Rede von Rolf Hempelmann (SPD) – Plenarprotokoll 16/167
Teil von Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Rolf Hempelmann (SPD) – Plenarprotokoll 16/167
Frau Kopp, ich freue mich zunächst einmal, dass ich
mir keine Sorgen machen muss; denn in der kurzen Zeit
nach Ihrer Rede haben Sie offenbar Ihre Meinung und
Ihre Position geändert und setzen jetzt auf Freiwilligkeit
bei den Kunden.
Genauso müssen Sie sich keine Sorgen machen. Denn
Ihr berechtigtes Anliegen ist bei der Koalition in guten
Händen. Wir haben im Rahmen unserer Verhandlungen
eine Protokollnotiz erstellt, in der vorgesehen ist, dass
das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit der
Bundesnetzagentur ein Verfahren entwickelt, das zur
Standardisierung in dem Bereich des Mess- und
Zählwesens führt. Es ist doch klar – da haben Sie völlig
recht –: Wir brauchen Standards, die dazu führen, dass
die unterschiedlichen Geräte untereinander kompatibel
sind und ein Anbieterwechsel nicht erschwert oder
verhindert wird.
Durch die Arbeit der Bundesnetzagentur, die in diesem
Bereich schon Zuständigkeiten hat, ist sichergestellt,
dass dieser Punkt beachtet wird. Darauf können Sie sich
verlassen.
Ein anderer Punkt, der in diesem Zusammenhang von
uns als sehr wichtig erachtet wird, ist die Pflicht der An-
Rolf Hempelmannbieter, lastvariablen- bzw. tageszeitabhängige Tarife
anzubieten. Auch dafür braucht man Standardisierungen.
Es ist daher sehr sinnvoll, wenn wir die Einführung
intelligenter Zähler zügig vorantreiben. Es wird auch
zunehmend das Interesse der Anbieterseite sein, dass sich
möglichst viele Kunden für beispielsweise
tageszeitabhängige Tarife entscheiden. Daraus ergibt sich nicht nur
ein Vorteil auf der Kundenseite.
Zu der Zeit, in der Kraftwerke besonders ausgelastet
sind, wird der Kunde seine Spül- oder Waschmaschine
nicht anstellen, sondern dann, wenn es eine
Minderauslastung der Kraftwerke gibt, was zum Beispiel nachts
der Fall ist.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Da wird sich der Nachbar freuen!)
Davon hat auch der Kraftwerksbereich einen Vorteil.
Wenn man nämlich auf diese Art und Weise den Einsatz
von Kraftwerken verstetigen kann und wenn man
weniger Spitzenlaststrom braucht, dann führt das dazu, dass
man möglicherweise weniger Kraftwerke bauen muss.
Man kommt also mit einem geringeren Stromangebot
aus, als dies bei jedem anderen Szenario der Fall sein
würde. Es gibt also Vorteile sowohl für die
Angebotswie für die Nachfrageseite. Alle Experten haben gesagt,
dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Der Fortschritt im
Mess- und Zählwesen und im Bereich der intelligenten
Zähler kann sich auf diese Weise segensreich auswirken.
Meine Damen und Herren, diese Entwicklung wollen
wir kurzfristig mit dem vorliegenden Gesetz anstoßen.
Ich glaube, dass wir damit eine Chance haben, mittel-
und längerfristig die Energielandschaft in Deutschland
entscheidend weiterzuentwickeln und zu verändern. Es
kommt zu einer völlig anderen Form der Vernetzung
von Anbietern und Kunden. Der Kunde wird
sozusagen zum Prosumer; denn der Verbraucher, also der
Consumer, wird gleichzeitig Produzent. Das gilt
besonders für den Bereich der erneuerbaren Energien, da wir
viele Haushalte dazu bringen wollen, sich mit
Fotovoltaik und ähnlicher Technik auszustatten.
Es ist zwingend notwendig, dass es hier zu einer sehr
viel engeren Verbindung von Nachfrage- und
Angebotsseite kommt. Das wird dazu führen, dass auch
diejenigen, die bisher nur Kilowattstunden verkauft haben und
dementsprechend ein großes Interesse an dem Verkauf
von möglichst großen Strommengen hatten – das ist ja
unter klimaschutzpolitischen Gesichtspunkten nicht das
Gelbe vom Ei –, ihr Geld nicht mehr mit
Mengenverkauf, sondern mit Energiedienstleistungen verdienen
werden.
Wir sehen diese Entwicklung im Bereich des
Contracting, also bei den Verträgen, die Energieanbieter mit
großen Kunden abschließen. Es ist völlig klar, dass sich
eine entsprechende Entwicklung im Bereich der
normalen Haushaltskunden anbahnt. Der Kunde kauft dann
nicht mehr Kilowattstunden Strom, sondern Kälte,
Wärme und die Energieversorgung seiner elektrischen
Geräte zu einem Fixpreis mit bestimmten Nebenabreden
im Falle von Mehr- bzw. Minderverbrauch. Ich denke, das ist ein Modell der Zukunft. Dafür
müssen die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen
werden. Das tun wir mit der Liberalisierung des Mess-
und Zählwesens und mit der Einführung intelligenter
Zähler für lastvariable- und tageszeitabhängige Tarife.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf mich für
Ihre Aufmerksamkeit bedanken.