Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/5398)
Text
Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/5398)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5670
21. Wahlperiode 29.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Bochmann, Alexis L. Giersch,
Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5398 –
Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen, Investitionsstau bei
Schleusenanlagen und Widerspruch zur Verkehrspolitik der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundeswasserstraßen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen
Verkehrs- und Logistikinfrastruktur. Sie verbinden die deutschen Seehäfen mit
den industriellen Zentren im Binnenland und ermöglichen große
Transportleistungen mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch und niedrigen
Emissionen.
Trotz dieser zentralen Bedeutung weisen zahlreiche Infrastrukturberichte,
Fachverbände der Binnenschifffahrt sowie Vertreter der Hafenwirtschaft seit
Jahren auf einen erheblichen Investitionsstau bei Schleusen, Wehren, Kanälen
und sonstigen wasserbaulichen Anlagen hin. Ein erheblicher Teil der
Schleusenanlagen stammt noch aus den Ausbauphasen der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Viele Anlagen sind heute 70 bis über 100 Jahre alt und erreichen
zunehmend ihre technischen Belastungsgrenzen.
Wiederkehrende Störungen, lange Reparaturzeiten und ungeplante Sperrungen
führen bereits heute zu erheblichen Beeinträchtigungen der Binnenschifffahrt.
Besonders kritisch ist die Situation an zentralen Wasserstraßenkorridoren wie
dem Mittellandkanal, dem Elbe-Seitenkanal, der Elbe sowie wichtigen
Verbindungen zwischen den Seehäfen und den industriellen Kernregionen
Deutschlands.
Der Ausfall einzelner Schleusenanlagen kann ganze Transportketten
unterbrechen und erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Binnenhäfen,
Industrie- und Logistikunternehmen sind jedoch auf eine zuverlässige
Wasserstraßeninfrastruktur angewiesen.
Gleichzeitig verfolgt die Bundesregierung das politische Ziel, mehr
Güterverkehr von der Straße auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wie Schiene und
Wasserstraße zu verlagern.
Vor diesem Hintergrund erscheint es widersprüchlich, dass die Wasserstraße
als einziger Bundesverkehrsweg bislang nicht im zum 1. Januar 2025 in Kraft
getretenen Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK)
berücksichtigt wurde. Das kritisieren auch die Regierungschefs der Bundeslän-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 28. April 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
der (www.rlp.de/fileadmin/02/MPK_Vorsitz/Beschluesse_MPK_5._Maerz_B
erlin/TOP_14_Finanzierung_der_Bundeswasserstrassen.pdf).
1. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Investitionsstau bei
Schleusen, Wehren und sonstigen Anlagen der Bundeswasserstraßen?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der
Fraktion BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN „Aktuelle Situation der Binnenschifffahrt“
auf Bundestagsdrucksache 21/2328 verwiesen.
2. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der gesamte
Investitionsstau bei den Bundeswasserstraßen (bitte nach Bauwerksarten
aufschlüsseln)?
3. Wie viele Schleusenanlagen an Bundeswasserstraßen sind derzeit älter
als 50 Jahre, 75 Jahre und 100 Jahre?
4. Welche Schleusenanlagen gelten derzeit als besonders störanfällig oder
befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung in einem kritischen
technischen Zustand?
5. Wie viele ungeplante Sperrungen von Schleusen oder Wasserbauwerken
gab es in den vergangenen zehn Jahren (bitte nach Wasserstraße und
Dauer der Sperrung aufschlüsseln)?
Die Fragen 2 bis 5 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der
Fraktion BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN „Zustand der Schleusen, Wehre und
Brücken an den Bundeswasserstraßen“ auf Bundestagsdrucksache 21/5465
verwiesen.
6. Welche wirtschaftlichen Schäden für die Industrie, Binnenhäfen und
Logistikunternehmen entstehen nach Einschätzung der Bundesregierung
durch solche Sperrungen (vgl. Frage 5)?
Eine statistische Erfassung der wirtschaftlichen Auswirkungen von
Schadensfällen liegt nicht vor.
7. Welche Wasserstraßenkorridore bewertet die Bundesregierung als
systemrelevant für die Versorgung der Industrie und die
Hinterlandanbindung der deutschen Seehäfen?
Zum Kernnetz der Bundeswasserstraßen zählen Seeschifffahrtsstraßen mit einer
Transportleistung von mehr als 1 Mio. Gütertonnen pro Jahr und
Binnenschifffahrtsstraßen mit einer Transportleistung von mehr als 0,6 Mio. Gütertonnen
pro Jahr. Hierbei werden die aktuelle bzw. prognostizierte Güterverkehrsmenge
auf den Wasserstraßenrelationen betrachtet. Beim Erhalt der Wasserstraßen
werden prioritär sicherheitsrelevante Maßnahmen und solche mit hoher
gesamtwirtschaftlicher verkehrlicher Relevanz vorangetrieben.
8. Welche konkreten Investitionsmaßnahmen an Schleusen, Kanälen und
Wehren sind bis 2030 ggf. geplant (bitte nach Wasserstraße und
Investitionsvolumen aufschlüsseln)?
9. Welche jährlichen Haushaltsmittel wären nach Einschätzung der
Bundesregierung erforderlich, um den bestehenden Investitionsstau innerhalb
der nächsten zehn bis 15 Jahre abzubauen?
Die Fragen 8 und 9 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Zustand
der Schleusen, Wehre und Brücken an den Bundeswasserstraßen“ auf
Bundestagsdrucksache 21/5465 verwiesen.
10. Aus welchen Gründen wurden die Bundeswasserstraßen bislang nicht im
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität berücksichtigt?
11. Plant die Bundesregierung, die Bundeswasserstraßen künftig in das
Sondervermögen aufzunehmen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Die Fragen 10 und 11 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Aktuelle
Situation der Binnenschifffahrt“ auf Bundestagsdrucksache 21/2328 verwiesen.
12. Wie bewertet die Bundesregierung den Widerspruch zwischen dem
politischen Ziel der Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche
Verkehrsträger und der aktuell unzureichenden finanziellen Ausstattung der
Wasserstraßeninfrastruktur?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Aktuelle
Situation der Binnenschifffahrt“ auf Bundestagsdrucksache 21/2328 verwiesen.
13. Welche Auswirkungen hätte nach Einschätzung der Bundesregierung der
längerfristige Ausfall zentraler Schleusenanlagen auf wichtigen Ost-
West- oder Nord-Süd-Wasserstraßenkorridoren für die Industrie, Häfen
und Logistikketten?
Zu hypothetischen Fragestellungen nimmt die Bundesregierung nicht Stellung.
14. Welche Rolle spielen nach Einschätzung der Bundesregierung die
Bundeswasserstraßen für die Nationale Hafenstrategie und für europäische
Logistikkorridore?
Die Erreichbarkeit von Häfen über Bundeswasserstraßen ist ein entscheidender
Wettbewerbsfaktor jedes Hafenstandorts. Wie alle Verkehrsinfrastrukturen, die
Bestandteil der multimodal angelegten Europäischen Verkehrskorridore sind,
leisten auch Bundeswasserstraßen einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung
nachhaltiger und multimodaler Güter- und Personenverkehrsströme in Europa.
15. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die
Zuverlässigkeit, Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit der
Bundeswasserstraßen dauerhaft sicherzustellen?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Aktuelle
Situation der Binnenschifffahrt“ auf Bundestagsdrucksache 21/2328 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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