig!)
Daß die Erhöhung von Mindeststrafen in unserem
Schuldstrafrecht auch andere Probleme mit sich
bringt, zeigt ein Beispiel aus unserer jüngsten
Rechtsgeschichte. Als Reaktion auf die
Bombenattentate des 19. Jahrhunderts wurden in
Deutschland und in anderen Ländern die Strafandrohungen
für Sprengstoffverbrechen besonders hoch angesetzt.
Sie blieben im Strafgesetzbuch stehen — auch in
den Zeiten, als es keine Anarchisten mehr gab, die
Bomben vor die Kutschen von Fürsten warfen.
Manche von Ihnen erinnern sich vielleicht noch
daran, daß sich einige junge Menschen aus Südbaden
vor etwa 15 Jahren aus einem Steinbruch
Sprengstoff verschafften, nach Berlin reisten und als
Demonstration gegen die Teilung Berlins dort ein Loch
in die Mauer sprengten. Weil sie dies
gemeinschaftlich unternommen hatten, drohte ihnen eine
Mindeststrafe von fünf Jahren Zuchthaus ohne jede
Ausnahmemöglichkeit. Weil diese Mindeststrafe
nicht im geringsten ein schuldangemessenes Urteil
ermöglicht hätte, hat der Bundestag unter der
Kanzlerschaft von Ludwig Erhard im Jahre 1964 die
betreffenden Paragraphen im Siebenten
Strafrechtsänderungsgesetz modifziert. Meine Damen und
Herren von der Opposition, unser früherer Kollege und
Ihr Parteifreund Dr. Max Güde, der an diesem
Gesetz maßgeblich mitgearbeitet hat, könnte Ihnen
und uns allen sicher Nachdenkliches über die
Problematik besonders hoher Mindeststrafen sagen.
Die Opposition meint, die Bestimmungen über die
Aussetzung des Restes einer zum Teil verbüßten
Freiheitsstrafe zur Bewährung würden den Richter
in ein zu enges Korsett stecken und gelegentlich
zwingen, Inhaftierte auch dann zu entlassen, wenn
das Sicherungsbedürfnis der Allgemeinheit dem
entgegenstehe. Wir stehen auch dem diesbezüglichen
Vorschlag skeptisch gegenüber, meinen aber, die
Entscheidung solle nach gründlicher Unterrichtung
des Rechtsausschusses über die bisherigen
Erfahrungen getroffen werden.
Mit dem Vorschlag der Überwachung auch des
mündlichen Kontakts zwischen einem inhaftierten
Beschuldigten und seinem Anwalt wiederholt die
CDU/CSU ihre Anträge aus der letzten
Legislaturperiode. Damals hielten es der Rechtsausschuß und
die Mehrheit des Hauses nach Anhörung
zahlreicher Sachverständiger und gründlicher Beratung
nicht für vertretbar, den mündlichen Kontakt des
Verteidigers mit seinem Mandanten zu überwachen,
weil mit dieser Maßnahme in den Kernbereich des
Vertrauensverhältnisses zwischen Anwalt und
Mandanten eingegriffen worden wäre und in der
Überzeugung, daß gerade nach den Erfahrungen der
Praxis ein derart gravierender Eingriff nicht geboten
sei. Die Opposition — so auch Herr Kollege
Friedrich Vogel heute — hat in der letzten Zeit keine
Gründe genannt, die bei den damaligen
Gesetzesberatungen nicht schon erwogen worden wären.
Ich halte das Problem der Verteidigerüberwachung
nicht für eine Glaubens- und Gewissensfrage. Es gab
sie in der Bundesrepublik bis zum Jahre 1964, wenn
auch in geringerem Umfange, als die Opposition
uns heute vorschlägt, und es gibt sie in wenigen
anderen Ländern, die das Prädikat Rechtsstaat
durchaus verdienen. Wir sollten eine solche Maßnahme
hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt prüfen, ob
sie wirksam und ob sie praktikabel sein kann. Hier
sollte es uns nachdenklich stimmen, daß die
gesamten Verbände und Organisationen unserer deutschen
Anwaltschaft die Überwachung des mündlichen
Kontakts als ein untaugliches Mittel energisch ablehnen.
Auch der Deutsche Richterbund hat sich bei den
Beratungen 1976 gegen die Überwachung des
Verteidigergesprächs ausgesprochen, und dies nicht nur aus
dem Grunde, daß es eine für einen Richter
unzumutbare Tätigkeit sei.
Besteht nicht die Gefahr, daß ein mit
Überwachungsmaßnahmen betrauter Richter, der nach dem
Vorschlag der CDU/CSU mit dem Gegenstand der
Untersuchung weder befaßt sein, noch befaßt werden
darf, also in hohem Maße unbefangen sein soll, in
dem Fall, daß ein Inhaftierter mit seinem Anwalt
konspirieren sollte, in unverdächtige
Formulierungen gekleidete Informationen gar nicht als solche
erkennt? Besteht nicht die Gefahr, daß in einem
solchen Gespräch vieles nur zur Verwirrung oder
Verhöhnung des überwachenden Richters gesagt
würde? Bliebe nicht während einer langen
Hauptverhandlung genügend Zeit zum
Informationsaustausch?
Das Problem der Verteidigerüberwachung darf
nicht isoliert gesehen werden. Wir haben in der
Bundesrechtsanwaltsordnung die Möglichkeit, einen
Deutscher Bundestag — 8. Wahlperiode — 25. Sitzung. Bonn, Donnerstag, .den 5. Mai 1977 1683
Dürr
Rechtsanwalt bei schwerer Pflichtverletzung aus der
Anwaltschaft auszuschließen. Wir haben vor
wenigen Jahren ermöglicht, daß ein vorläufiges
Vertretungsverbot verhängt werden kann oder daß der
Anwalt als Verteidiger in einem bestimmten
Strafverfahren ausgeschlossen werden kann.
(Zuruf von der CDU/CSU: Da ist es doch
schon zu spät!)
Sind das nicht die schärferen Mittel?
Ist es nicht nötig, die praktische Wirksamkeit
dieser Sanktionen zu überprüfen und
erforderlichenfalls vom Gesetzgeber weiterzuentwickeln? Gerade
auf diesem gesamten Gebiet wird sich erweisen, ob
gemeinsam wirksame und damit erfolgreiche
Lösungen gefunden werden können. Untaugliche Mittel
erwecken nur Sicherheitserwartungen, die dann nicht
eingelöst werden können.
(Beifall bei der SPD)
Jeden von uns bewegt die Frage: Was wird ein
fanatischer Terrorist tun, wenn er nach Verbüßung
seiner Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen wird?
Der Vorschlag der Opposition auf
Sicherungsverwahrung auch nach einmaliger vorheriger
Verurteilung ist neu. Er führt mitten hinein in die Frage, ob
aus unserem Schuldstrafrecht ein Sicherungsrecht
werden soll. Manchem mag die Erweiterung der
Bestimmung über die Sicherungsverwahrung als
eine Art Patentlösung vorkommen. Sie ist es nicht.
Die diesem Vorschlag zugrunde liegende Frage muß
aber gewissenhaft geprüft und darf nicht über das
Knie gebrochen werden.
Nicht in Zusammenhang mit der
Terroristenbekämpfung sind die Oppositionsvorschläge über das
Versammlungsrecht und über das
Demonstrationsstrafrecht zu bringen. Hier liegt die Frage nahe, ob
nicht der Versuch gemacht werden soll, die
erfolgreiche Rechtspolitik unter der Führung der
sozialliberalen Koalition teilweise auf den Stand von
1969 zurückzuentwickeln. Die Neuordnung des
Demonstrationsstrafrechts hat sich bewährt.
