Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
44 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Gudrun Kopp (FDP) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Rolf Hempelmann (SPD) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Gudrun Kopp (FDP) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Rolf Hempelmann (SPD) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Dirk Becker (SPD) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Franz Obermeier (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Franz Obermeier (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Gudrun Kopp (FDP) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Franz Obermeier (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/167
- Rede von Ulrich Kelber (SPD) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Michael Kauch (FDP) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Michael Kauch (FDP) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Marko Mühlstein (SPD) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
- Rede von Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) – Drucksache 16/8980
- Rede von Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) – Drucksache 16/8980
- Rede von Martin Zeil (FDP) – Drucksache 16/8980
- Rede von Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) – Drucksache 16/8980
- Rede von Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) – Drucksache 16/8980
- Rede von Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/8980
- Rede von Ernst Hinsken (CDU/CSU) – Drucksache 16/8980
- Rede von Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/9428
- Rede von Dr. Christian Ruck das Wort.Dr. Christian Ruck (CDU/CSU) – Drucksache 16/9428
- Rede von Hellmut Königshaus (FDP) – Drucksache 16/9428
- Rede von Detlef Dzembritzki (SPD) – Drucksache 16/9428
- Rede von Zeit.Detlef Dzembritzki (SPD) – Drucksache 16/9428
- Rede von Monika Knoche (DIE LINKE) – Drucksache 16/9428
- Rede von Frau Kollegin Knoche, achten Sie bitte auf die Zeit.Monika Knoche (DIE LINKE) – Drucksache 16/9428
- Rede von Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) – Drucksache 16/8540
- Rede von Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) – Drucksache 16/8540
- Rede von Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/8540
Text
Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 16/167Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
167. Sitzung
Berlin, Freitag, den 6. Juni 2008
I n h a l t :Tagesordnungspunkt 31:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Förderung der
Kraft-Wärme-Kopplung
(Drucksachen 16/8305, 16/9469) . . . . . . .
b) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Öffnung des
Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb
(Drucksachen 16/8306, 16/9470) . . . . . . .
c) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Wirtschaft und
Technologie zu dem Antrag der Abgeordneten
Gudrun Kopp, Jens Ackermann, Dr. Karl
Addicks, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP: Öffnung des
Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb
beschleunigen
(Drucksachen 16/7872, 16/9470) . . . . . . .
d) Antrag der Abgeordneten Hans-Josef Fell,
Bärbel Höhn, Kerstin Andreae, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN: Kraft-Wärme-
Kopplung entschlossen fördern und
ausbauen
(Drucksache 16/9432) . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 5:
Antrag der Abgeordneten Bärbel Höhn, Hans-
Josef Fell, Sylvia Kotting-Uhl, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN: Handeln statt Reden –
Klimaschutz jetzt
(Drucksache 16/9426) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
17713 A
17713 B
17713 B
17713 C
17713 CDr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . .
Gudrun Kopp (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Rolf Hempelmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . .
Gudrun Kopp (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär
BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär
BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dirk Becker (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Franz Obermeier (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gudrun Kopp (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Franz Obermeier (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 32:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Neuregelung des
Rechts der Erneuerbaren Energien im
Strombereich und zur Änderung damit
zusammenhängender Vorschriften
(Drucksachen 16/8148, 16/8393, 16/9477)
b) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Förderung
17713 D
17715 B
17716 D
17718 C
17719 C
17720 D
17722 A
17723 D
17723 D
17724 A
17724 D
17727 A
17728 A
17728 C
17728 D
17729 D
II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 167. Sitzung. Berlin, Freitag, den 6. Juni 2008Erneuerbarer Energien im
Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-
Wärmegesetz – EEWärmeG)
(Drucksachen 16/8149, 16/8395, 16/9476)
c) Antrag der Abgeordneten Hans-Josef Fell,
Bärbel Höhn, Cornelia Behm, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN: Klimafreundlich
heizen mit erneuerbaren Energien – Das
Wärmegesetz zum Motor für
Klimaschutz, Innovation und
Wirtschaftswachstum machen
(Drucksache 16/9429) . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit zu dem Antrag der
Abgeordneten Michael Kauch, Angelika Brunkhorst,
Horst Meierhofer, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der FDP: Perspektiven für eine
sektorale Ausweitung des
Emissionshandels sowie für die Nutzung erneuerbarer
Energien im Wärmesektor
(Drucksachen 16/5610, 16/7387) . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 7:
Antrag der Abgeordneten Michael Kauch,
Gudrun Kopp, Angelika Brunkhorst, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Differenzierte Mengensteuerung zur
Förderung erneuerbarer Energien im
Stromsektor
(Drucksache 16/8408) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) . . . . . . . .
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD) . . . . . . .
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) . . . . . . . .
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
17729 D
17730 A
17730 A
17730 B
17730 C
17731 D
17733 D
17735 D
17737 B
17738 D
17739 D
17740 D
17741 AKatherina Reiche (Potsdam) (CDU/CSU) . . .
Sigmar Gabriel, Bundesminister
BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Sigmar Gabriel, Bundesminister
BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Marko Mühlstein (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . .
Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 33:
Erste Beratung des von der Fraktion DIE
LINKE eingebrachten Entwurfs eines
Zweiten Gesetzes zur Änderung des Gesetzes
über die Bildung eines
Sachverständigenrates zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
(Drucksache 16/8980) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Martin Zeil (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reinhard Schultz (Everswinkel) (SPD) . . . . .
Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) . . . . . . . .
Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 34:
Antrag der Abgeordneten Jürgen Trittin, Ute
Koczy, Kerstin Müller (Köln), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Staatsaufbau in Afghanistan –
Paris-Konferenz zur kritischen
Überprüfung und Kurskorrektur des Afghanistan-
Compacts nutzen
(Drucksache 16/9428) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Detlef Dzembritzki (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Monika Knoche (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
17741 B
17742 D
17745 A
17745 C
17745 D
17746 B
17747 B
17748 B
17750 D
17749 A
17749 B
17753 A
17755 A
17756 B
17757 C
17758 D
17760 A
17761 B
17761 C
17762 C
17763 C
17764 D
17766 C
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 167. Sitzung. Berlin, Freitag, den 6. Juni 2008 IIITagesordnungspunkt 35:
b) Antrag der Abgeordneten Dr. Edmund
Peter Geisen, Hans-Michael Goldmann,
Dr. Christel Happach-Kasan, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Klimaschutz durch effiziente
Landwirtschaft
(Drucksache 16/8540) . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Edmund Peter Geisen (FDP) . . . . . . . . . .
Ursula Heinen, Parl. Staatssekretärin
BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . .
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD) . . . . . . .
Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Berichtigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . .
Anlage 2
Erklärungen nach § 31 GO zur namentlichen
Abstimmung über den Entwurf eines
Gesetzes zur Neuregelung des Rechts der
Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur
Änderung damit zusammenhängender
Vorschriften (Tagesordnungspunkt 32 a)
Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . .
Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Dr. Peter Jahr (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Kai Wegner (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Wolfgang Wodarg (SPD) . . . . . . . . . . . . .
17767 C
17767 D
17769 A
17770 A
17770 D
17772 B
17773 C
17773 B/D
17775 A
17776 A
17776 B
17776 D
17777 C
17777 D
17778 AAnlage 3
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Günter Baumann, Klaus Brähmig, Manfred
Kolbe und Arnold Vaatz (alle CDU/CSU) zur
namentlichen Abstimmung über den Entwurf
eines Gesetzes zur Neuregelung des Rechts
der Erneuerbaren Energien im Strombereich
und zur Änderung damit zusammenhängender
Vorschriften (Tagesordnungspunkt 32 a) . . . .
Anlage 4
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Detlef Dzembritzki, Gabriele Groneberg,
Stephan Hilsberg, Iris Hoffmann (Wismar),
Dr. Bärbel Kofler und Christel Riemann-
Hanewinckel (alle SPD) zur namentlichen
Abstimmung über den Entwurf eines
Gesetzes zur Neuregelung des Rechts der
Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur
Änderung damit zusammenhängender
Vorschriften (Tagesordnungspunkt 32 a) . . . . . . .
Anlage 5
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Ingrid Arndt-Brauer, Volker Blumentritt,
Dr. Gerhard Botz, Elvira Drobinski-Weiß,
Dr. Reinhold Hemker, Gustav Herzog, Holger
Ortel, Dr. Wilhelm Priesmeier, Mechthild
Rawert, Waltraud Wolff (Wolmirstedt) und
Manfred Zöllmer (alle SPD) zur namentlichen
Abstimmung über den Entwurf eines
Gesetzes zur Neuregelung des Rechts der
Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur
Änderung damit zusammenhängender
Vorschriften (Tagesordnungspunkt 32 a) . . . . . . .
Anlage 6
Amtliche Mitteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
17778 C
17779 B
17780 B
17781 A
167. Sitzung
Berlin, Freitag, den 6. Juni 2008
Beginn: 9.00 UhrVizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Die Sitzung ist eröffnet. Guten Morgen, liebe
Kolleginnen und Kollegen.
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 31 a bis d sowie
Zusatzpunkt 5 auf:
31 a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung
– Drucksache 16/8305 –
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Wirtschaft und Technologie (9.
Ausschuss)
– Drucksache 16/9469 –
Berichterstattung:
Abgeordneter Dr. Joachim Pfeiffer
b) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Öffnung des Messwesens bei Strom und
Gas für Wettbewerb
– Drucksache 16/8306 –
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Wirtschaft und Technologie (9.
Ausschuss)
– Drucksache 16/9470 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Ulla Lötzer
c) Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Wirtschaft und
Technologie (9. Ausschuss) zu dem Antrag der
Abgeordneten Gudrun Kopp, Jens Ackermann,
Dr. Karl Addicks, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP
Öffnung des Messwesens bei Strom und Gas
für Wettbewerb beschleunigen
– Drucksachen 16/7872, 16/9470 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Ulla Lötzer d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Hans-
Josef Fell, Bärbel Höhn, Kerstin Andreae,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN
Kraft-Wärme-Kopplung entschlossen fördern
und ausbauen
– Drucksache 16/9432 –
ZP 5 Beratung des Antrags der Abgeordneten Bärbel
Höhn, Hans-Josef Fell, Sylvia Kotting-Uhl,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN
Handeln statt Reden – Klimaschutz jetzt
– Drucksache 16/9426 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (f)
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
die Aussprache eineinviertel Stunden vorgesehen. Gibt
es Widerspruch dagegen? – Das ist nicht der Fall. Dann
ist das so beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem
Redner dem Kollegen Dr. Joachim Pfeiffer von der CDU/
CSU-Fraktion das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Heute wird geliefert.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Milch, ja! Das ist aber schon alles!)
– Ich hoffe, Sie haben heute Morgen schon ein Glas
getrunken.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Habe ich!) Redetext
Dr. Joachim PfeifferHeute wird geliefert, und zwar der erste Teil des
Integrierten Energie- und Klimapakets. Es wird heute
parlamentarisch in zweiter und dritter Lesung unter Dach und
Fach gebracht. Damit wird das, was im letzten Jahr
durch unsere Bundeskanzlerin auf europäischer Ebene
begonnen worden war und auf internationaler Ebene
seine Fortsetzung fand, in Deutschland mit dem
ambitioniertesten und umfangreichsten Programm zum
Klimaschutz umgesetzt, das es weltweit bisher gibt.
Wir leisten damit einen Beitrag, um bis 2020
mindestens in einer Größenordnung von 220 Millionen Tonnen
CO2 einzusparen. Aber es wird nicht nur bei der CO2-
Einsparung das Klimaschutzziel erreicht, wir leisten
damit auch einen Beitrag zur Versorgungssicherung,
indem wir den Anteil der erneuerbaren Energien deutlich
stärken: im Bereich des Stroms auf 30 Prozent, im
Bereich der Wärme auf mindestens 14 bis 15 Prozent. Auch
im Transportsektor soll der Einsatz alternativer
Kraftstoffe ausgeweitet werden. Damit werden wir
Deutschland von Importen fossiler Energien unabhängiger
machen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Mit diesem Programm leisten wir auch einen Beitrag
zur Wettbewerbsfähigkeit, indem wir zahlreiche
Stellschrauben so ändern, dass langfristig neue Technologien
auf den Markt kommen und die erneuerbaren Energien
in ihrer gesamten Bandbreite besser in den Markt
integriert werden. Letztlich werden wir auch etwas für die
Wirtschaftlichkeit, die Technologieoffenheit und die
Technologieführerschaft Deutschlands in diesem
Bereich tun. Im Folgenden werde ich einige konkrete
Punkte ansprechen, die wir jetzt umsetzen.
Zur Kraft-Wärme-Kopplung, also der
gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme oder auch
Kühlung: Gegenüber dem Regierungsentwurf haben wir
zahlreiche Verbesserungen erreicht. Insgesamt wollen
wir den Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der
Stromerzeugung von heute knapp über 10 Prozent auf
25 Prozent steigern. Dies wird uns gelingen, indem wir
zum einen die Kleinst-KWK, also in Privathaushalten
und Mehrfamilienhäusern, deutlich besser fördern, als es
ursprünglich vorgesehen war. Wir werden die Kleinst-
KWK von der Degression ausnehmen und die
Eigenstromversorgung entsprechend fördern. Das heißt, jede
Kilowattstunde Strom, die aus KWK erzeugt wird, wird
gefördert, womit wir einen Anreiz schaffen, das gesetzte
Ziel zu erreichen. Auch über die Förderdauer hinaus
wird eine Anschluss- und Abnahmepflicht bestehen
bleiben. Dies führt dazu, dass derjenige, der sich mit einem
Kleinst-KWK engagiert, dauerhaft Planungssicherheit
hat und nicht zum Spielball wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir werden bei Kleinst-KWK-Anlagen wie auch bei
der KWK insgesamt Planungssicherheit schaffen, indem
wir eine Deckelung der Fördersumme in Höhe von
750 Millionen Euro pro Jahr vorsehen, damit der
Verbraucher weiß, welche Mehrbelastungen maximal auf
ihn zukommen.Wir schaffen den Spagat, die Mehrbelastung des
Verbrauchers auf die 750 Millionen Euro pro Jahr zu
begrenzen und gleichzeitig die angestrebten Ziele zu
erreichen, indem wir einen atmenden, einen flexiblen Deckel
einführen, der aber nicht für Kleinst-KWK-Anlagen gilt.
Für diese besteht absolute Planungssicherheit. Bei der
industriellen KWK, bei der große Potenziale liegen,
bleiben die Entgeltansprüche im Falle des Erreichens der
Deckelungsgrenze durch ein Notifizierungsverfahren
erhalten, und das Entgelt wird dann rückwirkend gezahlt.
Wir schaffen es also, mehrere Punkte unter einen Hut
zu bringen. Damit werden wir die von uns in der KWK
angestrebten Ziele bis 2020 erreichen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Wir werden auch in anderen Bereichen die
Stellschrauben bedienen. Damit komme ich zum Mess- und
Zählerwesen. Heute ist die Stromrechnung eine
Blackbox. Der Verbraucher bekommt einmal im Jahr eine
Abrechnung und leistet monatliche Abschlagszahlungen. Er
kennt aber nicht seinen aktuellen Verbrauch, weder für
laufende elektrische Geräte noch für den Stand-by-
Betrieb. Durch die Einführung eines intelligenten Zähler-
und Messwesens werden die IuK-Technologien, die im
Telekommunikationsbereich zu mehr Transparenz,
Innovationen, neuen Produkte und neuen Arten von
Dienstleistungen geführt haben, auch im Strombereich Einzug
halten. Durch die Visualisierung erhält der Verbraucher
bessere Informationen über sein Verbrauchsverhalten, ob
tagsüber oder nachts. Damit kann er entsprechende
Maßnahmen zur Energieeinsparung treffen und sich durch
die Wahl günstiger Tarife marktgerecht verhalten.
Wir werden in diesem Bereich eine Revolution mit
neuen tageszeit- und lastabhängigen Tarifen und anderen
Neuerungen erleben, die dazu führen werden, dass die
Souveränität des Verbrauchers gestärkt wird. Im
gleichen Atemzug werden wir die Energieeffizienz deutlich
erhöhen und mit neuer Technologie in diesem Bereich
Fortschritte erzielen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Wir setzen dabei aber beim Bürger auf Freiwilligkeit,
was die Nutzung der Angebote angeht. Wir verpflichten
die Stromversorgungsunternehmen, ein Angebot zu
unterbreiten. Ob der Bürger dieses Angebot annimmt,
bleibt aber ihm überlassen. Wir zwingen ihn nicht dazu.
Ich habe bereits anhand einiger Beispiele versucht,
deutlich zu machen, dass dieses Angebot für den Bürger
attraktiv ist. Wir wollen damit einen marktorientierten
Weg gehen. Wir werden aber auch Lenkungsanreize
setzen, indem wir vorschreiben, dass in Neubauten ab 2011
nur noch diese neue Technologie zum Einsatz kommt.
Insofern werden wir Schritt für Schritt vorankommen.
Nicht nur bei der KWK und der Modernisierung des
Messwesens, sondern auch in anderen Bereichen werden
wir Fortschritte erzielen. Der Bereich erneuerbare
Wärme wird deutlich technologieoffener gestaltet, als es
ursprünglich geplant war. Warum soll nicht Biogas zum
Einsatz kommen, wenn es ebenso geeignet ist, die
Klimaschutzziele zu erreichen, wie manch andere Techno-
Dr. Joachim Pfeifferlogie, dabei aber viel wirtschaftlicher ist? Das sollten wir
dem Bürger überlassen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Auch hierbei werden wir ein klares Zeichen setzen,
indem wir den Anteil von Biogas in Verbindung mit der
KWK deutlich senken, und zwar von den ursprünglich
vorgesehenen über 50 Prozent auf 30 Prozent.
Auch bei den erneuerbaren Energien im Strombereich
werden wir deutlich bessere Anreize schaffen, indem wir
neben den Differenzkosten – also den Kosten, die über
die Stromkosten aus konventioneller Produktion
hinausgehen – insbesondere bei der Veredelung des Stromes,
also des unsteten Stromes, oder beim
Überwälzungsmechanismus zu Verbesserungen kommen.
Die Bundesnetzagentur hat uns mitgeteilt, dass fast
1 Milliarde Euro Mehrkosten für Netzentgelte auf den
Verbraucher zukommt. Durch eine intelligentere, bessere
und marktorientiertere Gestaltung mit dem Element
Direktvermarktung – der Markt ist das beste virtuelle
Kombikraftwerk, um die Technologie auch bei den
erneuerbaren Energien zum Einsatz zu bringen, die sinnvoll und
notwendig ist – werden wir deutlich Kosten einsparen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Last, but not least werden wir die Vergütungssätze in den
einzelnen Bereichen so justieren, dass wir unsere Ziele
bei den erneuerbaren Energien auch im Strombereich
erreichen.
Der heutige Tag, an dem wir das Klimaschutzpaket
verabschieden, ist ein guter Tag nicht nur für den
Klimaschutz, sondern auch für Deutschland und die
Handlungsfähigkeit der Großen Koalition. Sie hat auch hier
bewiesen, dass sie nicht nur schöne Worte macht,
sondern dann, wenn es darauf ankommt, nach hartem
Ringen in der Lage ist, zu liefern. Heute wird geliefert.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat die Kollegin Gudrun Kopp von der
FDP-Fraktion.
(Beifall bei der FDP)
Gudrun Kopp (FDP):
Herr Präsident! Sehr geehrte Herren und Damen!
Heute wird geliefert und – lieber Kollege Pfeiffer, ich
möchte das ergänzen – die Chaospolitik dieser
Bundesregierung fortgesetzt.
(Widerspruch bei der CDU/CSU und der SPD –
Beifall bei der FDP sowie der Abg. Renate
Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Kollege Pfeiffer, diese Bundesregierung hat nicht nur
Chaos bei der Kfz-Steuerreform und der
Biokraftstoffstrategie verursacht und das nach außen getragen.
Vielmehr wird sie auch mit dem Kraft-Wärme-
Kopplungsgesetz scheitern. Sie lassen die weiteren Belastun-gen der Verbraucher völlig außen vor. Effizienz
bedeutet nicht nur effiziente Nutzung der Energie, sondern
auch Kosteneffizienz. Die Spirale staatlich verursachter
Belastungen der Verbraucher durch ständig steigende
Steuern und Abgaben bei den Energiepreisen drehen Sie
weiter nach oben. Es gibt kein Anzeichen für eine
Entlastung der Bürger von diesen hohen Kosten.
(Beifall bei der FDP)
Insofern ist das keine Strategie, auf die Sie stolz sein
können. Es ist ein schlechter Tag für die Verbraucher
und den Klimaschutz in Deutschland.
