Internationale Kritik am Milchviehfutterzusatz Bovaer - Aktuelle Situation in Deutschland
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Internationale Kritik am Milchviehfutterzusatz Bovaer - Aktuelle Situation in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4722
21. Wahlperiode 17.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Reck Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder
und der Fraktion der AfD
Internationale Kritik am Milchviehfutterzusatz Bovaer – Aktuelle Situation in
Deutschland
Bovaer ist ein vom niederländischen Unternehmen DSM Firmenich (www.ds
m-firmenich.com/anh/home.html) entwickeltes Futterzusatzmittel. Es enthält 3-
Nitrooxypropanol (3-NOP), eine Verbindung, die methanproduzierende
Enzyme im Verdauungssystem einer Kuh hemmen soll (Anmerkung der
Fragesteller: Das ist fachlich falsch. Methan wird durch im Darm ansässige Bakterien
produziert; korrekt müsste es also heißen: „[…] Verbindung, welche die
methanbildenden Bakterien im Verdauungssystem der Kühe in ihrer Aktivität
beim letzten Schritt der Methanogenese hemmt.“). Es soll die
Methanemissionen um bis zu 30 Prozent pro Tier senken können. Interessant dabei ist in den
Augen der Fragesteller, dass Bovaer in einem ersten Feldversuch in Neuseeland
getestet wurde, dort aber keine Zulassung durch die zuständige Behörde
Agricultural Compounds and Veterinary Medicines (ACVM) (www.farmersweekly.
co.nz/technology/bovaer-making-waves-on-methane-but-not-in-nz/) erlangt
hat. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hingegen
kam zu dem Schluss, dass Bovaer kein Risiko für Milchkühe darstelle (https://e
fsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2021.6905). Daraufhin
genehmigte die EU-Kommission den Futterzusatz 2022 für die Verwendung in der
Milchviehfütterung. „Als die Kunden in Großbritannien hörten, dass die
Molkereigenossenschaft Arla den Methaninhibitor Bovaer bei der Fütterung von
Kühen testweise einsetzt, hagelte es Beschwerden und Boykottaufrufe. Dort
machen Kritiker Stimmung gegen das Mittel. Sie warnen vor Problemen mit
der Sicherheit bestimmter darin enthaltener Verbindungen und Auswirkungen
auf die menschliche Gesundheit. Milchverarbeiter distanzieren sich in den
sozialen Medien von Arla Foods und seinem Test des Futterzusatzes Bovaer der
Firma DSM auf britischen Milchviehbetrieben“ (www.topagrar.com/rind/news/
shitstorm-gegen-arla-wegen-methan-reduzierter-milchviehfutterung-mit-bovae
r-a-20009467.html).
Dänische Milchviehbetriebe mit mehr als 50 Kühen müssen laut Gesetz seit
dem Jahr 2025 den Futtermittelzusatz Bovaer zufüttern, um Methanemissionen
zu verringern. Nun treten vermehrt akute Krankheitsfälle wie „geringere
Futteraufnahme, gefallene Milchleistung oder sogar Zusammenbrechen der Kühe“
auf. Landwirte führen das auf den Futtermittelzusatzstoff Bovaer zurück.
„Derzeit mischen rund 1 400 Landwirte das gesetzlich vorgeschriebene Futtermittel
ihrer Ration bei. In den darauffolgenden Wochen traten in einigen Betrieben die
genannten Probleme auf, sodass teilweise sogar Tiere eingeschläfert werden
mussten. In mehreren Fällen sollen Landwirte die Fütterung des Zusatzstoffes
eingestellt haben, woraufhin sich die Tiere erholten. Bei erneutem Einsatz
sollen die Probleme wieder aufgetreten sein“ (www.topagrar.com/rind/news/land
wirte-aus-danemark-vermuten-bovaer-als-grund-fur-kranke-kuhe-b-2001970
6.html). Negative Schlagzeilen und virale Bildposts zu Bovaer verbreiten sich
auf vielen Seiten und in Chatgruppen im Netz.
Wie die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ (VG) berichtet, streicht Tine, die
größte Molkerei des Landes, Milch von Kühen, die mit Bovaer gefüttert
wurden. Man werde keine Produkte mehr von Kühen an Verbraucher liefern, deren
Futter mit den Methanhemmern versetzt wurde. Der methanhemmende
Futterzusatz Bovaer hat in letzter Zeit viel Kritik erfahren. Es besteht der Verdacht,
dass der Zusatz zu Krankheiten bei Kühen führen kann. Deshalb werde die
Verwendung nun eingestellt. Tine reagiere damit auf die zunehmende Skepsis
sowohl bei Verbrauchern als auch bei Milchbauern. Gine Wang-Reese,
Konzernleiterin für Kommunikation, Politik und Eigentümerorganisation bei Tine,
erklärte: „Die Rücksichtnahme auf die Verbraucher und das Vertrauen in
norwegische Milch haben großes Gewicht. Bovaer ist eines von mehreren
Instrumenten zur Emissionsreduzierung. Der Klimawandel muss auf eine Weise erfolgen,
die breites Vertrauen genießt – bei den Landwirten, Verbrauchern und unseren
Kunden“ (www.agrarheute.com/tier/rind/futterzusatz-unerwuenscht-molkerei-s
treicht-milch-bovaer-kuehen-638794).