(Dr. Schäfer [Tübingen] [SPD] : Sehr
gut!)
Den Beweis kann die CDU/CSU der jüngsten
Antwort der Bundesregierung auf eine
Oppositionsanfrage entnehmen.
(Zuruf von der CDU/CSU)
Im Jahre 1968 hat der Anteil der unfriedlichen
Demonstrationen 26 % und im Jahre 1969 sogar 36 °/o
betragen. Vom Inkrafttreten des neuen Rechts im
Mai 1970 bis Ende 1976 waren es im Mittel nur
noch 8 %.
(Zuruf von der CDU/CSU)
Bürger, die von ihrem Grundrecht, sich friedlich
und ohne Waffen zu versammeln, Gebrauch machen,
haben immer mehr gelernt, sich gegen
Unterwanderung ihrer Demonstrationen durch Leute mit
höchst unfriedlichen Absichten zu wehren. Die
Verlegung der Demonstration der Bürgerinitiativen
gegen den Bau des Kraftwerks Brokdorf nach Itzehoe
ist ein eindrückliches Beispiel dafür.
Es gibt aber auch Vorfälle aus unserer Zeit, etwa
die Vorgänge in Grohnde, die uns sehr nachdenklich
machen. Ich wehre mich mit aller Entschiedenheit
dagegen, die Vorgänge in Grohnde überhaupt als
Demonstration, wenn auch als unfriedliche
Demonstration, zu bezeichnen.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Hier handelte es sich um planmäßige
Zusammenrottung von Gewalttätern, die nur noch ihre eigene
Gewalttätigkeit demonstrieren wollten.
Es war unrichtig, Herr Kollege Friedrich Vogel,
bei Grohnde von einer Demonstration zu sprechen.
Hier hat Herbert Wehner völlig recht, als er sagte:
Es sind zwei Paar Stiefel, ob es sich um eine
Gewalttätigkeit wie in Grohnde oder um eine
ausgeartete, ursprünglich friedliche Demonstration handelt.
(Beifall bei der SPD)
Zu Grohnde frage ich: Welche erweiterten
Möglichkeiten hätte denn die hauptsächlich zum
Objektschutz eingesetzte Polizei gehabt, wenn der von
Ihnen vorgeschlagene § 125 a geltendes Recht
gewesen wäre? Die polizeitaktische Lage wäre kaum
anders gewesen.
Nein, die Frage muß anders gestellt werden: Wie
steht es mit dem Grundrecht, sich ohne Anmeldung
oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu
versammeln, bei Leuten, die schon bei der Anreise ihre
unfriedlichen Absichten dadurch erkennbar werden
lassen, daß sie Brechstangen, Wurfanker,
Krähenfüße und andere Mittel zur Gewaltanwendung
mitführen? Vorfälle wie in Grohnde sind qualitativ
verschieden von friedlichen Demonstrationen, die
ausarten oder durch einige Gewalttäter
unterwandert werden. Der von der Opposition
vorgeschlagene § 125 a des Strafgesetzbuchs ist keine
brauchbare Einheitslösung für so verschiedenartige
Massendelikte. In Grohnde ist eine neue Art von
Kriminalität sichtbar geworden.
Wir sind bereit, die Problematik miteinander zu
überdenken und zu diskutieren. Wir sind sicher,
daß das Ergebnis der Beratungen anders aussehen
wird, als es uns die Opposition vorgeschlagen hat.
Die Beschleunigung strafrechtlicher
Großverfahren, für die die Opposition einen eigenen
Gesetzentwurf vorlegt, ist ein Problem, das nicht erst
durch den Stammheimer Prozeß offensichtlich
geworden ist. Strafverfahren wegen
nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und umfangreiche
Prozesse, in denen es um Wirtschaftskriminalität ging,
haben schon vorher bei den Verantwortlichen
Überlegungen angeregt. Daß ein Zwischenergebnis der
Beratungen zwischen den Justizministerien des
Bundes und der Länder als Gesetzentwurf vorgelegt
wurde und in dieser Legislaturperiode von der
Opposition erneut eingebracht wird, ist nicht gerade
stilvoll, aber erlaubt. Die Arbeiten im
Bundesjustizministerium und in den Ländern sind aber
inzwischen längst über den Verfahrensstand
hinausgegangen, den der Oppositionsentwurf wiedergibt.
Diese neuen Erkenntnisse sollten möglichst bald
Grundlage der Ausschußberatungen werden.
In den für innere Sicherheit und Rechtspolitik
zuständigen Bundestagsausschüssen gibt es
Oppositionspolitiker, mit denen eine sachliche
Zusammenarbeit im Bemühen ,urn gemeinsame Ziele auch
dann möglich war und hoffentlich auch in Zukunft
möglich sein wird, wenn wir über den richtigen
Weg höchst unterschiedlicher Ansicht waren. Sie
werden unser Angebot auf gewissenhafte Prüfung
und Beratung aller Vorschläge in den Ausschüssen
anerkennen, aber genau wissen, daß damit nicht
in Aussicht gestellt wird, dem Plenum des
Bundestages könnten in den allermeisten Einzelpunkten
einstimmig von Koalition und Opposition getragene
Ausschußempfehlungen vorgelegt werden.
Gemeinsames Bemühen in der Sache führt nämlich nicht
notwendig zu einstimmigen Ergebnissen; aber es
schafft die Voraussetzungen für bestmögliche
Ergebnisse in der Sache, um die es uns gemeinsam
geht.
Die beiden Festnahmen am Dienstag sind ein
Erfolg, aber kein Grund zum Jubeln. Zahlreiche
Terroristen wurden bisher gefaßt. Andere sind,
obwohl ihr Aktionsradius eingeschränkt wurde, noch
in Freiheit. Niemand kann deshalb sagen, wir seien
vor neuen Gewalttaten sicher.
Die, deren Pflicht es ist, Terroristen und deren
Unterstützer dingfest zu machen, haben Anspruch
auf unsere Mithilfe und Solidarität. Die Mitglieder
und Unterstützer terroristischer krimineller
Vereinigungen werden um so mehr isoliert, je mehr
Bürgern klar wird, daß dieser Staat mit seinen
Schwächen und Fehlern, dieser
verbesserungsbedürftige und verbesserungsfähige Staat, unser Staat
ist — unser Staat, in dem zu leben es sich lohnt
und jeder an seinem Platz für Freiheit und Recht
einzustehen hat.
(Beifall bei der SPD und FDP)
Präsident Carstens: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Engelhard.
Engelhard (FDP) : Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Die Ermordung des
Generalbundesanwalts und seiner Mitarbeiter Göbel und Wurster am
Gründonnerstag dieses Jahres haben im ganzen Land
Trauer, Bestürzung und Empörung ausgelöst. Mit
dieser Tat ist der Terrorismus in der Bundesrepublik
in eine noch schrecklichere Phase des Verbrechens
eingetreten. Wir wissen aus internationalen
Erfahrungen und Vergleichen, daß der als Hinrichtung
deklarierte gezielte individuelle Mord nicht nur eine
weitere Brutalisierung des Terrorismus anzeigt. Eine
erfolgreiche Fahndung hat es vermocht, dem
Terrorismus Abbruch zu tun, einen Teil der
Terroristenkommandos zu zerschlagen, so daß die Terroristen
zu großen Aktionen, die einer sorgfältigen und
langfristigen Vorbereitung bedürfen, nicht mehr in der
Lage sind und deswegen zur individuellen
spektakulären Tat greifen.
