Spitzensportförderung - Duale Karriere für Spitzensportler stärken
Text
Spitzensportförderung - Duale Karriere für Spitzensportler stärken
Antrag
der Abgeordneten Jörn König, Lars Schieske, Thomas Korell, Andreas Bleck,
Edgar Naujok, Bastian Treuheit, Alexander Arpaschi, Carsten Becker,
Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos, Erhard Brucker,
Tobias Ebenberger, Mirco Hanker, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze,
Nicole Hess, Karsten Hilse, Steffen Janich, Dr. Malte Kaufmann, Kurt
Kleinschmidt, Heinrich Koch, Achim Köhler, Manuel Krauthausen, Sergej
Minich, Denis Pauli, Tobias Matthias Peterka, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß,
Manfred Schiller, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Dr. Daniel Zerbin, Jörg
Zirwes und der Fraktion der AfD
Spitzensportförderung – Duale Karriere für Spitzensportler stärken
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Mit der Reform der Spitzensportförderung soll der Spitzensport in Deutschland wieder
attraktiver, international wettbewerbsfähiger und zukunftsfest ausgestaltet werden.
Ziel der Reform ist es, den deutschen Spitzensport durch mehr Transparenz,
Planbarkeit und weniger Bürokratie zurück an die Weltspitze zu führen. Um sportliche
Ergebnisse zu optimieren und Spitzenerfolge zu erreichen, sollen die Athleten neben ihrer
sportlichen auch in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung unterstützt
werden. So sollen Athleten ohne Sportförderstelle erstmals direkten Zugang zu staatlich
unterstützten Ausbildungs- und Studienperspektiven erhalten (§ 5 Abs. 1 des
Sportfördergesetzes). Das ist ein wichtiger Schritt, denn eine von dem Potenzialanalysesystem
(PotAS) initiierte Umfrage zeigt, dass sich viele Athleten um ihre Zukunft sorgen.1
Zum Ende der Schulzeit stellt sich für alle Leistungs- und Nachwuchsleistungssportler
die Frage, wie sich Spitzensport und Ausbildung oder Studium miteinander
vereinbaren lassen. Häufig wird dabei der Sport zugunsten der beruflichen Zukunft aufgegeben.
Das vom DOSB entwickelte und fortgeschriebene Zehn-Punkt-Programm zur dualen
Karriere2 ist zwar im Ansatz richtig, die Umsetzung in der Praxis erweist sich jedoch
als nicht durchgängig machbar. Trotz vorhandener Fördermöglichkeiten bestehen
erhebliche Probleme wie unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen je Bundesland
bei der Vorabquote, Ausnahme von Numerus-Clausus-Fächern wie Medizin von der
Vorabquote, unzureichende Unterstützung an den Partnerhochschulen des
Spitzensports, fehlende Flexibilität im Studium und Schwierigkeiten bei der Suche nach
Ausbildungsplätzen.
1 file:///P:/RESTORE/datensicherung/NB030/Documents/04%20Parlamentari-
sche%20Abl%C3%A4ufe/1pgf/20230403_Anforderungs-und%20Bewertungsleitfaden_SoSp24_final.pdf
2 www.dosb.de/themen/leistungssport/duale-karriere#
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6358
21. Wahlperiode 09.06.2026
Wegen der hohen zeitlichen Belastungen durch Training und Wettkämpfe ist der
Leistungssport und eine Ausbildung oder ein Studium nur dann erfolgreich zu vereinbaren,
wenn die Rahmenbedingungen an den Hochschulen, Ausbildungs- und
Anstellungsbetrieben möglichst optimal auf die Anforderungen des Spitzensports ausgerichtet
sind. Es ist daher erforderlich, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert daher die Bundesregierung im Rahmen der zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel auf,
sich im Verbund mit den Ländern dafür einzusetzen, dass
1. landesspezifisch Vorabquoten Leistungssport für die Vergabe von Studienplätzen
festgeschrieben werden;
2. landespezifisch eine Vorabquote Leistungssport mit der Stiftung für
Hochschulzulassung für die Numerus-Clausus-Studienfächer Medizin, Pharmazie,
Tiermedizin und Zahnmedizin vorgehalten wird;
3. einfachere Regelungen beim Wechsel des Studienganges und/oder des
Studienorts eingesetzt werden;
4. flächendeckend mit Hochschulen als Partnerhochschulen des Spitzensports
kooperiert wird;
5. zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ein
Gesamtkonzept entwickelt wird, das klare Regeln und standardisierte Abläufe der
Zusammenarbeit aller Teilbereiche zugrunde legt;
6. Anreize für Firmen geschaffen werden, Ausbildungs- und Arbeitsplätze für
Leistungssportler zu schaffen;
7. Firmen dabei unterstützt werden, spezielle Recruiting-Maßnahmen zur
Gewinnung von Spitzensportlern zu entwickeln.
Berlin, den 9. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und die Fraktion
Begründung
Spitzensportler gelten als Vorbilder für gesellschaftliche Werte und übernehmen eine wichtige
Repräsentationsfunktion. In der heutigen Zeit reicht es nicht aus, optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen zu schaffen.
