Mögliche Verkehrsverlagerung weg von der Bundeswasserstraße und Auswirkungen auf die Binnenschifffahrt (Antwort zu Drs. 21/3381)
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Mögliche Verkehrsverlagerung weg von der Bundeswasserstraße und Auswirkungen auf die Binnenschifffahrt (Antwort zu Drs. 21/3381)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3665
21. Wahlperiode 08.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Bochmann, Wolfgang Wiehle,
Alexis L. Giersch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3381 –
Mögliche Verkehrsverlagerung weg von der Bundeswasserstraße und
Auswirkungen auf die Binnenschifffahrt
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundeswasserstraßen bilden eine zentrale Transportachse für den
energieeffizienten Güterverkehr. Dennoch deuten nach Ansicht der Fragesteller
aktuelle Entwicklungen darauf hin, dass deren Bedeutung (politisch)
zurückgedrängt wird. Aktuelle Quellen belegen, dass der Haushaltsentwurf 2025
Kürzungen der Wasserstraßenunterhaltung vorsieht (www.schifffahrtundtechni
k.de/nachrichten/verkehrspolitik/bundeshaushalt-2025-bdb-kritisiert-kuerzung
en-bei-ausbildung-und-flottenmodernisierung-3681786; bei gleichzeitigem
Aufwuchs für „Erhaltung“ sowie „Ersatz, Aus- und Neubau“).
Die Verkehrsausschuss-Anhörung im Mai 2024 bestätigte einen
fortbestehenden Investitionsstau (www.bundestag.de/webarchiv/Ausschuesse/ausschuesse
20/a15_verkehr/anhoerungen/995226-995226).
Der GDWS-Verkehrsbericht (GDWS = Generaldirektion Wasserstraßen und
Schifffahrt) 2024 weist stagnierende bzw. rückläufige Transportmengen auf
(www.gdws.wsv.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Verkehrsberichte/Verk
ehrsbericht_2024.pdf?__blob=publicationFile&v=2), obwohl der
Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt e. V. (BDB) einen leichten Zuwachs der
Transportmengen verzeichnet (www.binnenschiff.de/wp-content/uploads/202
5/10/Daten-Fakten_2024-2025.pdf).
Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) verweist nach Wahrnehmung der
Fragesteller auf zunehmende Nutzungskonflikte und fehlende systemische
Leistungsabsicherung (https://izw.baw.de/publikationen/geschaeftsberichte/0/
BAW-Geschaeftsbericht_2024.pdf)
Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht der Fragesteller die Frage, ob die
Bundesregierung eine strukturelle Verkehrsverlagerung weg von der
Wasserstraße hin zu Schiene und Straße betreibt (https://binnenschifffahrt-online.de/2
025/10/featured/37748/bund-sieht-nur-geringes-verlagerungspotenzial-auf-wa
sserstrassen/?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaig
n=30.10.25+Kampagnen-Name&utm_content=Mailing_16613914).
Auch die Bundeswasserstraße Elbe verliert für die Binnenschifffahrt
zunehmend an Bedeutung aufgrund fehlender Fahrwassertiefen (www.spiegel.de/pa
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 8. Januar 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
norama/elbe-wasserstaende-gefaehrden-schifffahrt-und-werften-das-grosse-zit
tern-a-17a1cc91-33c9-4988-ac47-465a4ccfc0db).
Parallel gibt es aber eine Studie des Umweltbundesamtes, die empfiehlt,
Wasser aus der Elbe in die Spree zu leiten, was nach Meinung der Fragesteller der
Elbe noch weniger Schiffbarkeit bringt und die Umsetzung des
Gesamtkonzeptes Elbe (GKE) infrage stellt (www.umweltbundesamt.de/sites/default/file
s/medien/3521/publikationen/20230601_factsheet_braunkohleausstieg.pdf
und www.gesamtkonzept-elbe.de/Webs/Projektseite/GkElbe2020/DE/Home/h
ome_node.html).
1. Welche strategische Rolle misst die Bundesregierung im
Bundesverkehrswegeplan dem Verkehrsträger Wasserstraße im Vergleich zu
Schiene und Straße bei?