Zur Beruhigung allerdings ist dies kein Grund.
Denn das bedeutet gleichzeitig, daß der Terrorismus
in unserem Land eher noch gefährlicher geworden
ist, gefährlicher für besonders exponierte Persönlich
keiten wie auch — da sollten wir uns nichts
vormachen — für die ganze Bevölkerung.
Dieser Herausforderung durch den Terrorismus
sollten wir uns wie bereits in der Vergangenheit voll
stellen. Dabei sollten wir uns immer darüber klar
sein, daß jenseits der Notwendigkeiten und
Auseinandersetzungen des Tages Grundlage und
Voraussetzung all unseres Tuns bei der
Terroristenbekämpfung stets die Loyalität und die Solidarität der
Rechtsgemeinschaft sind.
Dies muß eine mehrfache Solidarität sein. Zum
einen geht es um die Solidarität unserer
Bevölkerung, die diese Rechtsordnung bejaht und in die
Fahndung nach den Terroristen aktiv eingreift. Es ist
angebracht, an dieser Stelle der Bevölkerung zu
danken. Denn ohne Beteiligung der Bevölkerung
wären viele Erfolge in der letzten Zeit, insbesondere
die Fahndungserfolge von Singen, überhaupt nicht
möglich gewesen.
Diese Solidarität ist aber auch eine Solidarität
mit unserer Polizei, die in den letzten Jahren, aber
gerade in den letzten Monaten und Wochen, hier
weit mehr geleistet hat als Dienst nach Vorschrift.
Und es sollte hier auch einmal gesagt werden: Wer
nach den Vorgängen von Singen besserwisserisch
erörtert, wie sich Polizeibeamte zum Schutze ihrer
eigenen körperlichen Integrität möglicherweise
anders hätten verhalten können, der sollte immer
daran denken, ob nicht er der erste wäre, der lautstark
protestieren würde, wenn ein irrtümlich
Verdächtigter von der Polizei allzu hart angefaßt würde. In
unserem Rechtsstaat sind der Polizei bei ihren
Maßnahmen zu Recht enge Grenzen gesetzt. Wenn sich
die Polizei in diesen gesetzlichen Schranken bewegt,
verdient sie unseren Respekt, unsere Anerkennung.
Diese Anerkennung sollte ihr von der Öffentlichkeit,
aber auch von der veröffentlichten Meinung voll
gezollt werden.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Notwendig schließt diese Solidarität auch die
Ablehnung gegenüber dem geistigen Umfeld des
Terrorismus ein. Ich halte es für eine sehr gute
Sache, daß der Bundesjustizminister unverzüglich
gegen die Hersteller und Verbreiter jenes Flugblattes
Strafanzeige erstattet hat, das in widerlicher Weise
den ermordeten Generalbundesanwalt auch noch zu
verhöhnen gesucht hat, und daß gleichfalls Anzeige
erstattet wurde gegen den bisher unbekannten
Verfasser eines Artikels in der Göttinger AStA-Zeitung,
der sich — so wörtlich — „klammheimliche Freude
über die Ermordung des Generalbundesanwalts
nicht verkneifen" konnte. Die Solidarität der
Ablehnung muß aber auch Weiteren gelten, so etwa dem
Verfasser eines Artikels in der Zeitschrift
„Konkret", den an den Mordtaten der „Rote Armee
Fraktion" eigentlich nur stört, daß diese Taten den Blick
auf die Mordtaten — so wörtlich — „unserer
menschenverachtenden Ausplünderungsgesellschaft"
verstellten.
Wir sollten uns auch darüber klar sein, daß wir
auch während der Zeit der KZ-Prozesse immer
jenseits der notwendigen Verteidigung eine zuweilen
auch einmal versuchte Verharmlosung der Täter
nicht hingenommen haben. Ebensowenig sollten wir
es heute hinnehmen, wenn uns Ulrike Meinhof als
„Mordopfer der Staatsschutzorgane" und die Täter
von Stammheim als „Nothelfer der Opfer des
Vietnamkrieges" angedient werden sollen.
(Allgemeine Zustimmung)
Diese Solidarität ist aber auch eine Solidarität
des Gesetzgebers, und zwar in zweifacher Weise.
Notwendig ist die Solidarität der politischen
Parteien untereinander, und notwendig ist auch die
Solidarität der Opposition zu der jeweils politisch
verantwortlichen Bundesregierung. Sicherlich ist die
sachbezogene Auseinandersetzung auch in diesen
Fragen immer notwendig. Aber parteipolitische
Profilierungsversuche um ihrer selbst willen werden
in Sachen Terrorismus am falschen Objekt vollzogen
und hinterlassen bei der Bevölkerung nicht nur
Unverständnis, sondern auch eine ganze Menge an
Ratlosigkeit. Daß es die beiden Führer der Opposition
abgelehnt haben, an dem ersten Gespräch beim
Bundeskanzler teilzunehmen — wohl nur zum Teil, wie
ich meine, aus eigenem Antrieb —, ist bedauerlich.
Herr Dr. Strauß scheint auch schon den Anschein
einer Mitverantwortung zu scheuen.
Mitverantwortung, wo nicht er allein die Kommandogewalt hat,
scheint er — um im heimatlichen Sprachgebrauch zu
bleiben — zu fürchten wie der Teufel das
Weihwasser. Ich glaube, das ist keine gute Sache;
(Zuruf des Abg. Dr. Hammans [CDU/CSU])
denn auch hier ist Solidarität notwendig, um den
Herausforderungen des Terrorismus begegnen zu
können. Diesen Herausforderungen haben wir zu
begegnen mit einem großen Maß an
Entschlossenheit.
Aber wir sollten über den Notwendigkeiten von
heute und morgen das Licht der bisherigen
Leistungen und Erfolge keinesfalls unter den Scheffel
stellen. Seit 1969 ist das Bundeskriminalamt personell
wie technisch zu einer leistungsfähigen Schaltstelle
im Kampf gegen die Schwerkriminalität ausgebaut
worden. Allein die Abteilung „Terrorismus" wird
nach dem Haushaltsentwurf 1977 künftig nahezu
200 Stellen besetzt haben. Zur Bekämpfung der
Gewaltkriminalität wurde beim Bundesgrenzschutz
eine Spezialeinheit geschaffen mit einer eigenen
Hubschraubertransportstaffel. Es war der
seinerzeitige Bundesinnenminister Genscher, der erstmals
den Gedanken der öffentlichen Fahndung ins
Gespräch brachte und durchgesetzt hat. Ich erinnere
daran, daß damals sehr viele in diesem Lande große
Zweifel geäußert haben, ob dies nicht in eine falsche
Richtung gehe. Aber wenn wir heute sehen, welche
Erfolge gerade diese öffentliche Fahndung gebracht
hat, so wissen wir, wie sich der damalige
Bundesinnenminister weitschauend den schwierigen
Problemen der Bekämpfung des Terrorismus bereits vor
vielen Jahren genähert hat.
