Gute Arbeit, tarifliche Standards und sichere Arbeitsplätze auch für das Leistungssportpersonal (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4540)
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Gute Arbeit, tarifliche Standards und sichere Arbeitsplätze auch für das Leistungssportpersonal (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4540)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5556
21. Wahlperiode 24.04.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Sport und Ehrenamt (5. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Jorrit Bosch, Nicole Gohlke,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/4540 –
Gute Arbeit, tarifliche Standards und sichere Arbeitsplätze auch für das
Leistungssportpersonal
A. Problem
Der deutsche Spitzensport ist auf qualifizierte Trainerinnen und Trainer
angewiesen, doch der Beruf bietet häufig wenig attraktive Arbeitsbedingungen und
befindet sich in einer Krise. Mehr als die Hälfte der Bundestrainerinnen und -trainer
arbeitet unter befristeten oder unsicheren Vertragsbedingungen ohne klare
Perspektive. Diese Unsicherheit erschwert die Lebensplanung und führt zu
psychischer Belastung und teilweise zum Ausstieg aus dem Beruf.
Die antragstellende Fraktion identifiziert Ursachen der problematischen
Beschäftigungsverhältnisse des Leistungssportpersonals und fordert Maßnahmen des
Bundes zur Verbesserung der Situation.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und
SPD gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der
Fraktionen AfD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Kosten wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/4540 abzulehnen.
Berlin, den 22. April 2026
Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt
Aydan Özoğuz
Vorsitzende
Artur Auernhammer
Berichterstatter
Lars Schieske
Berichterstatter
Bettina Lugk
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Christian Görke
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Artur Auernhammer, Lars Schieske, Bettina Lugk,
Dr. Ophelia Nick und Christian Görke
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat den Antrag auf Drucksache 21/4540 in seiner 68. Sitzung am 26. März 2026 in
erster Lesung beraten und zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt und zur
Mitberatung an den Haushaltsausschuss und den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die antragstellende Fraktion Die Linke identifiziert als Ursache der problematischen Beschäftigungsverhältnisse
des Leistungssportpersonals vor allem die fehlende langfristige Finanzierung durch den Bund. Auch die
Bezahlung sei problematisch. Mit durchschnittlich 50 000 bis 55 000 Euro brutto jährlich liege das Einkommen deutlich
unter vergleichbaren Berufen mit ähnlicher Verantwortung. Zudem mangele es an Transparenz, was zu
ungerechtfertigten Gehaltsunterschieden führe. Nur etwa 20 Prozent der Trainerinnen und Trainer würden ihren Beruf
weiterempfehlen, was den Attraktivitätsverlust deutlich mache. Hinzu komme eine hohe Arbeitsbelastung von 50
bis 60 Stunden pro Woche bei gleichzeitig unzureichendem Freizeitausgleich. Viele Trainerinnen und Trainer
berichteten von Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Diese Bedingungen führten dazu, dass
Leistungssportpersonal ins Ausland abwandere oder den Spitzensport ganz verlasse. Dadurch gehe wertvolle
Expertise verloren, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwäche. Ein weiteres Problem sei die
fehlende Kopplung von Gehalt und Qualifikation. Höhere akademische Abschlüsse würden derzeit kaum
honoriert, was Anreize für Weiterbildung mindere und die wissenschaftliche Qualität der Trainingsarbeit
beeinträchtige. Obwohl Reformkonzepte und Tarifvorschläge von Verbänden und Organisationen vorlägen und weitgehend
Konsens bestehe, fehle bislang der politische Wille zur Umsetzung. Eine faire, an den Tarif des öffentlichen
Dienstes (TVöD Bund) gebundene Bezahlung sei dringend notwendig, um die Zukunft des deutschen
Spitzensports zu sichern. Die Fraktion Die Linke fordert dazu als konkrete Maßnahmen eine Anpassung der
Förderrichtlinie des Bundes zur „Förderung von Bundessportfachverbänden“, die Erhöhung des Haushaltstitels zur
Förderung von Bundesportverbänden (Einzelplan 04, Titelgruppe 02, Titel 684 21) im Regierungsentwurf zum Haushalt
2027 und die Setzung von verbindliche Mindeststandards zu arbeitsvertraglichen Bedingungen des
Leistungssportpersonals in den Zuwendungs- und Förderkriterien für Bundessportfachverbände.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/4540 in seiner 35. Sitzung am 22. April 2026 beraten
und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Fraktion Die
Linke bei Stimmenthaltung der Fraktionen AfD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den Antrag abzulehnen.
Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat den Antrag auf Drucksache 21/4540 in seiner 28. Sitzung am 22.
April 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktionen AfD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den Antrag
abzulehnen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt hat den Antrag auf Drucksache 21/4540 in seiner 22. Sitzung am
22. April 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen
der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktionen AfD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den Antrag
abzulehnen.