Vielmehr muss das Ziel sein, bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für eine Berufsausbildung oder -
qualifikation zu schaffen, um die Sportler bestmöglich zu unterstützen. Schwerpunkte der länderübergreifenden
Zusammenarbeit sind Hochschulquoten, flexible Studienbedingungen und die Auszeichnung
spitzensportfreundlicher Betriebe.3
Generell gilt: Wer als Athlet ein Studium oder eine Ausbildung mit der Spitzensportkarriere vereinbaren will,
steht vor erheblichen strukturellen und zeitlichen Herausforderungen.
Diejenigen, die zum Zoll, zur Bundeswehr oder zur Bundespolizei gehen, können sich intensiv auf ihre sportliche
Karriere konzentrieren und durchlaufen dazu parallel eine berufliche Ausbildung beim jeweiligen Träger.
Anders ist es bei den Athleten, die sich nicht für eine staatliche Spitzensportförderung entscheiden. Grundsätzlich
sind sie an den Ort gebunden, an dem das Training stattfindet, das heißt, Studien- oder Ausbildungsort müssen
3 www.dosb.de/themen/leistungssport/duale-karriere
zumindest in der Nähe der Trainingsstätte liegen. Das schränkt wiederum auch die Wahl des Studiengangs oder
Ausbildungsplatzes ein.
Für denjenigen, der sich für ein Studium entscheidet, wird die Zulassung zum Studium über die Vorabquote
erleichtert. 13 Länder haben in ihrem „Gesetz über die Zulassung zum Hochschulstudium“4 eine derartige Quote
bereits geregelt, um die Zulassung zum Studium zu vereinfachen. Fächer mit einem bundesweiten Numerus
Clausus wie z. B. Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin sind von den landesspezifischen
Vorabquoten allerdings teilweise ausgenommen. Eine bundeseinheitliche Regelung wäre nicht nur wünschenswert,
sondern notwendig. An den „Partnerhochschulen des Spitzensports“ sollen studierende Spitzensportler
unterstützt werden, in dem auf die Bedürfnisse der Athleten besonders Rücksicht genommen wird – wie mit flexiblen
Studienstrukturen, individuellen Prüfungsregelungen und digitalen Lehrangeboten. Dennoch zeigt sich vielfach
in der Praxis, dass auch an den Partnerhochschulen studierende Athleten vom Wohlwollen einzelner Dozenten
und Professoren abhängig sind.5
Zudem müssen mehr Hochschulen als Partner gewonnen werden, um den Bedarf zu decken. Im Wintersemester
2024/2025 zählen von den insgesamt 422 Hochschulen bundesweit nur 119 zu den „Partnerhochschulen des
Spitzensports“.6 Aus der Erfahrung der letzten Jahre heraus müssen die Kooperationen mit den Partnern
weiterentwickelt werden mit dem Ziel, noch mehr Flexibilisierung und Individualisierung zu erreichen.
Wer sich für eine Berufsausbildung entscheidet, legt sich früh auf einen bestimmten Beruf und eine Branche fest.
Für einen Leistungssportler ist es immer noch schwierig, eine Ausbildungsstelle und einen Arbeitgeber zu finden,
der bereit ist, Arbeitszeiten individuell an den Trainingsplan anzupassen und den Sportler in trainingsintensiven
Zeiten vor den Wettkämpfen freizustellen. Es bestehen bisher quantitativ und qualitativ keine ausreichenden
Angebote. Es muss deshalb proaktiv kommuniziert werden, dass beide Seiten von einer Partnerschaft zwischen
Sport und Wirtschaft profitieren. Der Spitzensport vermittelt Werte wie Leistungsbereitschaft, Beharrlichkeit,
Durchhaltevermögen, Teamgeist und Fair-Play – alles Eigenschaften, die auch im Berufsleben besonders
gefordert sind. Ebenso ist es wichtig, für Ausbildungsbetriebe Anreize zu schaffen. Manche Bundesländer haben das
Potential bereits erkannt und zeichnen Unternehmen als „Partnerbetrieb des Spitzensports“ aus,7 was diesen
wiederum hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bringt. An den Olympischen Stützpunkten bestehen zum Teil
eine Vielzahl an Zusammenschlüssen mit Unternehmen. Allerdings handelt es sich meist um regionale Kontakte.
Auch hier gilt es, bundesweit zu denken und eine bessere Vernetzung überregional zu schaffen.
Der Spitzensport ist ein relevanter Faktor für die Attraktivität des Standorts Deutschland. Die Förderung des
Spitzensports liegt daher im öffentlichen Interesse. Insofern ist die Thematik der Dualen Karriere entscheidend
für die Gestaltung der Zukunft des deutschen Leistungssports.
4 Als Beispiel: Gesetz über die Zulassung zum Hochschulstudium in Hamburg, www.landesrecht-hamburg.de/bsha/document/jlr-HSchulZulG-
HAV14P3
5 www.deutschlandfunk.de/sport-am-samstag-duale-karriere-spitzensport-102.html
6 www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/hochschulen-hochschularten.html
7 www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/21-unternehmen-als-partnerbetrieb-des-spitzensports-ausgezeichnet
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ISSN 0722-8333
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