Wir haben derzeit die Diskussion um wichtige
technische Neuerungen: fälschungssichere Kfz-
Kennzeichen, fälschungssichere Personalausweise und
auch die Notwendigkeit der Fernsehbeobachtung in
den Schalterhallen aller Bankinstitute. Dies wird
Geld kosten. Aber diese technischen Neuerungen
und ihr Einsatz sind notwendig, um in einer
wirksamen Weise die Voraussetzungen und Grundlagen
des Terrorismus, ohne die er nicht zu existieren
vermag, auf Dauer abzuschneiden.
Wir hatten in der letzten Legislaturperiode eine
ganze Fülle gesetzlicher Änderungen beschlossen:
Änderungen des Strafgesetzbuchs, der
Strafprozeßordnung, des Gerichtsverfassungsgesetzes, der
Bundesrechtsanwaltsordnung und anderer Gesetze.
Heute liegen uns wieder eine Fülle weiterer
Änderungsvorschläge auf dem Tisch. Ein Teil davon
ist uns wohlvertraut, weil er bereits in der letzten
Legislaturperiode Gegenstand breiter Beratungen
war, schließlich aber abgelehnt wurde. Andere
Vorschläge wiederum sind neu.
Wir sollten als Koalition anerkennen, daß die
Opposition diesmal gesammelt ihre Vorschläge auf
den Tisch gelegt hat. Insofern habe ich mit großem
Interesse den Leserbrief des Herrn Kollegen Dr. Lenz
in der „Frankfurter Rundschau" vom gestrigen Tage
gelesen, in dem er diese Vorlage in einem Stück
damit begründet, daß man nicht wieder zurückfallen
wolle in die Flickschusterei der vergangenen
Legislaturperiode. Dies in der Tat erscheint dankenswert.
Wenn tatsächlich neue Erkenntnisse neue Gesetze
erfordern sollten, sollten wir diesmal nach einem
Gesamtkonzept die Beratungen führen.
Notwendige Grundlage für diese Beratungen wird vor
allem eine umfangreiche Anhörung der
Fachleute und Praktiker aus dem Bereich der Gerichte,
der Bundesanwaltschaft und des Bundeskimninalamts
sein, aber auch der Rechtsanwälte hinsichtlich der
Ehrengerichtsbarkeit.
Wir werden alle Vorschläge der Opposition sehr
sorgfältig prüfen. Aber wir legen dabei großen
Wert darauf, daß bei den Beratungen vor allem das
zum Zuge kommt, was die Praktiker, die Männer
der vordersten Linie, die tagtäglich in der
Auseinandersetzung mit dem Terrorismus stehen, an
Wünschen vorzubringen haben. Und diese Wünsche --
das wissen Sie, meine Damen und Herren von der
Opposition, sehr genau — decken sich nur zu einem
Teil mit dem, was Sie selbst für notwendig halten.
Wir werden gegebenenfalls auch die
Bundesregierung um eigene zusätzliche Vorschläge bitten und
sie ersuchen, uns Formulierungshilfe zu geben.
Die Anhörung des maßgeblichen Vertreters der
Bundesanwaltschaft in der gemeinsamen Sitzung
des Innen- und des Rechtsausschusses am .14. April
dieses Jahres sollte uns allen, vor allem aber Ihnen,
meine Damen und Herren von der Opposition,
durchaus zu denken geben. So ist ganz deutlich
geworden, daß die Praxis etwa überhaupt nichts
davon hält, das zeitliche Höchstmaß der Freiheitsstrafe
von 15 auf 20' Jahre anzuheben. Wir sollten nie
vergessen, daß der Gesetzgeber nur den Strafrahmen
setzt, daß die konkrete Straffestsetzung aber immer
Sache der Gerichte ist und daß die bisherige
Erfahrung nach Mitteilung der Bundesanwaltschaft klar
ausweist, daß unsere Gerichte bisher gerade in
Sachen Terrorismus den bestehenden Strafrahmen voll
ausgeschöpft haben.
(Dr. Klein [Göttingen] [CDU/CSU] : Was
erstens nicht stimmt und zweitens kann eine
Erweiterung des Strafrahmens auch zu
einer Erhöhung der ausgeworfenen Strafen
führen!)
Ich mache hier zu diesem Punkt deswegen kritische
Anmerkungen, Herr Kollege Dr. Klein, weil es uns
verboten sein sollte, in der Bevölkerung falsche
Erwartungen zu wecken. Dies gilt insbesondere
hinsichtlich des Abschreckungseffekts einer solchen
Maßnahme. Denn wenn dieser Effekt sich nicht
zeigen sollte, wird sich enttäuschte Hoffnung in der
Öffentlichkeit breitmachen,
(Zustimmung bei der FDP und der SPD)
und in einer solchen Situation stünden wir ratloser
denn je da. Daran sollten wir immer denken.
Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, gestatten
Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Vogel?
Engelhard (FDP) : Bitte!
Vogel (Ennepetal) (CDU/CSU) : Herr Kollege
Engelhard, ist Ihnen die Antwort der
Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus den Reihen
unserer Fraktion vom 13. April dieses Jahres bekannt, in
der es zu der Frage „Wie hoch waren die
verhängten Strafen?" heißt:
In den 50 Fällen, die in der gerichtlichen
Strafverfolgungsstatistik für die Jahre 1969 bis 1974
verfaßt sind,
— es handelt sich um Geiselnahme und
erpresserischen Menschenraub —
wurden folgende Strafen verhängt: 5 bis 15
Jahre: 10 Personen; 2 bis unter 5 Jahre: 21
Personen; 1 bis unter 2 Jahre: 8 Personen; 9
Monate bis unter 1 Jahr: 1 Person; 6 bis unter 9
Monate: 4 Personen; 1 bis unter 6 Monate: 1
Person; Geldstrafen: 5 Personen.
Können Sie mir sagen, wie das mit Ihrer Auffassung
zusammenpaßt, daß die Gerichte in diesen Fällen
die Strafrahmen voll ausschöpften?
Engelhard (FDP) : Herr Kollege Vogel, ich habe
mich zunächst auf den engeren Bereich des
Terrorismus bezogen und ich habe zum zweiten meine
Angaben auf die Auskunft des Bundesanwalts Kaul
in der zitierten gemeinsamen Sitzung der
Bundestagsausschüsse gestützt. Ich stehe nicht an zu sagen,
daß wir weitere Auskünfte werden einholen müssen.
(Dr. Klein [Göttingen] [CDU/CSU] : Keine
Antwort!)
Nur wissen Sie, daß die Auskünfte eines Praktikers
hinsichtlich der einzelnen Strafen, die in
Terroristenprozessen verhängt wurden, wertvoller sind als eine
schriftliche Statistik, in die nach Ihrer Fragestellung
ja auch andere Verfahren mit einbezogen worden
sind.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Ich komme zur weiteren Frage der
Beschleunigung von Strafverfahren. Das ist in der Tat von
größter praktischer wie auch psychologischer
Bedeutung. Ob hier von der Opposition immer die
richtigen Vorschläge vorgelegt worden sind, werden
wir bei den Einzelberatungen zu prüfen haben. Auf
diese Fragen wird nachher mein Fraktionskollege
Kleinert noch näher eingehen. Gegenüber dem
Tätertyp des Terroristen, der in seiner fanatischen
Rechtsfeindschaft auch während und nach der
Strafverbüßung an seinen Plänen festhält und auf seiner
Gesinnung beharrt, wird ganz sicherlich das
Anliegen der Resozialisierung gegenüber dem
Sicherungszweck der Strafe zurücktreten müssen. Deshalb
werden wir uns mit den Fragen der Aussetzung des
Strafrestes und auch mit der Frage der
Sicherungsverwahrung sehr genau zu beschäftigen haben. Nur
müssen wir immer wissen, daß in unserer
Rechtsordnung Sicherungsverwahrung das wirklich letzte
Mittel ist. Wir können nicht einfach darüber
hinweggehen, daß bisher die Gerichte davon sehr
sparsam Gebrauch gemacht haben. So ist laut einer
Veröffentlichung in der „Süddeutschen Zeitung" im
Lande Bayern im Jahre 1976 ganze sechs Mal von
der Möglichkeit, Sicherungsverwahrung
auszusprechen, Gebrauch gemacht worden. Wenn wir wissen,
daß es das letzte Mittel darstellt, werden wir uns
selbstverständlich auch ganz sachlich mit dieser
Frage auseinandersetzen können.