(Beifall bei der FDP)
Die Kraft-Wärme-Kopplung, also die Verbindung von
Strom und Wärme bei der Nutzung, ist eine
hervorragende und sehr effiziente Technik. Solche Anlagen
rechnen sich und brauchen keine zusätzliche Förderung. Es
hat sich gezeigt, dass das alte Gesetz, das Sie heute
fortschreiben, nicht die Wirkung erzielt hat, die Sie sich
erhofft haben. Gerade einmal 10 Millionen Tonnen CO2
würden Sie bei anvisierten 20 Millionen Tonnen
einsparen, und das bei einem hohen Kostenvolumen von
5,6 Milliarden Euro. Ursprünglich sollte das Kraft-
Wärme-Kopplungsgesetz 2010 auslaufen. Sie legen aber
nach. Sie verbreitern den Kreis derjenigen, die
anspruchsberechtigt sind. Sie beziehen den Ausbau der
Wärmenetze ein, deckeln die Gesamtsumme auf 750
Millionen Euro und verkaufen dies als ein hervorragendes
Klimaschutzprogramm. Das kann Ihnen niemand
abnehmen. Wir tun das auf gar keinen Fall.
(Beifall bei der FDP)
Ich möchte herausstellen, dass Sie mit der
Verlängerung der Förderungsdauer und der Verbreiterung des
Kreises der Anspruchsberechtigten mindestens weitere
8 Milliarden Euro an Fördergeldern und
Überwälzungskosten zulasten der Stromkunden in Umlauf bringen.
Das ist alles andere als ein Erfolg. Ich möchte auf ein
paar Widersprüche zu sprechen kommen.
Das neue, fortgeschriebene Gesetz sieht die
Anspruchsberechtigung von großen Industrieanlagen vor,
Stichwort „Prozesswärme“. Es gibt industrielle Anlagen,
in denen Prozesswärme entsteht und quasi als
Abfallprodukt ganz nebenbei Strom erzeugt wird. Sie fördern
sogar die Stromlieferung, die ohnehin da ist und die
ohnehin ins Netz eingespeist und vergütet wird. Sie sehen
schon an diesem Beispiel, dass es eine Menge von
Mitnahmeeffekten zulasten der Verbraucher gibt.
Ich nenne als weiteres Beispiel die Solarthermie. Sie
fördern auf der einen Seite die Solarthermie im Rahmen
des Wärmegesetzes, zu dem wir nachher noch kommen,
also die dezentrale, punktgenaue Versorgung der
Verbraucher mit Wärme, setzen aber auf der anderen Seite
mit dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz einen
Kontrapunkt zu dezentraler Wärmezufuhr und dem Anschluss
der Verbraucher. Das sind in sich widersprüchliche
Anreizsignale. Sie setzen auf der einen Seite das Signal, in
den Haushalten dezentrale Anlagen zur
Wärmeerzeugung zu installieren, auf der anderen Seite setzen Sie mit
dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz einen Kontra-
Gudrun Kopppunkt. Das ist nicht mit den Zielen zu vereinbaren, die
wir für richtig halten.
(Beifall bei der FDP)
Bei der Anhörung haben alle Sachverständigen
dargestellt, dass die von Ihnen genannte Deckelung von
750 Millionen Euro nicht ausreichen wird, um das, was
Sie wollen, zu erreichen. Im Gesetz steht, dass 25
Prozent der Stromproduktion aus Kraft-Wärme-Kopplungs-
Anlagen stammen soll, koste es, was es wolle. Die
Sachverständigen sagten, dass man das so machen könne,
aber der Betrag dafür nicht reichen werde. Warten wir
einmal ab, was Sie im Laufe des Verfahrens noch oben
drauflegen werden! Sie setzen mit diesem Gesetz die
falschen Signale, Sie erlegen den Verbrauchern höhere
Kosten auf, aber Sie sorgen nicht für eine höhere
Effizienz. Schauen Sie sich an, wie hoch die Strompreise im
Augenblick sind! Kraft-Wärme-Kopplung würde sich in
den allermeisten Fällen rechnen. Sie fördern heute auch
die Anlagen, von denen wir bisher zu Recht
angenommen haben, dass sie sich ohnehin rechnen. Das ist
wirklich nicht zielführend.
(Beifall bei der FDP)
Bei allen Podiumsdiskussionen, die wir zu diesem
Thema hatten, haben die Lobbyisten eine hervorragende
Arbeit geleistet. Ich habe immer wieder wahrgenommen,
wie sehr die Abgeordneten bedrängt wurden, noch mehr
zu fördern, die Fördersumme zu erhöhen oder die
Förderzeit zu verlängern, damit sich die Investitionen
lohnen. Anderenfalls werde man keine Kraft-Wärme-
Kopplungs-Anlagen bauen. Schauen wir uns die Politik der
Grünen oder gar der Linken an! Sie wollen keinerlei
Deckelung, sondern alles finanzieren. Das ist eine Politik
zulasten der Stromkunden, eine Politik, die
Dauersubventionen befördert und keine Entlastung bringt.
(Beifall bei der FDP – Renate Künast [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat denn
eigentlich die Atomenergie bisher bezahlt?)
Es liegt heute ein weiterer Antrag vor, und zwar zur
Marktöffnung beim Mess- und Zählwesen. Wir
begrüßen ausdrücklich, dass die Bundesregierung bei
Neubauten künftig die Pflicht zum Einbau von neuen
Messgeräten vorsieht, die auch fernablesbar sind. Das bringt eine
Menge Erleichterung. Aber wir glauben, dass Sie auch
bei der Markteinführung der neuen Geräte scheitern
werden. Wir müssen es hinbekommen, dass die Basistechnik
flächendeckend in Deutschland installiert werden kann.
Der Wettbewerb muss sich auf die intelligente
Technologie, den Chip, konzentrieren, die bei dem Stromzähler
eingesetzt wird. An dieser Stelle ist Wettbewerb
angebracht. In Holland und Großbritannien war jedoch die
Markteinführung nicht zufriedenstellend. Es wurden
ganz unterschiedliche Stromzähler und Techniken
eingeführt, die nicht miteinander kombinierbar waren. Die
Verbraucher konnten die Einzelverbräuche nicht
ablesen, wie es eigentlich nötig gewesen wäre. Sie hatten
außerdem hohe Kosten. Noch wichtiger: Was machen
eigentlich die Verbraucher, die sich unterschiedliche
Stromzähler kaufen und einbauen lassen, wenn sie den
Stromanbieter wechseln wollen? Man hat dann großeSchwierigkeiten, den Wechsel zu bewerkstelligen. Das
kann für die Stromversorger ein weiteres
Kundenbindungselement sein. Davor kann ich nur warnen. Wenn es
dazu käme, wäre das nicht im Sinne des Erfinders.
Auf der Website www.energie-verstehen.de des heute
Morgen leider nicht anwesenden Bundesministers Glos
(Jan Mücke [FDP]: Wo ist der eigentlich?)
sehen Sie eine Darstellung dessen, was er unter einem
richtigen Energiemix versteht. Er beschreibt dort die
hervorragende Nutzung von kerntechnischen Anlagen.
Dort steht, wie wichtig es ist, dass diese auch in Zukunft
Teil des Energiemix sind. Außerdem bietet er eine
Lösung für die Endlagerproblematik; er schreibt, Gorleben
eigne sich als Endlager. Das Ganze erscheint als
Energiepolitik der Bundesregierung. Wenn Sie auf die
Website des Bundesumweltministers schauen, dann finden
Sie eine völlig andere Darstellung. Daher kann ich Ihnen
nur sagen: Eigentlich müsste die Bundesregierung einen
neuen Link einrichten, nämlich www.bundesregierung-
verstehen.de; denn draußen versteht niemand, was Sie
eigentlich wollen.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das sagen wir nach
Ihren Reden auch immer!)
Sie haben inkonsistente, also einander
widersprechende Programme. Ich sage Ihnen: Die FDP-
Bundestagsfraktion sieht als einziges richtiges
Klimaschutzsignal einen umfassenden Emissionshandel, durch den
Klimaverschmutzung tatsächlich einen Preis hat.
Parallellaufende Instrumente, die Sie zulasten der
Stromkunden immer weiter ausbauen, müssten wegfallen. Also:
Runter mit der staatlichen Belastung des
Energieverbrauchs! Denken Sie an die Verbraucher und weniger
daran, dass Sie Ihre eigenen Scharmützel mit zig
Förderprogrammen zulasten derjenigen unterlegen, die diesen
ganzen politischen Irrsinn am Ende kaum noch bezahlen
können!
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP – Ulrich Kelber [SPD]:
Zehn Minuten ohne einen einzigen eigenen
Vorschlag! Das ist Rekord!)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat der Kollege Rolf Hempelmann von der
SPD-Fraktion.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Rolf Hempelmann (SPD):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Entgegen allen Unkenrufen hat die Koalition es
geschafft, einen ambitionierten Zeitplan einzuhalten und
heute ein Bündel mit gleich vier Gesetzentwürfen zum
Energie- und Klimapaket vorzulegen. Ich denke, das
kann sich sehen lassen. Kollege Dr. Pfeiffer hat schon
gesagt: Es zeigt eben auch, dass die Union und die SPD,
also die Koalition, in einem so komplexen Politikfeld
wie der Energiepolitik handlungsfähig sind.
Rolf Hempelmann(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU)
Mit dem Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung – Herr
Westerwelle, hören Sie ruhig zu; Sie können eine Menge
lernen – haben wir jetzt das konkrete Ziel vor Augen, die
Verdoppelung des Anteils der Kraft-Wärme-
Kopplung am Strommarkt bis zum Jahre 2020 zu erreichen.
25 Prozent der Stromerzeugung sollen dann aus der
umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung erfolgen. Dies
ist nicht nur ein Klimaschutzziel, sondern durchaus auch
ein Ziel, das ökonomisch Sinn macht. Wir wollen die
Energieeffizienz steigern; wir wollen die
Energieproduktivität bis 2020 verdoppeln. Ohne einen substanziellen
Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung wird das nicht
gehen.
(Beifall bei der SPD)
Wer sich mit diesem Thema auskennt – wie ich sehe,
hat Herr Westerwelle schon alles gelernt –, weiß, dass
der Energiegehalt des Energieträgers in normalen
Kraftwerken bis zu 40 oder 45 Prozent ausgenutzt werden
kann. Bei der Kraft-Wärme-Kopplung ist es aber so,
dass 90 Prozent des Energiegehalts der Steinkohle, der
Braunkohle oder des Gases ausgeschöpft werden
können. Wir liefern hier also auch einen Beitrag zur
Ressourcenschonung, und wir reduzieren den jährlichen
CO2-Ausstoß um über 15 Millionen Tonnen.
KWK, Frau Kopp, macht auch aus wirtschaftlichen
Gründen Sinn. Wenn wir den Anteil der Kraft-Wärme-
Kopplung ausweiten, dann ist das letztlich auch ein
Beitrag zur Energiekostenbegrenzung. Sie haben sich große
Sorgen um den Kunden, insbesondere um das, was er für
die Energie zu zahlen hat, gemacht.Diese Sorgen
machen wir uns auch. In diesem Zusammenhang muss man
wissen, dass beispielsweise Gas seit 2002 um 72 Prozent
im Preis gestiegen ist. Bei Steinkohle beträgt der
Preisanstieg immerhin 53 Prozent. Wenn wir einen
Beitrag dazu leisten, dass diese Energieträger zu 90 Prozent
ausgenutzt werden, tun wir damit am Ende auch etwas
dafür, dass der Kunde kurz-, mittel- und langfristig
weniger zahlt, als er bei jeder anderen Alternative zahlen
würde.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Die Anhörung zum Thema Kraft-Wärme-Kopplung
ist bereits erwähnt worden. In dieser Anhörung bestand
große Einigkeit dahin gehend, dass dieses Paket in der
vorgelegten Form – jedenfalls erst einmal im
Grundsatz – ein guter Beitrag zum Ausbau der Kraft-Wärme-
Kopplung ist. Insbesondere wurde hervorgehoben, dass
es ein richtiger Ansatz ist, auch den Ausbau der Nah-
und Fernwärmenetze zu unterstützen. Es macht
nämlich keinen Sinn, nur in Kraftwerke zu investieren und
die Netze, also die Wärmesenken, zu vernachlässigen.
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist erst dann wertvoll, wenn
die dort entstehende Wärme auch tatsächlich
Verwendung findet. Darum kümmern wir uns mit diesem
Gesetz.
Es gibt eine ganze Menge von Details, die ich jetzt
nicht erwähnen möchte, weil Kollege Pfeiffer das im
Großen und Ganzen schon getan hat.In einer solchen Debatte muss man allerdings auch
einmal darauf hinweisen, dass wir mit dem Ausbau der
Kraft-Wärme-Kopplung gerade auch für die
energieintensiven Industrien, die auf den grundlastfähigen Strom
aus Gas und insbesondere aus Kohle angewiesen sind,
einen wichtigen Beitrag leisten. Wir alle wissen, dass
eine klimaverträgliche Verbrennung und Nutzung
fossiler Energieträger in Zukunft nur noch im Rahmen von
Kraft-Wärme-Kopplung möglich ist oder eventuell mit
CCS-, also CO2-freien oder -armen Kraftwerken, wobei
wir alle wissen, dass es bei diesem Thema noch eine
Menge unbeantwortete Fragen gibt. Die Vorteile der
Kraft-Wärme-Kopplung kennen wir allerdings.
Deswegen wollen wir diesen Weg gehen.
Wir haben eine ganze Menge von Verbesserungen
gegenüber dem ursprünglichen Kabinettsentwurf erreicht.
Ein wesentlicher Punkt scheint mir die flexible
Verwendung der 750 Millionen Euro über den gesamten
Förderzeitraum zu sein. In der Anhörung ist deutlich
geworden, dass der eine oder andere gerne auch mehr Geld
gehabt hätte. Wahrscheinlich wird man in jeder
Anhörung zu jedem Thema erleben, dass die jeweiligen
Branchen sich auch mehr vorstellen können. Ich gebe gerne
zu, dass meine Fraktion diese Vorstellungen durchaus
gerne unterstützt hätte. Wir erkennen aber auch den
Stellenwert, den eine Kostenbegrenzung in diesem Bereich
besitzt. Deswegen sind wir mit der Verstetigung dieser
750 Millionen Euro jährlich zufrieden. In der Anhörung
wurde diesem Punkt ebenfalls deutliche Priorität
beigemessen. Er war den Branchenvertretern auch wichtiger
als eine Erhöhung der Mittel. Das bringt Verlässlichkeit
und Planbarkeit. Gerade für Wirtschaftsakteure ist dies
ein Wert an sich.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Wir haben eine ganze Menge von Dingen vorgesehen,
deren gesamte Auswirkungen wir in einem Monitoring
überprüfen wollen, das im Jahre 2011 stattfinden wird.
Dieses Gesetz ist ein lernendes System. Wir haben das
Ziel einer Verdoppelung bis 2020. Auf der Wegstrecke
wollen wir schauen, ob wir möglicherweise
nachjustieren müssen. Bei diesem doch recht langen Zeitraum ist
das sehr sinnvoll. Deswegen ist ein Monitoring bei
einem solchen Gesetz geradezu Pflicht.
Meine Damen und Herren, mit diesem Gesetz tun wir
auch eine ganze Menge, um die Anbieterlandschaft im
Stromsektor zu erweitern. Wir alle beklagen, dass im
Grunde einige wenige Große den Kraftwerksmarkt
dominieren. Mit der Verdoppelung der Kraft-Wärme-
Kopplung – die in der Regel in Kraftwerken mittlerer
Größenordnung eingesetzt wird – werden wir die Zahl
der Akteure in diesem Markt deutlich erweitern. Das ist
gut für den Wettbewerb und damit letztlich auch ein
Beitrag, um die Preise für den Kunden in den Griff zu
bekommen.
Diesen Beitrag wollen wir auch mit dem zweiten
Gesetz, von dem heute die Rede ist, leisten: Ich meine das
Gesetz zur Liberalisierung des Zähl- und Messwesens.
Ich denke, dass wir mit diesem Gesetz in der Tat einen
ganz hervorragenden Schritt machen, um den Kunden in
die Lage zu versetzen, auf der einen Seite seine Energie-
Rolf Hempelmannkosten zu begrenzen und auf der anderen Seite seine
Energieverhaltensweisen, insbesondere im
Privathaushalt, zu erkennen und zu steuern. Wir setzen nämlich
darauf, dass mit dieser Liberalisierung zugleich auch
Modernisierungs- und Innovationsmaßnahmen im Mess-
und Zählwesen stattfinden. Konkret: Wir wollen, dass
möglichst viele Haushalte möglichst bald mit
sogenannten intelligenten Zählern ausgestattet sind, die es dem
Kunden ermöglichen, sein Verbrauchsverhalten zu
analysieren und gegebenenfalls zu verändern. Das bringt
Ersparnisse für den Einzelnen; es wirkt sich auf sein
Portemonnaie aus. Das bringt aber auch insgesamt
Ersparnisse für die Volkswirtschaft, und mit dem
reduzierten Energieverbrauch entstehen natürlich auch
Klimavorteile. Mit diesem Ansatz können wir also eine ganze
Menge von positiven Effekten miteinander verbinden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Auch zu diesem Punkt haben wir eine Anhörung
durchgeführt. Es war hochinteressant, dass ausgerechnet
die Liberalen in diesem Bereich auf
Zwangsmaßnahmen setzten. Wir nehmen das zur Kenntnis. Wir werden
sicherlich auch im Rahmen unserer
Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise wenn wir mit Verbraucherverbänden
oder Kunden vor Ort diskutieren, deutlich machen, dass
gerade die Liberalen eher auf Zwang setzen und nicht
darauf vertrauen wollten, dass der Kunde hier
selbstständig die richtige Entscheidung trifft.
(Dr. Rainer Wend [SPD]: Stimmt das
wirklich?)
In der genannten Anhörung haben gerade die
Verbraucherverbände davor gewarnt, Zwang auf den Kunden
auszuüben, haben aber zugleich angeboten, ihrerseits
eine Kampagne, und zwar nicht nur eine kurzfristige,
sondern eine längerfristige begleitende Kampagne, zu
fahren, um für den Einbau solcher intelligenten Zähler
zu werben. Ich denke, darauf sollten wir setzen und nicht
auf Zwang gegenüber dem einzelnen Kunden.
Meine Damen und Herren, wir haben natürlich den
Ehrgeiz, dass möglichst schnell solche intelligenten
Zähler in großer Stückzahl eingeführt werden. Deswegen
macht es Sinn, sich nicht nur auf freiwillige
Umrüstaktionen zu verlassen,
(Gudrun Kopp [FDP]: Aha!)
sondern dafür zu sorgen, dass vonseiten der Anbieter,
also der Messstellenbetreiber, dem Kunden ein Angebot
unterbreitet wird. Wir haben also den Spieß umgedreht
und eine Angebotspflicht vorgesehen. Ich glaube, das
liegt im Interesse beider Seiten; denn wenn alle Anbieter
solche Angebote machen müssen, dann ist die
Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein entsprechender
Wettbewerb stattfindet, dass sich die Qualität der
intelligenten Zähler von Jahr zu Jahr weiterentwickelt, dass die
Kosten für diese Zähler aufgrund des Wettbewerbs und
der Herstellung großer Stückzahlen möglichst gering
ausfallen usw. So werden Skaleneffekte ausgelöst, die
sich insgesamt zugunsten des Kunden auswirken.Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Herr Kollege Hempelmann, erlauben Sie eine
Zwischenfrage der Kollegin Kopp?
Rolf Hempelmann (SPD):
Gerne.
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Bitte schön, Frau Kopp.
Gudrun Kopp (FDP):
Herr Kollege Hempelmann, ich kann Sie beruhigen:
Die FDP setzt nach wie vor auf die Stärkung des
Wettbewerbs und auf die Marktkräfte.
(Dr. Rainer Wend [SPD]: Gott sei Dank!)
Machen Sie sich keine Sorgen.
Ich möchte Ihnen nur sagen: Die Skaleneffekte, die
erreicht werden sollen, können nur dann tatsächlich
erzielt werden, wenn eine standardisierte Grundtechnik
zum Einsatz kommt. Das ist der Punkt. Ich habe ja
davon gesprochen, wie wichtig es ist, auf Nachbarländer zu
schauen, um nicht die Fehler zu machen, die dort
begangen wurden. Wie wollen Sie nun verhindern, dass durch
die Installation unterschiedlicher Techniken, die nicht
kompatibel sind, die Stromanbieter die
Wechselfähigkeit von Stromkunden, die zum Wechsel bereit wären,
unterbinden oder erschweren? Wenn die Installation
neuer Zähler als Kundenbindungsinstrument genutzt
würde, würde genau das Gegenteil von dem eintreten,
was wir uns wünschen, nämlich mehr Wettbewerb.
