Rede von Franz Obermeier (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/167
Teil von Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Franz Obermeier (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/167
Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Die
Kraft-Wärme-Kopplung genoss in der Bundesrepublik
Deutschland in der Vergangenheit ein Schattendasein. Es
muss Gründe dafür geben, warum in der Bundesrepublik
Deutschland der Anteil der Stromerzeugung aus Kraft-
Wärme-Kopplung bei gut 12 Prozent liegt, während er in
anderen industrialisierten Ländern deutlich darüber liegt,
bis 40, 50 Prozent. Der Frage nachzugehen lohnt sich.
Die Koalitionsfraktionen haben sich des Themas
angenommen und für meine Begriffe einen ersten
wesentlichen Schritt zur Zielerreichung getan, nämlich eine
Verdoppelung des Anteils der Stromerzeugung aus Kraft-
Wärme-Kopplung.
Nun kann man darüber philosophieren, ob wir bis
2020 das Ziel erreichen oder nicht. Dass das nicht
einfach ist, wird wohl jeder Sachkundige sehen. Aber wir
haben in den nächsten zwölf Jahren Gelegenheit,
nachzujustieren und dort nachzubessern, wo es sein muss.
Wo liegen die Probleme in Deutschland? Warum sind
wir in der Vergangenheit bei der Kraft-Wärme-
Kopplung nicht so vorangekommen, wie wir das gern gehabt
hätten? – Bei der Gelegenheit: Solange ich den Herrn
Staatssekretär kenne, ist er ein Anhänger von Effizienz.
(Ulrich Kelber [SPD]: Aber immer Status
quo!)
Er hat meines Erachtens also keinen Bedarf an Nachhilfe
in diesen Fragen.
Woran hapert es in der Bundesrepublik Deutschland
beim Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung? Meines
Erachtens haben wir nicht ein Erkenntnisproblem,
sondern ein Problem bei der Verteilung der Wärme. Wir
haben in der Vergangenheit viel zu wenig darauf geachtet,
dass bei neuen industriellen Produktionsanlagen stärker
Druck dahin ausgeübt wird, die notwendige Wärme in
Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung
produktionsstandortnah zu erzeugen.
Das ist deswegen interessant, weil wir in den
zurückliegenden Jahren schon einen Umbau der Strukturen in
der Stromerzeugung in der Bundesrepublik Deutschland
erlebt haben. Ich habe in meinem Heimatland Bayern
erlebt, dass die großen Kraftwerke, Kohlekraftwerke zum
Beispiel, bis auf einen Standort stillgelegt wurden. Die
Substitution dieser Erzeugungskapazitäten ist
überwiegend durch kleinere Anlagen unterschiedlichster Art
erfolgt. Trotzdem haben wir mit dieser eher dezentralen
Struktur keinen nennenswerten Fortschritt in der
Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung erreicht.
Das Gesetz, das wir heute beschließen, bedeutet
meines Erachtens einen ganz entscheidenden Schritt, weil
wir darin wichtige Anreize für die Verbraucher, auch für
die kleineren, schaffen. Für Anlagen bis 50 kW
5,11 Cent je Kilowattstunde, das ist doch was. Das giltaber auch für Anlagen in der Größenordnung von 50 kW
bis 2 MW.
Ein ganz wichtiges Element dieses Gesetzes ist die
Förderung des Baus von Fernwärmeleitungen. Da
haben wir natürlich ein Problem. Auf der einen Seite
reduzieren wir den Wärmebedarf in Gebäuden, und auf der
anderen Seite wollen wir vernünftige
Amortisationszeiten für Fernwärmeleitungen. Das ist ein Widerspruch.
Deshalb wollen wir durch die Förderung beim
Leitungsbau eine Kompensation schaffen.
Frau Kopp, weil ich Sie gerade im Visier habe
– das gilt aber auch für Herrn Fell und Herrn Hill; von
Frau Höhn ganz zu schweigen –: Ich habe verfolgt, wie
Sie sich bemüht haben, etwas Kritisches
herauszuarbeiten, allerdings erfolglos. Da fällt mir eigentlich nur ein:
Opposition ist Mist.
(Beifall des Abg. Laurenz Meyer [Hamm]
[CDU/CSU] – Gudrun Kopp [FDP]: Das
warten wir mal ab!)
Jetzt will ich Ihnen zwei Dinge sagen: Erstens. Es
hieß, der Verbraucher werde stärker belastet. Auch in der
Opposition sollte der Grundsatz gelten, dass man sich
bei Reden vor der Öffentlichkeit wenigstens
einigermaßen an den Fakten orientiert.
(Gudrun Kopp [FDP]: Ach, wir belasten den
Verbraucher nicht mehr?)
– Frau Kopp, wenn Sie in der Anhörung waren, haben
Sie gehört, dass die Förderung der Kraft-Wärme-
Kopplung im Jahr 2006 850 Millionen Euro betrug.
In diesem Gesetz ist ein Deckel – das soll flexibel
gehandhabt werden – von 750 Millionen Euro vorgesehen.
Wenn Sie jetzt die Gesetze der Arithmetik beachten,
stellen Sie fest: Der Verbraucher hat im Grunde
genommen weniger zu tragen.
– Nicht „Was?“! Wenn 2006 850 Millionen Euro
ausgegeben wurden und im Gesetz ein Deckel von 750
Millionen Euro vorgesehen ist, dann sagen Sie bitte nicht
„Was?“!
(Heiterkeit bei der SPD – Beifall des Abg.
Dirk Becker [SPD])
Zweitens. Sie sagen, die Förderung der Fernwärme
und die Solarthermie widersprächen sich. Nein, sie
widersprechen sich nicht, weil Deutschland ein
heterogenes Land mit vielfältigen Strukturen ist. Wenn
jemandem eine Solarthermieanlage besser erscheint, weil er
Fernwärme nicht nutzen kann oder will, dann muss er
sich doch dafür entscheiden können.
Frau Höhn, große Töne, viel Streit, aber es kommt
nichts heraus.
(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Ja, ich nehme Sie auch ins Visier!)
Franz ObermeierWährend der rot-grünen Zeit gab es keinen
nennenswerten Aufwuchs bei der Kraft-Wärme-Kopplung. Sieben
Jahre hatten Sie Zeit, diese glorreiche Erkenntnis
umzusetzen. Sie haben es aber nicht gemacht. Wir machen
jetzt einen Sprung. Wir möchten den Anteil der KWK an
der Stromerzeugung bis 2020 verdoppeln. Das sollten
Sie nicht schlechtreden.