Sie haben weiter Vorschläge zum Tatbestand des
Landfriedensbruchs und Vorschläge zum
Versammlungsrecht vorgelegt. Das hat unmittelbar — es ist
schon gesagt worden — mit Terrorismus nichts zu
tun. Aber wir haben uns mit neuen Erscheinungen
auseinanderzusetzen, mit denen wir konfrontiert
sind: mit einer ganz neuen Dimension der
Gewaltkriminalität, wie sie in Brokdorf und Grohnde
zutage getreten ist. Nur stellt sich die Frage, ob die
Vorschläge, die Sie hier dazu vorgelegt haben, der
Sache dienlich sein können; denn wenn
hundertschaftenweise Kampftruppen feldmarschmäßig mit
Helmen, Eisenstangen, Gasmasken und wie immer
ausgerüstet in die Schlacht ziehen und zum Sturm
antreten, dann stelle ich die Frage, ob es nicht allzu
billig ist, sich an einigen Randfiguren schadlos zu
halten, die sich, ohne Gewalttäter zu sein, in einer
sicherlich abzulehnenden Neugier am Rande des
Schlachtfeldes aufhalten, wenn man der Gewalttäter
nicht Herr wird, sie zwar im Objektschutz
abzuwehren weiß, aber ihrer nicht habhaft wird, sie nicht
festnehmen kann. Wir werden uns über all diese
Dinge zu unterhalten haben. Nur sollten wir es uns
nicht 'zu einfach machen. Wir sollten in der
Öffentlichkeit nicht den Eindruck erwecken als sei uns des
Rätsels Lösung soeben mit den Vorschlägen der
Opposition eingefallen.
(Dr. Eyrich [CDU/CSU]: Die Randfiguren
gehören doch genau zur Kalkulation der
Leute, die die Demonstrationen machen!)
— Ich bestreite nicht, daß Randfiguren im
Einzelfall auch daran hindern können, der eigentlichen
Gewalttäter habhaft zu werden. Aber die genaue
Beobachtung von Grohnde zeigt eben, daß dort, am
eigentlichen Ort des Geschehens nur Aktivtäter
anwesend waren, die Polizei somit nicht dadurch
gehindert war, ihrer habhaft zu werden, daß sich eine
Vielzahl bloß Neugieriger am Tatort aufgehalten
hat.
Wir sollten es uns also auch in dieser Frage nicht
so einfach machen. Wir werden uns dagegen
überlegen müssen, ob nicht etwa eine Novellierung des
Waffengesetzes notwendig ist. Herr Kollege Dürr
hat es bereits angedeutet. Bestehen nicht
Möglichkeiten, und ist es nicht unsere Pflicht, alles zu tun,
um der feldmarschmäßig ausgerüsteten
Kriegsscharen schon im Vorfeld fernab des späteren
Tatorts habhaft werden zu können, sie entwaffnen zu
können und bereits die Tatsache ihres So-
Ausgerüstetseins als strafrechtlich relevanten Tatbestand
entsprechend aburteilen zu können?
Mit Ihrem Verlangen nach Ü berwachung des
Gesprächs zwischen den Beschuldigten und ihren
Verteidigern haben Sie erneut eine Forderung
aufgegriffen, die uns in der letzten Wahlperiode sehr,
sehr eingehend beschäftigt hat. Wir haben uns
gerade mit dieser Frage besonders lange zu befassen
gehabt. Wir dürfen sicherlich erwarten, daß Sie
Ihrem jetzt wiederholten Vorschlag auch neue
Gründe hinzuzufügen haben. Unsere Bedenken
gegen die Überhörung der Gespräche zwischen
Beschuldigtem und Verteidiger bestehen jedenfalls
unverändert fort. Wir haben die Auffassung vertreten,
daß das Gespräch zwischen Beschuldigten und
Verteidiger den Kernbereich des für die Verteidigung
notwendigen Vertrauensverhältnisses darstellt und
deswegen nicht tangiert werden darf. Ein Anwalt,
der das unüberwachte Gespräch mit seinem
Mandanten zur strafbaren Kooperation mißbraucht,
stempelt sich selbst zum Nichtanwalt. Ein solcher
Nichtanwalt bedarf nicht der Beobachtung im einzelnen
durch die Behörden, sondern er muß aus dem
Verfahren insgesamt entfernt werden.
(Beifall bei der FDP — Zuruf von der
CDU/CSU: Siehe Stammheim!)
Deswegen sind wir konsequent für Vorschriften
über die Ausschließung des Verteidigers eingetreten
und haben diese in der letzten Legislaturperiode
beschlossen.
Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, gestatten
Sie eine Frage des Herrn Abgeordneten Hartmann?
Engelhard (FDP) : Bitte sehr.
Hartmann (CDU/CSU) : Herr Kollege, wären Sie
bereit einzuräumen, daß es, wenn die
Ausschließung eines Verteidigers indiziert ist, bereits zu
spät sein kann, zu spät nämlich, den
Informationsfluß zwischen einem konspirierenden Verteidiger
und dem Inhaftierten zu unterbinden?
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU)
Engelhard (FDP) : Herr Kollege Hartmann, ich
komme gerade zu dem Punkt möglicher Lücken
und räume ein, daß wir uns zu überlegen haben
werden, solche vorhandenen Lücken zu stopfen.
(Dr. Klein [Göttingen] [CDU/CSU]: Na also!)
Wir wissen, daß es möglicherweise solche
Lükken gibt. So ist etwa der Tatbestand, daß der im
Stammheim-Verfahren ausgeschlossene Rechtsanwalt
Croissant dessen ungeachtet Sprecherlaubnis mit
dem damals festgenommenen früheren Rechtsanwalt
Haag bekommen hat, der im Rahmen des
Stockholm-Verfahrens beteiligt ist, allein darauf
zurückzuführen, daß das Stockholm-Verfahren erst ganze
drei Tage nach dem Stammheim-Verfahren
eingeleitet worden ist. Derartiges kann nicht richtig sein.
Wir sollten zugeben, daß wir mittlerweile klüger
geworden sind, sollten sehr genau prüfen, ob es
weitere Lücken gibt, und diese Lücken
nachdrücklich und endgültig verstopfen.
(Dr. Klein [Göttingen] [CDU/CSU] : Ja, aber
wie?)