Rolf Hempelmann (SPD):
Frau Kopp, ich freue mich zunächst einmal, dass ich
mir keine Sorgen machen muss; denn in der kurzen Zeit
nach Ihrer Rede haben Sie offenbar Ihre Meinung und
Ihre Position geändert und setzen jetzt auf Freiwilligkeit
bei den Kunden.
(Beifall bei der SPD)
Genauso müssen Sie sich keine Sorgen machen. Denn
Ihr berechtigtes Anliegen ist bei der Koalition in guten
Händen. Wir haben im Rahmen unserer Verhandlungen
eine Protokollnotiz erstellt, in der vorgesehen ist, dass
das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit der
Bundesnetzagentur ein Verfahren entwickelt, das zur
Standardisierung in dem Bereich des Mess- und
Zählwesens führt. Es ist doch klar – da haben Sie völlig
recht –: Wir brauchen Standards, die dazu führen, dass
die unterschiedlichen Geräte untereinander kompatibel
sind und ein Anbieterwechsel nicht erschwert oder
verhindert wird.
(Gudrun Kopp [FDP]: Das meinte ich!)
Durch die Arbeit der Bundesnetzagentur, die in diesem
Bereich schon Zuständigkeiten hat, ist sichergestellt,
dass dieser Punkt beachtet wird. Darauf können Sie sich
verlassen.
Ein anderer Punkt, der in diesem Zusammenhang von
uns als sehr wichtig erachtet wird, ist die Pflicht der An-
Rolf Hempelmannbieter, lastvariablen- bzw. tageszeitabhängige Tarife
anzubieten. Auch dafür braucht man Standardisierungen.
Es ist daher sehr sinnvoll, wenn wir die Einführung
intelligenter Zähler zügig vorantreiben. Es wird auch
zunehmend das Interesse der Anbieterseite sein, dass sich
möglichst viele Kunden für beispielsweise
tageszeitabhängige Tarife entscheiden. Daraus ergibt sich nicht nur
ein Vorteil auf der Kundenseite.
Zu der Zeit, in der Kraftwerke besonders ausgelastet
sind, wird der Kunde seine Spül- oder Waschmaschine
nicht anstellen, sondern dann, wenn es eine
Minderauslastung der Kraftwerke gibt, was zum Beispiel nachts
der Fall ist.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Da wird sich der Nachbar freuen!)
Davon hat auch der Kraftwerksbereich einen Vorteil.
Wenn man nämlich auf diese Art und Weise den Einsatz
von Kraftwerken verstetigen kann und wenn man
weniger Spitzenlaststrom braucht, dann führt das dazu, dass
man möglicherweise weniger Kraftwerke bauen muss.
Man kommt also mit einem geringeren Stromangebot
aus, als dies bei jedem anderen Szenario der Fall sein
würde. Es gibt also Vorteile sowohl für die
Angebotswie für die Nachfrageseite. Alle Experten haben gesagt,
dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Der Fortschritt im
Mess- und Zählwesen und im Bereich der intelligenten
Zähler kann sich auf diese Weise segensreich auswirken.
Meine Damen und Herren, diese Entwicklung wollen
wir kurzfristig mit dem vorliegenden Gesetz anstoßen.
Ich glaube, dass wir damit eine Chance haben, mittel-
und längerfristig die Energielandschaft in Deutschland
entscheidend weiterzuentwickeln und zu verändern. Es
kommt zu einer völlig anderen Form der Vernetzung
von Anbietern und Kunden. Der Kunde wird
sozusagen zum Prosumer; denn der Verbraucher, also der
Consumer, wird gleichzeitig Produzent. Das gilt
besonders für den Bereich der erneuerbaren Energien, da wir
viele Haushalte dazu bringen wollen, sich mit
Fotovoltaik und ähnlicher Technik auszustatten.
Es ist zwingend notwendig, dass es hier zu einer sehr
viel engeren Verbindung von Nachfrage- und
Angebotsseite kommt. Das wird dazu führen, dass auch
diejenigen, die bisher nur Kilowattstunden verkauft haben und
dementsprechend ein großes Interesse an dem Verkauf
von möglichst großen Strommengen hatten – das ist ja
unter klimaschutzpolitischen Gesichtspunkten nicht das
Gelbe vom Ei –, ihr Geld nicht mehr mit
Mengenverkauf, sondern mit Energiedienstleistungen verdienen
werden.
Wir sehen diese Entwicklung im Bereich des
Contracting, also bei den Verträgen, die Energieanbieter mit
großen Kunden abschließen. Es ist völlig klar, dass sich
eine entsprechende Entwicklung im Bereich der
normalen Haushaltskunden anbahnt. Der Kunde kauft dann
nicht mehr Kilowattstunden Strom, sondern Kälte,
Wärme und die Energieversorgung seiner elektrischen
Geräte zu einem Fixpreis mit bestimmten Nebenabreden
im Falle von Mehr- bzw. Minderverbrauch. Ich denke, das ist ein Modell der Zukunft. Dafür
müssen die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen
werden. Das tun wir mit der Liberalisierung des Mess-
und Zählwesens und mit der Einführung intelligenter
Zähler für lastvariable- und tageszeitabhängige Tarife.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf mich für
Ihre Aufmerksamkeit bedanken.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat jetzt der Kollege Hans-Kurt Hill von der
Fraktion Die Linke.
(Beifall bei der LINKEN)
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Klimaschutz bedeutet, Energie klug zu nutzen. Kraft-
Wärme-Kopplung, KWK genannt, ist das Konzept für
Zukunftskraftwerke. Sie nutzen Strom und Wärme.
Heute wird so viel durch Stromerzeugung entstehende
Wärme fortgeworfen, dass man mit der Gesamtmenge
alle Haushaltungen heizen könnte. Wir können es uns
nicht leisten, so mit den teuren endlichen Brennstoffen
umzugehen.
(Beifall bei der LINKEN)
Aber was heißt das? Erstens. Das Kraftwerk gehört
vor Ort. Zweitens. Dort wird so viel Energie erzeugt, wie
gebraucht wird – möglichst sauber und möglichst
effizient. Drittens. Wer Strom erzeugt, sollte auch die
anfallende Wärme umfassend nutzen. Viertens. Deshalb
macht die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung Sinn.
Fünftens. Diese effiziente Energieerzeugung nutzt bis zu
90 Prozent des Brennstoffes aus. Zum Vergleich: Ein
herkömmliches Kohlekraftwerk lässt zwei Drittel der
eingesetzten Energie ungenutzt.
In den letzten Wochen und Monaten mussten wir bei
diesem Thema Erstaunliches erleben.
Bundesumweltminister und Bundeswirtschaftsminister – sonst zu keinen
Gemeinsamkeiten bereit – fordern neue große
Kohlekraftwerke, die nicht einmal die Hälfte der eingesetzten
Energie nutzen. Nicht nur das: Eine Gruppe aus
Energiebossen und Vertretern der CDU/CSU will uns erklären,
dass diese Energieverschwendungsanlagen billigen
Strom lieferten und umweltfreundlich seien.
(Dr. Ilja Seifert [DIE LINKE]: Oje!)
Und: Sie bekämpfen die Förderung der Kraft-Wärme-
Kopplung als nicht marktgerecht.
Ich möchte das einmal so bewerten: Klug war das
nicht. Denn die gebeutelten Stromkundinnen und -
kunden fragen sich natürlich mit Blick auf RWE & Co: Was
für ein Markt? So ist es auch kein Wunder, dass sich
Bürgerinnen und Bürger landauf, landab gegen
Megakraftwerke der Konzerne wehren – und das mit Erfolg.
Es zeigt sich auch, dass die Vorstellung von Vattenfall:
„Dumm, dümmer, Kunde“ nach hinten losgegangen ist;
denn die Leute sind klug genug, den Stromversorger zu
wechseln.
Hans-Kurt HillDamit die Stromangebote bezahlbar bleiben und
transparent sind, sollen heute der Entwurf eines Gesetzes
zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung und der
Entwurf eines Gesetzes für Wettbewerb im Messwesen
verabschiedet werden; auf beide möchte ich kurz eingehen.
Das KWK-Gesetz hat das Ziel, die effiziente
Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 Prozent
zu erhöhen. In der Tat enthält der Gesetzentwurf
zahlreiche gute Vorschläge – wohl nachdem die Hardliner in
den Reihen der CDU/CSU etwas zurückgepfiffen
wurden. Im Kern muss aber festgestellt werden, dass die
Vorlage nach wie vor entscheidende Mängel hat.
Ich will deshalb noch einmal deutlich machen, warum
wir die Kraft-Wärme-Kopplung nicht halbherzig fördern
dürfen. Kluge Energieerzeugung schafft Arbeit. In der
herkömmlichen Energiewirtschaft werden bis 2020
mindestens 45 000 Stellen verloren gehen – gerade wegen
neu geplanter Megakraftwerke, die fast ohne Personal
laufen. Im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung können
bis zu 60 000 neue Arbeitsplätze entstehen, wenn das
KWK-Potenzial genutzt wird. Nach einer Studie des
Bremer Energie-Instituts könnte der KWK-Anteil bis
2020 sogar auf 36 Prozent wachsen. Deshalb wäre es
absurd, wenn nicht einmal ein Viertel geschafft wird.
Wer sich dem Ausbau kluger Energieanlagen
verweigert, der riskiert in der Tat zwei Probleme: erstens das
Verfehlen der erforderlichen Ziele im Klimaschutz zur
Senkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent bis 2020
– ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die
Beseitigung der Folgen der Erderwärmung um ein Vielfaches
teurer ist als ambitionierter Klimaschutz – und zweitens
die Gefahr einer Stromlücke und damit die
Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.
Damit sind wir beim Kern der Debatte. Teile der
CDU/CSU wollen die Zukunftsenergien gezielt gegen
die Wand fahren, um die Stromwirtschaft von gestern zu
bedienen. Diese Verweigerer sind es, die mit den
Ängsten hinsichtlich der Versorgungssicherheit spielen. Das
ist mit uns nicht zu machen.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir, die Linke, fordern Sie deshalb auf, sich für ein
kluges KWK-Gesetz starkzumachen. Beseitigen Sie die
grundlegenden Mängel.
Erstens. Der angestrebte KWK-Anteil wird nicht
erreicht werden, da die Anreize zu gering sind. Es reicht
nicht aus, Herr Kelber, 25 Prozent als Ziel aufs
Deckblatt zu schreiben. Man muss auch den Weg zu diesem
Ziel aufzeigen.
(Ulrich Kelber [SPD]: Sie können doch nicht
über die CDU/CSU schimpfen und mich
angucken!)
Die Linksfraktion fordert deshalb eine Erhöhung der
Förderdauer auf acht Jahre oder 40 000 Volllaststunden
und eine vollständige Aufhebung der jährlichen
Förderbegrenzung.
Zweitens. Auch klimaschädliche Kohlekraftwerke
werden mit dem vorliegenden Entwurf staatlich geför-dert. Wenn es um konsequenten Klimaschutz geht, kneift
die Große Koalition. Das ist ebenfalls nicht hinnehmbar.
Aus diesem Grund muss sich die Linke bei dieser
Abstimmung enthalten.
Dem Entwurf eines Gesetzes zum Messwesen werden
wir zustimmen, auch wenn die Regierung in diesem Fall
zu zögerlich ist. Die Öffnung der Messdienstleistung
dient der Transparenz für die Strom- und Gaskunden.
Durch bessere Information und so genannte intelligente
Zähler bekommen die Haushalte einen besseren
Überblick über ihren Strom- und Gasverbrauch. So fällt es
leichter, Energie zu sparen und mehr für das Klima zu
tun.
Ich fasse zusammen: Wer Energieverschwendung mit
ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen rechtfertigt, ist
unglaubwürdig. Er will Kasse machen, statt Strom und
Wärme zu bezahlbaren Preisen zu liefern. Glaubwürdig
sind konsequenter Klimaschutz, kluge Energieerzeugung
und Transparenz für die Strom- und Gaskunden. Das ist
der beste Garant für eine stabile, sichere und
umweltfreundliche Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen
und mehr Beschäftigung mit neuer Energie.
Vielen Dank.
(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg.
Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN])
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat die Kollegin Bärbel Höhn von
Bündnis 90/Die Grünen.
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der
Gesetzentwurf, über den wir heute sprechen, ist ein
Musterbeispiel für die Klimapolitik der Bundesregierung:
Erst machen Sie große Ankündigungen, dann wird lange
gestritten, und am Ende kommt ein unzureichendes
Gesetz heraus, mit dem die angekündigten Ziele verfehlt
werden. So sieht Klimaschutz nicht aus.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sie versprechen viel, Sie streiten viel und Sie tun wenig.
Das ist eine enttäuschende Bilanz Ihrer KWK-Novelle.
Das ist auch eine enttäuschende Bilanz der gesamten
Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung.
Worum geht es in diesem Gesetz? Es geht um
Kraftwerke, die Strom erzeugen, aber gleichzeitig die Wärme,
die sie dabei produzieren, nutzbar machen sollen. Das ist
gerade in Zeiten, in denen die Energiepreise immer
weiter nach oben gehen, absolut wichtig. Wir müssen
einfach mehr Energie einsparen, um den steigenden
Energiepreisen etwas entgegenzusetzen. Das ist ein soziales
Problem.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Deshalb ist es wichtig, dass wir Kraft-Wärme-
Kopplungs-Anlagen bauen. Aber solche Kraftwerke
entstehen nicht auf der grünen Wiese – wo soll denn
dann die Wärme hin? –, sondern solche Kraftwerke ent-
Bärbel Höhnstehen nur als kleine Kraftwerke in den Zentren, wo man
die Wärme in die Wohnungen leiten kann. Deshalb
müssen wir über die Kraftwerksstruktur nachdenken; denn es
ist absolut unangemessen, dass die großen Kraftwerke
über 50 Prozent ihrer Energie als Wärme ungenutzt in
die Luft entlassen. Ihre Förderung von großen
Kohlekraftwerken ist das Gegenteil von dem, was mit der
Kraft-Wärme-Kopplung erreicht werden muss.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Leider gibt es in Deutschland zu wenig effiziente
Kraftwerke. Ihr Anteil beträgt gerade einmal 12 Prozent.
Damit liegt Deutschland innerhalb der EU auf dem
zwölften Platz. In Finnland beträgt der Anteil 39
Prozent, in Dänemark sogar über 50 Prozent. Woran liegt
das? Die Wirtschaft hatte eine freiwillige
Selbstverpflichtung formuliert und angestrebt, den Anteil der
Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung bis
2010 von 20 Prozent zu erreichen. Dieses Ziel hat die
Wirtschaft weit verfehlt. Die Wirtschaft hat sich mit
ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung kräftig blamiert. Es
ist ein Armutszeugnis, dass das Ziel nicht erreicht
worden ist.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Es muss etwas geschehen. Sie sagen jetzt, dass der
Anteil von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung bis 2020
auf 25 Prozent erhöht werden soll. Damit würden wir
aber keinen Spitzenplatz einnehmen. Auch dann würden
wir immer noch weit hinter anderen Ländern liegen. Wir
würden gerade einmal das Niveau erreichen, das
Rumänien heute hat. Dieses Land wird 2020 aber
wahrscheinlich weiter als heute sein.
Das Ziel, das Sie in diesem Gesetz vorgeben, werden
Sie mit diesem Gesetz nicht erreichen. In der Anhörung
haben – darauf hat Herr Hempelmann schon
hingewiesen – alle Experten gesagt: Die Mittel, die Sie einsetzen,
sind zu gering. Herr Pfeiffer, Sie wollen darauf mit der
Erfindung des sogenannten atmenden Deckels reagieren.
Dazu muss ich sagen: Wenn die Mittel zu gering sind,
nützt es auch nichts, wenn man sie von dem einen Jahr
auf das andere Jahr übertragen kann. Das heißt de facto:
Wir brauchen mehr Mittel, damit Kraft-Wärme-
Kopplung besser gefördert werden kann.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Zuruf von der SPD: Nein! Sie haben das nicht
verstanden!)
Über die Fördermittel, die Sie vorsehen, werden wir
höchstens eine Steigerung des Anteils von Kraft-Wärme-
Kopplung auf 18 bis 19 Prozent erreichen. Das Ziel von
25 Prozent, das Sie vorgeben, werden Sie weit verfehlen.
Mutiger Klimaschutz sieht anders aus als das, was Sie
uns heute vorlegen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mit Ihrer Zögerlichkeit beim Ausbau der Kraft-
Wärme-Kopplung reißen Sie neue Lücken in das
ohnehin löchrige Klimapaket. Über Kraft-Wärme-Kopplung
sollten eigentlich 20 Millionen Tonnen CO2-Emissionen
eingespart werden. Sie werden es auf höchstens 7 bis10 Millionen Tonnen bringen. Sie werden noch nicht
einmal die Hälfte von dem erreichen, was Sie vor einem
Jahr versprochen haben. Wenn man bedenkt, dass das
Ziel im Jahr 2020 liegt und schon ein Jahr nach
Verkündigung dieses Ziels nur noch die Hälfte der Vorgabe
erreicht werden kann, muss man sagen: Das ist ein
Armutszeugnis. Wo landen Sie wohl 2020? Das ist wirklich
ein Armutszeugnis!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ein sehr schlimmer Effekt kann eintreten, wenn große
Kohlekraftwerke, die nur einen Teil der Wärme
auskoppeln – das hat Herr Hill eben angesprochen –,
aufgrund einer EU-Regelung über dieses Gesetz gefördert
werden könnten. Damit würde der Klimaschutz ad
absurdum geführt werden. Es wäre doch absurd, wenn wir
große Klimakiller, die nur einen Teil ihrer Wärme
auskoppeln, über dieses Gesetz fördern würden. Sorgen Sie
dafür, dass das nicht geschieht. Sonst würde das wenige
Geld auch noch in die falschen Kraftwerke gesteckt.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das steht doch im
Gesetz, Frau Höhn! Lesen Sie es doch einmal! Da
ist doch definiert, was Kraft-Wärme-Kopplung
ist!)
– Das Problem ist, dass Sie die Mittel zu den falschen
Kraftwerken lenken. Das ist nicht in Ordnung.
Das andere Gesetz, über das wir hier diskutieren, ist
das Gesetz zum Zähl- und Messwesen. Das finden wir
okay. Das zielt in die richtige Richtung. Das ist ein gutes
Instrument. Ich muss aber ehrlich sagen: Das könnte
ruhig schneller eingeführt werden. Sie könnten ruhig mal
„ein Schüppchen“ drauflegen. Man soll sagen können:
Wenn ich die Energie dann oder dann nutze, dann zahle
ich weniger. Dafür brauchen wir intelligente Zähler.
(Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]: Wir
brauchen intelligente Redner, nicht nur intelligente
Zähler!)
Diese Zähler sind gut und werden von den Verbrauchern
gefordert.
Ich komme zum Schluss.
(Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]: Danke!)
Wenn Sie die Zeitungsartikel der letzten Wochen studiert
haben, haben Sie festgestellt, dass Ihre Politik
zunehmend in die Kritik gerät. In großen Artikeln wird die
Politik der Klimakanzlerin zerfleddert. Immer mehr
Leute erkennen, dass das, was sie verspricht, nicht
umgesetzt wird. Die Menschen merken, dass Sie viel
versprechen, aber wenig halten. Daran merkt man, dass Ihre
Politik nicht gut ist. Setzen Sie endlich das um, was Sie
versprechen!
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Für die Bundesregierung spricht jetzt der
Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Schauerte.
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die
KWK-Novelle ist ein zentraler Bestandteil des
Integrierten Energie- und Klimapakets der Bundesregierung. Das
ist ein ganz wichtiges Gesetzgebungsvorhaben. Der
Minister hätte hier gerne selbst vorgetragen, aber er
befindet sich heute auf dem Energieministerrat. Angesichts
der Situation im internationalen Energiebereich werden
Sie verstehen, dass das sein muss.
Wenn ich diese Debatte auf mich wirken lassen,
komme ich zu interessanten Feststellungen:
Die FDP sagt, dass das Ganze zu viel ist. Gleichzeitig
sagt sie aber, dass 750 Millionen Euro an Fördermitteln
nicht ausreichen. Das habe ich bei Ihnen als die beiden
Kernsätze wahrgenommen, Frau Kopp.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das schafft auch nur die
FDP – oder Frau Kopp!)
Sie sagen, es werde zu teuer.
Die Linken sagen, man müsse KWK noch viel stärker
fördern; doch draußen im Lande beschweren sie sich
über Preissteigerungen im Energiebereich und
beschimpfen die Bundesregierung.
Zu den Grünen, Frau Höhn: Wir verbessern mit dieser
Novelle das KWK-Gesetz, das Sie in der rot-grünen
Regierungszeit auf den Weg gebracht haben, und zwar in
ganz wesentlichen Punkten. Genau das ist richtig.