Die Fraktion der CDU/CSU erklärte, das es unbestreitbar und auch mittlerweile gesicherte Erkenntnis sei, dass
die Trainer im Leistungssport in Deutschland eine Besserstellung benötigten. Sie hätten es sich auch verdient. Der
Bundesregierung sollte die gebotene Zeit gegeben werden, diesem Anliegen nachzukommen, das bereits im
Koalitionsvertrag mit einem eigenen Absatz verankert worden sei. Da es keinen Zweifel daran gebe, dass die
Bundesregierung die Vorhaben des Koalitionsvertrages umsetze, bedürfe es des vorliegenden Antrags nicht. Er sei
daher abzulehnen.
Die Fraktion der AfD erklärte, sie habe bereits in einem Antrag im Jahr 2022 (Drucksache 20/2596) auf die
schlechte Arbeitssituation der Trainer und des Leistungssportpersonals hingewiesen und sich für eine Erhöhung
ausgesprochen. Der Forderung nach besseren arbeitsrechtlichen Bedingungen, fairer Bezahlung und mehr
Sicherheit für Bundestrainer und das Leistungssportpersonal sei angesichts der Missstände im deutschen Spitzensport
grundsätzlich zuzustimmen. Befristungen, geringe Löhne und fehlende Anreize führten zu einem massiven
Attraktivitäts- und Reputationsverlust dieses Berufsstands. Die in dem Antrag verwendete Gendersprache führe zu
an Unleserlichkeit grenzender Verkomplizierung und Verfremdung unserer Sprache und sei Ausdruck einer
ideologischen Auffassung, die in der Amtssprache keinen Platz habe. Um auch Menschen mit sprachlichen und/oder
kognitiven Einschränkungen erreichen zu können, solle eine korrekte, natürliche und ideologiefreie Ausdrucks-
und Schreibweise verwendet werden. Der Rat für deutsche Rechtschreibung habe sich ausschließlich gegen
Sonderzeichen im Wortinnern ausgesprochen, dem sich die Fraktion der AfD anschließe. Aufgrund dessen votiere
die AfD-Fraktion mit Enthaltung.
Die Fraktion der SPD erklärte, dass sie das grundsätzliche Anliegen, die Arbeitsbedingungen des
Leistungssportpersonals im Spitzensport zu verbessern, ausdrücklich unterstütze. Daher habe die Koalition bereits im
Haushalt 2025 für einen kräftigen Aufwuchs bei den Fördermitteln für das Leistungssportpersonal gesorgt. Zudem
habe die Koalition im Koalitionsvertrag eine Traineroffensive vereinbart. Diese beinhalte unter anderem eine
Anpassung der Förderhöchstgrenzen in der „Förderrichtlinie Verbände“, außerdem solle ein Maßnahmenpaket
zur Stärkung der Trainerinnen und Trainer aufgelegt werden. Auch mit dem Sportfördergesetz wolle man die
Situation des Leistungssportpersonals verbessern. Der vorliegende Antrag werde der Komplexität des
Spitzensportsystems hingegen nicht gerecht. So ignoriere der Antrag, dass neben nötigen politischen Maßnahmen auch
der DOSB in der Pflicht sei, bestehende Vereinbarungen wie das Konzept zur „Verbesserung der
arbeitsvertraglichen Rahmenbedingungen für Trainer*innen“ aus dem Dezember 2018 konsequenter umzusetzen. Insgesamt
sei der Antrag nicht zielführend, daher lehne die SPD den Antrag ab.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hob die Übereinstimmung mit dem grundsätzlichen Antragsziel
hervor, die Situation der Bundestrainerinnen und -trainer zu verbessern. Auch die Verbesserung bei den
Vertragslaufzeiten für das Leistungssportpersonal fordere man bereits seit längerer Zeit. Allerdings verkenne der Antrag,
dass Vertragsangelegenheiten in der Zuständigkeit der Sportverbände lägen. Man schließe sich auch grundsätzlich
der Forderung nach Anhebung der Bundesförderung für das Leistungssportpersonal an. Die von der
antragstellenden Fraktion in den letzten Haushaltsberatungen geforderte Aufstockung um 35 Mio. Euro sehe man jedoch
weiterhin als nicht realisierbar in der derzeitigen Haushaltssituation an. Es dürfe nicht noch stärker nach dem
Gießkannenprinzip gefördert werden, sondern die seit längerer Zeit angekündigte Traineroffensive und das
geplante Sportfördergesetz müssten einen zukunftsfähigen Förderrahmen aufzeigen. Diesen notwendigen Reformen
wolle man nicht vorgreifen und die geplante unabhängige Sportagentur vor vollendete Tatsachen stellen. In der
Gesamtschau der Argumente habe man sich daher beim vorliegenden Antrag enthalten.
Die Fraktion Die Linke unterstrich, dass nicht nur die Athleten, sondern auch die Trainer und das gesamte
Leistungssportpersonal einen wichtigen Anteil an den Erfolgen des deutschen Leistungssports hätten. Es brauche
daher einen echten Paradigmenwechsel, der Kettenbefristungen und einer Bezahlung, die Qualifikation und
Verantwortung nicht widerspiegelt, ein Ende setzte. Aus diesem Grund habe die Fraktion Die Linke den Antrag gestellt.
Berlin, den 22. April 2026
Artur Auernhammer
Berichterstatter
Lars Schieske
Berichterstatter
Bettina Lugk
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Christian Görke
Berichterstatter
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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