Wie sehr allerdings — und das muß in diesem
Zusammenhang gesagt werden — unsere oft
verlachten Befürchtungen, daß die
Gesprächsüberwachung in zweifacher Hinsicht nicht die strafbare
Agitation aus den Zellen heraus wirklich hindern
könnte, berechtigt waren, wurde schlaglichtartig
durch ein Ereignis der letzten Tage beleuchtet. Die
„Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom gestrigen
Tage hat berichtet, daß Gudrun Ensslin am
Samstag, dem 30. April, gegen ihre Zusage, den
Hungerstreik abzubrechen — als Gegenleistung von den
Landesjustizverwaltungen wurde die Verlegung
weiterer Häftlinge nach Stammheim zugestanden —
die Möglichkeit erhielt, mit vier Häftlingen des
terroristischen Bereichs in vier verschiedenen
Anstalten telefonische Ferngespräche zu führen,
selbstverständlich in Anwesenheit eines Beamten der
Vollzugsanstalt. Die „FAZ" berichtet, daß Frau
Ensslin ihren Gesprächspartnern bei diesen vier
Gesprächen jeweils nur den einen Schlüsselsatz
mitteilte: „Wer sich nicht fürchtet vor Vierteilung, zieht
den Kaiser vom Pferd." Die Gesprächspartner gaben
dazu jeweils keine Erklärung ab. Das Gespräch war
beendet. Bereits am nächsten Tage stellten mehr als
50 Häftlinge des terroristischen Bereichs im ganzen
Bundesgebiet ihren Hungerstreik ein.
Warum sage ich das? Dieser Vorgang macht doch
zweierlei deutlich: zum einen, daß es außer mit
einzelnen kriminellen Verteidigern immer noch
weitere Möglichkeiten der Verständigung aus den
Zellen heraus gibt.
Dr. Lenz [Bergstraße] [CDU/CSU] : Wer hat
das je bestritten!)
Im vorliegenden Fall ist diese Verständigung mit
Genehmigung der Justizverwaltung erfolgt. Das
ist ein Vorgang, den draußen überhaupt niemand
mehr versteht. Dies ist ein Vorgang, den ich hier
nicht anklagend näher auswalzen will. Aber
darüber werden wir uns in einem anderen
Zusammenhang noch zu unterhalten haben. Dieser Vorgang
macht vor allem ein Zweites deutlich: daß es die
Terroristen verstehen, sich einer Tarnsprache zu
bedienen, die denjenigen, der hier mithören kann,
ratlos und unwissend zurückläßt. Auch
Erfahrungen auf Grund von Gesprächen, die völlig
rechtmäßig mitgehört werden, etwa im Besucherverkehr
der Terroristen, haben uns die Erfahrung gebracht,
daß hier Gespräche stattfinden, die in sich
unverständlich sind, die aber umgekehrt für den, der sie
mithört, keinen Anlaß geben, das Gespräch kraft
seiner Amtsautorität abzubrechen.
Das alles sollten wir bedenken. Diese
Erwägungen sollten wir in unsere Erörterungen mit
einbeziehen. Ich sage hier aber ganz klar, daß diese
Erwägungen für die Fraktion der Freien
Demokraten kein Anlaß sein werden, die Detailberatungen
im Rechtsausschuß des Deutschen Bundestages mit
Ihnen gemeinsam nicht mit der gleichen
Gewissenhaftigkeit wie auch zu anderen Themen zu
führen.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Präsident Carstens: Das Wort hat der Herr
Bundesminister der Justiz.
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Herr
Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Vor
den Särgen der Karlsruher Opfer schienen die
Demokraten der Bundesrepublik ihre
Parteizugehörigkeit einen Augenblick zu vergessen und das
Gemeinsame über das Trennende zu stellen. • Noch ist
nicht sicher, ob der Schein getrogen hat oder ob
nicht doch ein neuer Anfang im Zeichen der
Vernunft möglich geworden ist.
(V o r s i tz : Vizepräsident Stücklen)
Der bisherige Verlauf der heutigen Debatte gibt
mir zu einem gewissen Optimismus Anlaß.
Die Bundesregierung, meine sehr verehrten
Damen und Herren, steht zu dem, was der
Bundeskanzler in Karlsruhe beim Staatsakt gesagt hat. Sie will
die Kontroverse über den richtigen Weg zur
Bekämpfung des Terrors nicht zum erbitterten Streit
zwischen den Parteien und nicht zu einer
Zerreißprobe zwischen den Demokraten werden
lassen. Der wirkliche Graben verläuft zwischen den
Terroristen und ihren Sympathisanten auf der einen
Seite und der ganz erdrückenden Mehrheit unseres
Volkes auf der anderen Seite.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU)
Wer innerhalb dieser Mehrheit aus welcher
Richtung auch immer — neue Klüfte und Gräben
aufreißt, wer Augenblickserfolge oder Rechthaberei
höher veranschlagt als den Versuch der
Verständigung unter denen, die diese Republik drei
Jahrzehnte lang gemeinsam aufgebaut haben, der wird
seiner Verantwortung nicht gerecht, ja, der lädt
Schuld, zumindest politische Schuld, auf sich.
Die Bundesregierung hat das ihrige getan, um
nach den Morden von Karlsruhe ein Klima zu
schaffen, in dem sachliche Erörterungen möglich
sind. Sie hat wenige Tage nach dem Anschlag den
Innen- und den Rechtsausschuß des Bundestags
umfassend unterrichtet und die Möglichkeit zu einer
ersten sachlichen Diskussion wahrgenommen. Sie
hat durch den Bundeskanzler in der
Regierungserklärung vom 20. April 1977 ihre Bereitschaft zum
Gespräch und zu den Rechtsänderungen erklärt, die
sich nach sorgfältiger Prüfung als notwendig
erweisen. Sie hat darüber hinaus erfahrene
Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern zu einem
Grundsatzgespräch eingeladen, das demnächst
fortgesetzt werden soll. Nicht alle Äußerungen aus
den Reihen der Opposition haben dieses Bemühen
erleichtert. Selbst Mitglieder der Opposition haben
die Ansicht vertreten, es wäre besser gewesen, an
dem Grundsatzgespräch teilzunehmen, anstatt die
Gesprächsteilnehmer schon im voraus abzuqualif
izieren, ja, nach der getroffenen Wortwahl zu
beschimpfen, wie das einer der Eingeladenen leider
getan hat. Die Bundesregierung läßt sich dadurch
nicht beirren.
Für sie gibt es kein Dogma, daß Strafgesetze
oder das Strafverfahrensrecht unter gar keinen
Umständen geändert werden dürfen. Die
Bundesregierung warnt aber ebenso eindringlich vor
übertriebenen Erwartungen hinsichtlich dessen, was
Gesetzesänderungen zu bewirken vermögen, und sie
warnt auch vor den Schäden, die nach gemeinsamen
Erfahrungen eine übereilte Gesetzgebung
verursachen könnte.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Die Bundesregierung appelliert deshalb an alle
Beteiligten, an das ganze Haus, besonnen zu prüfen
und abzuwägen.
Zur Abwägung gehört zunächst einmal die
Erinnerung an das, was der Gesetzgeber bereits getan
hat, um erkannte Lücken zu schließen und
unzulängliche Regelungen zu verbessern. Es ist ja einfach
nicht wahr, wenn behauptet wird, die
Verantwortlichen seien bisher untätig geblieben. So hat der
Gesetzgeber allein seit 1974 die Erledigung der
Strafverfahren fühlbar beschleunigt. Ich erinnere
nur an die Abschaffung der Voruntersuchung, die
etwa im Stammheimer Verfahren mehr als ein
dreiviertel Jahr gekostet hat. Der Gesetzgeber hat die
Ausschließung von Verteidigern gesetzlich
geregelt. Er hat die ordnungsgemäße Durchführung der
Hauptverhandlung auch für die Fälle gesichert, in
denen sich Angeklagte absichtlich
verhandlungsunfähig machen. Er hat die Strafdrohungen für
terroristische Vereinigungen in einem eigenen
Tatbestand geregelt und erhöht. Er hat die
Anzeigepflicht ausgedehnt. Er hat das Haftrecht verschärft.