In Deutschland gab es vor allem Pilotprojekte auf einzelnen Höfen (www.zdfhe
ute.de/panorama/kuehe-sterben-bovaer-methan-klimaschutz-faktencheck-10
0.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind der Bundesregierung die Berichte aus dem Ausland über mögliche
Gesundheitsschäden durch das Futterzusatzmittel Bovaer bekannt?
2. Wenn Frage 1 bejaht wird, in welcher Form, und wann hat die
Bundesregierung ggf. auf diese Berichte reagiert?
3. Wenn Frage 1 bejaht wird, es auf diese Berichte aber bisher keinerlei
Reaktion der Bundesregierung gegeben hat, warum nicht (bitte einzelne
Gründe benennen)?
4. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse über die Qualität der am Markt
befindlichen Präparate im Allgemeinen, des Präparats Bovaer im
Speziellen, des niederländischen Unternehmens DSM Firmenich vor (wenn ja,
bitte ausführen)?
5. Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, Bovaer oder
wirkstoffähnliche Mittel, ähnlich, wie in Dänemark, per Gesetz verabreichen zu
lassen?
6. Wenn Frage 5 bejaht wird, welche Anzahl an Tieren je Betrieb soll als
Kenngröße für die gesetzlich verordnete Verabreichung von Bovaer oder
wirkstoffähnlichen Mitteln herangezogen werden, wie viele Betriebe und
wie viele Tiere wären davon betroffen (bitte nach Bundesländern, Anzahl
der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein, Anzahl der Milchkühe,
Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?
7. In wie vielen deutschen landwirtschaftlichen Betrieben wurde bzw. wird
Bovaer nach Kenntnis der Bundesregierung bereits eingesetzt (bitte nach
Bundesländern, Anzahl der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein,
Anzahl der Milchkühe, Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?
8. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland dem
Futterzusatzmittel Bovaer in Zusammensetzung, Wirkung und Zielsetzung
vergleichbare Futterzusätze eingesetzt?
9. Wenn Frage 8 bejaht wird, welche Mittel sind das, und an wie viele Tiere
werden diese Mittel verabreicht (bitte je Mittel nach Bundesländern,
Anzahl der Betriebe bzw. Anzahl der Rinder allgemein, Anzahl der
Milchkühe, Anzahl der restlichen Wiederkäuer auflisten)?
10. Gibt es auch zu den möglicherweise in Frage 9 genannten Futterzusätzen
negative Berichte (bitte die negativen Auswirkungen, Krankheitsbilder
und Schadensfolgen auflisten)?
11. Setzt, sollten sich die berichteten Krankheitsfälle als ursächlich
Bovaerbedingt herausstellen, die deutsche Bundesregierung die Zulassung von
Bovaer aus, und
a) wenn ja, in welchem Zeitrahmen,
b) wenn nein, warum nicht (bitte die Gründe auflisten)?
12. Würde dieser Zulassungsentzug aus Sicherheitsüberlegungen auch für alle
anderen mit Bovaer in Zusammensetzung sowie in Wirkung und
Zielsetzung vergleichbaren Futterzusätze gelten, und wenn nein, warum nicht
(bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige Begründung auflisten)?
13. Werden von der Bundesregierung weitergehende Untersuchungen
betreffend eine Gefährdung für den Menschen bzw. Konsumenten durch Bovaer
und wirkstoffähnliche Mittel angedacht?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden das sein (bitte nach Art,
Umsetzungszeitpunkt, Auswirkung aufschlüsseln)?
b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige
Begründung auflisten)?
14. Sind seitens der Bundesregierung Maßnahmen angedacht, bis zur
endgültigen Klärung der Sachlage, Milch und andere Milchprodukte (z. B.
Joghurt, Butter, Molke, Käse, …) von mit Bovaer und/oder
wirkstoffähnlichen Mitteln gefütterten Kühen nicht in den Lebensmittelhandel gelangen
zu lassen?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen werden das sein (bitte nach Art,
Umsetzungszeitpunkt, Auswirkung aufschlüsseln)?
b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige
Begründung auflisten)?
15. Wird es bei Bestätigung der Gesundheitsgefährdung durch Bovaer und/
oder wirkstoffähnliche Mittel für Tier und Mensch für nachweislich
betroffene Landwirte eine Entschädigung (unbürokratisch, schnell,
kostenneutral) geben?
a) Wenn ja, welcher Art, in welcher Form, und wofür (Tier,
Futterzusatzmittel, Tierarzt)?
b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige
Begründung auflisten)?
16. Wird es bei Bestätigung der Gesundheitsgefährdung durch Bovaer und/
oder wirkstoffähnliche Mittel für Tier und Mensch für nachweislich
betroffene Konsumenten eine Entschädigung (unbürokratisch, schnell,
kostenneutral) geben?
a) Wenn ja, welcher Art, in welcher Form und wofür (Medikamente,
medizinische Versorgung, Arzt etc.)?
b) Wenn nein, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe und die jeweilige
Begründung auflisten)?
Berlin, den 16. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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