Wir halten mit dem Koalitionsentwurf die Mitte
zwischen der Optimierung und der Effizienzsteigerung in
der Energiegewinnung. Dabei ist die KWK enorm
wichtig und gut. An keiner Stelle können wir so viel
zusätzliche Effizienz aus eingesetzter Primärenergie holen,
solange wir die KWK intelligent nutzen; das ist ein großer
Vorteil.
(Gudrun Kopp [FDP]: Das kann man auch
ohne Subventionen!)
Ein weiterer Punkt ist, dass wir sagen: Es muss
bezahlbar bleiben. Deswegen müssen wir das Ganze
deckeln. Denn wir sind in einer sehr schwierigen
Gemengelage. Wir sind im Umbau unserer Energiepolitik. Wir
reden hier über einen Anteil der KWK von 25 Prozent an
der Stromerzeugung in der Zukunft. Da sind die
Technologie und die Zielsetzung, die CO2-Emissionen zu
reduzieren, eine ganz wichtige Größenordnung; die
Bezahlbarkeit ist die andere. Das geht nicht anders, als dass
man einen vernünftigen mittleren Kurs setzt. Denn wir
dürfen die Bürger nicht unnötig belasten,
(Gudrun Kopp [FDP]: Das ist längst erreicht!)
und wir müssen die energieintensive Industrie im Lande
halten.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Dies haben wir sehr
vernünftig angelegt. Es ist ein Kurs der Mitte, der zum
Ziel führt.
Die erstmals größenunabhängig angelegte Förderung
des Ausbaus und der Wiedereinführung der
Modernisierung von KWK-Anlagen ist wichtig. Auch da wollen wir
Erneuerung und nicht nur mit den alten Technologien
KWK betreiben. Wir wissen um die Sorgen von
bestimmten energieintensiven Betrieben, die sich bisher
nicht zu einer Nutzung durchringen konnten. Frau Höhn,
auch Sie kennen das Problem: Bürgerinitiativen
behindern die eine oder andere KWK-Einrichtung, weil man
ein Kleinkraftwerk nicht in der Nähe haben will. Da sind
Grüne häufig dabei. Es ist die Gemengelage. In Ihren
Köpfen und Ihrer Strategie ist in diesem Zusammenhang
ausgesprochen viel Unordnung zu erkennen. Deswegen
sagen Sie bitte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger:
Wir haben den einzig klaren Weg, und die Große
Koalition verweigert sich mit kleinen Schritten. – So geht es
nicht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Hans-Josef Fell [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben den Erfolg
gebracht, von dem Sie heute leben!)
Die Einbeziehung der KWK-Eigenstromnutzung in
die Förderung ist sinnvoll. Die Reduzierung der CO2-
Emissionen ist vorrangig. Warum muss ich den Strom
erst begünstigt ins Netz einspeisen, um ihn dann ganz
normal aus dem Netz zu erwerben? Warum geht man
nicht den direkten Weg und sagt: Unmittelbar da, wo er
erzeugt worden ist, darf er eingesetzt werden und wird in
die Begünstigung aufgenommen?
Auch die Erstreckung der Förderung auf den Aus-
und Neubau von Wärmenetzen ist geboten, vernünftig
und sinnvoll. Wer kann dagegen sein?
Aber nicht nur die Novelle des KWK-Gesetzes trägt
zur Erreichung des ambitionierten Ziels – ein Anteil von
25 Prozent an der Stromerzeugung – bei, auch die
Wirtschaft muss zu der von ihr abgegebenen
Selbstverpflichtung zum KWK-Ausbau stehen. Die KWK-
Novellierung und die Selbstverpflichtung der Wirtschaft
sind die zentralen Bausteine der KWK-Strategie der
Bundesregierung.
Ein Punkt ist im Zusammenhang mit der
Novellierung des KWK-Gesetzes besonders wichtig: Strom muss
bezahlbar bleiben. Ich habe das schon erwähnt.
Deswegen deckeln wir die von den Stromkunden zu tragende
KWK-Umlage auf 750 Millionen Euro. Damit sich keine
falschen Vorstellungen im Raum festsetzen, sage ich:
Wir haben die Deckelung bei 750 Millionen Euro
beweglich gemacht. Wir werden abwarten, wie sich das
Ganze vor dieser Förderkulisse entwickelt. Wenn die
Summe von 750 Millionen Euro überschritten wird,
kann dennoch weiter gefördert werden. Mehr
Beweglichkeit kann man an eine Deckelung nicht knüpfen. Da
muss man ja schon fast die Frage stellen, ob es
überhaupt eine wirksame Deckelung ist. Dennoch halte ich
das Signal, dass wir das Ganze deckeln und erst am Ende
sehen, welche nachlaufenden Finanzierungsnotwendig-
Parl. Staatssekretär Hartmut Schauertekeiten sich ergeben, hinsichtlich der notwendigen
Offenheit für wichtig. Gleichzeitig ist dies ein Hinweis darauf,
dass wir bei der Preisentwicklung vernünftig bleiben
müssen.
Frau Kopp, ich bin sehr gespannt, wie Sie bei den
weiteren Schritten in der Politik hinsichtlich
alternativer Energien mitgehen und welche Position Sie
beziehen. KWK wirkt sich auf die Strompreise immer noch
am günstigsten aus; hinsichtlich der Kosten für die
Vermeidung von CO2-Emissionen ist sie ausgesprochen
günstig, viel günstiger als die meisten anderen
Maßnahmen. Sie hat eine ganz hohe – fast 100 Prozent –
Wertschöpfung bezüglich der Anlagentechnik hier im Land.
Das alles können wir für den Solarstrom in dieser
Eindeutigkeit nicht so formulieren.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Natürlich haben wir die Wertschöpfung
hier!)
KWK ist die vernünftigste, kostengünstigste und
effektivste Methode, den Umbau unserer Energiepolitik im
Hinblick auf CO2-Emissionen und Preise zumutbar zu
organisieren.
(Beifall der Abg. Marie-Luise Dött [CDU/
CSU] – Gudrun Kopp [FDP]: Deswegen
brauchen wir dafür doch keine Fördermittel! –
Ulrich Kelber [SPD]: Bei diesem Thema
sollten Sie genauso viel dazulernen wie beim
Thema KWK! Da waren Sie ja zuerst auch
dagegen!)
Ich komme zum Messwesen. Mit dem „Entwurf eines
Gesetzes zur Öffnung des Messwesens bei Strom und
Gas für Wettbewerb“ legen wir zehn Jahre nach der
gesetzlichen Öffnung der Strom- und Gasmärkte nach. Das
ist ein sehr interessanter Schritt; denn unser Messwesen
ist völlig verkrustet. Es lässt den Konsumenten dumm
und regt ihn nicht dazu an, die Veränderungen der
Verbrauchswerte aufmerksam zu beobachten. Die
Konsumenten warten lediglich ab, bis sie am Jahresende ihre
Rechnung erhalten.
Wir müssen mit zusätzlichen intelligenten Angeboten
dafür sorgen, dass das Messwesen in die tägliche
Wahrnehmung der Menschen rückt. Es soll nicht nur
gemessen werden, wie viel Strom verbraucht wird, sondern es
sollte auch abgelesen werden können, wie hoch die
Jahresrechnung sein wird und wie hoch die Preise pro
Einheit sind. Wie beim Tanken sollte man nicht nur die Zahl
der getankten Liter im Blick haben, sondern auch den
Preis pro Liter. Viele Leute achten beim Tanken aber gar
nicht auf die Literzahl, sondern nur auf den Preis.
Durch intelligente Messtechnik kann man noch viel
mehr erreichen. Ich sage: Frühe Information ist der beste
Weg, um das Verhalten der Menschen zu ändern. Denn
nur mit Daten und Informationen kann man das
Verhalten vernünftiger Bürger ändern. Man meint zwar, das sei
nur eine relativ kleine Stellschraube. Sie hat aber eine
enorme Wirkung.
Ich bin froh und dankbar, dass wir die Öffnung des
Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb jetztherbeiführen. Damit bauen wir einen ganz neuen
Wertschöpfungs- und Dienstleistungsapparat auf. Das kommt
allen, die in diesem Bereich tätig sind, zugute. Denn
dadurch bekommen sie neue Aufträge. Wenn sich die
Menschen an der Höhe der Verbrauchswerte und an der
Entwicklung der Kosten orientieren, führt das außerdem zu
einer größeren Bereitschaft, sich anders und damit
ökologisch und ökonomisch sinnvoller zu verhalten.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich denke, das ist eine gute Sache.
Ich möchte darauf hinweisen: Die Gesetzentwürfe
sind erstens ein sehr wichtiger Schritt, um bis zum Jahr
2020 etwa 25 Prozent der Stromerzeugung aus der
Kraft-Wärme-Kopplung zu gewinnen. Zweitens sind sie
sehr wichtig, weil durch sie das Verhalten geändert und
die Informationslage verbessert werden. Unter dem
Gesichtspunkt der preislichen Belastung sind sie sehr
wahrscheinlich eine der günstigsten Operationen, die wir
beim schwierigen Umbau unserer Energiepolitik vor uns
haben.
Ich möchte betonen: Wer noch nicht einmal bei
diesem Schritt dabei ist, wird es sehr schwer haben, bei den
nächsten anstehenden Schritten noch eine ernst zu
nehmende CO2-Vermeidungsstrategie zu erklären.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Zu einer Kurzintervention erteile ich das Wort dem
Kollegen Hans-Kurt Hill.
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE):
Herr Staatssekretär Schauerte, gestatten Sie mir eine
Feststellung und eine kurze Nachfrage. Sie haben
kritisiert, wir würden uns außerhalb des Parlaments darüber
beschweren, dass die Strompreise steigen. Erklären Sie
mir bitte einmal, wieso eine KWK-Förderung zu
Strompreiserhöhungen führen soll. Ist es nicht eher so, dass
mit diesem Gesetz eine dezentrale Struktur
einschließlich Kleinst-KWK-Anlagen geschaffen wird, womit man
dem Monopol entgegentritt, was letztlich günstigere
Preise zur Folge haben sollte?
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Herr Staatssekretär Schauerte zur Erwiderung, bitte.
Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie:
Herr Kollege, wenn Sie das so sehen – ich bin nicht
ganz Ihrer Meinung –, warum stimmen Sie dann nicht
zu?
(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU
sowie bei Abgeordneten der SPD – Hans-Kurt
Hill [DIE LINKE]: Das habe ich vorhin doch
ausführlich erklärt! – Dr. Norbert Röttgen
[CDU/CSU]: Ja, Herr Kollege, fünf Sekunden
überlegen und dann antworten!)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat der Kollege Hans-Josef Fell vom
Bündnis 90/Die Grünen.
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung
zerbröselt an fast allen Ecken und Enden.
(Zurufe von der SPD: Nein! – Oh Gott! –
Nicht schon wieder! – Quatsch!)
Zu Recht beklagt der Umweltminister, dass die Union
beim Klimaschutz nur bremst. Es ist gut, dass er in den
letzten Tagen den Mut hatte, dies auch öffentlich zu
sagen. Der Klimaschutzheiligenschein von Kanzlerin
Merkel ist längst verblasst, vor allem deshalb, weil sie
Wirtschaftsminister Glos und die Unionsfraktion gegen
den Klimaschutz agitieren lässt.
(Widerspruch bei der CDU/CSU)
Umweltminister Gabriel hat keine Legitimation, dies
zu kritisieren, tritt er doch selbst als Schutzpatron der
Produktion von spritfressenden Autos auf. Nicht nur
Kanzlerin Merkel und Minister Glos versagen, die
gesamte Bundesregierung versagt, wenn es um wirksame
Maßnahmen zum Klimaschutz geht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ein Paradebeispiel ist der Entwurf eines Gesetzes zur
Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, über den wir
heute beraten. In der Tat könnte und müsste die
Abwärme, die bei der Stromerzeugung anfällt, endlich für
Raumheizung, als industrielle Prozesswärme und zur
Kühlung nutzbar gemacht werden. Doch dies geht in der
Regel nur mit dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung, nicht
mit neuen großen Kohlekraftwerken und auch nicht mit
einer Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken.
In vielen heutigen Kraftwerken werden zwei Drittel der
zur Stromerzeugung eingesetzten Energie nicht genutzt,
sondern an die Umwelt abgegeben. Flüsse werden
aufgeheizt, große Dampfwolken steigen über Kühltürmen
auf – mit fatalen Folgen für die Umwelt und das Klima.
Mit zunehmender Klimaerwärmung wächst im
Sommer die Notwendigkeit, die großen Kraftwerke zu
drosseln oder sie gar abzuschalten, weil die aufgeheizten
Flüsse die Kraftwerke nicht mehr ausreichend kühlen
können. Großflächiges Fischesterben ist die Folge. Und
bei alldem geht es um gigantische CO2-Emissionen, die
vermeidbar sind. Wer heute noch in große
Wärmekraftwerke investiert, erhöht das Risiko, dass im
Hochsommer die Stromversorgung zusammenbricht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist ein wichtiger Teil der
Lösung. Es ist gut, dass die Große Koalition den Anteil
der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung
bis 2020 auf 25 Prozent erhöhen will. Doch wie immer
bleibt es bei einer Zielvorstellung. Wie die
Sachverständigen in der Anhörung gesagt haben: Solange die
jährliche Förderung auf 750 Millionen Euro beschränkt ist,
werden Sie das KWK-Ziel nicht erreichen.(Dirk Becker [SPD]: Das hat er nicht
verstanden!)
Nun gibt es im heute zu beratenden Gesetzentwurf
gegenüber dem Regierungsentwurf durchaus einige
Verbesserungen, etwa die Abschaffung der unsinnigen
jährlichen Degression der Vergütungssätze. Doch die
finanzielle Deckelung haben Sie nicht gestrichen. Wir sehen
in Ihrem neuen Vorschlag für eine Flexibilisierung keine
Lösung, da das Gesamtvolumen weiterhin gedeckelt
bleibt. So wird das Ziel von 25 Prozent Kraft-Wärme-
Kopplung an der Stromerzeugung bis 2020 nicht
erreichbar sein.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sie binden die Definition von Kraft-Wärme-
Kopplung an die kommende EU-Richtlinie. Doch in dieser
wird – welch Graus! – noch eine geringfügige
Wärmeauskopplung aus neuen großen Kohlekraftwerken als
Kraft-Wärme-Kopplung definiert. Sie missbrauchen
damit das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-
Kopplung zur finanziellen Unterstützung neuer großer
Kohlekraftwerke.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
So, meine Damen und Herren von der Großen Koalition,
werden Sie nicht Klimaschutz erreichen, sondern zu
weiterer Klimazerstörung beitragen.
Lernen könnten Sie vom Musterland der Kraft-
Wärme-Kopplung, von Dänemark. Mit einem Anteil der
Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung von
über 50 Prozent glänzen die Dänen. In den 90er-Jahren
haben sie ein Moratorium für den Neubau von
Kohlekraftwerken erlassen. Binnen weniger Jahre wurde so
der hohe KWK-Anteil erreicht.
Wir Grünen fordern von Ihnen auch für Deutschland
ein Moratorium für den Neubau von Kohlekraftwerken.
Der größte Verhinderer ist ausgerechnet Umweltminister
Gabriel, der immer mehr zum deutschen Kohleminister
wird. Herr Kohleminister Gabriel, lassen Sie endlich ab
von dem Irrweg der Kohle! Schaffen Sie ein Gesetz zur
Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, das diesen
Namen verdient! Und entwickeln Sie endlich eine Strategie
für Stromeinsparung! Dann wird in Verbindung mit dem
Ausbau der erneuerbaren Energien wirklicher
Klimaschutz möglich.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat der Kollege Dirk Becker von der SPD-
Fraktion.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Dirk Becker (SPD):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!
Gestatten Sie mir, bevor ich auf die – man kann nicht
sagen: Argumente –
(Franz Obermeier [CDU/CSU]: Argumente
sind das wirklich nicht!)
Dirk Beckerzusammenhanglosen, inhaltsleeren Ausführungen
einiger Oppositionspolitiker
(Widerspruch bei Abgeordneten des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
eingehe, eine kurze Rückschau.
(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Kommt jetzt etwas Gehaltvolles?)
– Warten Sie es ab; Sie können sich gleich noch
aufregen.
Die SPD-Bundestagsfraktion hat vor fast genau zwei
Jahren begonnen, die Novellierung des KWKGs
vorzubereiten. Es gab damals ein Fachgespräch, bei dem es
darum ging, warum wir mit dem bisherigen KWKG
unser Ziel – wie wir gehört haben – nicht erreichen werden.
Es wurden im Wesentlichen drei Dinge herausgearbeitet:
zum Ersten, dass neben der Modernisierung zukünftig
auch der Neubau in die Regelung einbezogen werden
muss; zum Zweiten, dass der gesamte erzeugte KWK-
Strom, auch der der industriellen KWK, einbezogen
werden muss; zum Dritten, dass wir uns parallel darum
kümmern müssen, die Wärme zu den Verbrauchern zu
leiten, also auch hinsichtlich der Wärmenetze
Regelungen zu treffen.
Daraus ist in zwei Jahren ein Gesetzentwurf
entstanden, den wir im letzten Jahr mit dem klaren Ziel
vorgelegt haben, den Anteil des KWK-Stroms in Deutschland
bis 2020 zu verdoppeln.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Wir alle haben gewusst, dass das nicht einfach wird, aber
ich glaube, wir haben in sehr intensiven und langen
Verhandlungen mit der Union gute Überzeugungsarbeit
geleistet.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]:
Na! Na!)
– Doch, Frau Reiche. Ich sage Ihnen nur eines: Ich habe
eben die Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs,
Herrn Schauerte, mit Interesse gehört und zu Rolf
Hempelmann gesagt: Diese Rede hätte er vor zwei
Jahren noch nicht gehalten. Das zeigt die gute Entwicklung
in Ihrer Fraktion.
(Beifall bei der SPD – Ulrich Kelber [SPD]:
Das stimmt schon! Herr Schauerte, geben Sie
es zu! Lernprozess!)
Liebe Kollegen der Großen Koalition, entscheidend ist
doch eines: Wir stehen heute gemeinsam für einen
Entwurf gerade, der sich in der Tat sehen lassen kann.
Herr Fell, mit Verlaub: Das, was Sie eben gesagt
haben, entbehrt jeglicher Grundlage.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU –
Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das stimmt nicht!)
Sie haben mittlerweile eine Standardrede, die Sie in
jeder Debatte über Energiepolitik vortragen: Die Große
Koalition scheitert.(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Der Standard der Großen Koalition ist
ja auch das Scheitern! – Ulrich Kelber [SPD]:
Recycling!)
Ich sage Ihnen einmal Folgendes: Das Problem ist, dass
Sie in Ihrer Kammer bzw. Ihrem Turm sitzen und
zuallererst stinksauer darüber sind, dass Sie bei der
Erarbeitung dieser erfolgreichen Gesetze nicht mitgemacht
haben. Der Stachel sitzt tief.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU –
Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Sie haben uns ja nicht mitmachen
lassen!)
Die Branche ist in der Lage, diese Gesetze objektiv zu
bewerten. Sowohl hinsichtlich des Erneuerbare-
Energien-Gesetzes als auch hinsichtlich des KWKG sagen
uns eben nicht nur die Großen, sondern vor allen Dingen
auch der VKU und die Kleineren: Das ist ein guter
Entwurf. Damit können wir jetzt etwas machen. Nehmen
Sie das einmal zur Kenntnis.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Ich will noch etwas sagen: Es scheint für manche
nicht begreifbar zu sein, was es mit dem Deckel bei der
Förderung der KWK auf sich hat. Ich weiß nicht, ob
ich noch einmal versuchen soll, das zu erklären. Rolf
Hempelmann hat gesagt, dass die SPD zunächst die
Forderung des Bundesrates aufgegriffen hat, den Deckel
sozusagen auf 950 Millionen Euro zu erhöhen. Wir
standen vor der Überlegung, was das bedeutet hätte. Das
hätte dazu geführt, dass diese 950 Millionen Euro zwar
zur Verfügung gestanden hätten, in den ersten Jahren
aber nicht abgeflossen wären, weil die Investitionen ja
erst einmal getätigt werden müssen. Es müssen Aufträge
erteilt werden etc.
Die Branche hat uns gesagt: Uns ist es lieber, den
Deckel bei 750 Millionen Euro zu belassen, die Förderung
bei Erreichen dieser Summe aber nicht zu beenden,
sondern die Möglichkeit zu haben, die Förderansprüche in
die Folgejahre zu übertragen. Das heißt, jeder, der hier
investiert, bekommt sein Geld. Diese Botschaft sollten
wir auch nach draußen senden und nicht, wie Sie,
verkürzt darstellen. Durch diese Regelung tragen wir dazu
bei, den Anteil von 25 Prozent zu erreichen. Jeder erhält
seine Förderung.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU –
Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Die 25 Prozent reichen doch nicht!)