Er hat die Erstzuständigkeit des
Generalbundesanwalts erweitert, eine Maßnahme, die sich gerade
jetzt als segensreich erweist.
(Dr. Lenz [Bergstraße] [CDU/CSU] : Gegen
den Wunsch einiger Beteiligter!)
— Ja, selbstverständlich, gegen den Wunsch
Beteiligter, auch gegen den Wunsch der
Bundesanwaltschaft; ein Zeichen dafür, daß der Gesetzgeber
in solchen Fällen nicht nur jeweils dem Rat der
Betroffenen folgen soll, sondern in eigener
Verantwortung abwägen muß. — Er hat die Überwachung
des schriftlichen Verteidigerverkehrs eingeführt. Er
hat die Anleitung, die Befürwortung und auch die
Billigung von Gewalttaten unter strengere
Strafdrohung gestellt.
Zweifellos haben diese Regelungen mit dazu
beigetragen, daß bislang von den Strafverfahren gegen
Terroristen 123 rechtskräftig und 63 in erster Instanz
abgeschlossen werden konnten. Ich nenne diese
Zahlen deshalb ausdrücklich, weil sie zeigen, was
die Strafverfolgungsbehörden und die Justiz auf
diesem Gebiet geleistet haben, und weil sie die
Behauptung widerlegen, dieser Staat sei ohnmächtig und
nicht fähig, seinen Gesetzen Geltung zu verschaffen.
Gleiches gilt übrigens für die Verbrechen der
Geiselnahme und des erpresserischen
Menschenraubes. Von 76 Fällen, die seit 1970 bekannt wurden,
sind 71 aufgeklärt und 50 bereits abgeschlossen.
21 Verfahren sind noch im Gang. In den sieben
Fällen, in denen die Geisel das Leben verlor, sind
vier Täter zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt;
drei haben Selbstmord begangen. In zwei Fällen
sind die Täter noch nicht ermittelt.
Die Unterschiede, Herr Kollege Vogel, die Sie mit
Ihrer Bemerkung angesprochen haben, ergeben sich
daraus, daß in der Antwort auf die Kleine Anfrage,
Ihrer Fragestellung entsprechend, die Taten nicht
erwähnt sind, in denen Geiselnahme oder
erpresserischer Menschenraub in Tateinheit mit Mord,
Mordversuch, Totschlag oder Totschlagversuch stehen;
deswegen Herr Kollege Lenz, die Divergenz in den
Angaben.
(Zuruf des Abg. Vogel [Ennepetal] [CDU/
CSU])
— Selbstverständlich, aber entsprechend der Frage
sind diese Fälle nicht mit angeführt. Wenn man sie
Ihnen nachträglich noch mitteilt, wird sich zeigen,
daß die Divergenz nicht besteht. Im übrigen
relativiert dies auch die Statistik über die erkannten
Strafen.
Nun hat die Opposition erneut Gesetzentwürfe
eingebracht. Die Bundesregierung wird die darin
enthaltenen Vorschläge pflichtgemäß und ohne
Voreingenommenheit prüfen, und zwar auch insoweit,
als es sich um die Wiederholung von Vorschlägen
handelt, die schon früher vom Deutschen Bundestag
abgelehnt worden sind. Hierbei wird es darum
gehen, ob inzwischen neue Fakten hinzugekommen
sind oder ob frühere Argumente in einem neuen
Licht erscheinen. Die erste Lesung ist nicht der
geeignete Ort, um eine derartige Prüfung im Detail
vorzunehmen; das muß den Ausschußberatungen
überlassen bleiben. Deshalb beschränke ich mich für
die Bundesregierung heute auf folgende
Bemerkungen.
Erstens. An einer Novelle zur. Strafprozeßordnung
mit dem Ziel, Großverfahren zu konzentrieren und
zu beschleunigen, arbeitet eine vom Bund und von
den Ländern eingesetzte Arbeitsgruppe seit 1975.
Die letzte Sitzung der Referenten hat Ende April
1977 in Berlin stattgefunden. Auf der Sitzung haben
die Länderjustizverwaltungen, Herr Kollege Lenz,
zu dem vorliegenden Referentenentwurf meines
Ministeriums Ergänzungs- und Änderungswünsche
vorgebracht. Wir prüfen diese Wünsche, und sobald
die Vorlage ausgereift ist, werden wir sie ins
Gesetzgebungsverfahren bringen. Ihr Entwurf, meine
sehr verehrten Damen und Herren von der
Opposition, entspricht demgegenüber nicht diesem Stand;
er ist wortgleich mit dem Entwurf, den die Länder
Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im
November 1975 unter Verwendung der damaligen
Arbeitsergebnisse der Bund-Länder-Kommission im
Bundesrat eingebracht haben und der durch die
weitere Entwicklung in zahlreichen Punkten
überholt ist. Staatsminister Dr. Hillermeier, der
bayerische Kollege, hat ihn inzwischen vor dem Bundesrat
selber als verbesserungsbedürftig bezeichnet.
Vizepräsident Stücklen: Herr Bundesminister,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn
Abgeordneten Dr. Lenz?
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Gerne, Herr
Präsident.
Dr. Lenz (Bergstraße) (CDU/CSU) : Würden Sie mir
beipflichten, Herr Bundesminister, daß die neuen
Erkenntnisse aus dieser Arbeitsgruppe dem
Rechtsausschuß durchaus im üblichen Verfahren der
Formulierungshilfe mitgeteilt werden könnten, ohne
daß dafür der normale Gesetzgebungsprozeß bemüht
werden muß, weil alle Beteiligten darüber bestens
auf dem laufenden sind?
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Herr
Kollege Lenz, dies wäre dann möglich, wenn die
Vorschläge der Länderjustizverwaltungen, die sich in
den meisten Punkten gegen Dinge richten, die in
Ihrem Entwurf nach dem alten Arbeitsstand noch
enthalten sind, abgeklärt und wirklich
verhandlungsreif sind.
(Dr. Lenz [Bergstraße] [CDU/CSU] : Das kön
-
nen wir doch im Ausschuß machen!)
Der Zeitverlust entsteht nicht durch die eigene
Vorlage der Bundesregierung, sondern der
Zeitverlust entsteht dadurch, daß es bei diesem heiklen und
schwierigen Gebiet der Strafprozeßordnung
überhaupt nicht hilft, wenn man unausgereifte
Vorschläge ins Verfahren gibt, die den Prozeß, wie die
Praktiker uns dauernd sagen, eher erschweren, als
daß sie die gewünschten Erleichterungen bringen.
Dies ist der entscheidende Punkt.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Vizepräsident Stücklen: Herr Bundesminister,
gestatten Sie eine weitere Zwischenfrage?
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Gerne.
Dr. Lenz (Bergstraße) (CDU/CSU) : Herr
Bundesminister, können Sie verstehen, daß der Eindruck
entstanden ist, daß diese Arbeitsgruppe für die
Bundesregierung als eine Art Spanische Wand dient,
hinter der sie seit 18 Monaten ihre Untätigkeit
verbirgt?
