Rückgang der Binnenschifffahrt im Hinterland des Hamburger Hafens und Einbruch am Elbe-Lübeck-Kanal (Antwort zu Drs. 21/5429)
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Rückgang der Binnenschifffahrt im Hinterland des Hamburger Hafens und Einbruch am Elbe-Lübeck-Kanal (Antwort zu Drs. 21/5429)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5729
21. Wahlperiode 04.05.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Bochmann, Alexis L. Giersch,
Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5429 –
Rückgang der Binnenschifffahrt im Hinterland des Hamburger Hafens und
Einbruch am Elbe-Lübeck-Kanal
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Aktuelle Zahlen aus der „Hafenrundschau Lübeck“ zeigen einen dramatischen
Rückgang der Binnenschifffahrt im Hinterland des Hamburger Hafens (luebec
ker-hafenrundschau.de/blog/binnenschiffe-verlieren-im-hinterlandverkehr/).
So wurden im Jahr 2025 an der Schleuse Geesthacht nur noch 7 994
Binnenschiffe mit rund 5 239 Millionen Tonnen Ladung gezählt (ebd.). Zehn Jahre
zuvor waren es noch über 18 500 Schiffe mit mehr als 10 Millionen Tonnen
(ebd.). Besonders gravierend ist der Einbruch am Elbe-Lübeck-Kanal: Im
Jahr 2025 passierten lediglich 234 Binnenschiffe die Schleuse Lauenburg
(ebd.). Ursächlich wird in der Veröffentlichung unter anderem eine
achtmonatige Sperrung der Donnerschleuse genannt. Zudem wird auf strukturelle
Veränderungen hingewiesen, etwa den politisch gewollten Kohleausstieg sowie
Verlagerungen im Güterverkehr. Gleichzeitig bestehen weiterhin
infrastrukturelle Defizite und Einschränkungen im Wasserstraßennetz.
Die vorliegenden Zahlen zeigen nach Auffassung der Fragesteller einen
besorgniserregenden Rückgang der Binnenschifffahrt in einem zentralen
Wirtschaftsraum Deutschlands. Die Wasserstraße ist ein energieeffizienter und
umweltfreundlicher Verkehrsträger. Ihr Bedeutungsverlust steht jedoch im
Widerspruch zu verkehrs- und klimapolitischen Zielsetzungen.
1. Wie bewertet die Bundesregierung den drastischen Rückgang der
Binnenschifffahrt seit 2015 im Hinterland des Hamburger Hafens?
2. Welche Ursachen sieht die Bundesregierung konkret für den Rückgang
der Schiffs- und Ladungszahlen an der Schleuse Geesthacht?
3. Haben nach Einschätzung der Bundesregierung energiepolitische
Maßnahmen (z. B. Kohleausstieg) Anteil am Rückgang der Transportmengen,
und wenn ja, welchen?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 4. Mai 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
4. Welche weiteren strukturellen Gründe (z. B. Verlagerung auf Straße bzw.
Schiene, wirtschaftliche Veränderungen) sind nach Kenntnis der
Bundesregierung ggf. maßgeblich (vgl. Frage 3)?
5. Wie bewertet die Bundesregierung den massiven Einbruch am Elbe-
Lübeck-Kanal, insbesondere im Vergleich zu früheren Jahren (z. B. 2008,
vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Fragen 1 bis 5 werden aufgrund ihres Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung hat zur Überprüfung der Bedarfspläne für die
Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße eine aktuelle Verkehrsprognose für das
Prognosejahr 2040 erstellt und darin die zu erwartenden Veränderungen im
Personen- und Güterverkehr zur letzten Verkehrsprognose 2030 und zum
Analysejahr 2019 dargelegt.
Im Übrigen wird auf die Verkehrsprognose 2040 verwiesen: www.bmv.de/Shar
edDocs/DE/Artikel/G/verkehrsprognose-2040.html.
6. Welche konkreten Auswirkungen hatte die achtmonatige Sperrung der
Donnerschleuse nach Kenntnis der Bundesregierung auf den
Güterverkehr (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Der Bundesregierung liegen keine spezifischen Erkenntnisse zu den konkreten
Auswirkungen der achtmonatigen Sperrung der Donnerschleuse auf den
Güterverkehr vor.
7. Warum dauerte die Sperrung der Donnerschleuse so lange, und welche
Maßnahmen wurden ggf. zur Beschleunigung ergriffen (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Während der Bauwerksprüfung im Oktober/November 2024 wurden
standsicherheitsrelevante Schäden festgestellt und im ersten Quartal 2025 behoben.