Die Förderung klima- und umweltfreundlicher Verkehrsträger, wie der
Wasserstraße, ist ein Schwerpunkt der Verkehrspolitik. Die Verbesserung der Qualität
der Hinterlandanbindung der deutschen Seehäfen und der Hinterlandanbindung
der für Deutschland wichtigen Rheinmündungshäfen stehen ebenfalls im Fokus
der Investitionspolitik im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans (BVWP)
2030.
2. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Analyse
des Verkehrsausschusses vom Mai 2024, wonach ein struktureller
Investitionsstau bei Schleusen und Anlagen besteht, und wo setzt sie nunmehr
Prioritäten?
Sanierung und Modernisierung der in die Jahre gekommenen Verkehrswege –
auch der Wasserstraßen – sind bereits im Koalitionsvertrag für die 21.
Legislaturperiode als verkehrspolitischer Schwerpunkt verankert. Dort heißt es
dementsprechend, dass für die Ertüchtigung der Infrastruktur aus Wasserstraßen,
Schleusen, See- und Binnenhäfen eine auskömmliche zusätzliche Finanzierung
mit Planungssicherheit sichergestellt werden soll.
3. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den
Transportmengenentwicklungen (laut GDWS-Verkehrsbericht 2024), obwohl
der BDB einen leichten Zuwachs verzeichnet?
Grundlage für die strategische Planung der Bundeswasserstraßen ist
ausschließlich das auf dem BVWP 2030 basierende Bundeswasserstraßenausbaugesetz
(WaStrAbG) bzw. der diesem anhängende Bedarfsplan Wasserstraße. Gemäß
§ 4 WaStrABG prüft die Bundesregierung nach Ablauf von fünf Jahren, ob der
Bedarfsplan an die Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung anzupassen ist
(Bedarfsplanüberprüfung, BPÜ). Die Ergebnisse der Ende 2024 abgeschlossenen
BPÜ zeigen, dass derzeit Gesetzesänderungen nicht erforderlich sind.
4. Inwiefern wurden die geplanten Kürzungen im Haushaltsentwurf 2025
bei der Wasserstraßenunterhaltung im Hinblick auf die Systemrelevanz
der Binnenschifffahrt begründet?
Im Bundeshaushalt 2026 sind für die Wasserstraßen 1,823 Mrd. Euro
veranschlagt. Die Bundesregierung hält daran fest, alle notwendigen und baureifen
Maßnahmen umzusetzen.
5. Droht der Wasserstraße ohne planerische Leistungsabsicherungen ein
Funktionsverlust?
8. Wenn Frage 6 verneint wird, welche Maßnahmen beabsichtigt die
Bundesregierung, um die Leistungsfähigkeit der Bundeswasserstraßen
nachhaltig zu sichern?
Die Fragen 5 und 8 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Oberste Priorität bei den Investitionen in die Wasserstraßeninfrastruktur haben
Sicherheit und Ersatzinvestitionen – Schleusen und Wehre an den
Wasserstraßen müssen funktionieren.
6. Gibt es innerhalb der Bundesregierung Überlegungen, den Güterverkehr
systematisch von der Wasserstraße auf die Schiene zu verlagern?
7. Wenn Frage 6 bejaht wird, welche Zeitachsen, Branchenbereiche und
Logistikkorridore betrifft dies konkret?
Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nein.
9. Gibt es seitens der Bundesregierung Bestrebungen, dass GKE schneller
als geplant umzusetzen?
Die Umsetzung des Gesamtkonzepts Elbe erfolgt, wie dies von Bund und
Ländern beschlossen wurde.
10. Steht die Bundesregierung bezüglich der Umsetzung des GKE mit der
tschechischen Regierung in Verbindung, und welche Maßnahmen
werden in Zusammenarbeit geplant?
Das Gesamtkonzept Elbe ist sowohl Grundlage für die Maßnahmenumsetzung
als auch des deutsch-tschechischen Regierungsabkommens.
11. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, den Wasserhaushalt in der Spree
sicherzustellen, und wenn ja, welche wären das?
Nein, denn die Angelegenheiten der Wasserwirtschaft liegen in der
Zuständigkeit der Länder.
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