Marktstruktur der deutschen Milchwirtschaft
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Marktstruktur der deutschen Milchwirtschaft
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/481
21. Wahlperiode 13.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Michael Blos, Olaf
Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Marktstruktur der deutschen Milchwirtschaft
Die deutsche Milchproduktion ist seit Jahren durch eine Kostenunterdeckung
gekennzeichnet. Viele Milchhöfe müssen für ihre Existenzsicherung die
Querfinanzierung von Familienpartnern oder Investoren akzeptieren (www.topagra
r.com/rind/news/was-kostet-aktuell-die-milcherzeugung-a-20013526.html).
Die Interessenvertretung der deutschen Milchviehhalter fordert einen
vollkostendeckenden Milcherzeugerpreis, die Schaffung eines effizienten
Sicherheitsmanagements für den Milchmarkt, sowie konkrete Vertragsvereinbarungen für
die Rohmilchlieferungen (www.bdm-verband.de/wp-content/uploads/2020/08/
BDM-Leitlinien-2018_neu2020.pdf).
Die angelieferte Milchmenge ist durch das System des Wachsen oder Weichen
über die Jahre zurückgegangen, wobei aber die Zahl der Milchviehbetriebe
drastisch sinkt. Das gesellschaftliche Umfeld und die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen sind in der Milchbranche seit Jahren schwieriger geworden. Sogar
die Hofnachfolge für erfolgreiche Betriebe gestaltet sich immer schwieriger
(www.elite-magazin.de/markt/milchwoche-ganz-deutschland-verliert-milch-23
454.html www.landundforst.de/tier/rind/milchviehbetrieb-ohne-
hofnachfolgerso-brachte-neffe-wende-573166).
Der Strukturwandel auch bei den Biomilchbetrieben wird durch neue, hohe
gesetzliche Auflagen noch weiter verschärft (www.topagrar.com/rind/news/bayeri
scher-landtag-will-ausnahmen-von-weidepflicht-20014197.html).
Die vergangenen Milchpreiskrisen sind bei vielen Betrieben noch nicht
überwunden (www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/agrarmaerkte/entwicklunge
n-milchmarkt-de.html).
Neue Tierkrankheiten bedrohen die Milchviehbetriebe und sorgen für steigende
Kosten (www.topagrar.com/rind/news/ausnahmeregelung-soll-btv3-impfunge
n-ermoglichen-20012042.html).
Die volatilen Milchmärkte führen auch bei den privaten Molkereien in
Deutschland zu Anpassungsprozessen (www.topagrar.com/rind/news/privatmol
kereien-diskutieren-uber-bessere-marktprognosen-und-milchuntersuchung-200
13586.html).
Gleichzeitig ist auf europäischer Ebene ein weiterer Konzentrationsprozess bei
den Molkereien und den Milchviehhaltern zu verzeichnen (www.agrarheut
e.com/tier/rind/quote-milchkuhbestand-geht-leicht-zurueck-445014. www.topa
grar.com/rind/news/warum-die-fusionsplane-fur-diskussionen-sorgen-a-200134
28.html).
Im schwierigen Marktumfeld fordern wichtige Bauernorganisationen eine
Reform der Milchlieferbeziehungen durch den Artikel 148 der Gemeinsamen
Marktorganisation (GMO) (www.freiebauern.de/index.php/8-mitteilungen/543-
freie-bauern-weisen-raiffeisen-studie-zum-artikel-148-als-duerftig-und-tendenz
ioes-zurueck).
Europäische Mitbewerber expandieren für ihre Produktion bereits auf dem
internationalen Markt (www.topagrar.com/rind/news/molkerei-lactalis-weiter-a
uf-expansionskurs-20014325.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Anzahl der
zugelassenen Molkereien und Käsereien in den vergangenen 15 Jahren in
Deutschland in den einzelnen Bundesländern entwickelt hat, und sieht sie
aufgrund dieser Entwicklung einen Handlungsbedarf (bitte ggf. auch nach
Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die
Milchanliefermenge in den letzten 15 Jahren in den einzelnen Bundesländern entwickelt
hat (wenn ja, bitte nach Jahr und Bundesland angeben)?
3. Wie verteilen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Molkereien mit
konventioneller und Biomilchverarbeitung in Deutschland je Bundesland
nach Mitarbeiteranzahl in den vergangenen 15 Jahren (bitte nach
Kategorien weniger als 10 Mitarbeiter, 10 bis 50 Mitarbeiter, 51 bis 250
Mitarbeiter, 251 bis 750 Mitarbeiter, 751 bis 1 000 Mitarbeiter, mehr als
1 000 Mitarbeiter aufschlüsseln)?
4. Erkennt die Bundesregierung die Gefahr einer neuen Milchmarktkrise in
Deutschland, und wenn ja, sieht sie aufgrund der vergangenen
Entwicklungen einen zukünftigen Handlungsbedarf (www.topagrar.com/rind/new
s/bdm-wir-baden-aus-was-die-politik-versaeumt-13394200.html)?
5. Beabsichtigt die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, um die
Direktvermarktung von regional, erzeugter Milch zu erleichtern und zu fördern
(www.topagrar.com/perspektiven/news/eigene-hofmolkerei-reizt-befragt
e-milchviehhalter-aber-das-spricht-dagegen-20012855.html)?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
6. Gibt es vonseiten der Bundesregierung Überlegungen, wie die Schließung
von Molkereien in ländlichen Regionen durch Anreize oder
Förderprogramme verringert werden kann, und wenn ja, welche?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, Schritte zu unternehmen, um eine
gleichmäßige Verteilung der kleineren Molkereien in Deutschland für eine
flächendeckende, regionale Milchvermarktungsmöglichkeit
sicherzustellen?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
8. Beabsichtigt die Bundesregierung, Schritte zu unternehmen, um den
bürokratischen Aufwand für kleine und mittlere Molkereien zu reduzieren,
ohne die dabei erforderlichen Standards zu gefährden?
9. Gibt es vonseiten der Bundesregierung Überlegungen, wie die
Wettbewerbsbedingungen für kleine und mittlere Molkereien verbessert werden
können, und wenn ja, welche?
10. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen, um die Marktmacht von
großen und internationalen Molkereikonzernen in Deutschland
einzuschränken und den nach Ansicht der Fragesteller fairen Wettbewerb im
Bereich der Milchproduktion und Milchverarbeitung zu sichern?
11. Gibt es vonseiten der Bundesregierung Überlegungen, wie die
Wettbewerbsbedingungen für kleine und mittlere Molkereien im Milchsektor
verbessert werden können, und wenn ja, welche?
12. Wie positioniert sich die Bundesregierung zur Forderung wichtiger
Milchbauernverbände nach Einführung des Artikels 148 der gemeinsamen EU-
Marktordnung mit vertraglicher Vereinbarung über Preis, Menge, Qualität
und Lieferdauer vor der Rohmilchhablieferung?
13. Wie stellt sich die Bundesregierung die Zukunft der Milchproduktion und
Milchverarbeitung in Deutschland vor, insbesondere im Hinblick auf die
regionale Erzeugung und Verarbeitung von Milch?
Berlin, den 4. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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