Bei der anschließenden testweisen Wiederinbetriebnahme zeigte sich, dass
erhebliche Grundwasserdrücke auf das Bauwerk einwirken, die die
Betriebssicherheit beeinträchtigten. Die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen wurden
umgesetzt.
8. Welche Investitionen sind aktuell für den Elbe-Lübeck-Kanal sowie die
Schleuseninfrastruktur ggf. geplant?
Die Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung des Bundes nimmt am
„Elbe‑Lübeck‑Kanal (ELK)“ Maßnahmen vor, die den Betrieb gewährleisten und
die verkehrliche Nutzung verbessern. Dazu gehören der Ersatz der Schleuse
Witzeeze einschließlich Schleusenbrücke, der Ersatz der Kanalbrücken in
modernen Abmessungen sowie Optimierungen des elbseitigen Anschlusses. Der
Neubau der Straßenbrücke Basedow Lanze befindet sich in der Ausschreibung.
9. Wie bewertet die Bundesregierung den Zustand der Schleusen und
Wasserstraßen im norddeutschen Raum insgesamt?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Zustand
der Schleusen, Wehre und Brücken an den Bundeswasserstraßen“ auf
Bundestagsdrucksache 21/5465 verwiesen.
10. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um die
Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt gegenüber Straße und Schiene zu
sichern?
Die deutsche Binnenschifffahrt wird im Rahmen des neuen Haushaltstitels
„Klimafreundliche Schifffahrt und Häfen“ im Klimaschutz- und
Transformationsfonds (KTF) mit bis zu 400 Mio. Euro gefördert. Das dazu gehörende
Förderprogramm zum Aufbau Grüner Binnenschifffahrtskorridore und zur
Verkehrsverlagerung von öffentlichem Personennahverkehr und urbanen
Wirtschaftsverkehren auf die Wasserstraße wird derzeit finalisiert. Ziel der
Förderung ist die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige
Binnenschifffahrt, die eine Reduktion von Treibhausgas- und
Luftschadstoffemissionen ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht.
11. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Binnenschifffahrt am Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens aktuell, und wie
hat sich dieser entwickelt?
Auswertungen zum Modal Split zum Hamburger Hafen liegen der
Bundesregierung nicht vor.
12. Welche Maßnahmen sind ggf. geplant, um den Rückgang der
Transportmengen zu stoppen bzw. umzukehren (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Bundesregierung lässt die Studie „Ermittlung neuer Märkte für die
deutsche Güterbinnenschifffahrt bis zum Jahr 2040“ erarbeiten. Ziel der Studie ist
es, wachstumsträchtige Marktsegmente für die Binnenschifffahrt in
Deutschland zu analysieren und eine Entscheidungs- und Planungsgrundlage für
Investitionen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung im
Rahmen des Förderprogramms zur nachhaltigen Modernisierung von
Binnenschiffen seit 2024 die bauliche Anpassung von Güterschiffen zur Erschließung
neuer Märkte.
13. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung zu der Aussage
gebildet, dass infrastrukturelle Engpässe und Sperrungen zu dauerhaften
Verkehrsverlagerungen führen, und wenn ja, wie lautet diese?
Das Ziel der Bundesregierung ist eine leistungsfähige, verlässliche und
zukunftsorientierte Wasserstraßeninfrastruktur, die fest in die nationalen und
europäischen Logistikketten eingebunden ist. Voraussetzung ist der
bedarfsgerechte Erhalt der Bundeswasserstraßen.
14. Welche konkreten Projekte zur Modernisierung und zum Ausbau der
Bundeswasserstraßen sind im Bereich Elbe, Elbe-Seitenkanal und Elbe-
Lübeck-Kanal ggf. geplant?
An der Elbe werden die Maßnahmen im Rahmen des Gesamtkonzeptes Elbe
umgesetzt. Zum Elbe‑Lübeck‑Kanal wird auf die Antwort zur Frage 8
verwiesen. Am Elbe‑Seitenkanal (ESK) ist das BVWP‑Projekt Nr. W12
„Vorgezogener Ersatzneubau einer Schleuse in Lüneburg‑Scharnebeck“ geplant. Zudem
wird das Schiffshebewerk Lüneburg instandgesetzt, um die sichere und
zuverlässige Befahrbarkeit des ESK bis zur Inbetriebnahme der neuen Schleuse
sicherzustellen.
15. Wann ist mit einer nachhaltigen Stabilisierung der Verkehrsleistungen
auf diesen Wasserstraßen zu rechnen?
Die Verkehrsprognose 2040 geht für die Binnenschifffahrt von einer
Verkehrsmenge von rd. 174 Mio. Gütertonnen bzw. einer Verkehrsleistung von rd.
48 Mrd. Tonnenkilometern aus.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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