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Herr
Kollege Lenz, das kann ich nicht bestätigen, und ich
wundere mich ein wenig, daß Sie, der Sie die
Zusammenhänge als Fachmann kennen, hier einen solchen
Anschein erwecken wollen. Die Wahrheit ist, daß
die Referenten aller Länder in ständiger
Fühlungnahme mit der Praxis die Dinge in dem Tempo
fördern, in dem dies verantwortet werden kann.
Außerdem wissen Sie, Herr Kollege Lenz, daß Sie und auch
ich in der Lage wären, dies jetzt zu den einzelnen
Punkten Ihrer Vorschläge im Detail darzulegen. Dies
würde überzeugen, es würde aber etwa eineinhalb
Stunden dauern, und deswegen möchte ich
vorschlagen, dies in den Ausschuß zu verlegen und nicht
hier den Eindruck der Untätigkeit zu erwecken.
Prinzipielle Gegensätze bestehen nämlich gar nicht. Ich
bin deshalb sicher, daß eine gemeinsame Beratung
des Regierungsentwurfes und des Entwurfes der
Opposition zu durchaus brauchbaren Ergebnissen
führen wird.
Hinsichtlich der Überwachung des mündlichen
Verteidigerverkehrs — das hat auch die heutige
Diskussion gezeigt — bestehen die
Meinungsverschiedenheiten fort. Ich nehme meinerseits insoweit
auf die Regierungserklärung des Bundeskanzlers
vom 20. April 1977 Bezug. Meine Damen und Herren,
sicherlich verlöre die ganze Frage an Gewicht, wenn
die geltende Ausschlußregelung und die
Verhängung des vorliegenden Vertretungsverbotes nach
§ 150 der Bundesrechtsanwaltsordnung wirksamer
gestaltet werden könnten.
(Zustimmung)
Im übrigen ist diese Frage nur eine von mehreren
Fragen. Entgegen dem öffentlich entstandenen
Eindruck ist sie keineswegs die zentrale Frage der
Terrorbekämpfung.
(Beifall bei der SPD)
Hier ist ein Vorgang aus Stammheim
angesprochen worden, nämlich die Tatsache, daß die
Untersuchungsgefangene Ensslin mit Genehmigung der
baden-württembergischen Justizbehörden vier
Telefongespräche führen und dabei auch ein Codewort
verwenden konnte. Hier ist kein Vertreter des
Landes Baden-Württemberg anwesend. Deswegen
möchte ich zur Klarstellung folgendes sagen. Diese
Genehmigung ist nach Absprache unter den
Landesjustizverwaltungen erteilt worden, nachdem man
zwischen zwei drohenden Gefahren abgewogen hat
und im pflichtgemäßen Ermessen zu dem Ergebnis
gekommen ist, daß diese Entscheidung die geringere
Gefahr darstellt und eine schwerere Gefahr
abwenden kann. Ich teile das deswegen mit, weil dem Haus
diese Zusammenhänge nicht bekannt sein können
und sonst möglicherweise hinsichtlich der
handelnden und verantwortlichen Personen ein
unzutreffender Eindruck entsteht.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Das ist sehr
dankenswert!)
Von den materiell-rechtlichen Vorschlägen der
Opposition ist 'die Erhöhung der zeitlich befristeten
Höchststrafen von 15 auf 20 Jahre zuletzt in der
Justizministerkonferenz vom 3. März 1977 erörtert
worden. Der Vorschlag fand dort bei einer einzigen
Ausnahme — die Ausnahme bildete der Vertreter
des Landes Bayern — keinerlei Unterstützung, weil
nicht dargetan werden konnte, welchen Täterkreis
eine solche Maßnahme abschrecken soll. Ähnliche
Skepsis bestand bei der Mehrheit der
Länderjustizminister gegenüber der Erhöhung von
Mindeststrafen, weil sie gerade — dies zeigt ja auch Ihr
Vorschlag — bei den Tatbeständen des erpresserischen
Menschenraubes und der Geiselnahme eine
Ausnahme für minder schwere Fälle notwendig machen
und deshalb nach Überzeugung der Fachleute im
Ergebnis keine Änderung eintreten würde.
Ein sehr ernstes Problem — insofern stimme ich
den Ausführungen, die hier von den verschiedenen
Seiten gemacht wurden, zu — stellt die Tatsache
dar, daß rechtskräftig verurteilte Terroristen nach
voller Verbüßung ihrer Strafzeiten auch dann
entlassen werden müssen, wenn mit hoher
Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß sie alsbald neue
Straftaten begehen werden. Ob hier de lege lata oder de
lege ferenda die Sicherungsverwahrung
herangezogen werden kann, bedarf der sorgfältigen Prüfung.
Immerhin hat kein geringerer als mein
Namensvetter, der Kollege Friedrich Vogel, gegen solche
Absichten noch im Februar dieses Jahres gewichtige
Bedenken geäußert. Er sagte damals, daß er keine
Möglichkeit sehe, die Sicherungsverwahrung im
Kampf gegen politischen Terrorismus einzusetzen.
Das zeigt, daß es hier schwierige rechts- und
verfassungspolitische Probleme gibt. Außerdem sollten wir
nicht davor die Augen verschließen, daß die Gefahr,
daß ein rechtskräftig Verurteilter, der seine Strafe
verbüßt hat und entlassen wird, neue Straftaten
begeht, selbstverständlich nicht nur bei Tätern aus
diesem Kreise, sondern auch bei anderen Tätern
besteht.
Vizepräsident Stücklen: Herr Bundesminister,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn
Abgeordneten Vogel?
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Gerne.
Vogel (Ennepetal) (CDU/CSU) : Herr
Bundesminister, würden Sie mir darin zustimmen, daß — auch
verfassungsrechtlich — ein wesentlicher Unterschied
zwischen einerseits der Frage, ob bereits
abgeurteilte Täter im nachhinein in irgendeine Art von
Sicherungsverwahrung genommen werden sollten,
was ich in der Tat für verfassungsrechtlich höchst
problematisch, wahrscheinlich sogar für unmöglich
halte, und andererseits der Frage, ob wir die
Möglichkeit schaffen sollten, bereits bei der
Urteilsfällung Sicherungsverwahrung anzuordnen — diese
Möglichkeit bietet ja das geltende Strafrecht an —,
besteht?
Dr. Vogel, Bundesminister der Justiz: Herr
Kollege Vogel, ich habe mich bei meiner Äußerung auf
die ddp-Meldung vom 22. Februar 1937 gestützt. Sie
ist Ihnen bekannt, ich brauche sie nicht zu verlesen.
Meine Experten haben den Entwurf der Opposition
jedenfalls so verstanden, daß Sie
Sicherungsverwahrung im nachhinei
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Vorschlag einer Richtlinie des Rates über die gegenseitige Amtshilfe zwischen den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten im Bereich der di
- part_of_vorgang → Vorschlag einer Verordnung (EGKS, EWG, Euratom) des Rates über die Verwendung der Europäischen Rechnungseinheit (ERE) in den Rechtsakten der
- part_of_vorgang → Vorschlag einer Verordnung (EGKS, EWG, EURATOM), des Rates zur Änderung der Haushaltsordnung vom 25. April 1973 für den Gesamthaushaltsplan
- part_of_vorgang → Vorschlag einer Verordnung (EWG-Euratom-EGKS) des Rates zur Anpassung bzw. Änderung der Verordnung 2/71 zur Durchführung des Beschlusses vom
- spoke_in ← Herbert Helmrich (Frage)
- spoke_in ← Hildegard Hamm-Brücher (Antwort)