– Sie können hier noch 30-mal dazwischenrufen. Das
ändert nichts an der Falscheinschätzung.
Frau Höhn ist nicht mehr da; sie muss sich jetzt
wahrscheinlich auf die nächste Runde vorbereiten. Die
Darstellung, wir würden auch mit dem KWKG wieder nur
Geld hinter großen Konzernen herschmeißen, ist falsch.
Wenn man das Gesetz liest und auch versteht – das ist ja
ein Unterschied –, dann erkennt man zwei
Voraussetzungen: Zum einen wird nur hocheffiziente KWK im Sinne
der EU-Richtlinie gefördert. Wenn man sich das durch-
Dirk Beckerliest, dann erkennt man, dass sich die Argumentation
von Frau Höhn erübrigt.
(Ulrich Kelber [SPD]: Hocheffizient, Frau
Kopp!)
Zum anderen wird nur der durch KWK erzeugte Anteil
gefördert. Es ist wichtig, das zu verstehen, um dem
Vorwurf, das sei wieder nur ein Gesetz für die Großen, zu
widersprechen.
(Franz Obermeier [CDU/CSU]: Wider
besseres Wissen!)
Ich will die ganzen inhaltlichen Punkte hier nicht
mehr aufgreifen. Herr Dr. Pfeiffer, Herr Hempelmann
und andere haben dargestellt, welche Regelungen wir
getroffen haben.
Wir haben das Ziel festgeschrieben, die gesamte
KWK zu fördern. Das gilt auch für die der kleinen
Unternehmen. Das ist wichtig; denn eines ist für die Leute
draußen interessant, die wahrscheinlich immer noch
nicht wissen, über was wir bei der KWK reden: Mit der
Förderung der KWK erreichen wir auch die Großen.
Diese wollen wir auch erreichen, weil wir sie brauchen.
Wir wollen große Kraftwerke, bei denen Kraft-Wärme-
Kopplung betrieben wird. Mit der KWK kann aber auch
jeder Häuslebesitzer zum Kraftwerksbetreiber werden.
Jeder in seinem Keller, jedes Krankenhaus, jede
Universität, wirklich jeder hat die Möglichkeit, mit einer auf
ihn passend zugeschnittenen Anlage sein eigener
Kraftwerksbetreiber zu werden und auf diesem Weg einen
großen Beitrag zum Klimaschutz und zur
Unabhängigkeit zu leisten, weil der Energieverbrauch dadurch
deutlich reduziert wird. Ich denke, das ist eine gute Botschaft
für alle Menschen in diesem Land.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Wichtig ist mir auch, zu betonen, dass die vier
Gesetze, die wir heute beraten, deutlich zeigen – die
Bundeskanzlerin ist jetzt leider nicht mehr da; aber das
mache ich mit einem gewissen Stolz mit Blick auf die
eigene Fraktion –: Die SPD steht nicht nur, wenn es
darum geht, Ziele zu vereinbaren und tolle Zahlen zu
beschließen, sondern sie steht auch dann, wenn es darum
geht, diese Ziele in Gesetze umzusetzen. Darauf kann
diese Fraktion besonders stolz sein.
(Beifall bei der SPD)
Zum Schluss ein Wort zu der unsäglichen Debatte
gerade von Leuten, Frau Kopp,
(Gudrun Kopp [FDP]: Schön vorsichtig!)
die sich immer eines besonders großen
wirtschaftspolitischen Verstandes rühmen.
(Jan Mücke [FDP]: Haben wir auch!)
– Sie beweisen hier aber ständig das Gegenteil.
(Gudrun Kopp [FDP]: Darüber entscheiden
Sie nicht!)
Zu argumentieren, das alles führe zu mehr Belastungen
der Verbraucher,(Gudrun Kopp [FDP]: Ja, ist doch so!)
ist eine derart kurzsichtige Betrachtung, dass sie
eigentlich nicht einmal für eine Wahlperiode reicht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Völlig klar ist, dass wir – das sollte hier mittlerweile
eigentlich zum Abc gehören – eine Umsteuerung in der
Energiepolitik wollen und brauchen: hin zu erneuerbaren
Energien, zu mehr Einsparung von Energie, aber auch zu
Effizienz. Effizienz ist ein wesentliches Kriterium.
(Gudrun Kopp [FDP]: Aber nicht zu jedem
Preis!)
– Ja, nicht zu jedem Preis. Diese Argumentation hätte
ich gerne beim Thema Kernenergie von Ihnen gehört.
(Beifall bei der SPD – Ulrich Kelber [SPD]:
Da kann nichts zu teuer sein!)
Der Umbau der Energiepolitik in diesem Land kostet
Geld. Das muss man den Menschen sagen. Wir werden
heute mit moderaten Umlagen den Menschen eine
Erhöhung der Stromrechnung um 3, 4, 5 Prozent
abverlangen.
(Jan Mücke [FDP]: Es wird doch teurer!)
Wenn Sie das nicht wollen, sind Sie diejenigen, die dafür
sorgen, dass die bisher bestehenden
Energieversorgungsstrukturen beibehalten werden. Sie wollen das Geld
weiter nach Saudi-Arabien und Russland schaffen.
(Jan Mücke [FDP]: Dummes Zeug! Das
glauben Sie doch selber nicht!)
Wir wollen eine Energieversorgung, mit der im eigenen
Land durch Effizienzmaßnahmen, durch den Ausbau
erneuerbarer Energien die Wertschöpfung ausgebaut und
stärker im Land belassen wird. Davon haben alle etwas,
die Handwerker und alle Menschen in diesem Land. Wir
werden unabhängiger von Energieimporten und schaffen
neue wirtschaftliche Strukturen.
(Gudrun Kopp [FDP]: Sie schaffen
Mitnahmeeffekte!)
Frau Kopp, wir sind nicht nur Weltmarktführer im
Bereich klassischer Kraftwerkstechnologien, sondern
auch in den meisten Branchen der erneuerbaren
Energien.
(Gudrun Kopp [FDP]: Das merkt man bei der
Solarenergie!)
Wir wollen mit unserer Politik die
Versorgungssicherheit, die wirtschaftspolitischen Aspekte, den gesamten
volkswirtschaftlichen Nutzen und den Klimaschutz unter
einen Hut bringen. Genau das geschieht heute mit den
vier Gesetzen, die wir vorgelegt haben. Ich gebe Herrn
Dr. Pfeiffer ausdrücklich recht: Es ist ein guter Tag für
die Energiepolitik in diesem Land.
Danke.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Als letztem Redner zu diesem Tagesordnungspunkt
erteile ich das Wort dem Kollegen Franz Obermeier von
der CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Die
Kraft-Wärme-Kopplung genoss in der Bundesrepublik
Deutschland in der Vergangenheit ein Schattendasein. Es
muss Gründe dafür geben, warum in der Bundesrepublik
Deutschland der Anteil der Stromerzeugung aus Kraft-
Wärme-Kopplung bei gut 12 Prozent liegt, während er in
anderen industrialisierten Ländern deutlich darüber liegt,
bis 40, 50 Prozent. Der Frage nachzugehen lohnt sich.
Die Koalitionsfraktionen haben sich des Themas
angenommen und für meine Begriffe einen ersten
wesentlichen Schritt zur Zielerreichung getan, nämlich eine
Verdoppelung des Anteils der Stromerzeugung aus Kraft-
Wärme-Kopplung.
Nun kann man darüber philosophieren, ob wir bis
2020 das Ziel erreichen oder nicht. Dass das nicht
einfach ist, wird wohl jeder Sachkundige sehen. Aber wir
haben in den nächsten zwölf Jahren Gelegenheit,
nachzujustieren und dort nachzubessern, wo es sein muss.
Wo liegen die Probleme in Deutschland? Warum sind
wir in der Vergangenheit bei der Kraft-Wärme-
Kopplung nicht so vorangekommen, wie wir das gern gehabt
hätten? – Bei der Gelegenheit: Solange ich den Herrn
Staatssekretär kenne, ist er ein Anhänger von Effizienz.
(Ulrich Kelber [SPD]: Aber immer Status
quo!)
Er hat meines Erachtens also keinen Bedarf an Nachhilfe
in diesen Fragen.
Woran hapert es in der Bundesrepublik Deutschland
beim Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung? Meines
Erachtens haben wir nicht ein Erkenntnisproblem,
sondern ein Problem bei der Verteilung der Wärme. Wir
haben in der Vergangenheit viel zu wenig darauf geachtet,
dass bei neuen industriellen Produktionsanlagen stärker
Druck dahin ausgeübt wird, die notwendige Wärme in
Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung
produktionsstandortnah zu erzeugen.
Das ist deswegen interessant, weil wir in den
zurückliegenden Jahren schon einen Umbau der Strukturen in
der Stromerzeugung in der Bundesrepublik Deutschland
erlebt haben. Ich habe in meinem Heimatland Bayern
erlebt, dass die großen Kraftwerke, Kohlekraftwerke zum
Beispiel, bis auf einen Standort stillgelegt wurden. Die
Substitution dieser Erzeugungskapazitäten ist
überwiegend durch kleinere Anlagen unterschiedlichster Art
erfolgt. Trotzdem haben wir mit dieser eher dezentralen
Struktur keinen nennenswerten Fortschritt in der
Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung erreicht.
Das Gesetz, das wir heute beschließen, bedeutet
meines Erachtens einen ganz entscheidenden Schritt, weil
wir darin wichtige Anreize für die Verbraucher, auch für
die kleineren, schaffen. Für Anlagen bis 50 kW
5,11 Cent je Kilowattstunde, das ist doch was. Das giltaber auch für Anlagen in der Größenordnung von 50 kW
bis 2 MW.
Ein ganz wichtiges Element dieses Gesetzes ist die
Förderung des Baus von Fernwärmeleitungen. Da
haben wir natürlich ein Problem. Auf der einen Seite
reduzieren wir den Wärmebedarf in Gebäuden, und auf der
anderen Seite wollen wir vernünftige
Amortisationszeiten für Fernwärmeleitungen. Das ist ein Widerspruch.
Deshalb wollen wir durch die Förderung beim
Leitungsbau eine Kompensation schaffen.
Frau Kopp, weil ich Sie gerade im Visier habe
(Heiterkeit)
– das gilt aber auch für Herrn Fell und Herrn Hill; von
Frau Höhn ganz zu schweigen –: Ich habe verfolgt, wie
Sie sich bemüht haben, etwas Kritisches
herauszuarbeiten, allerdings erfolglos. Da fällt mir eigentlich nur ein:
Opposition ist Mist.
(Beifall des Abg. Laurenz Meyer [Hamm]
[CDU/CSU] – Gudrun Kopp [FDP]: Das
warten wir mal ab!)
Jetzt will ich Ihnen zwei Dinge sagen: Erstens. Es
hieß, der Verbraucher werde stärker belastet. Auch in der
Opposition sollte der Grundsatz gelten, dass man sich
bei Reden vor der Öffentlichkeit wenigstens
einigermaßen an den Fakten orientiert.
(Gudrun Kopp [FDP]: Ach, wir belasten den
Verbraucher nicht mehr?)
– Frau Kopp, wenn Sie in der Anhörung waren, haben
Sie gehört, dass die Förderung der Kraft-Wärme-
Kopplung im Jahr 2006 850 Millionen Euro betrug.
(Dirk Becker [SPD]: So ist das!)
In diesem Gesetz ist ein Deckel – das soll flexibel
gehandhabt werden – von 750 Millionen Euro vorgesehen.
Wenn Sie jetzt die Gesetze der Arithmetik beachten,
(Rolf Hempelmann [SPD]: Und rechnen!)
stellen Sie fest: Der Verbraucher hat im Grunde
genommen weniger zu tragen.
(Gudrun Kopp [FDP]: Was?)
– Nicht „Was?“! Wenn 2006 850 Millionen Euro
ausgegeben wurden und im Gesetz ein Deckel von 750
Millionen Euro vorgesehen ist, dann sagen Sie bitte nicht
„Was?“!
(Heiterkeit bei der SPD – Beifall des Abg.
Dirk Becker [SPD])
Zweitens. Sie sagen, die Förderung der Fernwärme
und die Solarthermie widersprächen sich. Nein, sie
widersprechen sich nicht, weil Deutschland ein
heterogenes Land mit vielfältigen Strukturen ist. Wenn
jemandem eine Solarthermieanlage besser erscheint, weil er
Fernwärme nicht nutzen kann oder will, dann muss er
sich doch dafür entscheiden können.
Frau Höhn, große Töne, viel Streit, aber es kommt
nichts heraus.
(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Ja, ich nehme Sie auch ins Visier!)
Franz ObermeierWährend der rot-grünen Zeit gab es keinen
nennenswerten Aufwuchs bei der Kraft-Wärme-Kopplung. Sieben
Jahre hatten Sie Zeit, diese glorreiche Erkenntnis
umzusetzen. Sie haben es aber nicht gemacht. Wir machen
jetzt einen Sprung. Wir möchten den Anteil der KWK an
der Stromerzeugung bis 2020 verdoppeln. Das sollten
Sie nicht schlechtreden.
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Herr Kollege Obermeier, erlauben Sie eine
Zwischenfrage der Kollegin Höhn?
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Selbstverständlich.
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Kollege Obermeier, Sie haben ja eben meine
Rede angehört. Haben Sie auch gehört, dass ich eine
Begründung geliefert habe, warum wir momentan eine so
geringe Quote von 12 Prozent haben? Können Sie
bestätigen, dass die Wirtschaft im Hinblick auf die KWK-
Quote eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet hat, in
der sie sich verpflichtet hat, bis 2010 bei 20 Prozent zu
landen? Warum machen Sie dann der rot-grünen
Regierung einen Vorwurf? Letzten Endes hat doch die
Wirtschaft und nicht die rot-grüne Regierung versagt.
(Lachen bei der CDU/CSU)
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Ich kann das überhaupt nicht bestätigen. Die
rotgrüne Bundesregierung hätte zur Zielerreichung einen
Gesetzentwurf vorlegen können.
(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Weil freiwillige Selbstverpflichtungen nicht
gut sind?)
– Die Selbstverpflichtungsmöglichkeiten sind
eingeschränkt, wie wir in der Vergangenheit lernen mussten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der LINKEN – Bärbel
Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das
merke ich mir!)
Wir in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sind nicht
diejenigen, die freiwillige Selbstverpflichtungen als
Allheilmittel in allen Ecken unserer
Gesetzgebungsverfahren ansehen.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das sind aber ganz
schöne Lernprozesse!)
Der Umbau der Energiewirtschaft in der
Bundesrepublik Deutschland kostet mit Sicherheit Geld; hier gebe
ich meinem Vorredner Recht. Aber diese Tatsache
enthebt uns nicht der Pflicht, die kostengünstigsten
Möglichkeiten zu suchen. Kraft-Wärme-Kopplung ist
kostengünstig. Deswegen sind wir auf einem hervorragenden
Weg.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Zu einer Kurzintervention erteile ich der Kollegin
Gudrun Kopp das Wort.
Gudrun Kopp (FDP):
Herr Kollege Obermeier, Sie haben versucht, meine
Rede zum Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und die von
mir genannten Zahlen in Zweifel zu ziehen.
(Ulrich Kelber [SPD]: Er hat es nicht versucht,
er hat es getan!)
Ich weise noch einmal darauf hin, dass bei der
Anhörung, an der ich ebenso wie Sie, wenn ich mich recht
erinnere, teilgenommen habe, ein Durchschnittsförderwert
pro Jahr von 750 Millionen Euro genannt worden ist.
Dieser Wert schwankte in den einzelnen Jahren; das ist
völlig klar.
Ich möchte, dass Sie einfach zur Kenntnis nehmen,
dass Sie mit diesem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz die
Verbraucher auf Dauer erheblich belasten. Über den
gesamten Zeitraum der geplanten Förderung werden Sie
den Bürgern mindestens weitere 8 Milliarden Euro
aufdrücken, und zwar auf ihre Stromrechnungen.
(Beifall bei der FDP)
Da können Sie noch so sehr versuchen, die Zahlen
herunterzudrücken, indem Sie davon reden, Sie planten
keine höhere Förderung, sondern blieben bei der
bisherigen. Vorgesehen war, dass das Gesetz im Jahre 2010
ausläuft. Sie verlängern jetzt den Subventionszeitraum und
fördern in großem Maße Anlagen, die ohne eine
Förderung, also ohne die enormen Belastungen der
Stromkunden, überhaupt nicht gebaut würden, weil der
erforderliche Fernwärmenetz- und Leitungsbau hohe Kosten und
Energieverluste mit sich bringt. Natürlich rechnet sich
jeder aus, inwieweit dies effizient ist.
(Ulrich Kelber [SPD]: Haben Sie schon einmal
das Stichwort Emissionshandel gehört?)
Ich möchte Sie auch noch zum Thema Kraft-Wärme-
Kopplung und Wärmegesetz belehren. Ich weise noch
einmal darauf hin, dass Sie im Wärmegesetz quasi eine
Zwangs-Kraft-Wärme-Kopplung verankert haben. Das
haben Sie hier in Abrede gestellt. Lesen Sie im
Gesetzentwurf nach!
Wenn Sie auf der einen Seite Solarthermie – also die
Wärmeversorgung dezentral im eigenen Gebäude –
fördern, aber auf der anderen Seite den Anschluss an eine
Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im Gesetzentwurf
festlegen, dann ist das kontraproduktiv. Ich bitte Sie, erst
einmal nachzudenken, bevor Sie Gegenteiliges äußern.
(Beifall bei der FDP)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Zur Erwiderung Kollege Obermeier.
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Frau Kopp, es tut mir leid, aber auch Ihr Nachschlag
entbehrt jeder Logik. Sie sind uns den Beweis schuldig
geblieben, an welcher Stelle Sie die zusätzliche Belas-
Franz Obermeiertung der Verbraucher in Höhe von 8 Milliarden Euro
sehen.
(Gudrun Kopp [FDP]: Dann rechnen Sie doch
mal!)
– Nein, wir müssen der Frage nachgehen.
Im Übrigen bleibt es dabei: Was wir heute
beschließen, schließt eine Deckelung der jährlichen
Fördersumme auf 750 Millionen Euro ein. Dabei bleibt es.
(Gudrun Kopp [FDP]: Das ist doch eine
Dauerbelastung!)
Es geht nicht an, dass die Belastung weiterhin diese
Summe übersteigt, wie es beispielsweise 2006 der Fall
war. Das bitte ich Sie, zur Kenntnis zu nehmen, auch
wenn Sie meinen, uns belehren zu müssen.
Ich habe Ihre Ausführungen nicht in Zweifel gezogen.
Ich habe vielmehr festgestellt, dass Sie Fakten verdreht
dargestellt und Falschaussagen gemacht haben. Das sind
keine Zweifel; das ist ganz konkret.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Ich schließe die Aussprache.
Wir kommen zur Abstimmung über den von der
Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur
Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Der Ausschuss für
Wirtschaft und Technologie empfiehlt in seiner
Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/9469, den
Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksache 16/8305 in
der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejenigen,
die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung
zustimmen wollen, um ihr Handzeichen. – Gegenstimmen? –
Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf ist in zweiter
Beratung mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei
Gegenstimmen der Fraktionen der FDP und Bündnis 90/
Die Grünen und Enthaltung der Fraktion Die Linke
angenommen.
Dritte Beratung
und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. –
Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf
ist mit gleichem Stimmverhältnis angenommen.
Abstimmung über den von der Bundesregierung
eingebrachten Gesetzentwurf zur Öffnung des Messwesens
bei Strom und Gas für Wettbewerb. Der Ausschuss für
Wirtschaft und Technologie empfiehlt unter Buchstabe a
seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/9470,
den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf
Drucksache 16/8306 in der Ausschussfassung anzunehmen.
Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der
Ausschussfassung zustimmen wollen, um ihr Handzeichen. –
Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf
ist in zweiter Beratung mit den Stimmen aller Fraktionen
bei Gegenstimmen der FDP-Fraktion angenommen.Dritte Beratung
und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem
Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. –
Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Der Gesetzentwurf
ist mit gleichem Stimmverhältnis angenommen.
Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft
und Technologie zu dem Antrag der Fraktion der FDP
mit dem Titel „Öffnung des Messwesens bei Strom und
Gas für Wettbewerb beschleunigen“. Der Ausschuss
empfiehlt unter Buchstabe b seiner
Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/9470, den Antrag der Fraktion
der FDP auf Drucksache 16/7872 abzulehnen. Wer
stimmt für diese Beschlussempfehlung? –
Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Die Beschlussempfehlung ist
mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der
Fraktion Die Linke bei Gegenstimmen der FDP-Fraktion und
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen angenommen.
Abstimmung über den Antrag der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/9432 mit dem
Titel „Kraft-Wärme-Kopplung entschlossen fördern und
ausbauen“. Wer stimmt für diesen Antrag? –
Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Der Antrag ist mit den Stimmen
der Koalitionsfraktionen und der FDP-Fraktion bei
Gegenstimmen der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/
Die Grünen abgelehnt.
Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 16/9426 an die in der Tagesordnung
aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit
einverstanden? – Das ist der Fall. Dann ist die Überweisung
so beschlossen.
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 32 a bis 32 c sowie
Zusatzpunkte 6 und 7 auf:
32 a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren
Energien im Strombereich und zur Änderung
damit zusammenhängender Vorschriften
– Drucksachen 16/8148, 16/8393 –
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit (16. Ausschuss)
– Drucksache 16/9477 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Maria Flachsbarth
Dirk Becker
Michael Kauch
Hans-Kurt Hill
Hans-Josef Fell
b) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Förderung Erneuerbarer Energien im
Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-
Wärmegesetz – EEWärmeG)
– Drucksachen 16/8149, 16/8395 –
Vizepräsident Dr. Hermann Otto SolmsBeschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit (16. Ausschuss)
– Drucksache 16/9476 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Maria Flachsbarth
Dirk Becker
Michael Kauch
Hans-Kurt Hill
Hans-Josef Fell
c) Beratung des Antrags der Abgeordneten Hans-
Josef Fell, Bärbel Höhn, Cornelia Behm, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN
Klimafreundlich heizen mit erneuerbaren
Energien – Das Wärmegesetz zum Motor für
Klimaschutz, Innovation und
Wirtschaftswachstum machen
– Drucksache 16/9429 –
ZP 6 Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit (16. Ausschuss) zu dem
Antrag der Abgeordneten Michael Kauch,
Angelika Brunkhorst, Horst Meierhofer, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP
Perspektiven für eine sektorale Ausweitung
des Emissionshandels sowie für die Nutzung
erneuerbarer Energien im Wärmesektor
– Drucksachen 16/5610, 16/7387 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Maria Flachsbarth
Dirk Becker
Michael Kauch
Eva Bulling-Schröter
Bärbel Höhn
ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Michael
Kauch, Gudrun Kopp, Angelika Brunkhorst,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
Differenzierte Mengensteuerung zur
Förderung erneuerbarer Energien im Stromsektor
– Drucksache 16/8408 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (f)
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Über den von der Bundesregierung eingebrachten
Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Rechts der
erneuerbaren Energien im Strombereich stimmen wir
später auf Verlangen der FDP namentlich ab. Zu diesem
Gesetzentwurf liegt ein Entschließungsantrag der
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Zu dem von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur
Förderung erneuerbarer Energien im Wärmebereich liegt
ein Entschließungsantrag der Fraktion Die Linke vor.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
die Aussprache eineinviertel Stunden vorgesehen. Gibtes Widerspruch dagegen? – Das ist nicht der Fall. Dann
ist das so beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache und erteile als erstem
Redner dem Kollegen Ulrich Kelber von der SPD-Fraktion
das Wort.
(Beifall bei der SPD)
Ulrich Kelber (SPD):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Deutschland ist Weltmeister beim Ausbau der
erneuerbaren Energien. Mit den Gesetzen, die wir heute
beschließen, werden wir diesen Ausbau beschleunigen.
Davon profitiert unser Land in vielfacher Hinsicht.
Erstens. Ein Jobwunder wird fortgesetzt. In den letzten
zehn Jahren sind 250 000 Arbeitsplätze im Bereich der
erneuerbaren Energien entstanden. Wir legen heute die
Grundlage, dass es im Jahr 2020 500 000 Arbeitsplätze
in Deutschland sein können.
Zweitens. Mit dem Ausbau der erneuerbaren
Energien wird das beste Klimaschutzinstrument weiter
geschärft. Ein Großteil der Minderung der
Treibhausgasemissionen, die wir als deutsches Klimaschutzziel bis
2020 erreichen müssen, beruht auf diesen Gesetzen.
Drittens. Erneuerbare Energien leisten den
wichtigsten Beitrag zur Energieversorgungssicherheit. Sie
machen uns unabhängig von Importen. Sie sind wesentlich
weniger anfällig für Ausfälle bei Wetterextremen.
Viertens. Wir schaffen mit den erneuerbaren Energien
eine volkswirtschaftliche Lebensversicherung und für
die Haushalte die Möglichkeit, sich von steigenden
Energiepreisen unabhängig zu machen.
(Beifall bei der SPD)
Ich möchte auf diese vier Punkte kurz eingehen. Es
geht nicht nur um die großen Firmen, die in den letzten
zehn Jahren entstanden sind. Manche dieser
Gründungswunder grenzen an das, was um 1880 als Grundlage für
den späteren Siemens-Konzern geschaffen wurde. Wer
in den Gegenden in Ostdeutschland, in denen die
Solarfirmen jeden Tag eine neue Halle hochziehen, unterwegs
ist und in die Orte seines Wahlkreises und die Städte
unseres Landes geht und die Handwerker, die längst in
diesen Bereichen ihr Einkommen erzielen, die
Zulieferbetriebe, die mit Steuerungstechnologie Geld verdienen,
und ehemalige Fensterfirmen sieht, die ihren
Schwerpunkt nun auf die Solartechnologie gelegt haben, stellt
fest: Unsere Wertschöpfung beruht zunehmend auf einer
Technologie, bei der das Geld in Arbeitsplätze im
eigenen Land und nicht in den Import von Energie gesteckt
wird.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Diese Erfolgsstory, die noch vor wenigen Jahren von der
Mehrzahl der Kommentatorinnen und Kommentatoren
für unmöglich gehalten wurde, wird beschleunigt
fortgesetzt. Die Reaktionen auf die von der Koalition
getroffenen Beschlüsse an der Börse und bei den betreffenden
Ulrich KelberBranchenverbänden zeigen, wie viel Vertrauen in das
gesetzt wird, was wir heute beschließen.
Zum Klimaschutz: Wir wollen das deutsche
Klimaschutzziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um
40 Prozent zu mindern, erreichen. Das ist unser Beitrag,
um die Erde lebenswert zu halten. Die Besonderheit der
erneuerbaren Energien ist, dass sie mit jedem Jahr
preiswerter und nicht wie andere Technologien teurer
werden. Deswegen ist es richtig, dass wir hier den
Schwerpunkt setzen. Das ist der Weg in die Zukunft. Wir
erschließen mit der Technologieförderung Potenziale für
eine weitere Verminderung der Treibhausgasemissionen
über das Jahr 2020 hinaus. Wir alle wissen, wie stark der
Umbau unserer Industriegesellschaft sein muss, um in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts die
Treibhausgasemissionen um insgesamt 80 Prozent zu verringern.
(Beifall bei der SPD)
Drittens. Es sind die erneuerbaren Energien – da muss
die Diskussion vom Kopf auf die Füße gestellt werden –,
die längst zur Energieversorgungssicherheit
beitragen. Großkraftwerke werden abgeschaltet, wenn im
Hochsommer die Kühlflüssigkeit fehlt. Wenn große
Kraftwerke abgestellt werden müssen, wie es dieser
Tage in Slowenien der Fall war, haben Länder
Schwierigkeiten, ihre Stromversorgung zu gewährleisten. Wir
sehen, dass verschiedene Entwicklungen dazu führen,
dass jedes Jahr der Preis für Strom aus der zentralen
Energieversorgung – wenige zentrale Erzeugungsblöcke,
viele abhängige Verbraucherinnen und Verbraucher –
weiter steigt. Zudem müssen wir damit rechnen, dass es
in verschiedenen Zulieferungsbereichen, sei es der
fossilen Energieträger, sei es der nuklearen Energieträger, zu
Versorgungsengpässen kommt, weil Förderung und
Verbrauch nicht mehr zusammenpassen. Es muss uns doch
alarmieren, wenn die Ölfirmen selbst zugeben, dass sie
es nicht mehr schaffen, die Ölförderung zu steigern. Die
Ölförderung auf den wichtigsten Feldern wird
zurückgehen. Eine zurückgehende Förderung bei steigendem
Verbrauch bedeutet explodierende Preise. Bei den heutigen
hohen Ölpreisen erinnern wir uns fast mit Wehmut an
die niedrigen Preise der vergangenen Jahre. Jeder
Schritt, mit der diese fossilen Einheiten durch Effizienz
oder erneuerbare Energien ersetzt werden, bedeutet mehr
Versorgungssicherheit für unser Land.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Deswegen ist es richtig, jetzt einen Anteil der
erneuerbaren Energien von mindestens 30 Prozent an der
Stromerzeugung zu fordern. Wenn die Entwicklung bei den
fossilen und nuklearen Energieträgern so weitergeht,
dann werden daraus 35 oder 40 Prozent im Jahr 2020
werden. Wir wollen das Gleiche im Wärmebereich durch
eine Verpflichtung bei den Neubauten und durch eine
massive Förderung bei der Umrüstung bestehender
Gebäude.
Letzter Punkt: Die steigenden Energiepreise
bedrücken immer mehr Menschen. Es gibt Menschen, die
nicht mehr wissen, wie sie ihre Energiepreise bezahlen
sollen. Auf dieses Problem muss es eine große Anzahlvon Antworten geben. Die Menschen wollen eine
Antwort der Politik. Eine dieser Antworten ist: Wir müssen
auch dafür sorgen, dass wir unabhängiger von einem
Preiskartell weniger Monopolisten werden. Die
erneuerbaren Energien sind ein Teil dieser Strategie. Sie sind
eine Lebensversicherung für die Volkswirtschaft, und
sie sind eine Unabhängigkeitserklärung des Einzelnen.
Ich nenne als Beispiel die Fotovoltaik, die in den letzten
Wochen massiv angegriffen wurde. Das hat damit zu
tun, dass das die einzige Technologie ist, mit der Firmen
wie Eon und RWE in dieser Republik kein Geld
verdienen können, weil die Stromerzeugung dezentral beim
Verbraucher erfolgt. Wir haben jetzt einen
Gesetzentwurf vorgelegt, der dazu führt, dass in fünf, sechs Jahren
Strom aus einer Fotovoltaikanlage billiger ist als der
Strom aus der Steckdose. Ab diesem Tag ist die
Fotovoltaik die Stromproduktion des kleinen Mannes. Wenn
man sich eine solche Anlage auf das Dach setzt, dann
macht man sich unabhängig von den Stromrechnungen.
Es wird eintreten, was in einer bekannten Werbung über
die Miete gesagt wird: Sie haben über all die Jahre
vergessen, was Miete zahlen eigentlich ist. – Auf einen
solchen Zustand bewegen wir uns mit den erneuerbaren
Energien zu. Deswegen ist heute ein guter Tag für die
Verbraucherinnen und Verbraucher.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat der Kollege Michael Kauch von der
FDP-Fraktion.
(Beifall bei der FDP)
Michael Kauch (FDP):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Bundeskanzlerin Merkel und ihre Bundesregierung sind
angetreten, um den Wärmemarkt als schlafenden Riesen im
Klimaschutz zu wekken und die Potenziale der
erneuerbaren Energien zu nutzen. Doch das, was die
Bundesregierung mit ihrem Entwurf eines Wärmegesetzes
vorlegt, wird den Riesen nicht einmal kitzeln, geschweige
denn aufwecken.
(Beifall bei der FDP)
Schwarz-Rot ist an dieser Stelle aus meiner Sicht
deutlich gescheitert; denn die großen Ankündigungen
lauteten: Wir schaffen ein Gesetz, das unabhängig von
den Haushaltsmitteln und von Steuersubventionen einen
Markt für die erneuerbaren Energien im
Wärmebereich schafft. Das Gegenteil haben Sie jetzt
beschlossen. Anstatt den Markt für erneuerbare Energien im
Wärmebereich zu schaffen, üben Sie Zwang und
Kontrolle über die Bürger aus. Statt mehr erneuerbare
Energien auf den Markt zu bringen, werden Sie mehr
Bürokratie schaffen. Ihr Gesetzentwurf ist völlig unwirksam,
weil er sich insbesondere nicht mit der Frage beschäftigt,
wie wir im Altbaubestand eine Lösung schaffen.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Genau
damit beschäftigen wir uns!)
Michael KauchSie haben an dieser Stelle keine Lösung. Wir wollen
diese Nutzungspflicht nicht, nicht für den Neubau und
nicht für den Altbau. Sie wollen die Nutzungspflicht
zwar nicht für den Altbau, aber für den Neubau. Sie
haben hier einen Gesetzentwurf vorgelegt, der für den
Altbau keinerlei positive Ergebnisse bringen wird.
(Beifall bei der FDP)
Da Sie das wissen, haben Sie die Subventionen
verdoppelt, anstatt sie zu senken, wie Sie es angekündigt haben.
(Beifall bei der FDP)
Im Übrigen hat die Kollegin Kopp natürlich völlig
recht: Mit der Zwangsfernwärme – dass es dazu kommt,
wird durch die Verabschiedung dieses Gesetzentwurfs
erleichtert – schaden Sie den erneuerbaren Energien im
Wärmemarkt und Sie nutzen ihnen nicht.
(Beifall bei der FDP)
Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz ist zudem
willkürlich, und es ist eben nicht technologieoffen. Es ist in
der Tat ein Solarthermieförder- und ein
Biogasdiskriminierungsgesetz.
(Beifall bei der FDP)
Es gibt keine umweltpolitische Begründung für die
Steine, die Sie dem Biogas hier in den Weg legen. Was
wäre denn so schlecht daran, wenn man es jedem Bürger
ermöglichen würde, sich – so wie er es heute für
Ökostrom tun kann – für Ökogas zu entscheiden? Das dürfen
sie nach diesem Gesetzentwurf nicht.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das kann
er doch! – Ulrich Kelber [SPD]: So ein
Quatsch! Das stimmt nicht!)
Sie sagen: Biogas darf nur in KWK-Anlagen genutzt
werden, wenn man die Förderung bekommen möchte.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das ist die Unwahrheit,
Herr Kauch!)
Das ist nicht akzeptabel.
Deshalb haben wir als FDP-Bundestagsfraktion einen
Alternativvorschlag in den Deutschen Bundestag
eingebracht, über den wir heute ebenfalls abstimmen werden.
Wir möchten die Brennstoffhändler verpflichten, eine
feste Menge erneuerbarer Wärme nachzuweisen. Diesen
Nachweis können sie erbringen, indem sie entweder
selber beispielsweise Biogas einspeisen oder indem sie bei
den Hausbesitzern, auch bei Besitzern von Altbauten,
entsprechende Nachweise einkaufen.
(Beifall bei der FDP)
Dadurch würde nicht nur im Neubaubereich – angesichts
des demografischen Wandels wird heute ohnehin nicht
mehr so viel gebaut –, sondern auch im Altbaubereich
ein Investitionsanreiz geschaffen.
Die FDP unterstützt das Ziel, den Anteil erneuerbarer
Energien am Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 auf
20 Prozent zu erhöhen. Wir wollen die Stromversorger
nicht nur mit einer Zielsetzung, sondern sogar
rechtsverbindlich dazu verpflichten, den Nachweis zu erbringen,dass sie mindestens 30 Prozent erneuerbare Energien in
den Markt bringen. Diese Rechtsverbindlichkeit geht
weiter als die reine Zielsetzung in Ihrem EEG-Gesetz.
Sie sehen also: Der FDP ist es mit der Förderung
erneuerbarer Energien ernst. Worum wir streiten, sind
nicht die Ziele, sondern die Instrumente, mit denen wir
diese Ziele erreichen.
(Beifall bei der FDP)
Durch die Verabschiedung der Entwürfe der Koalition
entstünden schlichtweg zu hohe Kosten und würde der
Wettbewerb zwischen den Anlagen verzerrt.
(Beifall bei der FDP)
Um es deutlich zu sagen: Klimaschutz ist nicht zum
Nulltarif zu haben. Auch die Umsetzung der Vorschläge
der FDP kostet Geld. Aber wir Liberale setzen uns dafür
ein, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher nur so
stark belastet werden, wie es zur Erreichung der Ziele
unbedingt erforderlich ist.
(Beifall bei der FDP)
Wir Liberale stehen dafür ein, dass mit den
eingesetzten Mitteln so viel erneuerbare Energie wie möglich
erzeugt wird. Deshalb setzen wir darauf, dass die
erneuerbaren Energien auch in den Wettbewerb untereinander
um die besten Lösungen eintreten.
(Beifall bei der FDP)
Bei allen Fördermaßnahmen müssen wir im Blick
haben, welche Ziele wir verfolgen. Nur bei klaren Zielen
kann man treffsichere Instrumente wählen. Das gilt
gerade für den Ökostrom. Unser Ziel als Liberale in der
Energiepolitik ist es, den Dreiklang von Klimaschutz,
Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu
erreichen. Ginge es nur um den Klimaschutz, brauchten
wir im Stromsektor kein weiteres Förderinstrument für
erneuerbare Energien; denn der Emissionshandel
begrenzt die CO2-Emissionen bereits mit einem festen
Deckel.
Allerdings stellt sich die Frage: Was würde unter
diesem Deckel passieren? Man würde CO2-Emissionen nur
zu den geringsten Kosten vermeiden. Das würde einen
massiven Brennstoffwechsel – weg von der Kohle und
hin zum Gas – bedeuten. Das wiederum würde unsere
Versorgungssicherheit gefährden. Wenn wir also
Klimaschutz wollen, ohne uns den Putins und Medwedews
dieser Welt auszusetzen, dann brauchen wir in der Tat
ein Förderinstrument für erneuerbare Energien.
(Beifall bei der FDP)
Aber wir brauchen nicht unbedingt das Instrument, über
das wir heute beraten.
Die FDP plädiert weiterhin dafür, dass der Staat die
Menge an erneuerbarem Strom vorgibt und dass der
Markt dann die kostengünstigsten Möglichkeiten findet.
Lediglich bei sich noch entwickelnden Technologien wie
Solarstrom und ökologisch besonders vorteilhaften
Biomasseverstromungen wollen wir zusätzliche Zuschüsse
zu den Erlösen geben.
Michael KauchEs bleibt dabei: Die heutige Einspeisung zu staatlich
verordneten Preisen und die selektive Förderung von
Technologien sind anfällig für Lobbyismus. Das haben
wir beim aktuellen Gesetzgebungsverfahren wieder
vorgeführt bekommen. Jede Branche hat an Herrn Glos und
Herrn Gabriel herumgezerrt. Manche Branchen waren
dabei erfolgreich und manche Branchen nicht.
Bei dieser EEG-Novelle kommt es nicht darauf an, ob
die Förderung in dieser Form tatsächlich notwendig ist.
Vielmehr kommt es darauf an, ob jemand gute Kontakte
zur SPD und zur CDU hat oder nicht.
Das Paradebeispiel dafür ist die
Solarstromförderung. Wir haben das unsägliche Gezerre gesehen:
7 Prozent Degression, 10 Prozent Degression, 20
Prozent Degression kam von Wirtschaftspolitikern der
Union
(Ulrich Kelber [SPD]: 30 Prozent!)
– vorher noch 30 Prozent –, nach dem Motto: Wer bietet
mehr? Wer bietet weniger?
Angeblich geht es doch beiden Koalitionspartnern
darum, die Kostensenkungen bei der Technologie in die
Förderung umzusetzen. Ich frage mich: Wie schlampig
ist die Gesetzesvorbereitung in den Ministerien
eigentlich? Wie schlampig sind die Analysen, wenn Sie bei
Ihren Forderungen derart weit auseinander liegen können?
(Beifall bei der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Wir
sind ja bei unserem Ergebnis gelandet!)
Wenn wir schon beim Lobbyismus sind: Die letzte
Partei, die sich zum Hüter der Marktwirtschaft
aufspielen sollte, wie das Herr Glos immer wieder gerne tut, ist
die CSU. Einerseits hat sie sich gegen die
Solarstromförderung engagiert. Andererseits gibt es keine andere
Partei, die so hemmungslos wie die CSU eine
Luxusförderung für kleinste Mini-Biogasanlagen in den
Gesetzentwurf geschrieben hat.
Ihnen geht es um die Landtagswahl. Die Bauern
sollen für Sie stimmen. Das Ganze geht auf Kosten der
Verbraucher, und zwar auch der bayerischen Verbraucher,
meine Damen und Herren.
(Beifall bei der FDP – Dr. Georg Nüßlein
[CDU/CSU]: Wir haben keine 55 Prozent
Bauern!)
– Die 55 Prozent werden Sie auch nicht mehr erreichen.
(Beifall bei der FDP)
Trotz dieser Kritik hat sich die FDP-
Bundestagsfraktion konstruktiv am Gesetzgebungsverfahren beteiligt
und Änderungsanträge eingebracht. In einigen Punkten
waren wir auch erfolgreich, beispielsweise bei der
Eigenvermarktung.
Aber was ist geblieben? Geblieben sind massive
Nachteile insbesondere für größere Biomasseanlagen –
gerade für solche, die eine stoffliche Produktion
umfassen wie beispielsweise Zellulosefabriken in
Ostdeutschland. Diese werden im Gegensatz zu Ihren
Kleinstanlagen in Bayern benachteiligt.(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das
stimmt überhaupt nicht! Sie werden massiv
besser gestellt!)
Auch die Blockheizkraftwerke, die Pflanzenöle
nutzen, werden benachteiligt, wenn sie eine bestimmte
Größe überschreiten.
Ein weiteres Beispiel für die Benachteiligung großer
Anlagen ist die Leistungsbegrenzung beim Repowering
von Windkraftanlagen. Ihnen geht es keineswegs darum,
Energie so günstig wie möglich zu fördern. Ihr
ausschließliches Ziel ist es, den Lobbys Genüge zu tun oder
dem Ideal einer kleinen Anlage auf dem Bauernhof zu
folgen.
Damit werden Sie aber nicht die Mengen an
erneuerbaren Energien erreichen, die wir in den Strommarkt
hineinbringen wollen.
(Beifall bei der FDP)
Die beiden Gesetzgebungsverfahren zum EEG und
zum Wärmegesetz haben bewiesen: Die schwarz-rote
Koalition ist heillos zerstritten. Sie streiten sich wie die
Kesselflicker – zwischen den Parteien, aber
insbesondere auch innerhalb der Union.
Deshalb haben wir namentliche Abstimmung
beantragt. Dann werden wir sehen, ob bei der Abstimmung
auch das berücksichtigt wird, was einige Abgeordnete
der Union vorher gesagt haben.
(Beifall bei der FDP – Dirk Niebel [FDP]:
Pharisäer!)
Meine Damen und Herren, mit der Novellierung des
EEG retten Sie sich nur schleppend ins Ziel; dieses
Thema steht ja auf der Tagesordnung. Vor allem haben
Sie damit aber eine massive Verunsicherung sowohl der
Branche als auch der Verbraucher erreicht. Den
Flurschaden, den Sie auf dem Gebiet der erneuerbaren
Wärme angerichtet haben, habe ich bereits beschrieben.
Mit Ihrem Gesetz werden Sie viel Bürokratie
schaffen. Sie werden die erneuerbare Wärme aber nicht in den
Markt bringen. Ihr Wärmegesetz ist ein stumpfes
Schwert. So erreichen Sie Ihre Klimaschutzziele nicht.
(Beifall bei der FDP)
Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:
Das Wort hat die Kollegin Dr. Maria Flachsbarth von
der CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das
vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des
Klimaschutzes. Die Weltklimaberichte der Vereinten Nationen
machten deutlich, dass der Klimawandel vom Menschen
verursacht ist und gravierende negative Auswirkungen
auf Frieden und Wohlstand weltweit haben könnte.
Klimaschutz und Energieeffizienz sind deshalb
Schwerpunktthemen der Großen Koalition. Während der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft und der G-8-Präsi-
Dr. Maria Flachsbarthdentschaft im letzten Jahr konnte Angela Merkel
ambitionierte Klimaschutzziele international vereinbaren.
Derzeit setzt Deutschland die Vorgaben der EU in
nationales Recht um. Das Bundeskabinett hat deshalb das
Integrierte Energie- und Klimapaket beschlossen, welches
pünktlich zur Weltklimakonferenz im Dezember letzten
Jahres vorgelegt wurde. Ein zweites, kleineres Paket
folgt noch vor der Sommerpause.
Meine Damen und Herren, während im vergangenen
Jahr der Klimaschutz im Mittelpunkt stand, steht dieses
Jahr zunehmend unter dem Zeichen steigender
Energiepreise. Ein Ölpreis von zweitweise 135 Dollar pro Fass
ließ die Kraftstoffpreise auf mehr als 1,50 Euro pro Liter
steigen. Heizöl verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahr
um bis zu 65 Prozent. Die Inflationsrate stieg
infolgedessen auf bis zu 3 Prozent. Die Union nimmt deshalb die
Sorgen und Nöte der Menschen sehr ernst, die sie sich
derzeit wegen der extrem steigenden Energiepreise
machen, die wiederum aus einem unguten Mix von
gesteigerter Nachfrage, begrenztem Angebot und
Finanzspekulationen entstehen. Leider ist nicht davon auszugehen,
dass es auf Sicht zu einer nachhaltigen Senkung der
Preise kommt.
Als Sofortmaßnahme hat die Große Koalition deshalb
eine Erhöhung von Wohngeld und
Heizkostenzuschüssen beschlossen – der Gesetzentwurf hängt allerdings
derzeit im Bundesrat –; auf diese Weise wird versucht,
mit staatlichem Geld die gröbsten Härten zu mindern.
Doch das kuriert nur an den Symptomen, stellt aber
keine nachhaltige Lösung dar. Diese kann nur in der
Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
wie Öl und Gas liegen; denn die internationalen
Energiemärkte werden von Angebot und Nachfrage gesteuert.
Die Nachfrage steigt, da immer mehr Menschen auf
dieser Welt bei wachsendem Wohlstand immer mehr
Energie verbrauchen. Doch das Angebot bleibt konstant, die
Öl- und Gasreserven gehen auf Sicht sogar zur Neige.
Erst in dieser Woche hat der französische Ölmulti Total
mit dieser Nachricht für Aufmerksamkeit gesorgt.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Ist ja gut, dass Sie das alles auch
mitkriegen, was da los ist!)
Ein nachhaltiges Instrument in diesem
Zusammenhang ist das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Es
sieht vor, dass im Jahr 2020 14 Prozent der Wärme- und
Kälteenergie aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.
(Ulrich Kelber [SPD]: Mindestens!)
Die Pflicht zur anteiligen Nutzung erneuerbarer
Wärme bei Neubauten aus einer Vielzahl von
Energieträgern – von Sonne über Holz, Biogas bis zum
Klärschlamm – kann auch durch Wärmedämmung oder
Nutzung von Fernwärme, Kraft-Wärme-Kopplung bzw.
Abwärme oder durch eine Kombination entsprechender
Maßnahmen ersetzt werden. Der Union ist es besonders
wichtig, dieses Gesetz technologieoffen auszugestalten.
Das haben wir erreicht.
(Beifall bei der CDU/CSU)Aber auch Bestandsgebäude, Herr Kauch, werden im
Rahmen von Förderprogrammen, nicht von
Zwangsmaßnahmen berücksichtigt:
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Für das Marktanreizprogramm, das wir in das
Wärmegesetz aufgenommen und mit einer Ausstattung von
500 Millionen Euro pro Jahr verrechtlicht und verstetigt
haben, sind bereits im ersten Quartal dieses Jahres fast
30 000 Anträge mit einem Fördervolumen von 26
Millionen Euro eingegangen.
Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm führte im
ersten Quartal dieses Jahres bereits zu Kreditzusagen für
energieeffizientes Bauen und Sanieren in Höhe von
1,4 Milliarden Euro; das sind 44 Prozent mehr als im
Vorjahreszeitraum. Es handelt sich um ein
Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Man kann nun wirklich nicht sagen, dass das keine
Erfolgsstory ist. Das ist ein großer Erfolg, und zwar nicht
nur für das Klima und die Besitzer und Bewohner von
sanierten Häusern und Wohnungen, sondern es tut auch
dem örtlichen Handwerk gut, das von Aufträgen
profitiert. Das ist Mittelstandsförderung pur.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, Maßstab für die
Energiepolitik der Union war und ist das Zieldreieck aus
Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und
Versorgungssicherheit. Deshalb sprechen wir uns für einen
breiten Energiemix von den Erneuerbaren über Kohle
und Öl bis hin zur Kernenergie aus.
(Ulrich Kelber [SPD]: Das ist gesetzeswidrig!)
Bei der Versorgungssicherheit ist die hohe
Importquote der fossilen Energieträger und deren Verfügbarkeit
in der Zukunft zu beachten. Der effiziente Einsatz und
intelligente Ersatz fossiler Brennstoffe durch in 2007
weit über 70 000 Gigawattstunden regenerativer Energie
stellt somit einen Beitrag zur Versorgungssicherheit
und Generationengerechtigkeit dar.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Die Wirtschaftlichkeit des Energiemixes ist
entscheidender Standortfaktor für Industrie und Gewerbe.
Während Deutschland 2006 mehr als 70 Milliarden Euro für
den Import fossiler Energieträger aus teilweise politisch
instabilen Ländern bezahlen musste, sind erneuerbare
Energien heimische Energieträger. Die 70 Milliarden
Euro sind weg; bei den Erneuerbaren findet trotz deren
Differenzkosten in Höhe von 3,3 Milliarden Euro die
Bruttowertschöpfung hier im eigenen Land statt.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, die Novelle des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes lässt die Erneuerbaren
erwachsen werden. Sie wachsen heraus aus der beschützenden
Struktur von Abnahmezwang und Vergütung. Denn wir
Dr. Maria Flachsbarthhaben mit dieser Novelle das Gesetz auch qualitativ
weiterentwickelt. Dazu gehört, dass die Erneuerbaren –
zeitlich begrenzt – an den Markt gehen, aber auch zur
bisherigen Vergütungsstruktur zurückkehren können. Wir
haben damit ein niederschwelliges Angebot geschaffen,
um Markt auszuprobieren.
Zudem sieht die Novelle
Verordnungsermächtigungen mit Zustimmungspflicht durch den Bundestag vor,
mit der die Direktvermarktung, die Netzintegration,
nachfrageorientierte Vergütung und virtuelle
Kraftwerke ermöglicht werden sollen und der
Wälzungsmechanismus überarbeitet werden kann. Unabhängige
Erzeuger sollen sich am Regelenergiemarkt beteiligen
können.
Daneben haben wir natürlich auch die
unterschiedlichen Förderungsbedingungen für die einzelnen
Energieträger neu festgelegt. 30 Prozent des Stroms aus
Erneuerbaren bis 2020 bedeuten mehr als eine
Verdoppelung in den nächsten zwölf Jahren. Eine effiziente und
kostengünstige Förderung ist unabdingbar. Erneuerbare
sind nicht umsonst; aber die Kosten bleiben im Rahmen
und sind vorhersehbar: Der Gesetzesbegründung
entnehmen wir, dass die Differenzkosten bis 2015 auf ein
Maximum von 6,2 Milliarden Euro steigen werden. Das
EEG hat derzeit einen Anteil am Strompreis von 3 bis
4 Prozent. Eine vierköpfige Familie zahlt dafür im
Moment 40 Euro im Jahr.
Bei den Fördersätzen für die Solarenergie gab es ein
besonders großes Potenzial, Anreize für mehr Effizienz
zu setzen. Deshalb haben wir gegenüber dem
Regierungsentwurf eine noch stärkere jährliche Absenkung
der Vergütung zwischen acht und fast 13 Prozent vor
allem für große Anlagen über 1 000 Kilowatt festgelegt.
Hinzu kommt ein atmender Deckel, je nachdem wie sich
der Zubau der Solarenergie entwickelt.
Hinsichtlich der Biomasse haben wir neue
Förderregelungen für die Nutzung von Gülle als Gärsubstrat
vorgelegt. Wird Gülle direkt auf die Felder ausgebracht,
ergibt sich eine Methanausgasung in großem Maße. Da
Methan wesentlich klimaschädlicher als CO2 ist, wollen
wir mit dem Güllebonus erreichen, dass die
betriebseigene Gülle erst durch die Biogasanlagen gelenkt wird,
um so die Methanausgasung zu vermeiden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Daneben verbessern wir die Bedingungen für den
Einsatz effizienter Kraft-Wärme-Kopplung sowie zur
Biogasaufbereitung und -einspeisung. Das Gas muss
dort verstromt werden, wo es Wärmesenken gibt. Das
halten wir für einen ausgesprochen zukunftsweisenden
Weg.
Den Nawaro-Bonus haben wir bei Alt- und
Neuanlagen – genauso wie die Grundvergütung bei Anlagen bis
500 Kilowatt – erhöht, um den gestiegenen
Substratpreisen und auch den erhöhten Anforderungen im Rahmen
des Immissionsschutzes Rechnung zu tragen.
Bei der Wasserkraft setzen wir Anreize für eine
weitere ökologische Modernisierung der Anlagen, um die
vorhandenen Potenziale nachhaltig zu nutzen.Die Geothermie lieferte zwar bislang keine
bedeutenden Strommengen. Allerdings hat sie großes
Potenzial, gerade grundlastfähigen Strom zu liefern.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Deshalb haben wir Anreize zu einem schnelleren
Einstieg in diese Technologie gesetzt. Außerdem wollen wir
den Einsatz effizienter Kraft-Wärme-Kopplung und
neuartiger HDR-Verfahren fördern.
Die Windenergie ist mit einem Anteil von 60 Prozent
am erneuerbaren Strom das Arbeitspferd der
Erneuerbaren schlechthin. Den Vergütungssatz für Onshore-
Anlagen, also Anlagen im Binnenland, haben wir deshalb auf
9,2 Cent erhöht, um die gestiegenen Kosten für
Rohstoffe zu kompensieren. Daneben wurden die
Bedingungen für das Repowering verbessert und ein
Systemintegrationsbonus für die erhöhten Anforderungen an das
Einspeisemanagement der Anlagen vorgesehen.
Für Offshore-Anlagen, also Anlagen in der offenen
See, ist es uns wichtig, mit einem Frühstarterbonus und
erhöhter Vergütung die Ampeln auf Grün zu stellen, um
trotz noch erheblicher technologischer Probleme und
Herausforderungen einen zügigen Ausbau zu
ermöglichen.
Die Bundesrepublik setzt mit dem IKEP und
insbesondere mit den heute zu beschließenden Gesetzen für
erneuerbaren Strom und erneuerbare Wärme
energiepolitische Weichenstellungen in die Zukunft. Das IKEP ist
nicht nur in der Geschichte der deutschen Klimapolitik,
sondern auch international einmalig. Es gibt kein
vergleichbares Industrieland mit einem ähnlich
ambitionierten und konkret ausgestalteten Programm.
Wir haben ein ausgewogenes Konzept vorgelegt, mit
dem wir unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen
können, die Versorgungssicherheit verbessern und einen
langfristig wirksamen Beitrag gegen steigende
Energiepreise auf den Weg gebracht haben. Ich bitte Sie deshalb
um Ihre Zustimmung zu diesen beiden Gesetzen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Ich gebe das Wort dem Kollegen Hans-Kurt Hill,
Fraktion Die Linke.
(Beifall bei der LINKEN)
Hans-Kurt Hill (DIE LINKE):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Erfolgsmodell.
Ich will es gleich vorwegnehmen: Die Linke wird der
Neuregelung des EEG zustimmen.
(Zurufe von der SPD: Oho! – Dr. Maria
Flachsbarth [CDU/CSU]: Oh, tatsächlich?)
Strom aus Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und
Erdwärme steht für bezahlbare Energien und wirksamen
Klimaschutz. Erneuerbare Energien sichern die Strom-
Hans-Kurt Hillversorgung der Zukunft. Sie sind eine Investition in
den Frieden, und sie schaffen neue sichere Arbeitsplätze.
(Beifall bei der LINKEN)
Diese Entwicklung wurde durch das EEG möglich; das
muss klar gesagt werden.
Wie nicht anders zu erwarten: Die FDP lehnt den
Gesetzentwurf und damit die gesamte Erfolgsgeschichte ab.
Gut, wer sich bis auf die Knochen blamieren will, der
kann das tun. Man muss aber mit Blick auf die Debatte
der letzten Tage und Wochen feststellen: Das EEG bleibt
nur deshalb ein Erfolg, weil die CDU/CSU ihre
Kettenhunde der Atomlobby „zurückgepfeiffert“ hat.
(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Erzähl kein
Zeug! – Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]:
Das ist ja unterste Schublade!)
Herr Kelber, Ihnen und Ihren Kollegen gilt mein
Respekt in der Sache. Ich freue mich, dass ich viele
Vorschläge der Linksfraktion in der Endfassung
wiedergefunden habe.
(Beifall bei der LINKEN)
Beim nächsten Mal sollten wir – das müssen Sie mir
versprechen – die Gelegenheit haben, unsere
Änderungsvorschläge vor der Vorlage der Endfassung
einzubringen. Denn wir wollen, dass den Netzbetreibern endlich
in Sachen Einspeisung auf die Finger geklopft und
Biomasse effizienter genutzt wird.
Bei den Importen von Agroenergie ist uns der
Gesetzentwurf allerdings nicht konsequent genug. Wir wollen
keine Einfuhr von Soja und Palmöl.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir haben gute Startbedingungen für
Offshorewindenergie und Geothermie. Gleichwohl muss auch Kritik
erlaubt sein; denn die Qualität des EEG hat unter dem
Dauerstreit zwischen Christ- und Sozialdemokraten doch
einigermaßen gelitten.
Beispiel Solarenergie. Die Linksfraktion hätte sich
gewünscht, dass die jährlichen Fördersätze nicht so
drastisch gesenkt werden, um für die kleinen Leute, also in
Kleinstanlagen von bis zu 5 Kilowatt Leistung, die
Möglichkeit der Erzeugung von Solarstrom zu erhalten.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das
haben wir doch gemacht!)
– Frau Flachsbarth, hier fordern wir nach wie vor den
Erhalt der Degression bei 5 Prozent.
Jetzt gibt es einen atmenden Deckel – Sie haben es
ausgeführt – und, was ich erstaunlich finde, eine
Erfolgsstrafe. Die Fördersätze sinken jährlich um 8 bis 10
Prozent.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]:
13 Prozent!)
Wenn mehr Solaranlagen ans Netz gehen, als im Schnitt
zu erwarten ist, wird der Zuschuss noch einmal gekürzt.
Das ist, milde gesagt, Unsinn.Ich will aber auch einräumen, dass die großen
Hersteller von Solaranlagen in der Öffentlichkeit nicht
immer ein gutes Bild abgegeben haben. Hohe Gewinne
werden nicht in Deutschland investiert, und die
Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig.
(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Wer
hat Ihnen denn das aufgeschrieben? –
Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Jetzt
sollten Sie sich entscheiden: Ist es ein gutes oder
ein schlechtes Gesetz? – Hans-Josef Fell
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Natürlich
investieren die in Deutschland!)
– Doch, doch, Herr Fell. Zwölfstundenschichten und
schlechte Bezahlung sind keine guten Voraussetzungen
für eine Zukunftsbranche. Zu Recht fordern die
Gewerkschaften bessere Sozialstandards.
(Beifall bei der LINKEN)
Dennoch entstehen vor allem in Ostdeutschland
Zehntausende neue und sichere Arbeitsplätze. Man muss zur
Kenntnis nehmen: Die Solarbranche schafft echte
Perspektiven für den Osten dieser Republik.
(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]:
Warum beschimpfen Sie sie denn dann?)
Sie ist dort eine Schlüsselindustrie.
(Beifall bei der LINKEN)
Dennoch hat die CDU/CSU alles getan, um den
Solarstrom mit dubiosen Gutachten aus der Energiewirtschaft
schlechtzureden. Meiner Meinung nach hat unser
Umweltminister dem weitgehend tatenlos zugesehen.
An einem einfachen Beispiel möchte ich deutlich
machen, dass sich der Klimaschutz auch mit Fotovoltaik
rechnet. Der Emissionshandel wird zwischen 2005 und
2012 zu einer CO2-Minderung von 32 Millionen Tonnen
führen. Das schafft allein der Solarstrom locker, und der
macht nur 4 Prozent der Stromerzeugung aus
erneuerbaren Energien aus. Der Emissionshandel wird die
Stromkundinnen und -kunden bis 2012 rund 65 Milliarden
Euro kosten. Das ist eine ungeheure Summe, die sich
allein die Energiekonzerne in die Tasche stecken. Die
Kosten aus dem EEG für Solarstrom betragen nur einen
Bruchteil. Gleichzeitig sparen die erneuerbaren Energien
Kosten, da sie Importe von fossilen Energien sowie
Umweltschäden vermeiden. Darüber hinaus hat die
Solarbranche im letzten Jahr 4,7 Milliarden Euro investiert
und beschäftigt mittlerweile 51 000 Menschen.
Speziell für Herrn Minister Glos – er ist heute leider
nicht da, aber Herr Schauerte wird es ihm bestimmt
mitteilen – möchte ich einen Vergleich ziehen: Nach
Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums waren im
vergangenen Jahr in der herkömmlichen Stromwirtschaft
noch 121 500 Menschen beschäftigt. Seit Beginn der
Strommarktliberalisierung im Jahr 1998 sind das 40 000
Arbeitsplätze weniger. Bis 2020 werden hier noch
einmal mindestens 45 000 Stellen abgebaut werden. Die
Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt
mittlerweile über 250 000 Menschen, den größten Teil im
Strombereich. Allein in den letzten drei Jahren sind
Hans-Kurt Hill88 000 Arbeitsplätze hinzugekommen. Bis 2020 wird
hier eine halbe Million Menschen Beschäftigung finden.
Ich frage an die Adresse des Wirtschaftsministers: Wo
bleibt Ihr Engagement für die Energiewirtschaft der
Zukunft? Was hat die gefährliche Atomenergie dem
entgegenzustellen? Handeln Sie endlich, und hören Sie auf
Ihre ostdeutschen CDU-Kolleginnen und -Kollegen!
(Beifall bei der LINKEN – Zurufe von der
CDU/CSU: Was? – Völliger Unsinn!)
Nichthandeln ist auch der Titel des Entwurfs des
Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes, das heute
ebenfalls zur Abstimmung steht. Die Linksfraktion lehnt den
Gesetzentwurf der Bundesregierung als wirkungslos ab.
Die Unwirksamkeit wird darin deutlich, dass sich die
Regelungen des Gesetzentwurfes auf Neubauten
beschränken. Regelungen zum Gebäudebestand, der den
überragenden Beitrag zur Energieeinsparung und zum
Klimaschutz leistet, werden ausgeklammert.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Es wird
durch Wiederholung nicht richtiger!)
Das verschärft die soziale Lage, Frau Flachsbarth;
denn Mieterinnen und Mieter, die bei den Heizkosten
unter den hohen Belastungen leiden, können von
Energiesanierungen überdeutlich profitieren. Das bestätigt auch
der Deutsche Mieterbund. Eine Einbeziehung des
Altbaus hätte die Wohnungswirtschaft endlich zum Handeln
gezwungen und dem Handwerk Aufträge gebracht.
Hinzu kommt, dass der Gesetzentwurf ein viel zu
niedriges Ziel für erneuerbare Energien im
Wärmebereich angibt und das noch nicht einmal verbindlich
festschreibt. Die Regelungen sind auch so ausgelegt, dass
die erneuerbaren Energien nicht nach ihrer energetischen
und klimaschutzbezogenen Wirksamkeit geordnet sind.
Sinn macht die Reihenfolge: zuerst Solar, wenn das nicht
geht, Geothermie, wenn das nicht geht, Biogas; dann erst
flüssige und feste Biomasse. Zudem können diese
Regelungen durch die Ausnahmen leicht umgangen werden.
Die Linksfraktion hat deshalb einen
Entschließungsantrag vorgelegt. Stimmen Sie unseren Änderungen zu, um
den Fehlgriff, der weder Heizkosten noch den CO2-
Ausstoß senkt, zu beheben.
Ich fasse zusammen: Klimaschutz wird durch
erneuerbare Energien erreicht und macht Strom und Wärme
bezahlbar, schafft Arbeit und sichert die
Energieversorgung der Zukunft. Aber man muss es auch ernst meinen.
Danke schön.
(Beifall bei der LINKEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächster Redner ist der Kollege Hans-Josef Fell,
Bündnis 90/Die Grünen.
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Die vollständige Umstellung der weltweiten
Energieversorgung auf erneuerbare Energien ist die
entscheidende Lösung, um das Klima zu schützen sowieder Menschheit eine sichere, bezahlbare und
umweltfreundliche Energiequelle zu geben. Die Sonne schickt
uns noch 5 Milliarden Jahre lang jährlich viel mehr
Energie, als die Menschheit braucht. Eine industrielle
Technikrevolution für erneuerbare Energien gehört
damit zu den Überlebensstrategien der Menschheit.
Die ganze Welt schaut staunend auf Deutschland, wo
sich in kürzester Zeit eine von vielen Zweiflern niemals
für möglich gehaltene industrielle Entwicklung für
Solarzellen, Windkraft und Biogas entwickelt hat. Viele
neue Fabriken und Hunderttausende Arbeitsplätze
wuchsen und wachsen gleichzeitig mit dem Sinken von CO2-
Emissionen und dem Purzeln der Preise für erneuerbare
Energien.
Ursache ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz,
welches auf Betreiben der Grünen im Jahr 2000 von der
rotgrünen Bundestagsmehrheit mit großem Mut
durchgesetzt wurde.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Der Weitblick der damals verantwortlichen
Abgeordneten wurde lange belächelt und bekämpft – bis heute von
den Liberalen und bis 2005 auch von der Union. So
wurde die damalige forschungspolitische Sprecherin der
Union, Frau Reiche, im August 2005 im Technology
Review mit der Aussage zitiert:
Finden Sie es nicht seltsam, dass das Erneuerbare-
Energien-Gesetz die Stromkonzerne zwingt,
bestimmte Arten von Strom abzunehmen, die
eigentlich nicht wettbewerbsfähig sind? Ich kann darin
keinen volkswirtschaftlichen Nutzen erkennen.
Es ist gut, dass Frau Reiche und mit ihr die
Unionsfraktion ihre Meinung zum Erneuerbare-Energien-Gesetz
geändert haben.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das
Stromeinspeisegesetz ist eine Erfindung der
Union, Herr Fell!)
Das resultiert jedoch aus dem nicht mehr zu
übersehenden volkswirtschaftlichen Nutzen und basiert eben nicht
auf Weitblick.
Offensichtlich werden Ihre Visionslosigkeit und Ihr
fehlender Weitblick bei dem heute vorliegenden
Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Sie behaupten, mit dem
Gesetz die CO2-Emissionen reduzieren zu wollen. Doch
das ist mit Ihrem Gesetz faktisch unmöglich; denn der
gesamte heutige Gebäudebestand wird von der
Baupflicht nicht erfasst. Aber nur dort gibt es heute
Emissionen aus Wärmenutzung und nicht bei Neubauten, weil
diese noch gar nicht stehen. Nun gilt Ihre Baupflicht
aber nur für Neubauten. Wie wollen Sie denn
Emissionen verringern, die es heute noch gar nicht gibt?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ihr Wärmegesetz ist ein Torso und passt zu Ihrem
Versagen bei vielen anderen Punkten im Klimaschutzpaket.
In der heute vorliegenden Novelle des Erneuerbare-
Energien-Gesetzes gibt es durchaus viel Licht. Sie bietet
viel Grund zur Hoffnung für die Branche der erneuerba-
Hans-Josef Fellren Energien. Aber auch gravierende Fehlentwicklungen
sind bereits abzusehen. Wir werden uns deshalb der
Stimme enthalten.
Wir bedauern sehr, dass Sie mit einer wichtigen
Tradition in diesem Hohen Hause gebrochen haben: Vor
jeder EEG-Novelle hat Rot-Grün in Verhandlungsrunden
versucht, die Zustimmung der damaligen
Oppositionsfraktionen zu erreichen. Die Machtpolitik der Großen
Koalition hat das verhindert, sicherlich, weil Sie manche
der im EEG vorgesehenen drastischen
Verschlechterungen nicht vorher kundtun wollten.
Wir begrüßen die deutlichen Verbesserungen bei der
Windkraft an Land und auf See. Wir vermissen aber
einen eigenen Vergütungssatz für Kleinwindanlagen. Wir
begrüßen die Verbesserungen bei der Geothermie,
vermissen aber solche bei den Meeresenergien. Wir
begrüßen die Besserstellung bei Biogas und hoffen sehr, dass
damit viele Anlagenhersteller und Biogasproduzenten
vor dem Konkurs bewahrt werden können. In diese
Notlage kam die Biogasbranche, weil die Große Koalition
nicht schnell genug auf Markteinbrüche reagierte. Wir
vermissen ganz besonders eine Stärkung der
Nachhaltigkeit bei Bioenergien. Die Besserstellung von Gülle-
und Abwärmenutzung ist sehr gut. Wir vermissen aber
eine Nachhaltigkeitsverordnung und weitere
Regelungen, die dem einseitigen Einsatz von Mais
entgegentreten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben die Sorge, dass die Erfolgsgeschichte der
Solartechnik einen Knick bekommen wird. Zwar sind
die Vorstellungen mancher Unionsabgeordneten, die die
Fotovoltaik gänzlich beenden wollten, nicht realisiert
worden; doch ein schnell wachsender Markt braucht
sensible Marktunterstützung und nicht auf Jahre hinweg
starr festgelegte, drastische Vergütungssenkungen.
Unglaublich ist, dass Sie die Senkung der Vergütung
um 25 Prozent für große Dachanlagen über 1 Megawatt
bisher verschwiegen haben.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]:
Das steht alles im Gesetz, Herr Fell!)
Sie haben den Umweltausschuss während der Beratung
in falscher Sicherheit gewiegt.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]: Sie
müssen einmal die Vorlage lesen!)
Die Union sprach im Umweltausschuss von einer
Degression von mehr als 12 Prozent.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]: Da
hilft ein Blick ins Gesetz!)
Mit keinem Wort war von der im Gesetz stehenden
Degression in Höhe von 25 Prozent die Rede. Dadurch,
dass Sie dem Umweltausschuss den Änderungsantrag so
spät vorgelegt haben, dass eine Prüfung durch uns nicht
mehr möglich war, entstand der Verdacht, dass Sie sogar
vorsätzlich gehandelt haben, um die
Ausschussberatungen nicht zu belasten.(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das
stimmt überhaupt nicht!)
Mit der in den Beratungen verschwiegenen 25-
prozentigen Vergütungssenkung werden Sie das wichtige
Marktsegment der großen Dachanlagen zerstören. Sie
haben die Aktienmärkte im Vorfeld getäuscht und das
Vertrauen in die Politik geschmälert. Ja, auch wir
Grünen glauben an eine starke Kostensenkung bei der
Fotovoltaik. Dies ist ein großer Erfolg unseres
bisherigen Gesetzes. Den Vorschlag der Grünen, die Senkung
der Vergütungssätze nicht mehr starr festzuschreiben,
sondern an die Marktentwicklung anzubinden, haben Sie
im Prinzip sogar aufgenommen. Ohne unseren Vorschlag
wäre in der turbulenten Fraktionssitzung der Union am
letzten Dienstag die gesamte EEG-Novelle sogar
gescheitert.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Ich war
anwesend, Sie nicht!)
Leider haben Sie die von uns vorgeschlagenen
Modalitäten nur schlampig übernommen, sodass mögliche
Markteinbrüche kaum aufgefangen werden können.
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Hat auch
bei Rot-Grün nicht gereicht!)
Meine Damen und Herren von der Großen Koalition,
mittlerweile verwalten Sie mehr schlecht als recht den
Klimaschutz und die Energiepolitik. Zu mutigen und
visionären Gesetzentwürfen, wie wir damals unter Rot-
Grün – vom alten Stromeinspeisegesetz zum
Erneuerbare-Energien-Gesetz –, haben Sie keine Kraft.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Herr Kollege Fell.
Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Es braucht wieder Grüne in der
Regierungsverantwortung. Nur so können ein erfolgreiches Wärmegesetz
und Klimaschutz verwirklicht werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Für die SPD-Fraktion gebe ich das Wort der Kollegin
Waltraud Wolff.
(Beifall bei der SPD)
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Das, was man hier zu hören bekommt, ist
teilweise haarsträubend. Wollen wir doch einmal
richtigstellen, lieber Kollege Fell: SPD und Grüne haben vor acht
Jahren einen tollen Einstieg in die erneuerbaren
Energien und deren Nutzung erreicht.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Habe ich doch gesagt!)
Das ist richtig. Aber hier den Rest der Welt in den
Schatten zu stellen, ist nicht richtig. In Richtung FDP möchte
Waltraud Wolff (Wolmirstedt)ich sagen: Es ist nicht so, dass die Kanzlerin einen
schlafenden Riesen wekken will. Der Riese ist da,
(Michael Kauch [FDP]: Es geht darum, ob er
wach ist!)
und er braucht nicht geweckt zu werden.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Im Wärmemarkt ist er nicht da!)
Über das Erneuerbare-Energien-Gesetz als
Erfolgsstory haben wir hier schon in Breite diskutiert. Heute
schreiben wir die Fortsetzung. Es gilt für alle Formen
der erneuerbaren Energien, genauso wie für den
Klimaschutz und für den Bereich, den ich vertrete, nämlich die
Landwirtschaft. Niemand hätte vor acht Jahren
gedacht, welche Dynamik in diesem Gesetz steckt. Oder
hätte sich jemand von Ihnen möglicherweise vorstellen
können, dass Berichte zum Biogas ein ganz normaler
Bestandteil landwirtschaftlicher Zeitungen werden? Ich
glaube nicht. Wir haben – das zeigen diese Berichte
eindeutig – mit dem EEG im Bereich der Bioenergien ein
zusätzliches Standbein für die Landwirtschaft
geschaffen.
Diese letzten Jahre sind weder an der Technik noch an
der Landwirtschaft spurlos vorübergegangen. Mit der
Neufassung reagieren wir jetzt auf diese Entwicklungen.
Es ist ganz klar, dass ein dynamisches Gesetz immer
wieder angepasst werden muss. Etwas, was wir vor acht
Jahren nicht im Blick hatten, ist heute auch ganz klar:
Die Frage des nachhaltigen Anbaus ist in den
Mittelpunkt der Debatte gerutscht. Nachhaltig heißt in dem
Fall für mich, effizient mit der erzeugten Energie
umzugehen und die Konkurrenz insbesondere zu den
Nahrungsmitteln zu vermeiden.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Gerade in Regionen mit intensiver Tierhaltung, wie
Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, wird durch
Biogasanlagen der Druck auf die Fläche erhöht. Auch
darauf haben wir reagiert. Wir haben zum einen die
Kraft-Wärme-Kopplung gestärkt und damit die
Biomasse effizienter gemacht. Zum anderen ist es uns
wichtig, ein Gleichgewicht zwischen einer verträglichen
Entwicklung der Biogasproduktion und der Landwirtschaft
zu erreichen. Genau aus diesem Grund haben wir die
vorgeschlagene Kopplung des Bonus für nachwachsende
Rohstoffe an die Preisentwicklung abgelehnt.
Schließlich wird auch der Schweinepreis nicht an die
Preisentwicklung der Futtermittel gekoppelt. Wir brauchen hier
eine gleichgewichtige Entwicklung.
Wir haben auch eine gute Lösung für das Problem der
Konkurrenz von Mais und Boden gefunden. Wir haben
die Grundvergütung der Altanlagen und den Bonus für
nachwachsende Rohstoffe maßvoll steigen lassen. Wir
haben eine Erweiterung des Potenzials der Biomasse
erreicht, indem wir den Güllebonus eingeführt haben.
Auch das war eine wegweisende Entscheidung.
Mit der jetzigen Neufassung wird der Schwerpunkt
natürlich eindeutig verschoben, weg vom Einsatz der
nachwachsenden Rohstoffe. Es werden
Veredelungsbetriebe begünstigt, die biologische Reststoffe nutzen. Ichglaube, das ist richtig. Ich weise aber darauf hin, dass
wir uns in einem dynamischen Prozess befinden. Es ist
sehr wichtig, dass wir die Erfahrungen mit dem EEG
auch in Zukunft auswerten und es anpassen.
Das ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Nicht
zu leugnen ist der Strukturwandel weg von
landwirtschaftlichen Bioenergieproduzenten hin zu
Energieversorgungsunternehmen und Kapitalanlegern. Welche
Auswirkungen hat dies auf die Bioenergieproduktion?
Die Bedeutung von Gärresten in der Verarbeitung
wächst natürlich mit der Größe der Anlage. Welche
Auswirkungen hat in einer solchen Situation der Bonus für
die Kraft-Wärme-Koppelung auf die Trocknung von
Gärresten?
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Frau Kollegin.
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD):
Ich komme zum Schluss. – Welche Auswirkungen hat
dieser Strukturwandel auf die Landwirtschaft und auf
den Bodenbesitz? Meine Damen und Herren, im
nächsten Erfahrungsbericht sollten wir bei diesen Fragen
Schwerpunkte setzen.
(Beifall bei der SPD)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Frau Kollegin!
Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD):
Insgesamt haben wir einen guten Gesetzentwurf
vorgelegt. Ich bitte Sie, ihm zuzustimmen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächste Rednerin ist die Kollegin Bärbel Höhn,
Bündnis 90/Die Grünen.
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Nichts ist so überzeugend wie der Erfolg. Das
Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Riesenerfolg, ein Erfolg,
den wir Grüne mit unserem Umweltminister Jürgen
Trittin vor neun Jahren auf den Weg gebracht haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Sie
reden nur in der Vergangenheit! Sie sind von
gestern! – Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]:
Herzlichen Glückwunsch!)
Der Anteil der erneuerbaren Energien am
Stromverbrauch in Deutschland beträgt heute 14 Prozent, und in
diesem Bereich wurden 250 000 Arbeitsplätze
geschaffen. Diese Erfolgszahlen haben sogar die Union
überzeugt, die jetzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz
fortschreibt.
Bärbel HöhnIch möchte Ihnen aus einer denkwürdigen Rede von
Herrn Dr. Pfeiffer von der Union vorlesen, die er am
2. April 2004 hier im Bundestag zum EEG gehalten hat.
In dieser Rede hat er der rot-grünen Bundesregierung
vorgeworfen, bei den erneuerbaren Energien dem
Zentralismus zu frönen. Er sagte, die rot-grüne Koalition sei
auf dem Weg in die Staats- und Planwirtschaft. Weiter
sagte er – ich zitiere –:
Diesen ideologiebetriebenen Wahnsinn werden wir,
die Union, nicht mitmachen. … Hier kann man in
der Tat unseren alten Spruch wieder ausgraben:
Freiheit statt Sozialismus!
(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/
CSU]: Ja, das ist doch richtig! Oder sind Sie
etwa gegen Freiheit und für Sozialismus?)
So Herr Pfeiffer vor vier Jahren. Heute steht sein Name
unter dem EEG.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Thomas Oppermann [SPD]: Er hat eine Menge
dazugelernt! – Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/
CSU]: Der Spruch „Freiheit statt
Sozialismus!“ stimmt trotzdem!)
Meine Damen und Herren, diesen Lernprozess finden
wir gut. Wenn Sie jetzt auch noch bei den Themen
Tempolimit, Kohlekraftwerke und Autogrenzwerte von uns
lernen würden, dann wäre Deutschland beim
Klimaschutz schon ein gutes Stück weiter.
Wir werden dem EEG, wie Hans-Josef Fell gerade
gesagt hat, nicht zustimmen. Wir werden uns enthalten.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]:
Aha! Da haben Sie ja mal wieder eine ganz
klare Auffassung! Das kennt man von Ihnen! –
Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das
war klar! Weil Sie gegen die Freiheit sind!)
Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte. Aber trotz aller
Erfolge, die in den letzten Tagen noch erzielt werden
konnten, weist Ihr Gesetzentwurf nach wie vor große Defizite
auf.
Erstens kann es nicht sein, dass Sie für große
Dachflächen eine 25-prozentige Degression und bei Freiflächen
eine von mehr als 10 Prozent vorsehen. Wir brauchen
diese Flächen, vor allem deshalb, weil wir in der
Grundlast auch Fotovoltaik einsetzen wollen. Bei diesen
großen Investitionen dürfen Sie nicht nachlassen.
Der zweite wichtige
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Differenzierte Mengensteuerung zur Förderung erneuerbarer Energien im Stromsektor (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Entschließung des Europäischen Parlaments vom 15. März 2007 zur Achtung der Grundrechte-Charta in den Legislativvorschlägen der Kommission:
- part_of_vorgang → Entschließung des Europäischen Parlaments zu einer thematischen Strategie für den Schutz und die Erhaltung der Meeresumwelt (G-SIG: 16001011
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz - EEWärmeG) (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Gesetz zur Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur Änderung damit zusammenhängende (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Entschließung zum Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz - EEWärmeG) (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Entschließung zum Gesetz zur Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur Änderung damit zusammenhängender Vorsc (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz - EEWärmeG) (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren Energien im Strombereich und zur Änderung damit zusammenhängender Vorschriften (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Klimafreundlich heizen mit erneuerbaren Energien - Das Wärmegesetz zum Motor für Klimaschutz, Innovation und Wirtschaftswachstum machen (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Perspektiven für eine sektorale Ausweitung des Emissionshandels sowie für die Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmesektor (G-SIG: 16012215)
- part_of_vorgang → Vorschlag für eine Richtlinie des Rates über die Ermittlung und Ausweisung kritischer europäischer Infrastrukturen und die Bewertung der Not